AKH: Beamtin seit 2008 im Krankenstand

25.04.2012 | 16:31 |  Von Andreas Wetz (Die Presse)

Mehrere Jahre schon ist eine Gemeindebedienstete im AKH im Krankenstand. Nun flog auf: Nebenbei betreibt sie zwei Privatpraxen für Psychotherapie in Wien und Innsbruck.

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Wien. Vor wenigen Wochen sorgten die Privatgeschäfte des Hormonspezialisten und FP-Mandatars Peter Frigo an der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde für Ärger. Weitere Recherchen zeigen, dass ein anderer Fall von Nebenbeschäftigungen die Mitarbeiter des Hauses schon viel länger beschäftigt. Und erneut die Frage aufwirft, wie viel Schutz Beamte an ihrem Arbeitsplatz nötig haben.

Es geht um eine Frau, die seit 2008 fast durchgängig im Krankenstand ist. Bei Vorliegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung ist das kein Problem. Allein: Bis auf den Magistrat glaubt ihr kaum jemand. Unter anderem auch deshalb nicht, weil die 39-Jährige „nebenbei“ zwei Privatpraxen für Psychotherapie betreibt. Und zwar in Wien und Innsbruck.

Auch sonst war die Frau trotz ihrer angeblichen Beschwerden in den vergangenen Jahren hochaktiv. Mehreren Medien gab sie Interviews zum Thema Psychotherapie, fast zeitgleich mit dem Beginn ihres Krankenstands trat sie eine wichtige Funktion in einer SPÖ-Teilorganisation an. Wie all das zusammenpasst?

Telefonische und schriftliche Anfragen für eine Stellungnahme ließ die AKH-Bedienstete unbeantwortet. Aufschlussreicher ist ein jahrelanger Schriftverkehr ihrer Vorgesetzten mit dem AKH und dem Krankenanstaltenverbund (KAV). Er liegt der „Presse“ vor.

Seit 2007 hat die Frau einen Dienstposten als Kanzleikraft in einer Abteilung der Frauenklinik (auf die genaue Beschreibung wird an dieser Stelle aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes verzichtet; Anm.). Ihre Chefs suchten damals aufgrund der Stations-Anforderungen ausdrücklich nach jemandem, der, zusätzlich zu den Basisqualifikationen, eine therapeutische Zusatzausbildung vorweisen konnte. Bald begann der Ärger. 2008 war die Frau 47 Tage im Krankenstand, 2009 dann 337. Seit 2010 ist sie permanent arbeitsunfähig, und zwar wegen – wie im Personalakt vermerkt ist – „Kreuzschmerzen“ und einer Sehnenscheidenentzündung. Für ihren Abteilungsleiter – immerhin ein prominenter Arzt und Universitätsprofessor – war die Argumentation „nicht nachvollziehbar“. Und schon gar nicht der Umstand, dass die Frau trotz Krankheit nebenbei privat ordinierte. So schrieb er es dem damaligen AKH-Personalchef Friedrich Eisenbock.

„Ansteigende Demotivation“

Erst fast ein Jahr später kam dessen Antwort. Demnach bestätige ein amtsärztliches Gutachten die Arbeitsunfähigkeit der Frau, die wegen ihrer Erkrankung nur „fallweise“ für „Fein- und Grobarbeiten“ einsetzbar sei.

2011 startete die unter Personalnot leidende Uniklinik den nächsten Versuch, den durch die dauerkranke Praxisbetreiberin besetzten Dienstposten zu ersetzen. Sowohl das AKH als auch KAV-Direktor Wilhelm Marhold wurden von „ansteigender Demotivation“ unter den verbliebenen Mitarbeitern unterrichtet. Die Antwort? Man könne nichts tun. Anfang 2012 wiederholte sich der Vorgang. Dieses Mal stellte Marhold eine Versetzung der Betroffenen in Aussicht. Der dringend benötigte Dienstposten werde jedoch nicht freigegeben.

Und heute? Aus dem KAV heißt es, dass man sich Dauerkrankenstände (als solche gelten – je nach Begründung – Abwesenheiten ab sechs Wochen oder 60 Tagen) selbstverständlich genau ansehe. Im konkreten Fall habe es mehrere Gespräche mit der Betroffenen gegeben. Als öffentlicher Arbeitgeber und Gesundheitsbetrieb habe man sich jedoch selbst eine besondere Fürsorge für Mitarbeiter auferlegt. Die Uniklinik für Frauenheilkunde hat für derart langwierige Verfahren kein Verständnis. Vorstand Peter Husslein kritisiert, dass der KAV bei Nachbesetzungen sehr oft auf Zeit spielen würde. „Man sucht dort so lange nach Ausreden, bis die andere Seite aufgibt.“

Im konkreten Fall endete die Geschichte so: Nachdem „Die Presse“ Anfang dieser Woche offiziell im AKH anfragte, änderte sich die Situation schlagartig. Die dauerkranke Beamte wird mit 1. Mai unbezahlten Urlaub antreten. Freiwillig. Ihr Dienstposten ist nun frei.

Auf einen Blick
Eine Bedienstete im Wiener AKH ist seit 2008 fast permanent in Krankenstand. Trotzdem betreibt sie nebenher zwei Privatpraxen für Psychotherapie. Und zwar in Wien und in Innsbruck. Ihre Vorgesetzten versuchen seit Jahren, den von der Frau blockierten Dienstposten ersetzt zu bekommen. Erfolglos. Als „Die Presse“ anfragte, ging es plötzlich schnell: Die Betroffene wechselt mit 1. Mai in den unbezahlten Urlaub.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2012)

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185 Kommentare
 
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Konsequenzen gibts keine bei Sozialbetrug?

Man begnügt sich damit, daß man das abgestellt hat. Und jetzt ist alles wieder gut? Die Quittung kommt 2013!
Aber dann nicht wieder jammern!

Gast: pächter der wahrheit
27.04.2012 18:50
8

Machts Euch nix draus

Mit der neuen Transparenz Regelung der Regierung wird alles viel besser.

Gläserne Parteikassen, gläserne Politiker, gläserene Entscheidungen.

Ich befürchte es ist Milchglas.

Gast: Aufmerksamer Zeitungsleser
27.04.2012 13:29
7

Seit wann stellt das Rathaus Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus?!?

Zur Rechenschaft gezogen gehören die Ärzte, die die Frau fortlaufend krank geschrieben haben, und nicht das Rathaus oder sonst wer.

Re: Seit wann stellt das Rathaus Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus?!?

Naja, im AKH wird man auch die finden ...

Re: Seit wann stellt das Rathaus Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus?!?

Vielleicht wurden die ja unter Druck gesetzt??

Das ist normal

Krankenstandstage von 100-200 Tage pro Jahr darüber wird nicht mehr geredet.
Das Rathaus schweigt.

Antworten Gast: Baur4
27.04.2012 12:23
8

Re: Das ist normal

Solche Privilegiern haben nur Parteigünstlinge! Als Dank dürfen die Genossen später ab 50 in Pension gehen.

Leute in der Privatwirtschaft sollen gefälligts bis 65 oder noch länger arbeiten.

Gast: Plach2
26.04.2012 22:08
19

So funktioniert Österreich!

Beamte und Parteigünstlinge gehen weiterhin ab 50 in Pension. Oftmals wegen "schwerer Krankheit".
Sind sie erst einmal in Pension verbessert sich ihr Gesundheitszustand schlagartig und sie schleppen sogar als Jäger schwere Lasten.

Länger arbeiten sollen nur Leute in der Privatwirtschaft!

Antworten Gast: Walter44
27.04.2012 12:25
4

Re: So funktioniert Österreich!

Da können sogar Putin & Co noch einiges von uns lernen!

net matschkern, sondern

die "krankschreibenden" Bader zwecks Schadensersatz zur Brust nehmen und ordentlich brennen lassen, dann hört sich die Gefälligkeits-Krankschreiberei ruckartig auf

offensichtlich pennen die Sozialversicherungen diesbezüglich in der Hängematte ihrer "besonderen Fürsorgepflicht"

Antworten Gast: international_
27.04.2012 11:41
0

Re: net matschkern, sondern

wo kommerten wir denn da hin, wenn die freundelwirtschaft nimma geht????

Gast: tigerhai
26.04.2012 20:20
14

bezeichnend und typisch.

dieses verkommene system schützt die unredlichen und verfolgt die ehrlichen.

egal wohin man schaut.

bekommt der gutachter für sein gefälschtes gutachten lebenslang ermässigte psychotherapie oder was?

wird der betrug geahndet oder gibt es interne weisungen für gefälliges unter den teppich kehren?

18

Darf man schon sagen wer das ist?

Immerhin sind die Umstände derart interessant, dass ein berechtigtes öffentliches Interesse besteht.

So einen Fall bekommt man nicht oft zu sehen.

Antworten Gast: robert_innere stadt
26.04.2012 21:13
1

Re: Darf man schon sagen wer das ist?

jösas was hast du denn davon? einen genuss, eine freude? "vernadern und leute an den pranger stelle" ein wirklich österreichisches phänomen..... bei den meisten postings muss man sich über die schreibweise wirklich nur wundern.... es war ein zeitungsartikel, wisst ihr denn wirklich ob alles richtig ist? wenn etwas nicht stimmt, dann wird jeder dienstgeber darauf angemessen reagieren.

1

Re: Re: Darf man schon sagen wer das ist?

Was da wirklich läuft sehen Sie, wenn Sie die genannte SPÖ-Organisation ergoogelt haben ...

Re: Re: Darf man schon sagen wer das ist?

da muss ich dem user recht geben.... mir scheint, als wäre dies eine konzentrierte posting aktion.... suddern, suddern, wie schlecht die welt und alles ist....ja man muss solche dinge in den griff bekommen.... aber was hier abläuft..... oder lassen hier alle frusties nur ihren persönlich frust über was raus.... ständig irgendwelche schuldige suchen, für persönliche probleme...

15

Solche Fälle

gibt es im öffentlichen Dienst genügend. Leider werden durch solche Mitarbeiter viele demotiviert. Wenn man einen faulen Apfel in einen Korb mit lauter frischen Äpfeln legt, glauben sie der faule wird gesund oder die gesunden faul. Leider bringt man die Typen schwer weg.

Solche Fälle

gibt es im öffentlichen Dienst genügend. Leider werden durch solche Mitarbeiter viele demotiviert. Wenn man einen faulen Apfel in einen Korb mit lauter frischen Äpfeln legt, glauben sie der faule wird gesund oder die gesunden faul. Leider bringt man die Typen schwer weg.

Gast: Hochjubler
26.04.2012 19:21
1

na selbstverständlich

Auf allen Ebenen "läuft es wie g`gschmiert", wenn du weißt, wie`s geht. Und "gehn" tut`s überall. Daher ja keine Zornestränen über die da oben, weil die da unten wollen auch keinerlei Transparenz. Das System bei uns ist halt verludert - paßt schon -oder?

Gast: tom greeeeeen
26.04.2012 19:03
12

it`s time...

it`s time for a revolution.
dieses system ist krank. unheilbar krank.
mir graust...

Es sind nicht die Roten...

Es ist das ganze politische System korrupt!

Genauso gehts in den schwarzen und orangenen
Bundesländer zu...
Und nicht zu vergessen die Jahre 2000-08, als Blau/Orange an den Futtertrog kam und umfärbte wie besessen...

Wie viel wird das dem Steuerzahler wohl gekostet haben?

Fast 4 Jahre Krankenstand machen vermutlich, man weiß ich ja nicht wie viel sie verdient, so zwischen 150.000 und 200.000 Euro an Kosten aus. Und das bei einer einzigen grauen Maus.

Man könnte freilich auch von etwas größeren Nagern in Rot sprechen. Und die gibt es in großer Zahl. Von der Sorte haben wir locker 100.000, und die kosten in Summe einige Milliarden, jedes Jahr.

Seit Jahrzehnten schon wird nun Sparpaket um Sparpaket geschnürt, Leistungen reduziert und Steuern erhöht. Solche Dinge bleiben darüber jedoch unangetastet. Das sagt sehr viel über die Prioritäten in diesem Land.

Als öffentlicher Arbeitgeber...habe man sich...eine besondere Fürsorge für Mitarbeiter auferlegt

:-)

3

Re: Als öffentlicher Arbeitgeber...habe man sich...eine besondere Fürsorge für Mitarbeiter auferlegt

Besonders für solch besonders kranke Mitarbeiter.

Gast: [a]
26.04.2012 14:00
33

"der wiener weg. sozial. gerecht. demokratisch."

wieder mal ein musterbeispiel für das, wofür die SPÖ so steht.

Re: "der wiener weg. sozial. gerecht. demokratisch."

Stimmt leider. All zu oft wird Hilfe vollkommen falsch verstanden. Unter dem Deckmantel der Menschlichkeit wird vieles akzeptiert was bei näherer Betrachtung schlichtes Ausnutzen des Systems ist.

 
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