AKH: Beamtin seit 2008 im Krankenstand

Mehrere Jahre schon ist eine Gemeindebedienstete im AKH im Krankenstand. Nun flog auf: Nebenbei betreibt sie zwei Privatpraxen für Psychotherapie in Wien und Innsbruck.

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Symbolbild AKH – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Wien. Vor wenigen Wochen sorgten die Privatgeschäfte des Hormonspezialisten und FP-Mandatars Peter Frigo an der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde für Ärger. Weitere Recherchen zeigen, dass ein anderer Fall von Nebenbeschäftigungen die Mitarbeiter des Hauses schon viel länger beschäftigt. Und erneut die Frage aufwirft, wie viel Schutz Beamte an ihrem Arbeitsplatz nötig haben.

Es geht um eine Frau, die seit 2008 fast durchgängig im Krankenstand ist. Bei Vorliegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung ist das kein Problem. Allein: Bis auf den Magistrat glaubt ihr kaum jemand. Unter anderem auch deshalb nicht, weil die 39-Jährige „nebenbei“ zwei Privatpraxen für Psychotherapie betreibt. Und zwar in Wien und Innsbruck.

Auch sonst war die Frau trotz ihrer angeblichen Beschwerden in den vergangenen Jahren hochaktiv. Mehreren Medien gab sie Interviews zum Thema Psychotherapie, fast zeitgleich mit dem Beginn ihres Krankenstands trat sie eine wichtige Funktion in einer SPÖ-Teilorganisation an. Wie all das zusammenpasst?

Telefonische und schriftliche Anfragen für eine Stellungnahme ließ die AKH-Bedienstete unbeantwortet. Aufschlussreicher ist ein jahrelanger Schriftverkehr ihrer Vorgesetzten mit dem AKH und dem Krankenanstaltenverbund (KAV). Er liegt der „Presse“ vor.

Seit 2007 hat die Frau einen Dienstposten als Kanzleikraft in einer Abteilung der Frauenklinik (auf die genaue Beschreibung wird an dieser Stelle aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes verzichtet; Anm.). Ihre Chefs suchten damals aufgrund der Stations-Anforderungen ausdrücklich nach jemandem, der, zusätzlich zu den Basisqualifikationen, eine therapeutische Zusatzausbildung vorweisen konnte. Bald begann der Ärger. 2008 war die Frau 47 Tage im Krankenstand, 2009 dann 337. Seit 2010 ist sie permanent arbeitsunfähig, und zwar wegen – wie im Personalakt vermerkt ist – „Kreuzschmerzen“ und einer Sehnenscheidenentzündung. Für ihren Abteilungsleiter – immerhin ein prominenter Arzt und Universitätsprofessor – war die Argumentation „nicht nachvollziehbar“. Und schon gar nicht der Umstand, dass die Frau trotz Krankheit nebenbei privat ordinierte. So schrieb er es dem damaligen AKH-Personalchef Friedrich Eisenbock.

„Ansteigende Demotivation“

Erst fast ein Jahr später kam dessen Antwort. Demnach bestätige ein amtsärztliches Gutachten die Arbeitsunfähigkeit der Frau, die wegen ihrer Erkrankung nur „fallweise“ für „Fein- und Grobarbeiten“ einsetzbar sei.

2011 startete die unter Personalnot leidende Uniklinik den nächsten Versuch, den durch die dauerkranke Praxisbetreiberin besetzten Dienstposten zu ersetzen. Sowohl das AKH als auch KAV-Direktor Wilhelm Marhold wurden von „ansteigender Demotivation“ unter den verbliebenen Mitarbeitern unterrichtet. Die Antwort? Man könne nichts tun. Anfang 2012 wiederholte sich der Vorgang. Dieses Mal stellte Marhold eine Versetzung der Betroffenen in Aussicht. Der dringend benötigte Dienstposten werde jedoch nicht freigegeben.

Und heute? Aus dem KAV heißt es, dass man sich Dauerkrankenstände (als solche gelten – je nach Begründung – Abwesenheiten ab sechs Wochen oder 60 Tagen) selbstverständlich genau ansehe. Im konkreten Fall habe es mehrere Gespräche mit der Betroffenen gegeben. Als öffentlicher Arbeitgeber und Gesundheitsbetrieb habe man sich jedoch selbst eine besondere Fürsorge für Mitarbeiter auferlegt. Die Uniklinik für Frauenheilkunde hat für derart langwierige Verfahren kein Verständnis. Vorstand Peter Husslein kritisiert, dass der KAV bei Nachbesetzungen sehr oft auf Zeit spielen würde. „Man sucht dort so lange nach Ausreden, bis die andere Seite aufgibt.“

Im konkreten Fall endete die Geschichte so: Nachdem „Die Presse“ Anfang dieser Woche offiziell im AKH anfragte, änderte sich die Situation schlagartig. Die dauerkranke Beamte wird mit 1. Mai unbezahlten Urlaub antreten. Freiwillig. Ihr Dienstposten ist nun frei.

Auf einen Blick

Eine Bedienstete im Wiener AKH ist seit 2008 fast permanent in Krankenstand. Trotzdem betreibt sie nebenher zwei Privatpraxen für Psychotherapie. Und zwar in Wien und in Innsbruck. Ihre Vorgesetzten versuchen seit Jahren, den von der Frau blockierten Dienstposten ersetzt zu bekommen. Erfolglos. Als „Die Presse“ anfragte, ging es plötzlich schnell: Die Betroffene wechselt mit 1. Mai in den unbezahlten Urlaub.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2012)

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