Energie 2.0: Wiens langer Weg zum Ökostrom

20.03.2012 | 18:21 |  MAGDALENA KLEMUN (Die Presse)

Eine Wende ist es noch nicht, aber kleine Schritte. Mehr Windkraftanlagen im Stadtgebiet, mehr Fotovoltaik und Geothermie. Eine Zwischenbilanz der jungen Energieplanungs-Magistratsabteilung Maria Vassilakous.

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Wien. Wie kann eine Magistratsabteilung mit neun Mitarbeitern die Energieversorgung einer Großstadt verändern? Diese Frage steht im Raum, seit Wien im Herbst mit der MA20 eine Abteilung für Energieplanung gründete – und sich das ehrgeizige Ziel setzte, bis 2030 die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen zu gewinnen.

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Derzeit ist es in Wiener Stromerzeugungsanlagen weniger als halb so viel – in der Stromerzeugung der Wien-Energie nur elf Prozent. Zum Vergleich: Bei den Münchner Stadtwerken, die länger in Ökostrom investieren, ist der Anteil ungefähr doppelt so hoch. Eine erste Antwort auf die Frage nach dem Ökostrom kommt aus Transdanubien: Auf Freiflächen neben den Gaskraftwerken Donaustadt und Leopoldau entstehen bis zum Sommer zwei Fotovoltaikanlagen des Bürgersolarkraftwerks, das die MA20 mit Wien-Energie plante.

Gemeinsam können die Anlagen zwar nur einen Bruchteil des Stroms ihrer Nachbarn liefern – dafür ermöglicht ein Beteiligungsmodell jene Bürgernähe zum Strom Marke „Öko“, den sich vor allem der grüne Teil der Stadtregierung vorstellt. Und scheinbar auch einige Konsumenten: Eine Woche nach Verkaufsstart waren alle Paneele ausverkauft, deren Verkaufspreis mit 3,1Prozent Rendite vergütet wird. Insgesamt sollen 2012 vier Anlagen ans Netz gehen – verkauft wird die dritte Anlage nicht vor Mai, der Ort wird noch verhandelt (Hafen Wien oder Liesing).

 

Energie aus dem Gemeindebau

Nebenbei will die Wien-Energie auch Anlagen auf Wohnbauten forcieren – eine solche wird im Sommer auf einem Gemeindebau in Liesing montiert. Allerdings nicht, um den Eigenstrombedarf der Bewohner zu decken: Die Wien-Energie speist den Strom ins Netz ein und profitiert von Einspeisetarifen, den Bewohnern schenkt man als Gegenleistung für die Fläche den Strom für die Außenbeleuchtung. Gespräche für weitere, ähnliche Projekte sind im Laufen.

Zumindest der Lauf der Dinge im Fall Bürgersolarkraftwerk ist dabei beispielhaft für die Rolle, in der sich die MA20 und ihr Leiter, der Umweltökonom Bernd Vogl, sehen: Jener des Vermittlers zwischen unterschiedlichen Akteuren der Energieplanung – ein Ideengeber also, ohne eigenen finanziellen Spielraum. „Wir sind darauf angewiesen, dass andere mitmachen, es geht um Kommunikation“, so Vogl. Mitmachen, das tut vor allem die österreichische Energieagentur, die im Auftrag der MA20 eine Studie über das Potenzial erneuerbarer Energieträger in Wien erstellt, die Ende des Jahres fertig sein soll.

Schon vorher sind Ergebnisse einer anderen Kooperation sichtbar – auch wenn sie gar nicht allzu offensichtlich sein sollen: Gemeinsam mit der MA19 (Architektur und Stadtgestaltung) habe man sich laut Vogl auf eine sanfte Strategie zum Thema Kleinwindkraft verständigt. Konkret: Abseits historischer Bausubstanz, über der Donau und im Süden der Stadt, sollen künftig kleine Windkraftanlagen auf Dächern leichter genehmigt werden, „wenn es architektonisch halbwegs passt“, so Vogl. Gerade die ästhetische Integration der Anlagen sei, trotz steigenden Interesses, nicht immer Usus – ein Antrag für die DC-Towers in der Donaucity wurde deshalb abgelehnt. Ein anderer ging durch: Auf dem Bürogebäude Energybase in Floridsdorf steht seit Februar Wiens erste Kleinwindkraftanlage ihrer Art: Durch speziell angeordnete Rotorblätter und eine vertikale Drehachse kann die Anlage auch die Energie turbulenterer Luftströmungen, wie sie häufig über die urbane Dachlandschaft hinwegziehen, in Strom umsetzen. Der Betreiber, die Wirtschaftsagentur Wien, will mit der Pilotanlage weitere Möglichkeiten evaluieren. Eine ähnliche Anlage ist beim (im Bau befindlichen) Bürokomplex Green Worx in der Leopoldstadt geplant, weitere Anlagen sind, so Vogl, zu erwarten.

 

Wiens heiße Zukunft: Geothermie

Während die leistungsarmen Windkraftanlagen auf Dächern vor allem der Bewusstseinsbildung dienen, will die Stadt ihr Energieprofil vor allem unter der Erde schärfen. Seit November laufen Bohrungen für ein Geothermie-Kraftwerk in Aspern, ab 2014 soll es 40.000 Wohnungen Fernwärme liefern. Das Potenzial wird größer geschätzt und könnte in puncto Strom eine indirekte Rolle spielen: Derzeit werden Gaskraftwerke auch betrieben, wenn weniger Strom als Fernwärme benötigt wird. Wien-Energie-Sprecher Christian Ammer: „Wenn Geothermie funktioniert, könnten wir weniger Gas verfeuern und mehr Strom aus erneuerbaren Quellen zukaufen.“

Bei der Biomasse plant die MA20 derzeit keine neue Initiative – auch, weil sie nicht unbegrenzt verfügbar ist: Zwischen einem und zehn Prozent des Holzes für das Biomassekraftwerk Simmering muss schon jetzt aus der Slowakei und Tschechien geliefert werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2012)

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16 Kommentare

Der lange Weg

und alles wird wieder teurer. Das kennen wir schon. Heute wird alles dass, mit Öko- oder Bio- beginnt, viel teurer. daran wird auch "Wienr Wohen" nichts ändern. Die wollen nur alles teuerer machen.
http://wp.me/ppWn1-m
http://wp.me/ppWn1-I
http://wp.me/ppWn1-L

Gast: Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar
21.03.2012 13:25
4

Der Öko-Schmäh!

Windkraft, PV sind keine konstanten Energielieferanten.

Biomasse braucht immense Agrarflächen, Spritzmittel und Dünger inklusive.

Wasserkraft bedeutet Eingriffe in Gewässer.

Abgesehen davon: Die Investitionen rechnen sich nach x- Jahren, falls überhaupt. Öko ist teuer und teilweise unproduktiv.

Die Rahmenbedingungen sind sowieso ein Witz. Jedes Bundesland hat eigene Normen und Gesetze, NÖ zB 2011 die direkte Förderung von PV aufgehoben.

Entweder die ökologische Stromerzeugung wird seriös angegangen oder Hausbesitzer und Industrie/ Hersteller pfeifen drauf!

Endlich sind die Wiener draufgekommen

Dass kalorische Kraftwerke (Öl, Gas, ) extrem teuer sind, und auf Dauer nur die Abkopplung von externen Energielieferanten und die Dezentralisierung der Energieversorgung ein wirtschaftliches Überleben erlaubt.

Was mich noch ein bißchen irritiert, vielleicht ist es einfach nicht zur Sprache bekommen:

Über Heizen wurde nur in Bezug Geothermie geredet. Da sehe ich durch Solare Alternativen noch mehr Chancen zu Sparen und die Kosten zu drücken. Solaranlagen auf dem Dach und wenn man es den Münchner nachmachen will: Solare Nahwärme.

Vielleicht springt mal eine Genossenschaft über ihren Schatten und schaut nicht nur auf die Baukosten sondern auch auf die Betriebskosten.

Geothermie ist nett, aber relativ aufwendig, im Verhältnis zu ein paar schwarzen Schläuchen, die sich über die Dächer schlängeln.

Gast: biersauer
21.03.2012 08:10
1

Ich kann schon sagen warum bisher Solarenergieanlagen..

in Wien unterdrückt werden, weil die Roten dieses Geschäft auf Kosten der Öffentlichkeit selber machen wollen, wie sich jetzt zeigt.
Da hat ein Privater, der das selber für sich machen möchte das Nachsehn.

Völlig unbegründete Euphorie in obigem Jubel-"Bericht":


Neben den hinlänglich bekannten Argumenten gegen Solarstrom in unseren Breiten (ausschließlich ideologisch kritiklose Grüne können in Anbetracht der jederzeit zu googelnden Kritiken daran noch jubeln):

1) Wie kommen wir alle dazu, mit unseren Strom-Gebühren den Solar-Wahnsinn der Rot-Grünen zu bezahlen, und den protegierten privaten grünen Stromerzeugern nicht nur die Errichtung ihrer Anlagen zu bezahlen, sondern ihnen zusätzlich noch zwangsweise zu horrenden Preisen den Strom abzukaufen, den ihre Anlagen außerhalb der Spitzenzeiten zu erzeugen geruhen? Ist dies alles gesetzlich korrekt? Kann's mir nicht vorstellen!

2) Im "Bericht" ist zu lesen, dass die Gemeinde Wien für unser aller schwer verdientes Geld Anlagen auf von uns bezahlten Gemeindebauten errichtet.

Statt den nebbich erzeugten Strom in den Anlagen selbst zum Verbrauch zu bringen, kauft sich die Gemeinde diese einzuspeisende Energie zu überhöhten Preisen ab, und schickt sie ins Netz, wo sie (zusätzlich noch) durch den Energieverlust auf den langen Leitungswegen zu 80 Prozent verloren gehen muss.

Bewegen sich die rotgrünen Herrschaften mit dieser seltsamen Vorgangsweise nicht wieder einmal in rechtlichen Grenzbereichen (sehr dezent ausgedrückt)?

Nota bene: Hat die Verfasserin obiger journalistischer Abstrusität nicht vielleicht ihren Beruf verfehlt? Bei der Presse-Abteilung Vassilakous wär sie sicher besser am Platz, als in der Redaktion einer unabhängigen Qualitätszeitung.

Antworten Gast: Dr. E
21.03.2012 10:09
0

Re: Völlig unbegründete Euphorie in obigem Jubel-"Bericht":

80% Verlust in den Leitungen?
Lustiger, beschäftige dich mal mit der Technik, bevor du da Sinnloses von Dir gibst...

Der Begriff

Ökostrom ist grüner Schwachsinn!

Aber von Ökologie haben die Grünen(innen) bekanntlich keine Ahnung.

Welcher Strom ist nicht ökologisch?

Es gibt auch physikalisch keine Erneuerbare Energie.

Alles nur lächerliche GRÜNE Polit-Schlagworte!

Gast: biersauer
21.03.2012 05:11
2

Auf wes Geistes Kompost diese Ideen wachsen,..

zeigt die Wirklichkeit in Wien.
EIn uralter nicht mehr gebrauchter Kaminkopf wurde vor 10 Jahren abgetragen um auf dieser Dachfläche nun eine Solarenergienutzung zu installieren.
Nun wurde ein Bauverfahren angestrengt, bei dem ein Bescheid zur Wiedererrichtung dieses Kamines nach dem wiener Baugesetz befohlen wurde und somit wird die SOlaranlage hinfällig und kann nicht mehr in WIen, sonder in NÖ errichtet werden.
Wien ist zum Negativ-Aushängeschild für Solarstrom geworden und rangiert an letzter Stelle in Österreich. Da kommen noch Buirgenland und Kärnten mit dreimal mehr Solaranlagen, weit vor Wien. So schauts aus!

Liebe Redaktion!

ich rege an, angesichts dieser unkritischen Werbeeinschaltung zur "grünen Zunkunft Wiens" ein wenig zu recherchieren, wer hier was wofür bezahlt, um die sachlichen Grundlagen dieses voll hippen Kapitalschwachsinns darzulegen.

Wes wirtschaftlichen Geistes grünrot ist, darauf sollte bereits die geniale Idee der "Vergütung eines
Verkaufspreis mit 3,1 Prozent Rendite" einen sachdienlichen Hinweis geben.

Gast: Steinewerfer
20.03.2012 23:04
0

"H-Rotor"

Mr. Google besorgt den Rest.

Bildet euch!

Re: "H-Rotor"

Habe ich mir überlegt.
Leider sind die Dinger schlechter als ihre Prospekte versprechen.

Dieses Jahr kommen bei den "herkömmlichen" einige Neuerungen (Düseneffekte, Nachläufer, ...). Die sind leistungsfähiger und weniger störanfällig, und vor allem induzieren sie kaum Schwingungen in die Baussubstanz, auf der das Zeug steht.

heute auf dem weg richtung burgenland

ist mir aufgefallen, dass es in der gegend enorm viele windkraft anlagen gibt

wenn man auf der A4 entlang fährt sieht man dutzende riesige windräder, von denen sich aber nur wenige drehen, die die sich drehen tun dies mit einer ordentlichen geschwindigkeit, andere die wenige meter daneben stehen drehen sich überhauptnicht, was darauf schließen lässt, dass sie abgeschalten sind

vermulich gibt es zu wenig leitungen um den strom nach wien zu transportieren, was jedoch kaum zu glauben ist, da ich in der unmittelbaren umgebung der anlage gleich 3 hochspannungsleitungen gezählt habe

Also scheint meines erachtens nach das ganze konzept nicht wirklich hinzuhauen

irgendwo muss da ein wurm drin sein, entweder gibt es beim transport richtung ballungsräume engpässe, oder es mangelt an einem geeigneten anschluss an den pumpspeicherkraftwerken in den alpen

wie dem auch sei, die regierung sollte den netzausbau und dne neubau von speichern beschläunigen, um so diese stromverschwendung abzustellen

Re: heute auf dem weg richtung burgenland

Eventuell sind dort auch Gebäude in der Nähe. Windkraftanlagen werden computergesteuert abgeschaltet, wenn der Schatten des Rotors auf Gebäude fällt, um Stroboskop-Effekte zu vermeiden. Daher stehen je nach Sonnengang manche Anlagen stundenweise still.

Antworten Gast: Otto F.Krammer
21.03.2012 05:19
3

Re: heute auf dem weg richtung burgenland

..genauso ist es, es fehlen Speicherkraftwerke.
50% der Windkraftanlagen stehen leer, weil der Strom im Augenblick der Erzeugung nicht verbraucht werden kann.
Nördlich der Donau um den Weinsberger Wald wäre die Möglichkeit von der Donau aus das Wasser auf eine Höhe von 900m in Speicherseen zu pumpen, aber es wird da nicht gemacht, weil offenbar niemand daran Interesse hat.

Gast: furchtbar kurzsichtig
20.03.2012 20:42
1

Kleinwindkraftanlagen und Photovoltaik

müssen wirklich nicht überall hinsubventioniert werden - sinnvoll ist das ganz sicher nicht.

Wie wäre es, wenn die Stadt die Gelder bündelt und an einem geeigneten Standort einen Windpark mit >2MW Anlagen hinstellt.
(oder ein ordentliches Car Sharing betreibt, oder die Stadt- E-Bike freundlicher gestaltet oder oder )

Re: Kleinwindkraftanlagen und Photovoltaik


Es ist NICHT Aufgabe des Staates oder einer Gemeinde, sich als Unternehmer zu betätigen!

Wohin das führt sehen wir jeden Tag!

Es reicht schon, was die Gemeinde Wien jetzt verbricht!


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