Architekturjuwel: Wirbel um das „Römische Bad“

Ein Architekturfotograf hat das alte Römische Bad aus dem 19. Jahrhundert in Wien-Leopoldstadt „wiederentdeckt“, und kämpft um den Denkmalschutz auch mit eine Facebook-Fangruppe.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Als das Römische Bad in Wien im Jahr der Weltausstellung 1873 eröffnet wurde, war von einer „Musteranstalt im besten Sinne des Wortes“ die Rede („Wiener Weltausstellungs-Zeitung“, August 1873). Nur geriet die „Musteranstalt“ innerhalb ihrer kurzen Lebensdauer bald in Verruf: Gerüchten zufolge soll es hier öfter zu Fahndungen gekommen sein – wegen homosexueller, sagen wir, Vorfälle.

Das Bad in der Leopoldstadt (Kleine Stadtgutgasse/Ecke Holzhausergasse) wurde im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerbombt. Übrig blieb eine Fata Morgana aus der Vergangenheit, bis der Architekturfotograf Michael Hierner das Römische Bad kürzlich „wiederentdeckt“ hat. Zunächst sei ihm ein Artikel aus dem Jahr 1874 in die Hände gefallen, erzählt Hierner; später habe er im Internet gesehen, dass Teile des ehemaligen Bades noch existieren. Ein Ausflug in das Innere des Objekts brachte dann die Überraschung: Die Säulen, die Wände, die Gewölbe sind noch gut erhalten.

Hierner hat anschließend recherchiert, ob das Gebäude unter Schutz steht. Dem war nicht so, daher wurde vor zwei Wochen die Facebook-Fangruppe „Rettet das Römische Bad“ gegründet, die mittlerweile über 1200 virtuelle Unterstützter zählt. Erklärtes Ziel: Denkmalschutz. „Die große Angst ist, dass das Gebäude abgerissen wird“, sagt Hierner – und kritisiert gleichzeitig das Bundesdenkmalamt, das kaum auf seine Anrufe und Anfragen reagiert hätte. Womöglich bestehe kein Interesse am Gebäude.

 

1300 Quadratmeter Opulenz

Vor vier Wochen, heißt es indessen aus dem Bundesdenkmalamt, sei man von der Existenz des Bades in Kenntnis gesetzt worden. Nun müsse man mit dem Eigentümer Kontakt aufnehmen, eine Begehung planen und wissenschaftliche Recherchen zu Bauzeit, Bedeutung usw. vorbereiten, sagt der Landeskonservator Wiens, Friedrich Dahm. Die Recherchen seien umfangreich, mit ersten Ergebnissen könne man in rund einem Monat rechnen. Wenn das Gebäude schutzwürdig ist, so Dahm weiter, „heißt das nicht, dass damit die Rückführung zu einem Bad garantiert ist“. Das Denkmalamt habe keinen Einfluss auf die Nutzung.

Eigentümer des Hauses sind die Heinrich Schmidberger Kunststoffwerke. „Hätte es beim Kauf die Debatte gegeben, ob das Gebäude unter Schutz stehen soll, hätte man das Haus nicht gekauft“, sagt ein Mitarbeiter. Damals sei das Objekt eine Ruine gewesen, nun vermiete man an verschiedene Firmen; die Flächen des ehemaligen Bades werden als Lagerfläche, Büro- und Schulungsräume genutzt. Eine „Rückführung“ als Bad komme nicht infrage, zumal die Mieter nicht plötzlich gekündigt werden können. Außerdem sei die (Teil-)Existenz des Römischen Bades hinlänglich bekannt gewesen.

Einer der Mieter ist das SHT Installateur Center, das hier in einem ehemaligen Baderaum einen Abholmarkt betreibt. Hier kann man die einstige Opulenz ungefähr erahnen: Das Römische Bad war insgesamt 1300 Quadratmeter groß und wurde mit Marmorsäulen, Mosaiken und Statuen geschmückt (Architekten: Heinrich Claus und Josef Groß). Es bot Platz für 400 Männer und 200 Frauen, „zum gleichzeitigen Gebrauch“, wie es in der „Weltausstellungs-Zeitung“ heißt, „selbstverständlich genau separirt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2012)

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