Wien. Lang währte die Ruhe im AKH nicht. Erst vor zwei Monaten, Ende 2011, schienen die Proteste der Ärzte besänftigt. Am Dienstag aber haben zahlreiche Ärzte abermals für gut eine Stunde ihre Arbeit niedergelegt und eine Betriebsversammlung abgehalten. Der Rektor der Medizinischen Uni Wien, Wolfgang Schütz, habe seine Sparpläne präzisiert, sagt Thomas Szekeres, der Vorsitzende des Ärzte-Betriebsrates.
Es gebe einen Aufnahmestopp, seit 2011 seien so schon 100 Stellen eingespart worden. Bis 2013 sollen demnach in Summe 180 Dienstposten nicht nachbesetzt werden bzw. nicht verlängert werden. In der MedUni spricht man von 74 Vollzeit-Equivalenten.
Die Finanzlücke belaufe sich heuer – so die Erwartungen der Ärztevertreter – auf 12 Mio. Euro. „Auch in den Budgets für 2012 bis 2015 gibt es eine Unterdeckung. Heuer gibt es einen Vorgriff auf das Budget von 2013, damit die Journaldienste nicht reduziert werden müssen. Auch bei Nachtdiensten sollen 14,3 Prozent eingespart werden“, so Szekeres. Die MedUni, der Dienstgeber der Ärzte, wolle diese Sparziele erreichen, ohne die Leistungen einzuschränken. Der Betriebsrat hält das für unrealistisch. „Die Arbeit verdichtet sich laufend, der Leistungsumfang kann nicht erhalten werden, wenn das Personal reduziert wird“, sagt Szekeres. Die Ärzte würden im Schnitt bereits 60 Stunden pro Woche arbeiten, an die 60 Prozent der Wiener Ärzte seien einer Studie der MedUni Graz nach von Burnout zumindest gefährdet.
Noch kein Streik geplant
Trotz der neuerlichen Versammlung, ein Streik ist nicht geplant. „Vorerst geht es darum, zu informieren“, sagt Szekeres. Die Versammlung der Ärzte habe den Betrieb im AKH nicht beeinträchtigt. Der oberste Ärzte-Betriebsrat spricht aber von einer „große Entschlossenheit“ der Ärzte, die Sparpläne, so wie angekündigt, zu bekämpfen. Als letzte Option sei auch ein Streik nicht vom Tisch.
Ende Dezember schien es nach langen Protesten so, als könnten die Sparmaßnahmen abgewendet werden. Der Bund gewährte der MedUni eine „Überbrückungshilfe“, wie es hieß. Die Finanzierung der Journaldienste sollte bis zum Sommer 2013 gesichert sein. „Die Situation heute ist ident mit jener im Dezember“, sagt Szekeres. Die Überbrückungshilfe sei bloß ein Vorgriff auf künftige Budgets. Die geplante Einstellung von 28 Nachtdienst-Rädern sei zurückgenommen worden, das sei nur eine „temporäre Lösung.“
Statt die Journaldienste zu streichen, habe der Rektor neue Dienstzeit-Modelle in den Raum gestellt, sagt Szekeres. Etwa Rufbereitschaften. „Das heißt, ein Arzt wäre zuhause und wird angerufen, wenn man ihn braucht. Das ist weit billiger, aber risikoreich. Etwa, wenn ein Oberarzt im Notfall erst aus dem 23. Bezirk kommen muss“, sagt Ingwald Strasser, der stellvertretende Betriebsrats-Vorsitzende.
MedUni-Rektor Schütz lässt in einem Statement ausrichten, dass eine „grundsätzliche Reform“ der ärztlichen Nacht- und Wochenenddienste in Angriff genommen werde. Er sei zuversichtlich, dass die laufenden Gespräche über eine gemeinsame Betriebsführung zwischen Stadt, AKH und Ministerium zu klaren Leistungsdefinitionen führen würden, so Schütz.
Derzeit finanziert die Stadt das Spital, die Ärzte werden über die MedUni vom Bund bezahlt. Derzeit wird über eine Reform des Modells verhandelt, etwa eine gemeinsame Betreibergesellschaft, die von Bund und Stadt finanziert wird.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2012)
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