Wien/Cim. Die Wiener Linien wachsen. Zu U-Bahn, Straßenbahn und Bus könnten bald Citybikes, Parkgaragen, Park-and-ride-Anlagen oder Carsharing-Autos kommen. Zumindest, wenn es um die Abrechnung geht. „Wir arbeiten derzeit intensiv an einer Mobilitätskarte“, sagt Alexandra Reinagl, die Geschäftsführerin der Wiener Linien. In der zweiten Jahreshälfte geht die Mobilitätskarte – so der Arbeitstitel – in die Pilotphase, kommen könnte sie am Jahresende oder 2013.
Diese Karte könnte dann zugleich als Netzkarte für die Wiener Linien und als Zugangskarte für Park-and-ride-Anlagen, Garagen oder Citybikes gelten. Auch Kooperationen mit Carsharing-Anbietern seien angedacht. Reinagl schwebt eine Karte, auch am Smartphone, vor, bei der man online verschiedene Optionen buchen kann. „Der Preis ist bekanntlich nicht das erste Kriterium für den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr, wir müssen andere Hürden abbauen.“
Teuerste Fahrt kostet 100 Euro
Schon ab der Tarifreform, die mit 1.Mai in Kraft tritt, kann man Verkehrsmittel leichter kombinieren. So kostet es fortan nicht extra, das Fahrrad in der U-Bahn mitzunehmen. Der Preis für eine Jahreskarte wird mit 1.Mai von 449 auf 365Euro gesenkt, eine Monatskarte wird 45, eine Wochenkarte 15 und ein Einzelfahrschein zwei Euro kosten. Empfindlich teurer wird Schwarzfahren – die Strafe steigt von 70 auf 100 Euro.
Die günstigeren Tickets schmälern die Einnahmen der Wiener Linien. Reinagl erwartet, dass der Kostendeckungsgrad von bisher 60 auf etwa 55 Prozent sinken wird. Die Zahl der verkauften Jahreskarten werde durch die Tarifreform von etwa 390.000 auf etwa 400.000 steigen, dafür dürften dann weniger Wochen- und Monatskarten verkauft werden. Wie groß das Defizit durch die Tarifreform sein werde, könne man aber noch nicht genau sagen, schließlich sind die genauen Verlagerungseffekte unklar. Sicher ist: Vorerst wird das Defizit durch Steuergeld ausgeglichen. Die Stadtregierung habe zugesichert, dass die Investitionen nicht aufgrund der geringeren Einnahmen zurückgefahren werden, sagt Reinagl. Heuer zumindest, denn eine entsprechende Vereinbarung zwischen Stadtregierung und Wiener Linien müsse jedes Jahr neu verhandelt werden.
Auch die neuen Tarife bleiben nur 2012 sicher so. Künftig sollen die Preise regelmäßig nach einem Index erhöht werden. Wann und in welcher Höhe das sein wird, ist unklar. „Aber nicht heuer, das kann ich garantieren“, sagt Reinagl. Und: Es werde nicht so sein, dass man die Vergünstigung in drei Jahren nicht mehr spüre.
Pickerlzonen so gut wie fix
Während der öffentliche Verkehr in einer Woche billiger wird, wird Parken ab Oktober in einigen Bezirken teurer. Nach wochenlangen Verhandlungen steht beinahe fest, wo die Grenzen der Pickerlzonen verlaufen werden. Meidling und Rudolfsheim-Fünfhaus führen das Pickerl so gut wie flächendeckend ein. Hernals, Penzing und Ottakring wollen nur teilweise Gebührenzonen festlegen (siehe Grafik). Offiziell werden die Pickerlzonen am Montag fixiert.
Die Opposition protestiert schon jetzt: Die FPÖ spricht von „Trottelei“, die ÖVP ortet „Chaos“ in der Parkraumbewirtschaftung. Dieser Wortwahl – „Chaos“ – schließt sich der ÖAMTC an, er sieht eine einmalige Chance auf ein Modell mit abgestuften Tarifen und flexibleren Zeiten vertan.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2012)
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