Parken statt Garten: Drechsler schließt

Weil sich das Geschäft im Sommer nicht lohnt und ein großer Gastgarten nicht genehmigt wurde, geht das Drechsler in eine große Sommerpause. Ab 2013 dürfte der Betrieb eines Gastgartens für alle teurer werden.

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(c) Clemens Fabry

Wien. Das Drechsler sperrt zu. Zumindest diesen Sommer wird im legendären Café an der Wienzeile nicht wie gewohnt beinahe rund um die Uhr Frühstück serviert. Von 4.Juni bis 3.September macht das Drechsler Sommerpause. „Schweren Herzens“, erklärt Geschäftsführer Manfred Stallmajer.

Der Betrieb im Sommer lohne sich nicht. Scheint die Sonne, kämen ins Drechsler nur 20 Prozent der Gäste eines gewöhnlichen Tages. „Wir haben viel probiert, aber im Sommer ist es sehr schwierig“, sagt Stallmajer. Zumindest ohne einen großen Gastgarten. Er darf im Sommer vier Tische für acht Gäste auf den Gehsteig der Wienzeile stellen lassen. Um den Sommer zu überstehen, bräuchte er zusätzlich einen Gastgarten auf der ganzen Länge der Girardigasse. Dort, wo jetzt Autos parken.

Der Bezirk habe dort einen Gastgarten von der Länge eines Autos im Juli und August angeboten, das reiche nicht aus. Renate Kaufmann, die SP-Bezirksvorsteherin des Sechsten, argumentiert das Nein zu einem größeren Garten mit dem knappen Parkraum, der öffentliche Raum im Bezirk sei schließlich heiß begehrt.

In Mariahilf sieht eine Regelung vor, dass Lokalbetreiber im Juli und August einen Parkplatz zusätzlich nutzen können. Würde man nur dem Drechsler einen größeren Schanigarten am Parkstreifen bewilligen, sei das den anderen 316 Gastronomen des Bezirks gegenüber unfair, sagt Kaufmann.

„Ungleicher, ungerechter Kampf“

„Dem Bezirk sind vier, fünf Parkplätze wichtiger als 20 Arbeitsplätze“, sagt Stallmajer und will im Drechsler nun Unterschriften sammeln. Auch die Bezirks-VP hat Unterstützung versichert. Eine Option wäre auch, einen Grünstreifen vor dem anliegenden Alfred-Grünwald-Park zu nutzen. Eine Idee, die vom Bezirk ebenfalls abgelehnt wurde. „Für heuer ist der Zug abgefahren, resigniert Stallmajer. Seine Mitarbeiter hat er für den Sommer schon beim AMS angemeldet, nun gehe es um die kommenden Jahre. Er spricht von einer Wettbewerbsverzerrung, andere Bezirke würden neue Gärten viel großzügiger bewilligen. Auch, wenn dafür weniger Platz für Autos bleibe.

Dass die Lokale im Grätzel um den Naschmarkt einen „ungleichen, ungerechten Kampf“ führen, sagt auch Kaufmann. Sie bezieht sich dabei aber auf den Naschmarkt: Dort belästigt die Gäste kein Verkehr, die Mieten sind spottbillig, die sanitären Auflagen geringer. „Außerdem bewegen sich die Menschen nicht weg vom Naschmarkt. Ich glaube nicht, dass ein Gastgarten an der Straße Probleme lösen würde“, so Kaufmann. Besonders im Sommer stünden auch andere Lokale in der Gegend um den überlaufenen Markt leer.

In der Branche munkelt man, Stallmajer habe zu hoch gepokert, manch einer spricht nun von einer Trotzreaktion. Das Drechsler liegt ohnehin im Clinch mit Behörden, es gab ein Strafverfahren wegen einer mangelnden Trennung von Raucher- und Nichtraucherzone. Derzeit läuft das Berufungsverfahren. Willy Turecek, der Obmann der Gastronomen in der Wiener Wirtschaftskammer, spricht von einem „spektakulären Schritt“. Dass ein Lokal mangels Garten im Sommer schließt, sei ein Einzelfall.

Gastgärten werden teurer

Ab 2013 dürfte der Betrieb eines Gastgartens – heuer haben 2000 Wiener Gastronomen Tische im Schanigarten aufgestellt – allerdings für alle teurer werden. Die Verhandlungen über die Neuregelung der Gebrauchsabgabe laufen. „Wir sind am kämpfen, aber weit auseinander“, sagt Turecek. Etwa bei der Forderung nach einer monatsweisen Anmeldung eines Gartens.

Künftig soll die Schanigarten-Gebühr von mindestens 3,63 Euro pro Quadratmeter und Saison erhöht werden. Besonders für Lokale in guten Lagen, die im Sommer tatsächlich mehr Umsatz machen und deren Geschäft sich nicht nur verlagert. Ein Kompromiss soll bis September gefunden werden.

Auf einen Blick

Kein richtiger Schanigarten und die übermächtige Konkurrenz am Naschmarkt – scheint die Sonne, ist das Drechsler leer gefegt. Weil sich der Betrieb im Sommer nicht lohnt, sperrt das legendäre Café von Juni bis September zu. Nicht das einzige Lokal in unmittelbarer Naschmarktnähe, das mit Problemen kämpft. Dass ein Lokal mangels Garten schließt, ist aber ein Einzelfall.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2012)

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