Wien/Cim. Die Panflötentrios, die Akkordeonspieler und die Gitarrerenhelden auf Wiens Straßen dürfen in Parks künftig nur mehr in Zimmerlautstärke spielen. Dem entsprechen etwa die 45 Dezibel, die dort als Lärmgrenze gelten; in Geschäftsstraßen dürfen sie ein wenig lauter spielen, am meisten ist mit 65 Dezibel (das entspricht Kantinenlärm) auf Bauland erlaubt. Eine rot-grüne Arbeitsgruppe hat sich auf eine Novelle der Verordnung geeinigt, die Ende Juni in Kraft treten soll.
„Es wird definitiv leiser“, heißt es aus dem Büro der zuständigen Stadträtin Ulli Sima. Bisher gab es nur den vagen Passus der „zumutbaren Belästigung“, das hat immer wieder für Konflikte gesorgt. Die Stadt regelt nicht nur die Lautstärke neu: Tritt eine Gruppe – egal ob als Musiker oder lautlos – auf, darf diese aus nicht mehr als sechs Künstlern bestehen. Auch die Zeiten werden vereinheitlicht: Straßenkunst ist an Orten mit Platzkarten von 16 bis 20 Uhr erlaubt (bisher bei Musik 17 bis 21 Uhr), Musiker dürfen maximal zwei Stunden am selben Ort singen oder spielen. Bildende Straßenkünstler dürfen fortan zwischen 14 und 22 Uhr auf Wiens Straßen arbeiten. Für weniger zentrale Orte, für die keine Platzkarten ausgegeben werden, gelten andere Bestimmungen.
„Mit den neuen Bestimmungen wollen wir ein Flair ähnlich wie in Paris schaffen, wo Straßenkunst nicht wegzudenken ist“, sagt Sima. Wenngleich man die Lebensqualität der Anrainer nicht beeinträchtigen dürfe. „Die Wiener empfinden Straßenkunst tendenziell als Belästigung“, sagt SP-Gemeinderat Beko Paxant, er erwartet sich durch die neue Regelung eine höhere Qualität der Darbietungen und so mehr Wertschätzung durch die Wiener.
Künstlerviertel wie in Paris
Manche Orte in Wien werden künftig durch Markierungsnägel gekennzeichnet. Damit sollen die Künstler leichter einen Standort finden und Behörden leichter kontrollieren können. Nach dem Vorbild des Pariser Künstlerviertels Montmartre sollen sich Maler künftig auf einigen Plätzen konzentrieren: etwa am Michaelerplatz, am Stock-im-Eisen-Platz oder am Karlsplatz.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)
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