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Seestadt Aspern: Entwicklungsgebiet mit Entwicklungsstörungen

19.01.2012 | 18:15 |  GERHARD BITZAN (Die Presse)

Durch ökologischen Wohnbau und viel Mitbestimmung soll das ehemalige Flugfeld zu einem attraktiven Stadtviertel werden.

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Als vor zehn, zwölf Jahren die derzeit aktuellen Wiener Stadtentwicklungsschwerpunkte ausgearbeitet wurden, herrschte bei den Planern im Rathaus noch recht großzügiges Denken. Die Stadt hatte einige Flächen brachliegen, die es zu beleben galt. Egal, ob sie am Stadtrand lagen oder nicht, Ausbau um fast jeden Preis war angesagt.

Das ehemalige Flugfeld Aspern in der Donaustadt ist eines dieser damals fixierten Wiener Ausbaugebiete. Ein Gebiet, das aber nicht so läuft, wie es die Stadtplanung gerne hätte. Die Stadt muss daher als Bauherr helfen. Gestern, Donnerstag, wurde im Beisein von Finanzstadträtin Renate Brauner die Dachgleiche des Technologiezentrums Aspern IQ gefeiert. Dieses wird von der Wiener Wirtschaftsagentur errichtet und soll als Anker für künftige Technologieunternehmen in Aspern dienen. „Wir übernehmen ganz bewusst die Vorreiterrolle als erster Bauherr in der Seestadt“, betonte Brauner.

Als der Masterplan für dieses mit 240 Hektar größte Entwicklungsgebiet Wiens 2007 im Gemeinderat – einstimmig, übrigens – beschlossen wurde, herrschte noch großer Jubel über das Projekt: 25.000 Arbeitsplätze, 8500 Wohnungen, Universitätsgebäude, Forschungseinrichtungen, Kulturbetriebe und zahlreiche Firmen sollten dort Platz finden. Mit der U2 wurde eine attraktive öffentliche Verbindung geschaffen. 2008 sollten schon die ersten Bauten stehen.

Dann kamen aber die Mühen der Ebene: Immer mehr Experten argumentierten, dass es besser gewesen wäre, zuerst innerstädtische Gebiete zu entwickeln und auszubauen. Dann gab es für das Projekt Aspern Rückschläge, weil sowohl WU als auch TU nicht an die Peripherie ziehen wollten. Und schließlich kamen Wirtschaftskrisen, die die Freude vieler Unternehmen trübten, in das mittlerweile mit großem Marketingaufwand in Seestadt Aspern umgetaufte Gebiet zu ziehen.

 

An diesem Punkt stehen wir heute. Aspern, das unter dem früheren Stadtrat Rudi Schicker propagierte Megaprojekt, ist zu einem Beispiel dafür geworden, wie mühsam es ist, ein Riesenprojekt am Stadtrand durchzuziehen. Warum sollte ich da rausziehen?, so die gängige Frage vieler Wiener. Attraktivität wird jetzt über den Wohnbau geschaffen. Ende Dezember wurde der Bauträgerwettbewerb für 760 Wohnungen gestartet. Diese erste Tranche soll 2015 fertig sein und Bewohnern alles Mögliche bieten: weitreichende Möglichkeiten für Mitgestaltung, neue Wohnformen, ausreichend Grün- und Nachbarschaftsräume. Es wird viel Wert auf ökologisches Bauen und Wohnen gelegt. In der Seestadt wird Radfahrern Vorrang gegeben. Und in der Mitte wird ein fünf Hektar großer See errichtet – ausgebaggert ist er schon.

Doch es bedarf mehr, um zu keiner Schlafstadt zu werden, nämlich der Wirtschaft. Und da zeigen Unternehmen und Betriebe noch mäßiges Interesse, sich anzusiedeln und damit Arbeitsplätze zu schaffen. Zu Beginn der Planungen haben die Stadtentwickler übrigens auch stark auf die Osterweiterung und auf die Region Centrope gesetzt. Immerhin ist es von Aspern fast gleich weit zu den Zentren in Bratislava und Wien. Doch die Begeisterung für Centrope hat nachgelassen, und so stockt auch der Ausbau der Verkehrsverbindungen – und damit Asperns als Wirtschaftsregion.

 

E-Mails an: gerhard.bitzan@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2012)

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1 Kommentare
Gast: wolfi59
20.01.2012 12:49
0 0

Ursache und Wirkung

......Doch die Begeisterung für Centrope hat nachgelassen, und so stockt auch der Ausbau der Verkehrsverbindungen – und damit Asperns als Wirtschaftsregion...-.

Hier wird, meiner Meinung nach, Ursache und Wirkung verwechselt.
Es ist vor allem das fehlende Verkehrskonzept das für die mangelnde Begeisterung verantwortlich ist und die Investoren abschreckt.
Eine tragfähige Lösung für die zunehmenden Verkehrsprobleme im 22. ist durch den Ausbau der Öffis alleine nicht realisierbar, andere Lösungsansätze sind nicht in Sicht, bzw. werden wirkungsvoll verzögert bis verhindert.