Michael Ludwig: "Autofahrer nicht schikanieren"

09.06.2012 | 18:01 |  von MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Wiens Wohnbaustadtrat und SP-Spitzenfunktionär Michael Ludwig übt leise Kritik am grünen Koalitionspartner wegen des Parkpickerls und will die Flächenwidmung reformieren. Ein "Presse"-Interview.

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Eine Frage an den Wiener SPÖ-Spitzen-Funktionär Michael Ludwig: Die Ausweitung des Parkpickerls sorgt für erbitterte Kontroversen, eine Volksbefragung steht im Raum– was ist schiefgelaufen?

Michael Ludwig: Man soll Autofahrer nicht schikanieren, aber man soll nachdenken, wie die Stadt lebenswert bleibt. Was man verabsäumt hat, ist, dass man die Vorteile der Parkraumbewirtschaftung dargestellt hat. Erst nach deren Einführung wurden innerhalb des Gürtels Plätze wieder zurückerobert, Teile der Stadt ruhiger und sicherer. Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen es eine Überparkung bis zu 150 Prozent in den innerstädtischen Gürtelbezirken gab. Erst mit der Parkraumbewirtschaftung hat sich das geändert. Das hat man bisher zu wenig dargestellt.

 

Haben die Grünen die Ausweitung des Parkpickerls verpfuscht?

Sie haben vielleicht unterschätzt, welche Dynamik in diesem Thema steckt. Uns ist es bewusster, weil bei der Einführung innerhalb des Gürtels auch nicht alle begeistert waren. Heute werden dort die Vorteile erkannt. Ähnlich wird es bei den betreffenden Bezirken nach der Ausweitung sein. Aber das muss man den Menschen erklären. Der Bürgermeister hat recht, wenn er sagt, dass man eine Informationsoffensive starten soll. Alle Neuerungen in der Politik muss man den Menschen erklären. Da soll man das Feld nicht jenen überlassen, die Verunsicherung betreiben.

 

Wird es im Fall einer Volksbefragung mehrere Themen geben?

Wenn man schon eine Volksbefragung macht, ist es sicher gut, mehrere Themen anzusprechen. Die Kosten sind ja die gleichen. Die zusätzlichen Themen muss man sich aber erst ansehen.

 

Zu Ihrem eigentlichen Job als Wohnbaustadtrat: Viele Bauträger wollen sich nicht in Aspern engagieren, die Wirtschaftsuni und die TU wollen dort nicht hin, Betriebe siedeln sich nur schleppend an – was läuft falsch in Aspern?

Zum jetzigen Zeitpunkt kann man nicht sagen, dass etwas schiefläuft. Wir sind mit dem Wohnbau und dem Ausbau der U-Bahn in der Zeit, und es wird auch versucht, Betriebe in Aspern anzusiedeln – was in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht leicht ist.

 

Trotzdem gibt es viele Bauträger, die nicht nach Aspern wollen.

Die Bauträger kämpfen damit, dass ich sehr stark die Schrauben ansetze, damit die Mieten sehr günstig sind – das gilt für die gesamte Stadt, und insbesondere auch für die Seestadt Aspern.

 

Es gibt die Befürchtung, dass Aspern eine künstliche Satellitenstadt wird, eine zweite Großfeldsiedlung.

Die Großfeldsiedlung hat eine hohe Lebensqualität.

 

Pardon, aber es ist bekannt, dass die Großfeldsiedlung ein sozialer Brennpunkt ist.

Ich habe lange am Rande der Großfeldsiedlung gewohnt. Die Wohnzufriedenheit ist höher als ihr Ruf. Heute würden wir die Großfeldsiedlung aber anders bauen. Das betrifft in erster Linie die U-Bahn-Anbindung, die erst viele Jahre später erfolgte. Anders, als in Aspern.

 

Bei Aspern hört man nichts von den Grünen, obwohl Maria Vassilakou als Planungsstadträtin zuständig ist. Dürfen die Grünen bei dem roten Prestigeprojekt nicht mitreden?

Der Masterplan ist festgelegt, jetzt sollen die Projekte realisiert werden – von der Infrastruktur bis zum Wohnbau, der das Rückgrat der Stadtentwicklung ist.

 

Wien wächst. Wird der geförderte Wohnbau ausgeweitet?

Wir leisten hier extrem viel und haben in den letzten fünf Jahren die Neubauleistung deutlich angehoben. Ausweiten möchte ich aber die Möglichkeiten. Etwa durch die neue Widmungskategorie „förderbarer Wohnbau“.

 

Was bringt das?

Es werden im Bebauungsplan Kriterien festlegt, die auf dem geförderten Wohnbau basieren und verbindlich eingehalten werden müssen. Das heißt nicht, dass dort ausschließlich geförderter Wohnbau errichtet wird – es sind aber die Voraussetzungen für den förderbaren Wohnbau einzuhalten.

 

Wie soll das funktionieren, wenn eine Fläche nicht für den geförderten Wohnbau reserviert ist. Dann kann jeder bauen.

Das ist ein Beitrag, um Flächen für den geförderten Wohnbau zu mobilisieren. Gemäß der Bauordnung müssen die Rahmenbedingungen so eingehalten werden, dass prinzipiell ein geförderter Wohnbau möglich ist.

 

Wie sehen diese Rahmenbedingungen aus?

Die sind bautechnischer Natur. Es dürfen nur Wohngebäude errichtet werden, die aufgrund der Größe der Wohnungen und des energietechnischen Standards jenem des geförderten Wohnbaus entsprechen.

 

Die Mieten in Wien sind massiv gestiegen. Sieht die Stadt nur zu?

Die Gemeindewohnungen sind unter der Inflationsrate gestiegen, die Genossenschaftswohnungen mit der Inflationsrate. Es ist der frei finanzierte Bereich, in dem die Mieten bei Neuvermietungen massiv angestiegen sind.

 

Weil die Stadt zu wenig Wohnungen baut?

Nein. Die Mieten sind wegen der starken Nachfrage nach diesen Wohnungen gestiegen. Wien ist eine attraktive Stadt, die wächst. Die Einwohnerzahlen steigen – weil wir heute erfreulicherweise eine höhere Lebenserwartung haben und positive Geburtenbilanzen aufweisen. Außerdem ziehen Bewohner zu.

 

Die Mieten steigen auch, weil Wien viele Gebühren, also die Betriebskosten, erhöht hat.

Jetzt kam es zu einer Konzentration, weil es über viele Jahre keine Erhöhung gegeben hat. Auf Dauer können Erhöhungen nicht ausbleiben, das ist jedem Geschäftsmann klar.

Derzeit läuft die Diskussion um das Transparenzpaket. Wie viel geben Sie für Inserate und Werbung aus?

Wir sind in den Presse- und Informationsdienst der Stadt (PID) eingegliedert, der ressortübergreifend einen Gesamtüberblick hat.

 

Maria Vassilakou hat ihre Ausgaben veröffentlicht. Warum nicht auch Sie?

Der PID setzt in Abstimmung mit den Ressorts die Kommunikationsschwerpunkte. Sämtliche Ausgaben dafür werden in Zukunft – mit Inkrafttreten des neuen Medien-Transparenzgesetzes im Juli – auch ausgewiesen.

1961
Michael Ludwig wird in Floridsdorf geboren.

1984–1986
Projektleiter in der Erwachsenenbildung. Davor Abschluss des Studiums der Geschichte und Politikwissenschaft.

1991
Bildungssekretär der Wiener SPÖ,
von 1986 bis 1991 Pädagogischer Leiter einer Volkshochschule.

1994
Michael Ludwig steigt als Bezirksrat in Floridsdorf in die Politik ein.

1999
Einzug in den Gemeinderat.

2007
Ludwig wird Wiener Wohnbaustadtrat und folgt damit Werner Faymann nach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2012)

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70 Kommentare
 
12

re:

Langsam wundert mich sowas gar nicht mehr in Österreich. Warum kann es nicht eine staatliche Immobilienseite wie http://www.mietwohnungen-wien.info geben?

Gast: Das Wissen dieser Welt
11.06.2012 04:22
0

Untertitel: An alle Begriffsstutzigen dieser Welt

Unauffällig aber gefährlich:
Feinstäube (Raucher blasen sie auch in die Luft) fordern allein in
Deutschland
jährlich zehntausende Opfer.
Die Lunge ist unsere größte Kontaktfläche zur Außenwelt; mehr als
10.000 Liter Luft durchströmen sie täglich.
Die Lunge ist die wichtigste
Schnittstelle zwischen Leib und Leben: 4 Wochen o. Essen, 4 Tage o. Wasser aber nur 4 Minuten o. Luft – dann ist Schluss.


Antworten Gast: xxx
11.06.2012 11:22
5

Re: Wer gesund lebt, ist selber schuld..

.interessantes Buch

Fazit:

**Unser Leben ist dann lebenswert, wenn wir es mit Freude leben, ohne Ängste, Kasteiung und Zwang**

Genuss bereichert!


Antworten Gast: bin sonst sehr skeptisch
11.06.2012 09:04
0

bei aller berechtigten Kritik- aber ich halte den Ludwig

für einen der Besten in der Wiener SPÖ. Hat großes Bürgermeister-Potenzial

Nach eingehender Betrachtung des Photos


erkenne ich eher einen Sektenprediger, der schön langsam zum Himmel abhebt

tja..

.. da glaubt wohl jemand er kann den Leuten jeden Schwachsinn auf die Nase binden.. Realitätsverweigerer..

Gast: Zuablecht, einhavariert, ausdemoliert
10.06.2012 17:25
0

Dem Sozi-"Edelbürger" is wui liaba uns schikaniert da schleichende Feinstaubtod



Antworten Gast: greteweise
11.06.2012 03:50
4

Re: teufelsaustreibung gegen den bösen feinstaub liegt im parkpickerll

. eh klar - das prophezeit uns wer? ahhhhh - viell. das orakel zu deppi?

ich bin neben einem asphaltierungswerk im gemeindebau aufgewachsen und der gipfel meiner unschuldigen unverfrorenheit gegenüber meiner gesundheit war auch noch, dass ich leidenschaftlich gerne beim starten vom DKW meines vaters die abgase gerochen habe ....und ned nur 1x....

bei soviel huiiiiiii gift würden die grünen vermutlich hier schon beim durchlesen umkippen.

nach 40 jährigem zus. zigarettenkonsum habe ich trotzdem ein befundetes biologisches alter (ned nur optisch) das 10 jahre darunter liegt.

ich muss eine hexe sein, anders lässt sich das sicher nicht erklären :-)

Antworten Antworten Gast: Glücksgen-Oma
12.06.2012 01:47
0

Re: Re: teufelsaustreibung gegen den bösen feinstaub liegt im parkpickerll

Du bist ja eine besonders schlaue Allwissende?!?
Mein Vorschlag: Nimm die Kinder deiner Kinder (so du solche hast?!) und stell den Kinderwagen täglich für 2. Stunden an eine stark befahrene Kreuzung. Zünd dir ein Zigaretterl an, mach einen tiefen Lungenholer, träum dabei vom Oldtimer-DKW und verabschiede dich Rußgeschwärzt-Himmelwärts. Wird für dich kein Problem sein? Als Hexe löst du ja auch jederzeit die vernachlässigbare Feinstaubmisere.

Antworten Antworten Antworten Gast: greteweise
13.06.2012 03:49
4

Re: was kümmert`s den mond, wenn ein hund ihn anbellt?


Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Ich weiß, du Hund ich Mensch!!!
14.06.2012 07:27
0

Re: Re: was kümmert`s den mond, wenn ein hund ihn anbellt?


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Ludwig

Der Herr über :
"Rechnet man zum Schuldenstand von 4 Milliarden Euro noch die Schulden von Wiener Wohnen, in der Höhe von rund 2,6 Milliarden Euro dazu, kommt man auf einen Gesamtschuldenstand von 6,6 Milliarden Euro."
Genau so unfähig wie sein Vorgänger alles Falotten.

Re: "Rechnet man zum Schuldenstand von 4 Milliarden Euro noch die Schulden von Wiener Wohnen, in der Höhe von rund 2,6 Milliarden Euro dazu

kommt man vielleicht als erzroter Wähler eines Tages drauf, welch Versager man hier im einst schönen Wien an die Macht hievt(e) !

Man sehe sich als Gemeindemieter nur einmal die Jahresabrechnungen genauer an, damit man erkennt WOHIN diese Schulden gemacht werden, und welch nicht erkennbare Leistungen dafür erbracht werden !!!

Leider tun das die wenigsten, da sich der leider immer noch grosse Rest, weiterhin einlullen und betören (belügen) lässt, bzw selbst mit einer Firma im Geflecht tief drinnensteckt !

Re: Ludwig

warum? Schuld sind dann Spekulanten, Banken, EU und Euro.

Ludwig

Spö= Verlierer bei der nächsten Wahl.

17

schwager vom faymann

...das erklärt einiges

...vetternwirtschaft!

Gast: phj
10.06.2012 14:17
19

Die Großfeldsiedlung hat eine hohe Lebensqualität.

Diese seine Aussage sagt doch alles über diesen Stadtrat

Re: Die Großfeldsiedlung hat eine hohe Lebensqualität.

Naja, für Ihn ist das der gelebte Traum vom sozialistischen Paradies. Das gibt eine Vorstellung davon, wie sich die Linken eine Stadt vorstellen, wenn man ihnen die Freiheiten lässt.

dieser Stadtrat ist ebenso wie sein Vorgänger und Schwager

gleich viel wert, wie auch er ständig nicht nur wegen der Parkmissäre beweist !

Er lässt zb unzählige alte Gemeindebauten verfallen, obwohl ständig nicht nur die Mieten sondern auch BK angehoben werden..... als Antwort auf die Frage warum, "es ist dafür kein Geld vorhanden" !

Ein toller Stadtrat, den sich wir Wiener Bürger "leisten" müssen !

Das kritische Interview mit Lufwig ist genial!

Wie hat der Typ eigentlich abgestimmt., bezueglich PARKPLATZGEBUEHREN??

:))

Re: Das kritische Interview mit Lufwig ist genial!

der ist auch im Wohnbau und Erhaltung völlig ungeeignet, wie unzählige verfallende städtische Wohnhäuser beweisen !

Hier erkennt man erneut sehr gut wie man im Beispiel des roten WIen etwas werden kann, was man eigentlich gar nicht ist; nämlich um die Interessen der Bürger bemüht !!!

Re: Re: Das kritische Interview mit Lufwig ist genial!

Und das was saniert wird ( um enorme Summen) ist Pfusch pur nur gegen die Sippschaft ist kein Krieg zu gewinnen.

Gast: Kritiker12345
10.06.2012 10:08
20

Parkpickerl in den Innenbezirken...

"Erst nach deren Einführung wurden innerhalb des Gürtels Plätze wieder zurückerobert," --> auf Deutsch: Gehsteigsvorziehungen (Parkplatzvernichtung, im 8. und im 9. Bezirk sehr beliebt), Fahrradspuren/Wege, die kaum benützt werden........... --> Sollten DAS die Vorteile der "Parkraumbewirtschaftung" sein, glaube ich gerne, dass man das den Menschen erst erklären muss.... (vor allem die Vorteile, wo immer sie auch sind). Wenn man so in der Privatwirtschaft vorgeht (jemandem etwas verkaufen, das nicht unbedingt einen Gegenwert hat (Parkplatz-Garantie gibt`s trotz Pickerl nicht)) --> Ab vor`s Gericht!

Apropos Privatfirma

Ich bin generell nicht begeistert, wenn öffentliche Körperschaften mit Privatfirmen verglichen werden, denn sie müssen unterschiedlich agieren, weil unterschiedliche Aufgaben.

Dennoch geh ich auf ihr Beispiel ein und stelle Ihnen die momentane Situation aus der Sicht von Verkehrsplanern dar:
die Spritpreise sind nahe der Schmerzgrenze, werden jedoch auch in den nächsten Jahren steigen. In 30 Jahren (für Verkehrsplanung keine sehr große Spanne) haben wir dann die Situation, dass die Infrastruktur primär auf Autos ausgelegt ist, aber nur noch Besserverdiener die Möglichkeit haben, diese zu verwenden.
Den Umstand, dass die Bevölkerungsmehrheit dann von einem Moment auf den anderen keine geeignete Infrastruktur mehr vorfindet, gilt es unbedingt zu verhindern. Deswegen müssen schon jetzt lenkende Maßnahmen ergriffen werden, um den Autoverkehr im innerstädtischen Kontext unattraktiv zu machen.

Re: Parkpickerl in den Innenbezirken...

Die Ohrwaschl am Gehsteig wurden zuerst durch Vergabe an SPÖ Firmen gebaut, dann durch den nachfolgenden SPÖ Stadtrat zurueck gebaut!

Den ersten Stadtrat hat man dann bei der Bank Austria als Konsulent geparkt. Auftrag: Eroberung des Ostens aufgrund seiner genialen Verbindungen zu den dort ansaessigen Roten! War sinnlos! ;-)

Gast: M. Wolf
10.06.2012 09:51
19

Ich habe lange am Rande der Großfeldsiedlung gewohnt.

Was wäre so einer ohne Partei?
Hauswart in der Grossfeldsiedlung?
Nicht mal das.

 
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