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Van der Bellen: Verspätet ins Rathaus

14.06.2012 | 18:37 |   (Die Presse)

Bei der Wien-Wahl 2010 erhielt Alexander Van der Bellen rund 12.000 Vorzugsstimmen, doch trat er sein Amt im Gemeinderat nicht an. 20 Monate später hat er es sich anders überlegt.

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Wien/EKO. Nun kommt er also doch. Rund 20 Monate ist es her, dass Alexander Van der Bellen bei der Wiener Gemeinderatswahl mit 11.952 Vorzugsstimmen vom letzten Listenplatz bei den Grünen an die Spitze gereiht wurde – doch sein Mandat nicht annahm, sondern im Nationalrat blieb. „Dieser Makel hat mich die letzten 18 Monate beschäftigt“, sagt Van der Bellen heute. Und das anscheinend so sehr, dass der 68-Jährige nun doch den Wählerauftrag annimmt und sein Nationalratsmandat gegen einen Platz im Wiener Rathaus eintauscht.



Van der Bellen: Der grüne Professor zieht ins Stadtparlament ein

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Der späte Sinneswandel hängt unmittelbar mit dem Jobwechsel der grünen Gemeinderätin Sigrid Pilz zusammen, die ab Juli Wiener Patientenanwältin wird. Auf ihren frei werdenden Platz rückt nun Van der Bellen nach: „Die Gelegenheit, doch den Wählerauftrag anzunehmen, ergibt sich jetzt zum ersten Mal.“ Abgesehen von den Personen ergeben sich durch die Rochade auch thematisch einige Veränderungen. Denn Van der Bellen wird nicht die Agenden von Sigrid Pilz, die sich Gesundheitsthemen widmete, übernehmen. „Das ist nicht mein Spezialgebiet.“ Neue Gesundheitssprecherin der Grünen wird Jennifer Kickert.

Der Ökonom will sich hingegen vorrangig um Bildungs- und Forschungsthemen kümmern. Dafür wird er seine Aufgabe als Sonderbeauftragter der Stadt für Universitäts- und Wissenschaftsangelegenheiten abgeben – dieser Posten war nach der Wien-Wahl 2010 eigens für ihn geschaffen worden. Als Beruhigungspille für all jene, die dem Professor nach seiner Entscheidung gegen den Gemeinderat „Wählertäuschung“ vorwarfen. „Das Amt ist mit einem Gemeinderatsmandat nicht vereinbar“, sagt Van der Bellen. Den mit einem Budget von rund 210.000 Euro versehenen Posten, mit dem er allerdings kaum öffentlich in Erscheinung trat, wird es allerdings weiterhin geben – mit der rot-grünen Stadtregierung sei jedenfalls vereinbart, dass er nachbesetzt wird.

Lob für rot-grünen Stil

Auf seine 18 Jahre im Parlament blickt Van der Bellen mit etwas Wehmut zurück, aber „ich freue mich auf das Rathaus, es ist ja nicht irgendein Rathaus“. Umstellen müsse er sich vor allem deswegen, weil er von einer Oppositionsfraktion im Nationalrat zu einer Regierungsfraktion wechselt. Wobei er vor allem das Verhältnis von SPÖ und Grünen lobend hervorhebt: „Das Klima ist ein ganz anderes als bei Rot-Schwarz im Bund, wo die täglichen Knirschstellen unüberhörbar sind.“
Sein Amt als Gemeinderat antreten wird Van der Bellen ab der zweiten Juliwoche – vorher möchte er noch an einigen Entscheidungen im Nationalrat, unter anderem geht es um den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), mitwirken. Die offizielle Angelobung findet im September statt.

Die Reaktionen auf Van der Bellens neue Aufgabe fielen gemischt aus. Während sich die Grünen wenig überraschend positiv bis euphorisch geben – „ein großer Gewinn für den Wiener Gemeinderat“, meint etwa Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou –, ist sich die Opposition noch nicht ganz einig, wenngleich ein gewisser Respekt für den Professor in den Stellungnahmen mitschwingt. So hofft Wiens ÖVP-Obmann Manfred Juraczka, „dass Alexander Van der Bellen der Chaostruppe um Vassilakou, Ellensohn und Co. ins Ruder greift“. Die Freiheitlichen teilen diese Hoffnung nicht – Klubobmann Johann Gudenus rechnet jedenfalls nicht damit, „dass Van der Bellen die Parkpickerldespotin Vassilakou oder Linksextremisten wie Klubchef Ellensohn“ zur Räson bringt.

Der späte Wechsel in den Gemeinderat fügt sich in die Biografie des Professors. Auch seine politische Karriere begann er erst relativ spät – 1992 wurde das frühere SPÖ-Mitglied Kandidat der Grünen für das Amt des Rechnungshofpräsidenten, 1994 zog er in den Nationalrat ein. Drei Jahre später wurde er Bundessprecher der Grünen, was er elf Jahre lang blieb. Er einte die Grünen, die lange stark zerstritten waren, und sorgte für eine Vergrößerung der Wählerschaft von der existenzbedrohenden Vier- bis Fünf-Prozent-Marke. Sein größter Erfolg war das Ergebnis der Nationalratswahl 2006, bei der die Grünen mit elf Prozent knapp die FPÖ überholten und drittstärkste Kraft wurden. Als seine größte politische Niederlage gilt das Platzen der schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen 2002.

Zur Person
Alexander Van der Bellen (geb. 1944) zog 1994 für die Grünen in den Nationalrat ein und war von 1997 bis 2008 Bundessprecher der Partei. Bei der Wiener Gemeinderatswahl 2010 wurde er dank 11.952 Vorzugsstimmen vom letzten auf den ersten Platz der Grünen-Liste gereiht, jedoch wechselte er nicht in den Gemeinderat. Rund 20 Monate später geht er als Nachfolger von Sigrid Pilz nun doch in die Wiener Kommunalpolitik.

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128 Kommentare
 
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Lob für rot-grünen Stil

auch wenn der völlig konträr gegen die eigene Bevölkerung gerichtet und für viele Familien und Alleinverdiener schmerzhaft ist, hauptsache dem vdB samt seiner Meute an Hyänen geht es dabei gut, Vaseninkuh tritt weiterhin für Auto freie Zonen auf und lässt sich danach vom Küniglberg mittels Dienstwagen plus Fahrer nach Hause oder sonstwohin bringen ?! !

Re: Lob für rot-grünen Stil

beleidigende Namensverdrehungen sind mir zutiefst zuwider.

Vielleicht hat der alte Mnn erkannt,

daß die momentane Politik seiner Amazonen zu nichts führt......

Gast: Van der Kläff
15.06.2012 14:45
11 1

Prof. Dr. Van der Bellen

Einst: Kläff, kläff im Parlament

Jetzt: Kläff, kläff, im Rathaus

Re: Prof. Dr. Van der Bellen

van der wau wau

Gast: mitwitzundhumor
15.06.2012 13:15
3 15

Grüner Professor vs. blauer Zahntechniker? - Die Entscheidung fällt leicht.

Van der Bellen ist wenigstens einer der wenigen in Österreich, der bis zu seinem 65 Lebensjahr gearbeitet hat.
Außerdem sind die Videos auf youtube ein Genuss, bei denen er regelmäßig die FPÖ und den blauen Zahntechniker vorführt - und zwar mit Witz, Gelassenheit und - ganz wichtig - DER WAHRHEIT. VdB bedient sich bei seinen Reden keiner Lügen und Verschwörungstheorien, und genau das zeichnet einen guten Politiker aus.

Strache hingegen wirft mit falschen Zahlen und - in den blauen Augen - ja allgegenwärtiger "Politjustiz" um sich, dass sich sogar das Innenministerium einschalten muss, um seine angeblichen "Fakten" zu korrigieren.

Re: Grüner Professor vs. blauer Zahntechniker? - Die Entscheidung fällt leicht.

>der bis zu seinem 65 Lebensjahr gearbeitet hat.

was hat denn der bis jetzt "gearbeitet"?

Antworten Antworten Gast: mitwitzundhumor
16.06.2012 15:58
0 3

Re: Re: Grüner Professor vs. blauer Zahntechniker? - Die Entscheidung fällt leicht.

Informieren Sie sich halt einfach. Ich weiß das ist einem Menschen wie Ihnen nicht zumutbar. Sie nehmen lieber das vorgekaute Zeug der FPÖ auf und reproduzieren das dann wieder.

Re: Re: Re: Grüner Professor vs. blauer Zahntechniker? - Die Entscheidung fällt leicht.

>was hat denn der bis jetzt "gearbeitet"?

Ja nix halt , Sie Grünvogel, aber das verstehen sie ja natürlich nicht...

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: mitwitzundhumor
17.06.2012 16:18
0 0

Re: Re: Re: Re: Grüner Professor vs. blauer Zahntechniker? - Die Entscheidung fällt leicht.

Schauen Sie doch mal auf der Parlamentshomepage nach.

Echt traurig, dass solche Leute wie Sie direkte Demokratie fordern und keine Ahnung haben, wo man sich über den Lebenslauf eines Politikers informiert. Ein Armutszeugnis für Österreich.

Re: Re: Re: Re: Re: Grüner Professor vs. blauer Zahntechniker? - Die Entscheidung fällt leicht.

als Rhetoriktrainer kann er jedenfalls nicht gearbeitet haben

4 1

Re: Van der Bellen ist wenigstens einer der wenigen in Österreich, der bis zu seinem 65 Lebensjahr gearbeitet hat.

und bitte WAS gemau ausser Politiker gewesen und noch zu sein, hat der in seinem Leben getan ???

Re: Grüner Professor vs. blauer Zahntechniker? - Die Entscheidung fällt leicht.

mag stimmen, aber der vorzugsstimmenwahlkampf und das nicht angenommene damit erreichte mandat waren auch nicht gerade der "wahrheit" verpflichtet, oder?

Antworten Antworten Gast: mitwitzundhumor
15.06.2012 14:25
0 7

Re: Re: Grüner Professor vs. blauer Zahntechniker? - Die Entscheidung fällt leicht.

Es war vielleicht ein Fehler, dass er sich aufstellen hat lassen, aber er hat immer betont, dass er sich erst nach der Wien-Wahl entscheiden wird, ob er im NR bleibt oder in den Gemeinderat wechselt. Insofern waren seine Wähler bereits vorab informiert, dass er nicht zwingend in den Gemeinderat einzieht - also eigentlich entsprach das dann doch wieder der wahrheit.

Gast: nero bianco
15.06.2012 12:13
10 0

wer...

... hat den job dann eigentlich bis jetzt erledigt?

- keiner? dann hats offensichtlich nicht gefehlt
- einer, ders jetzt nicht mehr macht, der wird sich bedanken
- einer, ders jetzt auch macht, dann ists einer zu viel...

Gast: almöhi
15.06.2012 12:02
8 0

schade eigentlich,

dass er jetzt die Rolle der Primadonna übernimmt. Bei allem Respekt, sooooo umwerfend ist seine Darstellung ja nun auch wieder nicht.

Gast: achmed
15.06.2012 09:37
10 2

grüne

Holl im der Teufel denn höllenhumd bello

Antworten Gast: Sehr ver(k)ehrter Herr Achmed...
17.06.2012 03:47
0 0

Re: grüne

...hole ihn der Teufel, den Höllenhund Bello-meinten sie wohl?
Dessen ungeachtet glaube ich, ist der Van der Bellen noch einer der wenigen halbwegs seriösen Politiker, in diesem schönen Österreich. PS. War als Sozialdemokrat nie Grün-Wähler…

Gast: Avalanche
15.06.2012 07:11
17 0

Wer zu spät kommt, den straft das Leben.


Obwohl für einen Versorgungsposten im Rot / Hammer-Sichel-Roten Wien ist es nie zu spät.

frau pilz

stimmt das tatsächlich, was das u-bahn blattl schreibt: frau pilz wird ihre tätigkeit als patientenanwältin mit 144000 pro jahr vergütet? das wäre ja unfassbar.

Re: frau pilz

Das ist die Arbeit, bei der die dort Angestellten einige Jahre brauchen, bis ein Patent erteilt wird (das dann den Antragsteller durch Verwaltungsgebühren finanziell ruiniert), und es den Amerikanern ermöglicht, rechtzeitig mit ihrem Abkupfer-Patentwesen zuvorzukommen.

Re: Re: frau pilz

patient, nicht patent!

Re: Re: Re: frau pilz

danke, ich war beim Lesen schlampig.

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Re: frau pilz

warum unfassbar? angemessen- könnte sie was u in einer vernuenftigen Kanzlei arbeiten wäre es mehr...

Re: Re: frau pilz

zu ihrer information: die patientenanwaltschaft ist eine öffentliche einrichtung in der bisher pensionierte juristen alle möglichen patientenbeschwerden verwaltet haben. ruhige kugel, keinerlei risiko.

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Re: Re: frau pilz

Und welche Kanzlei sollte sie nehmen? Frau Pilz ist promovierte Erziehungswissenschafterin und Psychologin...

 
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