Wien/Damaskus. Wenn es stimmt, wäre es ein weiterer schwerer Schlag für Syriens Staatschef Bashar al-Assad: Sein Protokollchef Moheddin Muslimani soll zu den Aufständischen übergelaufen sein, wie der saudische Sender al-Arabiya berichtete. Der angeblich „Desertierte“ ließ dies allerdings umgehend dementieren: „Diese Berichte sind ohne Grundlage, ich erfülle meine Pflicht im Präsidentenpalast“, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur Sana.
Ungeachtet des Verbleibs von Muslimani: Es wird immer einsamer um Syriens Machthaber. Bereits am Montag hatte sich Premier Riyad Hijab auf die Seite der Aufständischen geschlagen. Assad ernannte am Donnerstag den bisherigen Gesundheitsminister Wael al-Halki zum Nachfolger. Wie Hijab gehört auch Halki der sunnitischen Mehrheit an, welche die treibende Kraft hinter dem Aufstand gegen Assad ist.
Die Kämpfe um die Wirtschaftsmetropole Aleppo gehen derweil mit unverminderter Härte weiter. Die Aufständischen der Freien Syrischen Armee (FSA) mussten sich nach eigenen Angaben aus Teilen des strategisch wichtigen Stadtviertels Salaheddine zurückziehen. Assads Truppen rücken nun in das Viertel ein. Man bereite sich auf einen Gegenangriff vor, sagte der Rebellenkommandant Abu Ali. Die Regierungstruppen hatten am Mittwoch eine neue Großoffensive eingeleitet. Das Regime setzt bei seinem Kampf um die Millionenstadt schwere Artillerie und Kampfjets ein. Die Schlacht um Aleppo wird als vorentscheidend für den Ausgang des Bürgerkriegs gesehen.
Konferenz der Assad-Freunde in Teheran
Der seit drei Wochen andauernde Kampf um Aleppo hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Es gibt keinen Strom mehr, Lebensmittel sind kaum noch aufzutreiben. Besonders dramatisch ist die Lage in den von der FSA kontrollierten Gebieten. Den dort errichteten Lazaretten gehen die Medikamente aus. Das Rote Kreuz und der Syrische Halbmond schaffen es inzwischen, die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Erstmals seit Wochen schaffte es ein Hilfskonvoi des Roten Kreuzes die Wirtschaftsmetropole zu erreichen. Damit können nun an die rund 12.500 Personen Lebensmittel und Verbandsmaterial verteilt werden, die sich in etwa 80 Schulen verbarrikadiert haben.
Mehrere Staaten fanden sich Donnerstagabend in Teheran zu einem Treffen über die Situation in Syrien ein. Eingeladen waren jedoch nur Nationen mit einer „richtigen und realistischen Position“, sagte ein iranischer Diplomat. Damit wurde angedeutet, dass keine Staaten teilnehmen würden, welche die syrische Opposition unterstützen. Nach Angaben der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna sollen 28 Länder der Konferenz beigewohnt haben. Neben Russland und China waren angeblich auch der Irak, Pakistan, Afghanistan, Indien und Jordanien vertreten. Der Iran zählt neben Russland zu den engsten Verbündeten des syrischen Regimes. Der Sturz Assads würde für die schiitischen Machthaber Irans einen erheblichen Machtverlust in der Region bedeuten.
Das Schicksal der von syrischen Rebellen entführten Iraner ist weiterhin unklar. Das iranische Außenministerium dementierte Berichte, wonach drei der 48 Entführten bei einem Angriff von syrischen Regierungstruppen getötet wurden. Alle betroffenen Iraner seien am Leben und wohlauf. Anfangs hatte der Iran entrüstet behauptet, es handle sich bei den Entführten um einfache Pilger, die auf dem Weg nach Mekka waren. Später räumte das Regime in Teheran jedoch ein, dass sich unter den Pilgern auch ehemalige Soldaten und Mitglieder der Revolutionsgarden befinden.
Militärische Unterstützung durch den Iran?
Nach Angaben der militanten iranischen Oppositionsgruppe der Volksmujahedin gehören die Iraner einer insgesamt 150 Mann starken Truppe an, welche die reguläre syrische Armee militärisch unterstützen sollte. Wenn sich diese Informationen bewahrheiten, wäre es der erste Beweis dafür, dass der Iran systematisch Truppen zur Unterstützung von Assads Regime entsendet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)
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