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Wiens Schwierigkeiten mit den Ehrengräbern

17.05.2012 | 16:40 |  Von ERICH KOCINA (Die Presse)

Eine Kommission arbeitete die Vergabe von Ehrengräbern in der Zeit zwischen 1934 und 1938 auf – sie empfiehlt mehrere Aberkennungen, nachträgliche Ehrerweisungen – und eine neue Kategorie von Gräbern.

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Wien. Die Aufarbeitung der dunklen Seiten in der Geschichte Wiens geht weiter. Nach dem Beschluss, den Dr.-Karl-Lueger-Ring umzubenennen, sind nun die Friedhöfe an der Reihe. Eine von der Stadt Wien eingesetzte Kommission hat einen Bericht vorgelegt, in dem die Vergabe von Ehrengräbern in der Zeit zwischen 1934 und 1938 untersucht wurde – und die einige Empfehlungen enthält.

In dem noch nicht veröffentlichten Bericht, der der „Presse“ vorliegt, wird auch die Rolle von Engelbert Dollfuß untersucht. Wegen seiner „entscheidenden Rolle bei der Ausschaltung der Demokratie und der Errichtung der Diktatur in Österreich“, so die Kommission, sollte dem Grab des von 1932 bis 1934 regierenden Bundeskanzlers „kein Ehrengrabstatus zukommen“. Ein eindeutiges Urteil der Kommission, die gleichzeitig aber auch die Schwierigkeit aufzeigt, adäquat mit dem historischen Erbe der Stadt zu verfahren.

„Faschist“ oder „Märtyrer“?

Denn während die linke Reichshälfte Dollfuß als „Arbeitermörder“ und „Faschisten“ sieht, wird er in der anderen als „Heldenkanzler“ gesehen, der sich gegen den Nationalsozialismus gestemmt habe und dafür als „Märtyrer“ gestorben sei – im ÖVP-Parlamentsklub hängt nach wie vor sein Porträt. Und ganz egal, aus welcher Sicht man Dollfuß auch betrachtet – einfach aus der Geschichte streichen kann man ihn nicht. Ähnlich wie bei Dollfuß ist es auch bei zahlreichen anderen Gräbern von Menschen, die die „Ehre“ aus heutiger Sicht nicht oder nur bedingt verdienen.

Genau hier setzt die Kommission auch mit einem Vorschlag an. Unter dem Gesichtspunkt, dass „Ehre“ und „Ehrungswürdigkeit“ unter Umständen einem gesellschaftlichen Wandel unterliegen, sollte eine neutralere Kategorie eingeführt werden – „historische Grabstätte“. „Dieser Kategorie könnten alle bis 1945 gewidmeten Grabstätten, einschließlich der bisherigen gewidmeten Gräber von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß und der Offiziere der k. u. k. Armee, zugeordnet werden.“

In dieser Radikalität geht dem zuständigen Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (siehe Interview) der Vorstoß zu weit: „Dann werden die Grabmäler der großen Komponisten auf eine Stufe gestellt mit historisch nicht so eindeutigen Persönlichkeiten.“ Grundsätzlich hält er eine neue Kategorie aber für sinnvoll und will einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat einbringen.

Neben Dollfuß finden sich im Bericht noch einige weitere prominente Namen, deren Grabstätten in den Augen der Kommission zumindest fragwürdig sind. So wird etwa auf den Architekten Adolf Loos verwiesen, dessen künstlerische Bedeutung zwar außer Streit stehe, der jedoch wegen Unzucht mit Minderjährigen rechtskräftig zu einer viermonatigen Haftstrafe verurteilt wurde. Es stelle sich die Frage, so die Kommission, „ob eine Ehrengrabwidmung nur aufgrund des künstlerischen Ranges allein vertretbar ist“. Zu einer eindeutigen Empfehlung konnte man sich allerdings nicht durchringen, sondern verwies auf die „freie Willensbildung der zuständigen politischen Mandatare“.

Ebenfalls nicht ganz eindeutig fallen die Empfehlungen bei Personen mit militärischen Funktionen aus. So beruft man sich bei den k. u. k. Offizieren Feldmarschall Franz Conrad von Hötzendorf und General Moritz Auffenberg-Komarow auf zwei unterschiedliche Expertisen – eine ist für, eine zweite gegen eine Aberkennung des Ehrengräberstatus für die Militärs. Eindeutig ist hingegen das Ja zur Aberkennung bei Ignaz Seipel – dem Vater des gleichnamigen Bundeskanzlers. Es gebe keine sachliche Rechtfertigung für diese Widmung.

Ehrengrab für Hildegard Burjan

Umgekehrt regt die Kommission aber auch nachträgliche Widmungen an. Prominentestes Beispiel ist Hildegard Burjan, die Gründerin der Caritas Socialis, die im Jänner 2012 von Papst Benedikt XVI. selig gesprochen wurde. Auch Moritz Schlick verdient in den Augen der Kommission ein ehrenhalber gewidmetes Grab – der Philosoph und Physiker, der 1936 erschossen wurde, war einer der führenden Köpfe des Wiener Kreises. Auch mehrere Opfer des NS-Terrors vor dem 1. März 1938 verdienen laut Kommission eine Widmung.

Schon einmal gab es eine ähnliche Ehrung – 2007 wurden 37 Grabstätten von jüdischen Persönlichkeiten nachträglich zu Ehrengräbern gemacht, darunter etwa Arthur Schnitzler und der Architekt Oskar Strnad. Anlass dafür war der Bericht einer Kommission, die die Vergabe von Ehrengräbern in der NS-Zeit untersuchte. Und der auch dafür sorgte, dass acht Gräbern zweifelhafter Persönlichkeiten nachträglich der Status des Ehrengrabs aberkannt wurde.

Lexikon
Ehrengrab: Die Stadt Wien trägt für die gärtnerische und bauliche Obhut Sorge, das Benützungsrecht gilt auf Friedhofsdauer. Ehrengräber finden sich ausschließlich auf dem Zentralfriedhof.
Ehrenhalber gewidmetes Grab: Auf Friedhofsdauer ehrenhalber gewidmete Gräber auf dem Zentralfriedhof und allen anderen Friedhöfen Wiens. Wenn keine Angehörigen verfügbar sind, kommt die Stadt für die gärtnerische Pflege und bauliche Obhut auf.
Anzahl: 1734 solcher Gräber gibt es in Wien. Jährlich kommen etwa zehn bis 20 solcher Gräber hinzu.

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101 Kommentare
 
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Gast: Zwetschgenkrampus
14.08.2012 09:07
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Ehre und Gräber

Sollte mich je das Unglück ereilen, in Wien zu sterben, werde ich dieser Gemeinde wie anderen öffentlichen Händen testamentarisch verbieten, mein Grab je zum Ehrengrab zu erklären. Auf diese Weise hoffe ich, meine ewige Ruhe vor Politikern und Gschaftlhubern zu haben.

Gast: Kritiker12345
21.05.2012 00:24
3 0

Auch hier die Frage:

Geht`s uns dermassen gut, dass wir für sowas Zeit/Geld haben???

Noch tiefer geht es nicht mehr!

Vor lauter Buckeln und lecken, vergessen unsere Weisen was DR. Karl Lueger für Wien alles gebracht hat.
Wenn Häupel nur einen Bruchteil davon leisten könnte, wäre er ein guter Bürgermeister.

Gast: Andersrum
19.05.2012 03:25
9 1

Tote in Ruhe lassen

Grab auflassen, Umbetten und Grabstein ändern sollte bitte unterlassen werden. Was die Herrn Beamten in ihre Akten schreiben, ob Ehrengrab, ehrenhalber gewidmet, in Ungnade gefallen oder was auch immer, interessiert eh niemand. Da können sich die Politiker austoben. Aber lasst's bitte die Gräber in Ruhe, egal von wem.

Antworten Gast: zetto
21.05.2012 13:40
0 0

Re: Tote in Ruhe lassen

Gräber aufzulassen ist eine Standardprozedur. Sonst wäre einfach kein Platz mehr - und den Toten tuts nicht mehr weh...

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Irgendwie

haben wir im Unterricht alle ungläubig den Kopf geschüttelt, wenn wir hörten, wie z.B. im pharaonischen Ägypten und anderen Kulturen politisch andersdenkende oder einfach persönliche Feinde über den Tod hinaus verfolgt wurden und ihr Andenken ausgetilgt wurde. Aber irgendwie scheinen unsere Politiker geistig und moralisch noch in der Pharaonenzeit zu stecken.

Gast: ROTENbeobachter
18.05.2012 17:47
19 3

Sofort ALLE SOZEN ins EHRENGRAB

Und Deckel zu. Die Gruenen dann in die Biotonne, und um das Ehrengrab ausstreuen.
Man darf ja noch traeumen....

Billigste Lösung

alle Grabsteine grün-rot anstreichen - und der Maillath und die Griechin sind happy ....

Gast: dzui
18.05.2012 17:02
15 1

gräber

bitte schnell falls es noch eine weitere kommission einrichten und einen beauftragten schaffen, für einige die noch gut dotierte posten.
sonst gibt es ja keine probleme!!
was mich am meisten stört ist die politische färbung dieser entscheidungen.
außerdem ist es ein sehr österreichisches bzw. deutsches problem seine vergangenheit in ewiger schuld zu sehen oder zerstört man den invalidendom in paris mit dem grab von napoleon der ganz europa mit krieg überzogen hat

Und Karl Renner tastet man nicht an?

Auf einem Auge blind, diese Historiker.

Es gab in der jüngeren österreichischen Geschichte keinen größeren Opportunisten und charakterschwächeren Politiker wie diesen Renner.

Aber Dollfuß, der im Widerstand gegen die NS-Mörder gefallen ist, will man die Ehre aberkennen?

Die großartigen Erfolge der Rot-Grünen Regierung - Ehrengräbern aberkennen und Straßen umbenennen!

Stalinsche Säuberungen - alles was nicht ins Bild von den ROT GRÜNEN Genossen passt wird gesäubert! Die Methoden haben mehr mit einer Diktatur zu tun, wie mit einer Demokratie!

Die toten ROTEN Genossen werden verschont - was ist mit Broda, Gratz und Renner!

Antworten Gast: tztztz
19.05.2012 10:39
3 0

Re: Die großartigen Erfolge der Rot-Grünen Regierung - Ehrengräbern aberkennen und Straßen umbenennen!


.... und Zilk?

Antworten Antworten Gast: Forenregel
19.05.2012 20:24
0 1

Re: Re: Die großartigen Erfolge der Rot-Grünen Regierung - Ehrengräbern aberkennen und Straßen umbenennen!

Und Waldheim? ;-)

Gast: tc_t
18.05.2012 13:53
19 5

nur so eine frage... die ganze zeit wurde uns sparen verordnet...

wieso wird dann für so etwas dasselbe mit offenen händen für so einen schwachsinn rausgeworfen.... danke rot danke grün

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Einfach unappetitlich !!


Was soll das am Geschehenen ändern?
Tote soll man ruhen lassen !!

Antworten Gast: xxxx
18.05.2012 12:38
7 24

Re: Einfach unappetitlich !!

Genau!
Sonst werdens munter.
Sieht man ja bei euch!

Re: Re: Einfach unappetitlich !!

Und je abartiger ihr euch aufführt, desto munterer werden sie. Von nichts kommt nichts.

Gast: Zaunkönig
18.05.2012 12:26
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das ist also von der Politiker-Kompetenz übrig geblieben,

nachdem alle Befugnisse nach Brüssel verlagert werden mussten. Unsere Politiker kämpfen gegen Tote in ihren Gräbern. Das scheinen in Zeiten wie diesen die dringlichsten Aufgaben zu sein. Euro-Krise etc. interessieren sie nur am Rande.

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Wo ist mein Posting?


Antworten Gast: Kibietz
18.05.2012 11:35
6 1

Re: Wo ist mein Posting?

Sie sind hier nicht beim "Herold"!
Ausserdem sind Sie ja bekennender "Niemand".

(LOL!)

Antworten Gast: Bademeisterin
18.05.2012 11:07
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Re: Wo ist mein Posting?

Das war nicht politisch korrekt genug!
Außerdem entsprach der Inhalt der Wahrheit, das ist unerwünscht!

Alles klar?

Gast: Till aus dem Haus der Freude
18.05.2012 10:38
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Konsequenterweise muss man Zilks Grab...

...den Status aberkennen- im Gegenzug wird in Prag eine St. Holec-Gedächtniskloake eröffnet.

Gast: freund?
18.05.2012 10:05
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wer ein ÖSTERREICHISCHES ehrengrab erhält,



ist keine WIENER sozifrage, sondern sollte vom bund, am besten mit volksabstimmung, entschieden werden !

was bildet sich diese rotze bagage ein!

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Ein armes Land,

das nicht zu seiner Geschichte steht. Welches Volk hat eine blütenweiße Geschichte vorzuweisen, ich glaube keines. Wenn man schon so sehr mit Geschichtsaufarbeitung beschäftigt ist, dann, bitte alles, die Verbrechen der linken Seite auch aufarbeiten. Im Sinne der Gerechtigkeit

welche "linken" verbrechen meint man denn da?


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Re: Ein armes Land,

Komischerweise kommen solche Aktionen immer in Zeiten, wo es weitaus wichtigeres zu erledigen gäbe! Aber dazu fehlt halt der Wille bzw. der Verstand und so setzt man halt irgendwelche Tätigkeiten um den Menschen was vorzugaukeln!

 
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