Israel vor den "offenen Toren der Hölle"

15.11.2012 | 19:43 |   (Die Presse)

Eskalation in Gaza. Zwei Monate vor der Parlamentswahl reagiert Israels Regierung mit Härte auf die Bombardements der Hamas. Die Streitkräfte greifen Raketenstellungen und die Führung der Islamisten an.

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[JERUSALEM/WIEN/KNA/RED.] Die Beerdigung von Ahmed al-Jabari war noch nicht vorbei, schon gab es neue Tote im Gazastreifen: 15 Opfer, darunter mehrere Kinder, zählten die Palästinenser am Donnerstag. Zum ersten Mal seit Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen gab es auch Tote auf israelischer Seite. Zwei Männer und eine Frau starben bei einem Raketenangriff auf die Kleinstadt Kirjat Malachi, 30 Kilometer nordöstlich vom Gazastreifen. Über 250 Raketen regneten bis zum Nachmittag auf Israel herab. Offenbar waren aus Sicht der Hamas das die „geöffneten Tore der Hölle", mit denen ein Hamas-Sprecher zuvor gedroht hatte - als Rache für den Tod ihres Militärchefs al-Jabari.

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Alarm in Tel Aviv

Über 250 Raketen regneten bis zum Nachmittag auf Israel herab, am Abend gab es auch Alarm in Tel Aviv - zum ersten Mal seit dem Golfkrieg 1991. Eine Rakete sei im Meer vor der Metropole eingeschlagen, so die Armeeführung, die Organisation Islamischer Jihad bekannte sich zu dem Angriff.

Der 52-jährige al-Jabari war das erste Opfer von Israels Feldzug. Der Hamas-Militärchef starb am Mittwoch bei einem Angriff auf seinen Pkw. Israels Ziel bei der Operation lautet, die „Köpfe des Terrors" zu treffen. Die Infrastruktur der Organisation soll geschwächt werden. Die Armee sei bereit, die Operation „noch sehr deutlich auszuweiten", sagte Premier Benjamin Netanjahu.

Begonnen hatte die neue Welle der Gewalt vor gut einer Woche, als Extremisten eine israelische Armeepatrouille angriffen und einen Soldaten lebensgefährlich verletzten. Mit der Tötung al-Jabaris reagierte Netanjahu auf den Druck in der Bevölkerung, dem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen mit harter Hand zu begegnen. Immerhin sollen in zwei Monaten in Israel Neuwahlen stattfinden.

So vage der Auftrag der Armee formuliert ist, so wenig ist abzuschätzen, wann die Mission als erfüllt erklärt werden kann. Auch eine Bodenoffensive wird nicht ausgeschlossen. Hier ginge es nicht um „einmal kurz zuschlagen und Schluss", sagte Verteidigungsminister Ehud Barak. Nach Informationen der Armee sei die Gefahr durch iranische Fadsch-Raketen, die bis in den Großraum Tel Avivs reichen und über die die Hamas verfügt, weitgehend gebannt.

Transportminister Israel Katz warnte sogar davor, dass auch Hamas-Regierungschef Ismail Hanijeh zum Ziel werden könnte. Hanijeh seinerseits appellierte an die Führung in Kairo, sich für ein Ende der Gewalt einzusetzen.

Mit Flugblättern warnte Israels Luftwaffe die Zivilbevölkerung des Gazastreifens vor Angriffen und rief dazu auf, sich von Kämpfern und Einrichtungen der Hamas fernzuhalten. Die Hamas sei verantwortlich für die Gewalt in der Region, heißt es. Israels Armee sei bereit, die Bürger des Staates Israel zu verteidigen. In Israel wurden am zweiten Tag der Operation auch kritische Töne gegenüber der Regierung laut. Als „strategischen Fehler" bezeichnet die liberale Zeitung „Haaretz" den Angriff auf al-Jabari.

„Genug ist genug!"

„Es war wichtig, der Hamas zu zeigen: Genug ist genug!", sagte am Donnerstag Israels Botschafter in Österreich, Aviv Shir-On, vor Journalisten. Er hoffe aber, dass diese Runde der Feindseligkeiten so rasch wie möglich vorbei sei.

Für Botschafter Shir-On stehe die neue Eskalation im Gazastreifen auch in Zusammenhang mit dem innerpalästinensischen Machtkampf: Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hat - sehr zum Unmut Israels - angekündigt, Ende November in der UN-Vollversammlung über einen Palästinenserstaat abstimmen zu lassen. Deshalb habe der Konkurrent Hamas die Raketenangriffe auf Israel intensiviert, um klarzustellen, wer das Sagen hat.

 

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88 Kommentare
 
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Wird zumindest immer weniger. ...

... Inzwischen ist das Land der Palästinenser zum Fleckerlteppich mutiert. Das Bild zeigt genau die Absichten Israels. Und die sind keine guten.
http://sphotos-d.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash3/26625_450619781641075_1196821503_n.jpg

Was hatte die Israelische Patrouille im Land der Palästinenser verloren?

Israel ist leider Besatzer und daher keinerlei Recht auf Vergeltung. Dieses Recht liegt alleine bei den Arabern! Ich wollt es wär anders, das würde vieles vereinfachen ...


Re: Was hatte die Israelische Patrouille im Land der Palästinenser verloren?

Es gibt kein "Land der Palästinenser". Schau auf die Landkarte.

Re: Re: Was hatte die Israelische Patrouille im Land der Palästinenser verloren?

Auf meiner Karte existiert Isreal als Dorfstaat! ;-)

Die Aktion sollte endlich mal zu Ende geführt werden.

Israel sollte sich von der Weltgemeinschaft nicht dreinreden lassen.
Wer für den Abbruch dieser Aktion ist, ist für den weiteren Raketenbeschuss und Terror gegen Israel.

Re: Die Aktion sollte endlich mal zu Ende geführt werden.

Absolut richtig! Soll Israel danke dafür sagen, dass ständig Raketen einschlagen?Wie wäre es denn umgekehrt? Wir aber dürfen uns dessen sicher sein, wie die Reaktionen wieder sein werden. Hier die "armen" Palästinenser, dort die "bösen" Israelis. Wenn einen etwas überraschen kann, dann ist es die große Geduld Israels. Obendrein sollten sich die Kritiker Israels einmal das Land, das etwa so groß wie Niederösterreich ist, auf der Karte ansehen. Obendrein ist dieses Land geographisch gesehen noch in die Länge "gestreckt". Um keinen Irrtum aufgkommen zu lassen: Ich selbst bin kein Israeli, habe keine Verwandten dort und habe Probleme, wenn bei Kritik an Israel sofort Antisemitismus unterstellt wird. Aber in dieser Sache ist meiner Meinung nach Israel eben im Recht!

Re: Re: Die Aktion sollte endlich mal zu Ende geführt werden.

Genau und diese Aktion wird dort Frieden bringen?
Die Israelis müssen endlich ernsthaft an den Verhandlungstisch gehen und die USA den Freibrief für die Israelis endlich aussetzen. Sie spielen sich dort als große Maker auf, es gibt klare Regelungen welche Gebiete zu Israel und welche zu Palästina gehören (und die haben eindeutig ein Recht auf Selbstbestimmung und einen eigenen Staat, ein föderaler Staat aus Israel und Palästina ist nach 60 Jahren Dauerkrieg einfach unrealistisch). Die Israelis verletzten diese Grenzen ständig (siehe Siedlungsbau im Westjordanland - eine permanente Provokation). Beide Parteien sollten endlich so weit sein, das es für jeden das Bessere ist Frieden zu suchen. Angriffe auf Zivilisten von beiden Seiten sind einfach inakzeptabel. Und nur weil den Juden unvorstellbares Unrecht und Leid zugefügt wurde, gibt ihnen das noch lange kein Recht Unrecht gegen eine dritte Partei, die mit dem Holocaust nix am Hut hatte, zuzufügen. Übrigens gibts in Israel bald Wahlen :-)

Re: Re: Die Aktion sollte endlich mal zu Ende geführt werden.

Ja, das weiss man schon seit jeher, wie arm und klein Israel ist. Und dass Israel kein Wässerchen trüben kann.

Re: Die Aktion sollte endlich mal zu Ende geführt werden.

den israelis ist die "weltmeinung" spätestens dann wurscht, wenn es um die sicherheit ihrer bürger und des landes geht.
warum? vielleicht, weil sie die "weltmeinung" in den jahren 1933-1945 noch in erinnerung haben. damals kamen den juden kaum wer zu hilfe.

wir haben 8 millionen teamchefs

und offensichtlich ähnlich viele, die sich als nahostexperten verstehen. während viele von denen zumindest schon einmal einen fussball getreten haben, waren der überwiegend andere teil noch nie im nahen osten unterwegs.
sogenannte trockenschwimmer eben :)

Zack, bomb, krach: wieder 100 Palis entsorgt.

Da jucken den Kriegshetzern wieder gewaltig die Finger am Abzug....

Es ist wie David gegen Goliath, nur dass ...

... David heute ein schwerbewaffneter Riese ist und Goliath ein Zwerg der mit Steinen wirft.

Re: Es ist wie David gegen Goliath, nur dass ...

Also wenn ich die gesamte arabische Welt so anschaue ist Israel immer noch der kleine David...

Re: Re: Es ist wie David gegen Goliath, nur dass ...

Vielleicht wissen sie es nicht, Israel ist die einzige Atom-Supermacht im Nahen Osten, im Hintergrund Big Brother USA. 2 Flugzeugträger haben mehr Kampfkraft als die Summer der meisten Staaten im Nahen Osten.

Außerdem, den Moslems wird der Vergleich nicht passen aber er ist trotzdem stimmig, passend zur Überschrift - Hunde die bellen beißen nicht!

Re: Re: Re: Es ist wie David gegen Goliath, nur dass ...

Du hast keinen Plan, was Saudi Arabien so hortet.

Es geht mir Auf die Keks,

wenn ich das Wort "islamist" höre.

Selbst die "Qualitätszeitung" Presse kann damit nicht aufhören. Das führt nur zur Diskriminierung.

Hört endlich auf die Islamophobia zu verbreiten !!!

Re: Es geht mir Auf die Keks,

An den negativen Bewertungen sieht man auch gleich, wie wirksam dieses Natsi-Gehabe der Presse ist.

Re: Re: Es geht mir Auf die Keks,

Also, was haben wir den da? Dieser Beitrag ist doch köstlich. I made no comments.
Möchte in diesem Zusammenhang nur anmerken, dass, nach hoeren und sagen, Israel die best' ausgerüstete Armee des vorderen Orient besitzen soll? Diese vorsichtige Formulierung deshalb, weil ein Teilnehmer all jene Schreiber ruegte, die noch nie in der Region waren. Ich gestehe, ich war noch nie in Israel. Und drumherum!

Die Opfer sind als wieder einmal schuld

Es war wirklich besser, als der Botschafterposten in Wien verweist war.

Re: Die Opfer sind als wieder einmal schuld

"Verwaist" bitte. Sie wissen, wie leicht man hier ins rechte Eck gestellt wird. Da darf man sich nicht auch noch zusätzlich schwere Rechtschreibfehler erlauben.

Furchtbar für alle friedliebenden Menschen

in Israel, im Gaza, auf der ganzen Welt! Dass es nach mehr als 6000 Menschheitsgeschichte noch immer keine andere Lösungsmöglichkeit als Waffengewalt gibt spricht nicht gerade für die Spezies Mensch.

unglaublich wieviele antisemiten noch immer in östereich rumlaufen


Re: unglaublich wieviele antisemiten noch immer in östereich rumlaufen

Wieso schließen Sie auf Antisemiten?? Nur weil man über ein paar Leut' schreibt, die nix andres können, als auf weitgehendst wehrlose Menschen zu bomben? Beispiel: da bringen die Chinesen von Zeit zu Zeit einige Boepa ( auch Tibeter genannt) um, und hab danach noch NIE gehört, dass das Anti chinesische Propaganda wäre. Das beschreiben einer grauslichen Sache kann doch nichts mit einer Ablehnung zu tun haben? Ablehnung einer Volksgruppe? Ich bitte Sie.

Re: unglaublich wieviele antisemiten noch immer in östereich rumlaufen

Der grössere Antisemit ist jener, der den ehemaligen Opfern dieselben Mittel zugesteht, die einst ihren Tätern gebilligt wurden.

Re: Re: unglaublich wieviele antisemiten noch immer in östereich rumlaufen

ihre semantischen wortklaubereien sind, wie man in wien zu sagen pflegt..für die "würscht"
und noch dazu sehr sehr leicht zu durchschauen....

Re: Re: unglaublich wieviele antisemiten noch immer in östereich rumlaufen

Das ist eine absurde Verharmlosung des Nationalsozialismus

 
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