Wien. Die Nachricht sorgt bei den Betroffenen vielleicht für ein bisschen Erleichterung: Im Wiener Stadthallenbad wurden gestern, Donnerstag, die unterbrochenen Bauarbeiten teilweise wieder aufgenommen. „In den nächsten Tagen werden Fliesenleger, Schlosser und Installateure ihrer Arbeit nachgehen“, sagt Susanne Hofmann, die neue Geschäftsführerin der Stadthalle.
An den undichten Schwimmbecken, derentwegen der Baustopp und eine gerichtliche Beweissicherung beantragt wurde, werde aber nicht weitergearbeitet. Denn noch hat die gerichtliche Beweissicherung nicht stattgefunden. „Es ist davon auszugehen, dass die Sachverständigen in den nächsten ein bis zwei Wochen bestellt werden“, heißt es in einer Aussendung. Im Moment warte man, dass die örtliche Bauaufsicht, der Generalplaner und die betroffenen Firmen eine Stellungnahme abgeben.
Kampf ums Wasser
Die Sportvereine und -schulen, die wegen der Sanierung nicht ins Stadthallenbad können, warten jedenfalls schon ungeduldig auf die Wiedereröffnung. „Für mich ist die Schließung existenzbedrohend, weil wir nirgends in Wien den praktischen Teil durchführen können“, sagt etwa Tauchlehrer Peter Käferböck von „Tauchsport Adria“. Ihm gehört eine der rund sechs Tauchschulen, die vor der Sanierung im Stadthallenbad Tauchunterricht gaben. „Wir hätten uns im Amalienbad einmieten können, aber das war finanziell untragbar.“ Tatsächlich fehlen mit der Sperre des Stadthallenbades sowohl leistbare Schwimmbäder als auch ideale Räumlichkeiten.
So sind viele Sportler auf ein tiefes Becken oder eine 50-Meter-Bahn angewiesen. Und die gibt es im Moment nur im mit einer Traglufthalle überdachten Stadionbad. Dort wird um jede Minute Trainingseinheit gestritten: „Es ist eine Katastrophe“, sagt Andrea Würz, Präsidentin des Wiener Tauchverbandes. „Wir haben in diesem Jahr EM und WM im Flossen- und Langstreckentauchen, aber wir können nicht genug und nur zu unmöglichen Zeiten trainieren.“ Die Trainingszeiten im Stadionbad werden vom Österreichischen Schwimmverband vergeben. Dass Spitzenschwimmer wie Dinko Jukic Vorrang haben, scheint selbstverständlich. Aber selbst der sucht einen Trainingsplatz im Ausland. „Wie sollen wir so unsere Leistung halten?“, fragt Würz.
Auch im Schwimmverband ist man mit der Situation nicht glücklich. „Turmspringer müssen zum Training bis nach Berlin fliegen“, sagt Generalsekretär Thomas Gangel. Während der Woche trainieren sie unter schlechten Bedingungen im Ottakringer Bad. 2012 ist übrigens das Jahr der Olympischen Sommerspiele.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)
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