Deserteursdenkmal: Wien prüft Heldenplatz als Standort

20.04.2012 | 14:22 |   (DiePresse.com)

Die Gespräche mit dem Bund als Eigentümer werden aufgenommen. Vier weitere Plätze für ein Denkmal für Deserteure der NS-Wehrmacht bleiben als mögliche Alternative im Spiel.

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Für das projektierte Denkmal für Deserteure der NS-Wehrmacht in Wien ist die Lösung der Standortfrage am Freitag zumindest ein Stück näher gerückt: Die Stadt Wien prüft nun offiziell den Heldenplatz als möglichen Standort, hieß es aus dem Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S). Dafür sind allerdings noch Gespräche mit dem Bund als Eigentümer nötig. Das Areal wird von der dem Wirtschaftsministerium unterstellten Burghauptmannschaft verwaltet.

Daneben seien aber auch alle vier anderen, im Vorfeld zur Disposition gestandenen Plätze weiterhin im Spiel, betonte eine Sprecherin des Ressortchefs gegenüber der APA. Dabei handelt es sich um den Ballhausplatz, den Julius-Raab-Platz bei der Urania, den Grete-Rehor-Park zwischen Parlament und Justizpalast und die Roßauer Lände. Sie sind allesamt im Eigentum der Stadt.

Die Präferenz für den Heldenplatz ist in einer Sitzung jenes Gremiums gefallen, das mit der Konzeption des Deserteursdenkmals befasst ist. Diesem gehören Vertreter der rot-grünen Stadtregierung, des Personenkomitees "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz" und externe Fachleute an.

Ein "zäher Prozess"

Es sei ein "zäher Prozess", das Tempo sei "gemächlich", so Thomas Geldmacher, Obmann des Personenkomitees "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz". Deshalb habe man "große Sorgen", ob die für Ende 2013 anvisierte Eröffnung der Gedenkstätte zeitlich halten werde. Das Personenkomitee hatte sich in der Vergangenheit wiederholt für den Heldenplatz als Standort starkgemacht. Der Julius-Raab-Platz sowie die Roßauer Lände seien als Orte nicht "alltagsfähig", verwies Geldmacher etwa auf die dortige Verkehrs- und daraus resultierende Lärmbelastung.

Unabhängig von der endgültigen Standortwahl hat man sich auf das weitere formale Prozedere geeinigt. So wird die Realisierung vom KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) abgewickelt. Dort soll etwa auch entschieden werden, ob es für das Projekt eine internationale Ausschreibung oder einen geladenen Wettbewerb geben soll.

(APA)

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110 Kommentare
 
12 3

Preis Österreich / Grillparzer

Ich versteh schon die "Zähigkeit". Deserteur ist immer ein negativer Beigeschmack; da wird dann immer ein "in den Rücken fallen der Kameraden" mitschwingt, auch wenn es sich um eine Tat gegen ein Unrechtsregime handelt; denn in Österreich gibt es immer nur loyale Helden.... Loyal, ja unterwürfig , wer immer das ist, Hirn off. ich begrüße den Tag, an dem der erste Österreicher aufsteht und dabei so ist, wie Grillparzer das beschrieben hat. Ich glaube, ich werd das nicht mehr erleben...

Gast: Gast.Gast
23.04.2012 10:00
0

Wahlen ante portas

Der Deserteure des zweiten Weltkrieges wird nach einem halben Jahrhundert gedacht, rechtzeitig vor den Wahlen und einvernahmt durch die Linken, ganz im Sinne der political correctness. Warum sie ein paar Tage vor Kriegsende ihre Uniformen weggeworfen haben interessiert nicht, das Denkmal ist ihnen sicher. Es waren aber auch viele Nazis darunter, die rechtzeitig verschwinden wollten, aber wer wird da so kleinlich sein.

Gast: wassolls
21.04.2012 22:23
13

übrigends

Die Deserteure wollten ihr nacktes Leben retten, mit einem politischen Statment hatte das gar nichts zu tun, und diese im Nachhinein zu poltischen Gegnern von irgeneiner Ideologie zu betiteln ist bestenfalls saudumm

Antworten Gast: ungeliebter Heike
22.04.2012 19:52
5

übrigen-d-s

ist die typisch rechte Rechtsschreibung, die gehäuft bei den Anhängern einer besonders deutsch sein wollenden Ideologie auftritt. Bei denen sind die Sprachmängel als Parameter eine selbsterfüllende Prophezeiung, je mehr – desto deutscher, wie man hier liest.

Re: übrigen-d-s

was für ein arguments ..*staun

Gast: ungeliebter Heike
21.04.2012 19:48
13

Wie immer sind wir ein paar Jahre hinten,

in Deutschland war der gleiche Zinnober schon 1989 - beim 50. Gedenken an den Kriegsbeginn – als in Bonn am Friedensplatz das Denkmal für den unbekannten Deserteur aufgestellt werden sollte und nach dem Weg durch alle Instanzen auch aufgestellt wurde.
http://www.deserteur-denkmal.de/

DAGEGEN waren ein paar streng riechende hohe Offiziere der Bundeswehr und der Bürgermeister der Stadt Bonn als Behörde - DAFÜR war der Polizeipräsident der Stadt Bonn, der das Aufstellen des Denkmals als Teil eines Demonstrationszuges auf einem mobilen Tieflader genehmigte. Das Amtsmissbrauchsverfahren durch die Denkmalsgegner hat der Polizeipräsident vor dem BGH endgültig gewonnen.
Im Mai 1998 beschloss der Deutsche Bundestag ein Gesetz zur Rehabilitierung der Deserteue und eine symbolische Entschädigung der Überlebenden und ihrer Angehörigen.
Her mit dem Denkmal am Heldenplatz!

Deutschland ist nicht die Zertifizierungsstelle für den korrekten Umgang mit der NS-Vergangenheit und erlässt auch keine entsprechenden DIN-Normen.


Auch in Österreich sind die Wehrmachtsdeserteure bereits rehabilitiert und es geht jetzt nur mehr um die Frage eines Denkmals. Es mag sie zwar überraschen, aber Entscheidungen in Deutschland sind keine allgemeingültigen, absolute Verdikte, die keinen Widerspruch dulden und erheben nicht grundsätzlich den Anspruch über jeden moralischen Verdacht erhaben zu sein. Für Leute wie Sie ist eine deutsche Entscheidung quasi automatisch eine Richtlinie für politisch korrektes Verhalten, dem sich alle unterzuordnen haben.

Man kann auch außerhalb deutscher Denkmuster einen vernünftigen und akzeptablen Umgang mit seiner Vergangenheit finden und die Ablehnung eines (pauschalen) Denkmales für Deserteure ist dem nicht hinderlich.

Gast: hubert aus goisern
21.04.2012 19:25
8

so ist es richtig!

so ist es richtig! rot-grün tut endlich was, um die nazi-zeit aufzuarbeiten: umbenennen des ringteils und aufstellen des deserteursdenkmals!

weiter so! eure stimme habt ihr!

Gast: System
21.04.2012 16:27
18

Na wenn schon dann ein richtiges Denkmal für unsere linken Landesverräter!

Sie fördern den Islam, plündern die einheimische Bevölkerung aus, machen sie wehrlos und tauschen sie dann gleich auch noch aus!
Schnell in Denkmal für unsere linken Helden bevor der Wind sich dreht...

Antworten Gast: Akli
21.04.2012 18:30
12

Re: Na wenn schon dann ein richtiges Denkmal für unsere linken Landesverräter!

Und unser Steuergeld verschwenden die linken Brüder obendrein noch!!!

Linke Geschichtsschreibung und Political Correctness als Maulkorb

Nicht jeder Deserteur verdient sich eine Ehrung seiner Entscheidung und Tat durch ein Denkmal. Es mag hier sicherlich eine nicht unerhebliche Schnittmenge zwischen Deserteuren und Widerstandskämpfern geben, aber beide Gruppen sind sicherlich nicht deckungsgleich. Diese Unterscheidung hat auch nichts wie fälschlicherweise gerne von linker Seite und deren Apologeten behauptet wird mit „Problemen sich der eigenen Vergangenheit stellen zu wollen“ oder faschistischem Gedankengut zu tun, sondern mit der Wahrheit. Eine Verurteilung als Kameradenmörder im FPÖ-Stil ist zwar abzulehnen, aber ein Denkmal verdient sich nur derjenige, der aktiv am Widerstand gegen das NS-Regime teilgenommen hat und nur die Fahnenflucht zu ergreifen fällt wohl kaum unter den Tatbestand des Widerstandes. Im Endeffekt ist die Ablehnung eines solchen Denkmals für Deserteure nicht so sehr im Interesse des rechten Lagers oder des Kameradschaftsbundes sondern vielmehr der tatsächlichen Widerstandskämpfer.

Außerdem findet man unter den Deserteuren schließlich auch genügend Opportunisten aber auch überzeugte Nazis deren ausschließliche Motivation einzig und allein die sich abzeichnende Niederlage war und weshalb sich diese Wendehälse ein Denkmal verdienen ist wohl nicht nur mir ein Rätsel.

P.S. Der SPÖ-Mann Oliver Rathkolb soll also über die (vermeintlichen) rechten Altlasten von Straßennamen und Plätzen entscheiden? Ob er wohl auch Che-Guevara-Büste und Stalin-Gedenktafel entfernen will?

Gast: gmrgn
21.04.2012 13:49
18

alles mit gleichem Maßstab messen

Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die aus Gewissensgründen unter Lebensgefahr desertieren. Sie verdienen ein Denkmal, weil sie sich weigern, für sie untragbare Systeme zu unterstützen. Denkmäler für die im Krieg Gefallenen gibt es ja schon und soll es auch geben. Viele lehnten den Krieg aus innerster Überzeugung ab, trauten sich aber nicht, sich in irgendeiner Form dagegen zu wenden.

Ich möchte allerdings wissen, ob z.B. die Russen ihre Deserteure auch ehren sollen oder ob das politisch/ ideologisch weniger opportun ist. Weiters frage ich mich, warum Che Guevara- und Sichelhammer- T-Shirts an jedem Kirtagsstand zu kriegen sind, während Nazi-Symbole auf Kleidungsstücken verboten sind.

Gast: Ggrufti
21.04.2012 12:13
5

Vorschlag

Koennte man das Denkmal nicht mittels des Denkmalschutzes verhindern? Ich denke, dass auf diesen Platz ein haessliches modernes Denkmal hingehoert.

Wenn es nur eine Frage der Zeit und der politischen Verhältnisse ist, wann Soldaten mit einer eigenen moralischen Haltung geehrt werden, wird für General Entacher bald ein Reiterstandbild am Heldenplatz neben dem von Prinz Eugen stehen.

Ein Grund zur Vorfreude. Auf der Inschrift wird stehen: Ein Mann, der Österreich nicht aufgeben wollte und dafür gelitten hat. Den Namen Darabos wird niemand mehr hören wollen.

feldmarschall paulus

ein widerstandskämpfer-denkmal für paulus

Paulus haette es verdient............

wenn er sich gleich wieder aus dem kessel von stalingrad verabschiedet haette - so hat er den tod von sehr vielen soldaten mit auf dem gewissen..............

Gast: Storyteller
21.04.2012 11:09
24

I denk mal

Da sie nicht fähig und willig sind die Probleme die sie selbst verursacht haben zu erkennen und zu lösen. Müssen sie immer tiefer in der Vergangenheit herum stierln und glauben der Bevölkerung damit einen Berechtigungs und Arbeitsnachweis zu liefern. Die leben nur mehr ihre geDenkmal Phobie aus. Zu mehr reicht es bei denen nicht mehr.Die FPÖ wird ab nächstes Jahr viel zu tun haben, die ausufernde und schon pervertierte linke Gedenkerei wieder auf ein normales und vernünftiges Maß zu reduzieren.

Wurde aber auch Zeit

Wenn man weiß, warum der Platz so heißt, konnte man über die Namensgebung bisher als typisch Österreichische Realsatire lachen.

Endlich bekommt der Name Sinn!

Desertieren war damals alles andere als leicht, die Wahrscheinlichkeit zu überleben geringer, als in der Armee zu verbleiben. Auf ca. jeden 3. Soldat kam ein sog. "Kettenhund" (Feldpolizei, geheime Feldpolizei), die nicht erst bei Desertation, sondern bei Verdacht auf niedrige Kampfmoral exekutierten z.B. um Exempel zu statuieren.

Trotzdem haben sich einige zu diesem mutigen Schritt entschlossen, nicht weiter für das größte Unrechtsregime der dokumentierten Menschheitsgeschichte zu kämpfen. Den Feiglingen, die weiter machten gebührt meine Achtung nicht.

Ich hoffe, dass da nicht irgendein kleines Steinderl hingestellt wird, sondern ein den Heldenplatz überragendes Denkmal aufgestellt wird, dass die anderen Komiker der Geschichte dort so alt aussehen lässt, wie ihr Geist war.

Re: Wurde aber auch Zeit

Desserteure sind doch Verräter. Nichts anderes. Die spielen das eigene Land in die Hand des Feindes und gefährden ihre Kameraden. Auch wenn das eigene Regime verachtet wird, ist der Feind immer noch der größere Gegner. Das ist halt Krieg und das sind Männer.

Antworten Gast: Leider, Leider
21.04.2012 15:54
7

Re: Wurde aber auch Zeit

Sie sprechen von Feiglingen, wie nur jemand sprechen kann, der keine Ahnung hat. Hoffentlich kommen Sie nie in eine Situation wie sie tausende Soldaten ertragen haben; dann müssten sie nämlich beweisen, wie mutig sie sind.

Re: Wurde aber auch Zeit

Sie betreiben eine Verklärung der Geschichte und unterstellen Deserteuren pauschal ein höheres Interesse und Motiv. Desertation als politischer Widerstand und Schwächung eines verbrecherischen Regimes war aber nicht immer die primäre Motivation sich der NS-Kriegsmaschinerie zu entziehen. Überlebensinstinkt stand da wohl oft an erster Stelle. Das ist nur verständlich, aber verdient im Gegensatz zum tatsächlichen Widerstand kein Denkmal.

Außerdem befanden sich unter den Deserteuren auch Opportunisten und überzeugte Nazis die nur angesichts der Niederlage desertierten und diese Herrschaften die ursprünglich zur Machtergreifung der Nazis betrugen müssen wohl nicht geehrt werden.

P.S. Streng genommen wird Rudolf Hess mit seinem Englandflug wohl auch als Deserteur einzustufen sein.

Re: Wurde aber auch Zeit

Sie verwechseln da was mit der Roten Armee und ihren Politkommisaren.

Verräter verdienen kein Denkmal und lassen sich auch nicht durch Gutmenschen zu Helden hochstilisieren.

Re: Re: Wurde aber auch Zeit

Warum nicht?
Sie haben sich geweigert, weiter für einen Verbrecher als billiges Kanonenfutter in den Krieg zu ziehen.

Gast: Mailaths Privatschatulle
21.04.2012 11:01
18

Hinweis beim Kriegerdenkmal wäre angemessener.

Desertion war in der Regel eine höchstprivate Entscheidung eines Menschen unter Todesangst. Ich beurteile hier ebenso wenig wie ich mir erlaube Österreicher, die für Deutschland in den Krieg gezogen sind um weit außerhalb der deutschen Grenzen zu kämpfen, zu beurteilen.

Ein Denkmal ist eine öffentliche Beurteilung. Entweder wird hier pauschal gutgeheißen oder pauschal verurteilt oder ermahnt.

Im konkreten Fall wäre ein Hinweis darauf, welche persönlichen Nöte und Lebensentscheidungen jeder Krieg und v.a. das Kämpfenmüssen für (eigene und fremde) Unrechtsregime Menschen abverlangt, beim Grabmal des unbekannten Soldaten angemessen und ausreichend.

Weder Deserteure noch Soldaten sind mehrheitlich Helden. Sie sind Getriebene.

Antworten Gast: hubert aus goisern
21.04.2012 19:45
0

Re: Hinweis beim Kriegerdenkmal wäre angemessener.

wann sind denn österreicher für deutschland in den krieg gezogen? wir waren doch beides naziländer, die für denselben österreicher und dessen wahnsinnsideologie gekämpft haben, oder?
da jeder mensch mit einem hirn ausgestattet ist, soll er das doch auch verwenden. schließlich setzt auch ein großteil der autofahrer auf mehr eigeninitiative. nur beim militär soll plötzlich alles anders sein?

ein denkmal für desateure am HELDENplatz ist ein widerspruch

deserteure sind keine helden, sondern verräter!
Warum sollen jetzt wehrmachtssoldaten die für ihr vaterland gekämpft haben auf einmal weniger ehrenhaft sein, als die verräter die davongelaufen sind?

weil die deserteure verfolgt wurden und mit dem tode bestraft wurden?

das ist wohl kaum eine begründung, denn das selbe schicksal ereilte den alierten deserteuren auch, vorallem die SU war da wenig zimperlich, die würden aber niemals daran denken ihre deserteuren zu gedenken, und das obwohl stalins regim dem von hitler in grausamkeit um nichts nachstand!


 
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