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Schaden an der Oberleitung: S-Bahn-Hauptstrecke gesperrt

15.05.2012 | 18:21 |   (Die Presse)

Gut fünf Stunden lang stand der Verkehr auf der am stärksten befahrenen Bahnstrecke Österreichs komplett still. Tausende Passagiere mussten auf Wiener Linien und Busse umsteigen.

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Wien/Gr. Verständlicherweise entnervt wirkt der Eisenbahner, der seit drei Stunden auf den Bahnsteigen von Wien-Mitte auf- und abläuft, um hunderten Passagieren zu erklären, dass gerade, leider, leider, keine Züge verkehren. Sein Lohn: Hohn, Beschimpfungen, Unverständnis – oder kurz: der gesammelte Zorn, der sich in Bahnfahrern aufstaut, um sich im Angesicht  von Schwierigkeiten auf einmal zu entladen.

Gestern, Dienstag, war der denkbar schlechteste Tag, den sich die ÖBB aussuchen konnten, um ihre neue Pünktlichkeitswerbeschiene („Wer so pünktlich ist, kann schon mal groß gelobt werden“) auf dem Westbahnhof zu präsentieren: Gut fünf Stunden lang stand nämlich der Verkehr auf der am stärksten befahrenen Bahnstrecke Österreichs komplett still: der S-Bahn-Stammstrecke quer durch Wien.

Stammstrecke lahmgelegt

Eine Oberleitung war im Bereich des Bahnhofs Wien-Mitte/Landstraße aus zunächst noch ungeklärter Ursache um 12.10 Uhr gerissen. Eine Garnitur der S-Bahn-Linie 2 blieb dadurch mitten auf der Strecken hängen – sie konnte erst nach rund einer Stunde in den Bahnhof zurückgebracht und evakuiert werden.

Durch die Arbeiten an der Oberleitung war die gesamte Stammstrecke sowie deren Seitenarm Richtung Flughafen (inklusive des Airport-Express CAT) mehrere Stunden lang lahmgelegt: Züge aus Richtung Norden beendeten den ganzen Nachmittag über ihre Fahrt am Praterstern, Züge aus Westen und Süden beim Südbahnhof, wo sie jeweils wendeten – Verspätungen im ganzen Schnellbahnverkehr Ostösterreichs waren die Folge.

Während Passagiere im innerstädtischen Verkehr nur geringfügige Umwege in Kauf nehmen mussten – die ÖBB reagierten schnell und verhandelten mit den Wiener Linien, dass diese ausnahmsweise auch Zugfahrscheine akzeptierten –, trafen besonders Reisende zum Flughafen auf Probleme: Die Bahn organisierte zwar Schienenersatzverkehr von Wien-Mitte via Bus, einzelne Reisende taten sich in dem labyrinthischen Bahnhof-Baustellenkomplex aber schwer, den richtigen Weg zu dessen Haltestelle zu finden.

Insgesamt waren die ÖBB diesmal – etwa im Gegensatz zu einer massiven Verspätungsfolge vor einer Woche – aber schnell beim Aufbau einer Informationsstruktur für Fahrgäste.

Nur wenige Minuten nachdem der Verkehr zum Erliegen gekommen war, wurden ÖBB-Bedienstete auf die Bahnsteige geschickt, um Passagiere über Ausweichmöglichkeiten zu informieren. Auch Fahrplananzeigen in den betroffenen Stationen und im Internet waren schnell aktualisiert.

App registrierte Schaden nicht

Einziger Wermutstropfen abseits notwendiger Umwege: Wer sich auf die ÖBB-App „Scotty“ am Mobiltelefon verließ, dem blieb die Unterbrechung des Verkehrs verborgen: In dem System, das normalerweise sogar kleine Verspätungen in Echtzeit realisiert, war von den Problemen bis in den späten Nachmittag hinein nichts zu bemerken.

Auf der Stammstrecke verkehren rund 650 Züge pro Tag – vor allem täglich zehntausende Pendler auf den Zügen der S-Bahn. Das ist übrigens just jene Bahn, die den ÖBB zufolge mit einem Pünktlichkeitswert von 98,4 Prozent die beste im österreichischen Schienennetz darstellt – was der neuen Werbekampagne zufolge auch „die höchste Pünktlichkeit der EU“ ist.

Auf einen Blick

Die „Stammstrecke“, der meistbefahrene Teil des österreichischen Schienennetzes zwischen Südbahnhof und Praterstern, stand gestern Nachmittag mehrere Stunden lang still.

Grund für den Ausfall war den ÖBB zufolge in Schaden an einer Oberleitung aus noch unbekannter Ursache. Erst vergangene Woche hatte eine defekte Oberleitung im S-Bahn-Netzwerk zu erheblichen Verspätungen geführt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2012)

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13 Kommentare
Gast: kritikus
21.05.2012 10:27
0 0

Nachdenken:

Gegenüber den geschützten Werkstätten à la ÖBB ist Sozialistische Politik sozial. Gegenüber deren Kunden (Fahrgästen) total neoliberal. Auch so kann man Zweiklassengesellschaft betreiben.

Gast: PendlerIn.
20.05.2012 12:45
0 0

Richtigstellung der Wartezeit..!!

"Eine Garnitur der S-Bahn-Linie 2 blieb dadurch mitten auf der Strecken hängen – sie konnte erst nach rund einer Stunde in den Bahnhof zurückgebracht und evakuiert werden"

Ich war in dieser S-Bahn und ich muss sagen, dass wir beinahe 2 Stunden gewartet haben, bevor wir evakuiert geworden sind. Ich finde es eine Frechheit, dass in den Medien auf einmal aus fast zwei Stunden, "rund eine Stunde" wird..!

Andererseits muss ich sagen, dass der Lokführer sehr bemüht war, uns mit Informationen zu versorgen und uns die Angst zu nehmen, doch wenn er selbst keine Informationen bekommt, kann er logischerweise auch keine weitergeben.. -.-

Gast: Baur4
17.05.2012 18:37
1 0

Wieder einmal haben die ÖBB bewiesen

Sie versorgen hauptsächlich Parteigünstlinge mit einem sicheren hochbezahlten Job. So nebenbei betreiben sie auch noch eine Bahn.

Gast: AltGast
16.05.2012 19:34
1 0

Schaden an der Oberleitung

Sind damit die diversen Direktoren und Abteilungsleiter gemeint?

Gast: Kibietz
16.05.2012 08:25
0 0

Das passiert halt mit einem Diesel oder Dampfross nicht!

Aber diesmal haben sie wenigstens nicht die alte Ausrede " Kupferdiebe " benutzt, die Helden.

Gast: rotgipfler
16.05.2012 07:31
1 0

Eine Frechheit ist die völlig unseriöse Werbung mit 98,4% Pünktlichkeit

Wie der "Bahnfahrer" schon anmerkte, werden nur Züge ausgewertet, die mit über Minuten Verspätung am Zielbahnhof ankommen. Damit scheinen hunderte Züge, die ja aufgrund des Oberleitungsschadens gestern nur bis Südbahnhof oder Praterstern geführt wurden, nichtg in dieser Statistik auf. Damit ist sie völlig wertlos geworden. Werbung sollte mit diesen unseriös ermittelten Werten untersagt werden.

Gast: Leider Bahnfahrer
16.05.2012 07:18
0 0

Die Schweinerei der ÖBB:

Denen sind die Fahrgäste völlig egal. Richtung Retz sind die Züg erst ab Floridsdorf gefahren, aber in Wien Mitte zB hat man die Fahrgäste nicht davon informiert.

Die Kontrollore sind präpotent hoch drei, wenn sie die Fahrgäste kontrollieren. Selber Jahreskartenbesitzer, hätte mich ein so ein Individuum liebend gerne aus dem Zug geschmissen, weil ich das Börsel (da drin steckt die JK) in der Arbeit vergessen habe.

Wenn es dann Verspätung gibt, ist keiner zu sehen und zu hören. Höchstens weinerliches Gesäusel hört man da.

Genau deshalb bin ich DAGEGEN, Eisenbahntunnel usw. zu bauen. Die ÖBB sind ein Trottelbetrieb, korrupt noch dazu!

Re: Die Schweinerei der ÖBB:


" ... ÖBB sind ein Trottelbetrieb, korrupt noch dazu!"

Für Korruption braucht man auch eine gewisse Intelligenz.

Antworten Antworten Gast: Leider Bahnfahrer
16.05.2012 14:29
1 0

Re: Re: Die Schweinerei der ÖBB:

Zu Korruption reicht es gerade noch aus.

Aber wenn es darum geht, Fahrgäste zu informieren, Fehlanzeige. Wie mit den Pendlern umgegangen wird, ist eine einzige Schweinerei!

verständnis

im prinzip kann man ja verständnis haben für die öbb bei derartigen technischen problemen - nur wenn z.B. die Pottendorferlinie völlig ausfällt und dies an den Anzeigetafeln gar nicht angezeigt wird so ist das ein Skandal

2 0

von wegen pünktlich

Ich fahre 2x pro Werktag mit der S-Bahn.
Bei 98,4% Pünktlichkeit dürfte pro 1,5 Monate nur einer dieser Züge unpünktlich sein.
In Wirklichkeit gibt es aber ganzjährig alle paar Tage eine Verspätung von deutlich mehr als 5 Minuten.

Dazu kommt auch noch dass wenn ein Zug verspätet ist dann warten meistens die auf der selben Strecke planmäßig späteren Züge auf ihn & sind dadurch ebenfalls verspätet.

Diese Pünktlichkeitswerbung ist die pure Frechheit & wir Fahrgäste müssen das Werbebudget auch noch mitbezahlen.

Gast: Bahnfahrer
15.05.2012 21:35
2 0

Kaum Einfluss auf die Statistik

Auch dieser Vorfall wird kaum Einfluss auf die Pünktlichkeitsstatistik haben, denn die ÖBB PV wertet - übrigens im Gegensatz zu Schweiz - einen Zug auch dann als Pünktlich, wenn er die Endhaltestelle nie erreicht hat.
Der Grund:
Ein Zug gilt dann als unpünktlich im Sinne der Statistik, wenn er den Endbahnhof um mehr als 5 Minuten verspätet erreicht. Ein ausgefallener Zug erreicht aber den Endbahnhof nie.

Antworten Gast: Peter Berger
16.05.2012 08:53
0 0

Re: Kaum Einfluss auf die Statistik

Stimmt so nicht. Die Pünktlichkeitswerte werden an allen planmäßigen Halten ausgewertet. Falls ein Zug teilweise storniert wird, so fallen die betroffenen Halte aus der Statistik. Keinesfalls jedoch wird nur der Endbahnhof gemessen.