Parken statt Garten: Drechsler schließt

24.05.2012 | 18:40 |  CHRISTINE IMLINGER (Die Presse)

Weil sich das Geschäft im Sommer nicht lohnt und ein großer Gastgarten nicht genehmigt wurde, geht das Drechsler in eine große Sommerpause. Ab 2013 dürfte der Betrieb eines Gastgartens für alle teurer werden.

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Wien. Das Drechsler sperrt zu. Zumindest diesen Sommer wird im legendären Café an der Wienzeile nicht wie gewohnt beinahe rund um die Uhr Frühstück serviert. Von 4.Juni bis 3.September macht das Drechsler Sommerpause. „Schweren Herzens“, erklärt Geschäftsführer Manfred Stallmajer.

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Der Betrieb im Sommer lohne sich nicht. Scheint die Sonne, kämen ins Drechsler nur 20 Prozent der Gäste eines gewöhnlichen Tages. „Wir haben viel probiert, aber im Sommer ist es sehr schwierig“, sagt Stallmajer. Zumindest ohne einen großen Gastgarten. Er darf im Sommer vier Tische für acht Gäste auf den Gehsteig der Wienzeile stellen lassen. Um den Sommer zu überstehen, bräuchte er zusätzlich einen Gastgarten auf der ganzen Länge der Girardigasse. Dort, wo jetzt Autos parken.

Der Bezirk habe dort einen Gastgarten von der Länge eines Autos im Juli und August angeboten, das reiche nicht aus. Renate Kaufmann, die SP-Bezirksvorsteherin des Sechsten, argumentiert das Nein zu einem größeren Garten mit dem knappen Parkraum, der öffentliche Raum im Bezirk sei schließlich heiß begehrt.

In Mariahilf sieht eine Regelung vor, dass Lokalbetreiber im Juli und August einen Parkplatz zusätzlich nutzen können. Würde man nur dem Drechsler einen größeren Schanigarten am Parkstreifen bewilligen, sei das den anderen 316 Gastronomen des Bezirks gegenüber unfair, sagt Kaufmann.

„Ungleicher, ungerechter Kampf“

„Dem Bezirk sind vier, fünf Parkplätze wichtiger als 20 Arbeitsplätze“, sagt Stallmajer und will im Drechsler nun Unterschriften sammeln. Auch die Bezirks-VP hat Unterstützung versichert. Eine Option wäre auch, einen Grünstreifen vor dem anliegenden Alfred-Grünwald-Park zu nutzen. Eine Idee, die vom Bezirk ebenfalls abgelehnt wurde. „Für heuer ist der Zug abgefahren, resigniert Stallmajer. Seine Mitarbeiter hat er für den Sommer schon beim AMS angemeldet, nun gehe es um die kommenden Jahre. Er spricht von einer Wettbewerbsverzerrung, andere Bezirke würden neue Gärten viel großzügiger bewilligen. Auch, wenn dafür weniger Platz für Autos bleibe.

Dass die Lokale im Grätzel um den Naschmarkt einen „ungleichen, ungerechten Kampf“ führen, sagt auch Kaufmann. Sie bezieht sich dabei aber auf den Naschmarkt: Dort belästigt die Gäste kein Verkehr, die Mieten sind spottbillig, die sanitären Auflagen geringer. „Außerdem bewegen sich die Menschen nicht weg vom Naschmarkt. Ich glaube nicht, dass ein Gastgarten an der Straße Probleme lösen würde“, so Kaufmann. Besonders im Sommer stünden auch andere Lokale in der Gegend um den überlaufenen Markt leer.

In der Branche munkelt man, Stallmajer habe zu hoch gepokert, manch einer spricht nun von einer Trotzreaktion. Das Drechsler liegt ohnehin im Clinch mit Behörden, es gab ein Strafverfahren wegen einer mangelnden Trennung von Raucher- und Nichtraucherzone. Derzeit läuft das Berufungsverfahren. Willy Turecek, der Obmann der Gastronomen in der Wiener Wirtschaftskammer, spricht von einem „spektakulären Schritt“. Dass ein Lokal mangels Garten im Sommer schließt, sei ein Einzelfall.

Gastgärten werden teurer

Ab 2013 dürfte der Betrieb eines Gastgartens – heuer haben 2000 Wiener Gastronomen Tische im Schanigarten aufgestellt – allerdings für alle teurer werden. Die Verhandlungen über die Neuregelung der Gebrauchsabgabe laufen. „Wir sind am kämpfen, aber weit auseinander“, sagt Turecek. Etwa bei der Forderung nach einer monatsweisen Anmeldung eines Gartens.

Künftig soll die Schanigarten-Gebühr von mindestens 3,63 Euro pro Quadratmeter und Saison erhöht werden. Besonders für Lokale in guten Lagen, die im Sommer tatsächlich mehr Umsatz machen und deren Geschäft sich nicht nur verlagert. Ein Kompromiss soll bis September gefunden werden.

Auf einen Blick

Kein richtiger Schanigarten und die übermächtige Konkurrenz am Naschmarkt – scheint die Sonne, ist das Drechsler leer gefegt. Weil sich der Betrieb im Sommer nicht lohnt, sperrt das legendäre Café von Juni bis September zu. Nicht das einzige Lokal in unmittelbarer Naschmarktnähe, das mit Problemen kämpft. Dass ein Lokal mangels Garten schließt, ist aber ein Einzelfall.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2012)

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  • Schikanen um Schanigärten

    Das Café Drechsler setzt einen drastischen Schritt. Weil kein Gastgarten genehmigt wurde, sperrt es im Sommer.

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83 Kommentare
 
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Gast: Meine spezielle Verehrung Herr Kommerzienrat Wienzeile links, Wienzeile rechts, duat mochts abgasgschwängerte Leben a richtige Hetz. Die gschundane Muatta mit an Kinderwaagl und noch a klaneres im Jeans-stoffigen Handtragl. Sie wüü zum Billa, dem rundherum Preiskilla. Zerscht schreit da gounz klane Gschropp-wäula vielleicht an Hunga hot?
28.05.2012 20:57
0

Die Mama setzt sii auf die Gehsteigkanten, duat gibt sii dem Gschroppen die linke Brust, direkt vua den Passanten.

A oida Kommerzienrat regt sii auf, der net seinen Augen traut. Er mault´s: „Des geht owa net in aller Öffentlichkeit, sans gscheit gnää Frau?!“ Die vorbeihuschenden Gaspedalfetischisten riskieren a kurzes Blickerl aus ihra stinkaden Benzinkisten. Und der noch winzigklane BronchialSpatz saugt an dera Muttibrust mit vulla Kraft. Plärrt da zweite, der im Kindawaagl los. Fragt da oide Kommerzienrat (der steht imma noch duat): „Des is owa ka Mischling?“ Die von die Auspuffgase verwirrte Mama „Der Gschropp is von an inländischen Pappa, du geistiges Reibeisen-bitte geh schei…!“ Da Kommerzienrat wüüs owa genau wissen: “ Warum is den des undefenierbora Kind, dounn so schwoaz im Gsicht und wos is des jetzt a Madl odda a Bua?“ „Des is nix einheimisches…“ „Oida du bist vielleicht ein hoffnungsloser Ignorant!“ Des Kind, is die Blüte meines furchtlosen Körpers, ein echt Emissionsgeschwärztes wienerisches Wienzeilengschropperl. Der inhaliert diese wunderbare Luft, er schnappt scho regelrecht wia a klana Giftla noch dem Feinstaubduft. I muass extra mit dem Waagl stehenbleibn wenns bei da Kreizung Gas geben.“ „Und mei allerliabsta Windelhöschchenscheißer scho heit der totale Autoreifen AufBeißer.“ Mocht der Kommerzienrat an lauten Schraa: „Woas der klane Hosenscheißer?“ Sagt die Mama: „Herr Kommerzienrat des woa a Wiener Schmää. Kumm gemma ins Drechsler auf an Melantscherl Kaffee…“

Antworten Gast: Ergänzung:
28.05.2012 23:22
0

Re: Die Mama setzt sii auf die Gehsteigkanten, duat gibt sii dem Gschroppen die linke Brust, direkt vua den Passanten.

Und der is daunn garantiert umwöödf®eindlich abgasfrei serviert…?

Danke für die vorurteilsfreie Veröffentlichung!!!

Nicht überall wie bei Drechsler

Im ersten hat man keine Skrupel Parkraum einzuschränken.
In manchen Gassen wandern die Parkverbotschilder immer näher zusammen.

Aber macht ja nichts, da gibts ja genügend stadteigene Parkgaragen.

würde man sich das auch beim Havelka trauen ?!


Bezirkswillkür

gibts leider in vielen teilen WIens auch; wie am Beispiel RosaJochmannRing feststellbar ist.

Da wurde wegen eines Exmitpächter (Parteifreund der Wr Stadt) die Sperrstunde von zuvor bis 2010 genehmigter 02 Uhr Regelung, auf 22 Uhr herabgesetzt, und schädigt somit einen Betrieb der oftmal von späten Gästen lebt und auch Steuern bezahlt !

Wien ist wirklich anders, allerdings im negativen Sinne !

Durchaus nachvollziehbar.

Ich kenne diese Gegend und es wäre wirklich eine Zumutung noch mehr Parkplätze zu vernichten. Schließlich gibt es dort ja keine 3 U-Bahnlinien in unmittelbarer Umgebung, keine zwei Buslinien, dafür eine gewaltige Steigung und berüchtigte Fallwinde, die das Radfahren komplett verunmöglichen. Nein, im Zentrum von Wien muß um jeden Parkplatz gekämpft werden!
Da könnte ja jeder kommen...

Re: Durchaus nachvollziehbar.

wie schon ein vorposter geschrieben hat, 5 min. vom drechsler gibt den grössten innerstädtischen parkplatz, der ausser samstags immer nur zu einem drittel belegt ist. also das parkplatz-argument zieht nicht und es ist absurd in einer so engen stadt einen anspruch auf einen parkplatz direkt vor der wohnung oder dem lokal zu haben.

Re: Re: Durchaus nachvollziehbar.

Aufpassen, amerga, das war ironisch gemeint - Sie haben natürlich beide vollkommen recht !

Gast: k.u.k Feldmarschall
25.05.2012 13:44
6

Wenn man in Wien unterwegs ist, dann ist der Bereich vom Naschmarkt eher zu meiden

Da gibt es weder Kultur, noch hohe Kulinarik.
Am Naschmarkt wird man durchwegs geneppt und es ist eh als Tourismusaussackelbetrieb aufgezogen. Und die Lokale sind durchwegs abgefucked.
Wenn ich da denke wie schön es im Cafe Leopold im Muqua ist; kein Vergleich.
Und dann ist der Bereich Naschmarkt ja sowieso nur von mehrspurigen Strassen durchzogen. Da kann ich ja eh gleich auf der Südosttangente ein Cafe aufmachen!

Gast: Blankensteiner Husar
25.05.2012 12:49
1

Wenn die Bude nicht mehr läuft (nach 100 Jahren), dann muss sie ja zusperren.

Obwohl ich mir natürlich nichts kuscheligeres vorstellen kann als ein Sitzplatz an der 3 spurigen Wienzeileund den stinkenden Autos.

Re: Wenn die Bude nicht mehr läuft (nach 100 Jahren), dann muss sie ja zusperren.

Wenn Sie Probleme mit stinkenden Autos haben, ziehen sie auf eine Alm.

Re: Re: Wenn die Bude nicht mehr läuft (nach 100 Jahren), dann muss sie ja zusperren.

Moderne Autos stinken nicht! is ein Märchen - bitte einmal hinstellen und ausprobieren. auch feinstaub kommt immer weniger raus - daher werden ja die Grenzwerte permanent erhöht!!

Re: Re: Re: Wenn die Bude nicht mehr läuft (nach 100 Jahren), dann muss sie ja zusperren.

oje, oje, wenn es denn stimmen würde. gewisse feinstäube sind zwar gesunken, ganz die feinen und besonders gefährlichen sind immer noch da, das stickoxid sowieso, und ist ihnen schon mal dieser penetrante augenreizende, chlorgeruch der neuen dieselgeneration aufgefallen?

das stein hat die nebenfahrbahn in der kolingasse das ganze jahr über - beziehungen muss man haben


Gast: Vorteile dieser Variante
25.05.2012 11:49
10

man müsste sich nur endlich entschliessen:

weg mit den autos!

Re: man müsste sich nur endlich entschliessen:

Genau! und her mit der radelnden gutmenschen-Stadt!!! denn radfahrer sind ja erwiesenermaßen bessere menschen. Dieses bobo-Klima nervt so ungemein!!!!

Re: man müsste sich nur endlich entschliessen:

Oder: weg mit den G'scherten, die glauben daß eine Großstadt ein Kuhdorf ist, nur mit Kutur, Einkaufen, endlose Auswahl von allem und alles gratis auf Kosten derer, die eine Stadt als Stadt begreifen.

So, die Typos haben mir im Auge wehgetan.

Oder: weg mit den G'scherten, die glauben, daß eine Großstadt ein Kuhdorf ist, nur mit Kultur, Einkaufen, endloser Auswahl von allem und alles gratis auf Kosten derer, die eine Stadt als Stadt begreifen

Antworten Antworten Antworten Gast: einmaal
25.05.2012 19:02
0

Re: So, die Typos haben mir im Auge wehgetan.

Einmal reicht.

Antworten Antworten Antworten Gast: xxxx
25.05.2012 13:46
1

Re: So, die Typos haben mir im Auge wehgetan.

Hahahaha!
habens den Melkkübel gerade gegen eine Computertastatur eingetauscht!
Beim Lagerhaus?

Hahahahaha!

Genau!

Und den Cafés!

klingt schon sehr nach trotzreaktion

die letzten jahre hat's auch gut funktioniert.

mehr umsatz gleich mit höherer schanigarten-gebühr zu bestrafen, find ich überzogen, immerhin bringen steigende umsätze ohnehin mehr steuereinnahmen mit sich

Gast: hansvstein
25.05.2012 11:08
0

das ist halt wiener lebensqualität und es wundert nicht das gute internationale Rating


Gast: nina blum
25.05.2012 10:43
2

Die Schani-Garten gehören sofort abgeschafft! Die verstellen die Gehsteige und blöde Kellner laufen wie die Hendl quer durch die Fussgänger

Die sollen gefälligst baulich investieren anstatt dem Bürger den Nerv zu ziehen!
Diese ÖVP-Wähler nehmen den Staat aus und sackeln uns dann auch noch mit den überhöhten Preisen aus.
Und in die Buchhaltung kommt eh nicht mal die Hälfte und die "Angestellten" bekommen nur eine Bagatelle als Lohn.
Das allerübeslste sind die Gastronomen, die machen diesen Staat kaputt! Und dieses Wien auch!

Antworten Gast: globetrotterneu
25.05.2012 13:39
2

Re: Die Schani-Garten gehören sofort abgeschafft! Die verstellen die Gehsteige und blöde Kellner laufen wie die Hendl quer durch die Fussgänger

Ganz alleine diese SPÖ macht die Stadt kaputt!!!!

Antworten Antworten Gast: jajadieboesenroten
25.05.2012 19:03
0

Re: Re: Die Schani-Garten gehören sofort abgeschafft! Die verstellen die Gehsteige und blöde Kellner laufen wie die Hendl quer durch die Fussgänger

Wie denn bitte? An was ist die SPÖ direkt schuld?

 
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