Nahost-Konflikt: Hamas feuert Rakete auf Jerusalem ab

16.11.2012 | 12:54 |   (DiePresse.com)

In Jerusalem musste am Freitag Luftalarm ausgelöst werden. Die Rakete dürfte aber außerhalb des Stadtgebiets eingeschlagen sein. Israel soll indes eine Bodenoffensive vorbereiten.

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Der Nahe Osten steuert auf einen neuen Krieg zu. Nach weiteren palästinensischen Raketenangriffen auf Tel Aviv schlug am Freitag erstmals eine Gaza-Rakete bei Jerusalem ein. In beiden Städten heulten die Luftalarm-Sirenen. Die Rakete sei aber außerhalb von Jerusalem eingeschlagen, sagte die Sprecherin der Streitkräfte, Avital Leibovich. Opfer gab es Medienberichten zufolge nicht.

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Israel rief wegen des Konflikts 16.000 Reservisten zu den Waffen, wie der israelische Rundfunk berichtete. Auch Panzer und anderes schweres Gerät seien auf dem Weg zu dem dicht besiedelten Palästinensergebiet am Mittelmeer. Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas und die militante Palästinenserorganisation Islamischer Jihad hatten sich zuvor zu den zwei Raketenangriffen auf Tel Aviv bekannt.

"Dramatische Eskalation"

Auch am Freitag schlugen wieder Dutzende Raketen aus dem Gazastreifen in Israel ein. Mindestens eine Rakete explodierte im Großraum Tel Aviv. Verletzt wurde niemand, aber für Israel stelle dies eine "dramatische Eskalation" dar, hieß es aus der Stadtverwaltung von Tel Aviv.

Israel gelang es mit dreitägigen heftigen Luftangriffen nicht, die Hamas im Gazastreifen in die Knie zu zwingen. Sogar eine von Israel verkündete Feuerpause während des Besuchs des ägyptischen Ministerpräsidenten Hisham Kandil im Gazastreifen wurde von Anfang an von beiden Seiten missachtet. Kandil konnte gerade noch verkünden, dass sich sein Land um eine langfristige Waffenruhe bemühe, bevor er den gefährlichen Ort vorzeitig wieder verließ.

Israel - Palästinenser: Chronologie eines unendlichen Konflikts

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Anders als bei früheren Auseinandersetzungen zwischen den Konfliktparteien stellte sich das neue Ägypten demonstrativ hinter die Hamas. Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hatte Kandil in den Gazastreifen geschickt, um Druck auf Israel auszuüben.

Ägypten stehe unverbrüchlich an der Seite der Palästinenser, sagte Kandil in Gaza-Stadt. Die Opfer der israelischen Angriffe bezeichnete er als "Märtyrer". Der Regierungschef der radikal-islamischen Hamas, Ismail Haniyeh, lobte die neue Politik des "revolutionären Ägypten" und forderte die anderen arabischen Führer auf, dem Beispiel der Ägypter zu folgen.

Merkel gibt Hamas die Schuld

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel gab der Hamas die Schuld an der neuerlichen Eskalation der Gewalt: "Verantwortlich für den Ausbruch der Gewalt ist Hamas."  Die Raketenangriffe müssten sofort beendet werden. "Israel hat das Recht und die Pflicht, seine Bevölkerung in angemessener Weise zu schützen", sagte Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin. Auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton gab der Hamas die Schuld an der Eskalation.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu bezeichnete die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen hingegen als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Mit Massakern und Attentaten lasse sich im Nahen Osten kein Frieden erreichen, zitierten türkische Medien den Minister.

''Säule der Verteidigung'': Israels Offensive gegen die Hamas

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Die israelischen Streitkräfte bombardieren seit Tagen den Gazastreifen, während militante Palästinenser israelische Städte mit Raketen beschießen. Auch am Freitag gab es mehrere Todesopfer. Bei einem israelischen Raketenangriff im Osten des Gazastreifens sind nach dortigen Behördenangaben drei Brüder getötet worden. Es habe sich nicht um Mitglieder militanter Gruppen gehandelt, sondern um Zivilisten. Insgesamt wurden seit Beginn der israelischen Offensive "Säule der Verteidigung" 27 Palästinenser getötet, darunter 12 Zivilisten. In Israel starben drei Zivilisten durch eine Rakete aus dem Gazastreifen, 20 wurden verletzt.

Die neue Runde der Gewalt hatte am Samstag begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde. Die Lage verschärfte sich dramatisch, als Israel am Mittwoch den Militärchef der Hamas, Achmed al-Jaabari, tötete.

(Red./APA/dpa/Reuters/AFP)

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116 Kommentare
 
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Nach weiteren palästinensischen Raketenangriffen

Dazu ein informatives Telefonat

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=aOtNAhgtKmU

Was ist jetzt los?

Zuerst der schwindliche Obama auf der Titelseite, jetzt das nächste Ausland. Gibt es keine wichtigen Meldungen mehr die uns Österreichern betreffen?

Re: Was ist jetzt los?

lol, für Zeitgenossen wie sie, gibt es doch ohnehin die Kleinformate. mit gaaanz vielen Bildern und Hasi trifft Zementl Berichten. also ... huschhusch.

Der sogenannte arbische Frühling greift in seiner ganzen

Brutalität die einzige Demokratie des Nahen Ostens an. Der ORF steht natürlich auf Seiten der Angreifer.

Re: Der sogenannte arbische Frühling greift in seiner ganzen

So eine Demokratie lob ich mir! Nur die "RICHTIGEN" duerfen waehlen, und der Rest sitzt im Lager. Der nicht waehlen duerfende Bevoelkerungsanteil ist uebrigens ueber 50%.
Vergleichsweise sind die Wahlen im IRAN weitaus freier.

Propaganda überall

Ich suche schon lange. Aber halbwegs objektive und ausgewogene Nachrichten kann ich nicht finden. Hier wird z.B. einfach als Fakt genannt: "Die neue Runde der Gewalt hatte am Samstag begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde."
Das war aber wiederum eine Vergeltung für einen Vorfall, bei dem Israelis in den Gaza-Streifen gefahren sind und wohl unbeabsichtigt einen Jungen beim Fußballspielen erschossen haben.
Es ist eben nie so einfach in diesem Konflikt. Das sollte man berücksichtigen und im Hinterkopf behalten, dass ALLES einseitige Propaganda ist. Hier eindeutig pro israelisch. Mir wäre das peinlich, wenn ich Journalist wäre.

Re: Propaganda überall

Und wo bitteschön haben Sie dieses pikante Detail gefunden/gelesen??? Oder haben Sie es gerade erfunden...?

Bei einer Eskalation dieser Art koennen beide Seiten nur verlieren.

Die Verzweiflung und Perspektivlosigkeit der Palestinaenser durch die staendige Ueberwachung von Israel und der Umbruch in Aegypten haben den radikalen Islamisten Tuer und Tor geoeffnet.

Bei einer Bodenoffensive treffen Welten der Militaertechnologie aufeinander.

Das vergiessen von Blut wird nur weiter den Hass schueren, ich kann nicht glauben das die radikalen Zellen dadurch weniger werden, traurig.

Diese Meldung...

Wer hier glaubt, dass es rein um Bibis Wiederwahl geht, der irrt. Auch wenn ihm die Situation sicherlich nutzt. Seit Monaten schwirren den Israelis jedoch die Raketen um die Ohren (die zum Glück meist in unbewohnten Gebiet einschlagen).

Der Waffenstillstand von 2008 ist für viele Extremisten von Hamas und Islamischer Dschihad nichts wert....

Hier ein Beispiel von Nov. 2010

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/611619/Rakete-mit-grosser-Reichweite-auf-Israel-abgefeuert-?from=suche.intern.portal

Re: Diese Meldung...

Seit Monaten?
Seit Jahren!
Und mit Iron Dome hat Israel ein adäquates Abfangsystem für die Dummraketen (mit laut Eigendefinition ~100% Trefferquote).

Die Eskalation war also gewollt genau zu jenem Zeitpunkt gestartet, den die stärkere der beiden Parteien vorgab.
Leider scheinen die Kapazitäten des Abfangsystems den panisch-massenhaften Abschuss von Raketen derzeit nicht Herr zu werden, obwohl doch hunderte "Waffenlager" aus der Luft zerstört wurden?
Dieses offensichtliche Versagen der I. Geheimdienste wird bei einer Bodenoffensive noch teuer werden.

Israel braucht Solidarität...

Für Israel wirds immer unangenehmer.

Im Westen die Hamas, die aufgrund ihrer radikalislamischen Gesinnung nie lange auf Frieden setzt. Im Norden sitzt die Hissbullah. Die ist zwar beschäftigt, Assad zu stüzten, bleibt an der Nordflanke eine Gefahr. In Syrien selbst sitzt zwar Erzfeind Assad, aber der ist den Israelis lieber als ein theokratisches Regime unter den syrischen "Rebellen" (Islamisten). In Jordanien gibt es auch schon eine (kleine) Islamistische Gruppierung. Zum Schluss bleibt noch die brodelnde Westbank und im Süden das immer radikalere Ägypten.

Israel sollte sich um Deeskalation bemühen, denn auch Iran bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Wenn alle genannten Länder/Gruppen bald unter dem Banner des Islam marschieren, dann...

Re: Israel braucht Solidarität...

Israel braucht vor allem "Raum im Osten". Das ist das, worums wirklich geht.

Re: Israel braucht Solidarität...

...dann braucht Israel Soldarität und Uncle Sam!

Auch bei uns wird unangenehm...aber erst in 20 Jahren...

ad hamas...

Wer Wind saet wird Sturm ernten...

Re: ad hamas...

und was passiert dann mit isreal (langfristig)?

Re: Re: ad hamas...

Israel wird es langfristig nicht mehr geben ...

Re: Re: Re: ad hamas...

die geburtenrate spricht dagegen, ja!

zum Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit...

Jedesmal wenn ich diesen Blödsinn höre, stelle ich mir die Frage, ob es denn gewünscht wäre, dass Israel ebenfalls ungezielt hunderte Raketen auf Städt in Gaza schießt... so in der Art, wurscht wo diese landen... Wohnungen, Schulen usw.
Frage an alle, die hier so maßiv gegen Israels Vorgehensweise hetzen: Soll so Israels Antwort ausschauen?

Wird eh wieder gelöscht ...

... das Bild zeigt eine ISRAELISCHE Rakete.

Mubarak

Hatte einen guten Grund am Frieden mit Israel festzuhalten. Beimmnächsten Krieg mit Israel kommt die Pyramid Bombe zum Einsatz. Die ist speziell für die Sprengung des Assuan Damms gebaut worden. Wenn der bricht liegt der Amtssitz des ägyptischen Präsidenten vor der zypriotischen Küste im Mittelmeer.

Re: Mubarak

Der Grund Mubaraks am Frieden mit Israel festzuhalten war das Geld aus den USA. Mursi braucht hoffendlich weniger Geld von dort, denn Geld gibt es in Katar genug .....

Re: Mubarak

wieder ein beweis für Unmenschlichkeit!........als ob der Damm nur den Amtssitz des Präsidenten treffen würde..........wieviele Millionen Menschen wären davon noch betroffen? und das soll was lösen?

Kleiner Beitrag zur Schuldfrage

In Israel gibt es eine große arabische Minderheit. Man mag sie zwar nicht besonders, aber sie dürfen wählen, sind durch Abgeordnete in der Knesseth vertreten, viele Beschriftungen sind auch auf arabisch, Arabisch ist eine anerkannte Amtssprache. Die jüdische Mehrheit liebt die israelischen Araber zwar nicht gerade, behandelt sie aber weitgehend korrekt.
In mehreren arabischen Staaten dürfen sich Juden nicht niederlassen. Abbas hat es als selbstverständlich bezeichnet, daß dies auch für den zu schaffenden Palästinenserstaat gelten würde. Im umstrittenen Ost-Jerusalem löst der Wiederaufbau einer Synagoge, die nach der Staatsgründung zerstört worden war, gewalttätige arabische Proteste aus. Der Felsendom hingegen befindet sich seit Jahrzehnten unter israelischer Herrschaft; er wurde m.W. bisher nicht zerstört und darf von Muslimen weiter benutzt werden.
Wer im aktuellen Krieg zuerst auf wen geschossen hat ubnd wer die Schuld an der Eskalation trägt, kann ich nicht mit letzter Sichereit wissen - nach den genannten Fakten habe ich aber eigentlich keine Zweifel.

Re: Kleiner Beitrag zur Schuldfrage

dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Chapeau.

Fluch und Segen liegen eng zusammen

Würden sich in Israel bzw. Gaza-Streifen und Westjordanland bedeutende Erdölvorkommen befinden oder der Konflikt die Versorgung des Westens mit Erdöl gefährden hätte die Welt dieses Problem nicht.
USA und Europa hätten zusammen mit Israelis und Palästinensern längst eine für alle annehmbare Lösung finden müssen, da sonst nur Verlierer übrig blieben.

Manche von Dritten initiierte Zugeständnisse und mancher Verzicht als "Fluch" in Abwägung mit einem Leben ohne Angst und dem "Segen" von der Entwicklung der gemeinsamen Region und gemeinsamer Potentiale wirtschaftlich zu profitieren.

Solange sich dieses Denken nicht nachhaltig auf BEIDEN Seiten durchsetzt werden Narren und Hardliner weiter das Sagen haben und die Mehrheit der Bevölkerung darunter zu leiden haben.

Eine Propaganda-abteilung der Isr. Armee

Ist anscheinend dazu abgestellt, in der Presse zu posten. Es bleibt dabei, die Palis schiessen mit besseren Silvesterraketen in ihrer Verzweiflung, und die Isr. Armee antwortet mit Streubomben und Phosphor. Erinnert ein bisserl an die Reaktion auf den Aufstand im Warschauer Ghetto....

 
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