Hundstorfer: "Ein Kredit in Dollar oder in Franken ist keine Spekulation"

17.12.2012 | 18:13 |  von KARL ETTINGER (Die Presse)

Die Bundesregierung erarbeitet neue Finanzregeln. Sozialminister Rudolf Hundstorfer verspricht Beschluss vor der Wahl.

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Wien/Salzburg. Dass mit öffentlichen Mitteln künftig nicht mehr „gezockt“ werden soll, darüber sind sich SPÖ und ÖVP nach dem Auffliegen der Finanzaffäre in Salzburg einig. Die nun eingesetzte Arbeitsgruppe der Regierung wird über Regeln verhandeln, damit nach dem Bund auch Länder und Gemeinden nicht mehr neu in diverse spekulative Finanzgeschäfte einsteigen können.

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Für Sozialminister Rudolf Hundstorfer, der neben Finanzstaatssekretär Andreas Schieder für die SPÖ in dieser Arbeitsgruppe sitzt, ist es mit einem derartigen „Zukunftsmodell“ allein aber nicht getan: „In der Frage der Spekulation werden alle einigermaßen Vernünftigen dafür sein, dass man dem einen Riegel vorschiebt“, betont Hundstorfer im „Presse“-Gespräch. Schwieriger werde, was tatsächlich unter Spekulation fällt. Und, so der Sozialminister weiter: „Bei allen laufenden Kontrakten wird man genau prüfen, wie kann ich schnell raus und mit welchem Aufwand kann ich raus.“

Ob denn für ihn ein Fremdwährungskredit auch unter Spekulation falle? „Nein. Spekulation sind für mich diverse Derivate und Swaps und wie all die Dinge heißen, mit denen ich wirklich auf etwas spekuliere.“ Hundstorfer: „Ob ich einen Kredit in Dollar, in Euro oder in Franken nehme, ist nicht Spekulation.“ Ob denn nicht klar sei, dass es bei Fremdwährungskrediten nicht nur eine günstige, sondern auch die gegenteilige Entwicklung geben könne? „Das kann es bei jedem Kredit geben“, antwortet Hundstorfer, „jeder Häuslbauer und jeder, der einen Kredit für irgendeine Anschaffung aufnimmt, hat immer das Risiko: Wie entwickeln sich die Zinsen?“

Jedenfalls müsse zuerst die Grundsatzfrage, wo Spekulation beginne und wo diese ende, geklärt werden. Seiner Ansicht nach müssten die Regeln, die es für den Bund bereits gibt, ausgedehnt werden.

 

Fekter trifft die Landeshauptleute

Die Arbeitsgruppe der Regierung, der auf ÖVP-Seite Finanzministerin Maria Fekter und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner angehören, wird nach Auskunft des Büros Fekter noch diese Woche, also vor Weihnachten, die Arbeit aufnehmen. Es bleibt dabei, dass schon im Jänner Regeln für ein Verbot von Spekulation mit Steuergeld im Ministerrat beschlossen werden sollen. Fekter wird wegen der Konsequenzen aus der Salzburger Finanzaffäre nun morgen, Mittwoch, auch an der Tagung der Landeshauptleute in Innsbruck teilnehmen, um das weitere Vorgehen und ihre Pläne darzulegen.

Ob es vor der Nationalratswahl, die 2013 stattfindet, zu einem Gesetzesbeschluss im Nationalrat komme? „Ja, sicher“, beteuert Hundstorfer, „das muss sich ausgehen, wenn wir uns selbst ernst nehmen.“ Nachsatz: „Ich gehe davon aus, dass wir uns selbst ernst nehmen. Alle Beteiligten wissen das und werden sich klar sein: Hallo, in die Richtung wollen wir gehen!“ Das größere Problem seien bestehende Finanzgeschäftsmodelle. Dabei werde man etwaige Ausstiege unter Beiziehen von Fachleuten genau prüfen müssen: „Das Thema wird uns weiter begleiten, weil man jetzt teilweise gar nicht aussteigen kann, sonst ist der Verlust höher, als wenn man es noch eine Zeit lang laufen lässt.“

Ob auch mit Mitteln des Sozialministeriums irgendwo spekuliert werde? „Nein. Das ist die netteste all Ihrer Fragen“, antwortet der Sozialminister. Sein Ressort habe zwar auch eine Veranlagung laufen, weil man die Mittel des Fonds für die Ausgleichstaxe bei der Einstellung von Behinderten veranlagen müsse.

 

„Selbst so konservativ bei Veranlagung“

„Aber wir sind so konservativ bei der Veranlagung, dass ich sogar einen Bericht des Rechnungshofs habe, in dem steht: bitte um eine Spur progressiver“, erläutert Hundstorfer lachend. Seit seinem Amtsantritt im Dezember 2008 erfolge die Veranlagung der Mittel monatsweise und außerdem im Einvernehmen mit der Bundesfinanzierungsagentur (Öbfa).

Sieben der neun Bundesländer wickeln derzeit ihre Finanzierung zumindest teilweise über die Finanzierungsagentur des Bundes ab, nur Tirol und Vorarlberg haben zuletzt keine Schulden über die Agentur aufgenommen. Ende des Vorjahres lagen die von den Bundesländern aufgenommenen Schulden bei der Bundesfinanzierungsagentur bei rund 7,255 Milliarden Euro, wie aus dem Rechnungsabschluss hervorgeht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2012)

 
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242 Kommentare
 
12 3 4 5 6
achill
22.12.2012 09:52
0

und ein

Hundsdorferl ist gar kein Kredit - siehe BAWAG.

charlykappel
20.12.2012 13:01
1

Keine Spekulation

Eh kloar, dass s keine Spekulation ist. Es zeigt aber ganz eindeutig die Doppelzüngigkeit unserer Minister, unserer Volksvertreter, denn eines darf nicht vergessen werden, gerade die, die immer uns erzählen, wie sicher der Euro ist, wie gut und wie stark der Euro ist, gerade sie investieren in Dollar und Franken. Warum? Ganz einfach, weil sie nicht an den Euro denken, der Euro ist nach ihrer Meinung schon Vergangenheit. Denn wenn ich in eine andere Währung investiere, dann doch nur dann, wenn ich der Meinung bin, einen Gewinn machen zu können. Und mit einem Dollar und einem Franken werde ich in Zukunft Gewinn machen.

Roha41
20.12.2012 09:53
1

Und soetwas schimpft sich Minister.

Unglaublich die Ahnungslosigkeit der roten Geldvernichter.

ahha
20.12.2012 06:46
0

...das soll der Herr Minister aber den HERRSCHAFTEN von der "Nationalbank, FMA usw." erklären


lucers
19.12.2012 14:49
1

Eigentlich ist es einfach

Das Währungsrisiko bei einem Fremdwährungskredit ganz grob gesagt bis zu 30% des Kreditvolumens (also wird der Kredit bei der Tilgung billiger oder teurer). Dieses Risiko kann man absichern, indem man Derivate einsetzt. Es gibt also drei Fälle:

FW-Kredit: Spekulation
FW-Kredit + Absicherung: keine Spekulation
Nur Absicherung: Spekulation

Das Beispiel ist natürlich sehr vereinfacht und das Thema der Höhe der Zinsen ist noch gar nicht betrachtet (es ist im Ausmaß aber auch viel kleiner als das FW-Risiko!).

Jeder Häuslbauer hat also natürlich das Zinsrisiko, aber auch andere - und diese anderen können erheblich sein. Unverständlich wie Hr. Hundstorfer so etwas behaupten kann!

captain1
19.12.2012 09:10
2

Eine "WIRTSCHAFTSFLASCHE"1


Antworten Spagetthi
19.12.2012 12:13
1

Re: Eine "WIRTSCHAFTSFLASCHE"1

und das ist noch ein Euphemismus.

Dkfm.Peter Stifter
18.12.2012 22:29
5

Fremdwährungskredite sind keine Spekulation?

Diese Aussage des Ministers Hundstorfer zeigt seine absolute Unkenntnis auf finanziellem Gebiet. Währungsspekulation, um welche es sich hier handelt, ist die wahrschenlich riskanteste Art der finanziellen Speklulation, weil sich im Lauf von jahrelangen Beobachtungen herausgestellt hat, dass einigermaßen realistische Vorhersagen der Bewegung von Währungsparitäten unrealistisch sind.
Ich verstehe die Motivation des Ministers, seine ehemaligen Kollegen in der Wiener Landesregierung zu verteidigen, aber hier ist seine Aussage einfach falsch (und noch dazu kontraproduktiv gegen die Versuche, die Ausbreitung von Fremdwährungskrediten im privaten Bereich einzudämmen).

periskop
18.12.2012 20:55
2

Da schaut nichts heraus, die wissen ja gar nicht, worum es geht!

Natürlich sind alle Fremdwährungskredite Spekulation und sogar ein Sparbuch ist Spekulation, weil der, der sich einens zulegt, auf Zinsen spekuliert!
Es geht also gar nicht um Spekulation, sondern um das damit verbundene Risiko, welches beim Spekulieren mit Steuergeld nicht groß sein soll.
Das Problem ist aber, dass sich das Risiko nie genau bestimmen lässt und dass es sich mit der Zeit dramatisch ändern kann!
Beim Sparbuch, ist dieses Risiko für kleine Leute, die weniger als 100.000 € anzulegen haben sehr klein, weil der Staat für die Einlage haftet, für Bundesländer, die weit größere Beträge anzulegen haben, ist das Risiko wesentlich größer. Nicht einmal hier lässt es sich genau bestimmen, bei komplizierteren Alageformen ist das überhaupt unmöglich! Da verschätzen sich sogar die ausgefuchstesten Spezialisten - wie man bei der BAWAG gesehen hat - ganz gewaltig!
Politiker haben vom wirklichen Risiko eines Anlageproduktes sowieso nicht den geringsten Schimmer, es ist daher ausgeschlossen, dass bei diesen "Regeln", die da gefunden werden sollen, etwas Vernünftiges herauskommt!

radek
18.12.2012 19:05
4

Kriege da so eine Vorahnung

Kann bitte jemand schnell mal einen Kassasturz beim Sozialbudget machen?
.

Antworten stefania
18.12.2012 20:56
0

Re: Kriege da so eine Vorahnung

Also, ich freue mich überhaupt auf einen Kassasturz wenn diese Herrschaften nach der Wahl 2013-hoffentlich--abgewählt sein werden.
Da werden uns, da bin ich sicher, die Augen übergehen !

goosenpower
18.12.2012 18:42
8

Hundstorfer

- die geballte Wirtschaftskompetenz des Gewerkschaftsbundes !

Brecher
18.12.2012 18:03
11

Besachwaltet Hundsdorfer

Allein für diese Aussage gehört der Clown entmündigt.

maxima
18.12.2012 17:46
7

... FMA: Fremdwährungskredite ab sofort verboten Fremdwährungskredite für Verbraucher sind in Österreich ab sofort grundsätzlich verboten. Eine Neuvergabe müssen Banken an "strengste Kriterien" knüpfen ...

... das war Anfang 2010.
Ist ihm das entgangen oder entfallen, oder hält er die Wähler für dumm oder ist es einfach Herr Hundstorfer der dumm ist?

right_way
18.12.2012 17:06
1

Ich mach generell keine Geschäfte mit AL oder im AL

Damit fahre ich seit Jahrzehnten am Besten!

Antworten TrueStory
20.12.2012 06:44
0

Re: Ich mach generell keine Geschäfte mit AL oder im AL

Es zwingt dich auch keiner dazu oder???
So ein looser bist du.....du musst wissen das Geschäfte machen hart sein kann...-----

Antworten Antworten right_way
20.12.2012 15:03
0

Re: Re: Ich mach generell keine Geschäfte mit AL oder im AL

Und was davon hast sieht täglich. Offenbar zahlst du noch zu wenig Stern.

morgenbesser
18.12.2012 15:20
11

Unwissen gepaart mit Selbstgefälligkeit

„Das kann es bei jedem Kredit geben“, antwortet Hundstorfer, „jeder Häuslbauer und jeder, der einen Kredit für irgendeine Anschaffung aufnimmt, hat immer das Risiko: Wie entwickeln sich die Zinsen?“

Es geht dabei eben nicht nur um die unabsehbare Zinsentwicklung, lieber Herr Hundstorfer, in diesen Fällen gibt es eben auch noch zusätzlich das "Währungsrisiko". (Ich glaub' gar nicht, dass die stur sind, die begreifen's wirklich nicht!)

peer
18.12.2012 13:50
16

Hundstorfer: "Ein Kredit in Dollar oder in Franken ist keine Spekulation"

Das Zitat sollte man so stehen lassen ...

Antworten ClearMind
18.12.2012 17:55
6

Re: Hundstorfer: "Ein Kredit in Dollar oder in Franken ist keine Spekulation"

Bestürzend nur, dass ein Minister der österreichischen Bunderregierung so etwas von sich gibt.

bortwisch hugo
18.12.2012 13:45
5

fremdwährungskredite

sind sehr wohl spekulation, was sollen sie denn sonst sein ?

Antworten Friedrich Hochmann
18.12.2012 18:15
1

Re: fremdwährungskredite

DAs Poblem ist nur, dass jeder Kredit ein Spekulationsgeschäft ist. SChließlich wird ein Kredit aufgenommen, um mehr Vorteile zu erreichen, als der Kredit kostet. Diese Überlegung kann, da die Zukunft nicht vorhersehbar ist, aufgehen oder auch nicht.
Ein Fremdwährungskredit enthält jedoch neben diesem R-isiko auch noch das Währungsrisiko.
Nur zu Zeiten als die SF Kredite weit geringere Zinsen kosteten wurde jeder für dumm angesehen, der ´diese Option nicht ergriff, da nun das Währungsrisiko schlagend geworden ist, will keiner zu SF Krediten geraten haben.

enzo
18.12.2012 13:44
9

Die Bundes und Landesregierungen

Sollten erst einmal lernen mir den zur Verfügung stehenden Mitteln auszukommen .
Gerade der Herr Hundstorfer ist einer jener Sorte (BAWAG) die auch von nichts gewußt haben.
Eher Unwahrscheinlich !
Wenn er Fremdwährungskredite als unspekulativ bezeichnet ist dass eher eine Faschingsnummer.
Die haben ganz einfach ohne Schulden auszukommen eben,dass was sie seit Jahrzehnten nicht können.
Einfach :Besser Haushalten.
Gerade der ÖGB aus dem er stammt ist doch ein negativ Beispiel der Sonderklasse,man hält sich einen Verwaltungsapparat dessen Kosten die Mitgliedsbeiträge enorm übersteigen !!
DEN SOZIALISMUS in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

Novak Herbert
18.12.2012 13:10
4

Wer Macht hat, definiert was richtig und was falsch ist

Wer Macht hat, definiert was richtig und was falsch ist. Wenn man wirklich extrem eingeht, selbst ein Sparbuch ist auch eine Spekulation. Weil die Verluste durch Inflation ist extrem hoch. Wenn 1% Verzinsung gegenüber 2,5% Inflation steht, hat man bereits zu 1,5% Kaufkraftverlust, aber diese Spekulation sehr wahrscheinlich, dass der Verlust eintritt.

yxcvbnm
18.12.2012 12:52
6

Falsch gedacht

"Jedenfalls müsse zuerst die Grundsatzfrage, wo Spekulation beginne und wo diese ende, geklärt werden."

Falsch !!!

Zuerst muss die Grundsatzfrage geklärt werden, wieso überhaupt Steuergeld irgendwie veranlagt werden muss, wieso offensichtlich zu viel Steuergeld einkassiert wird.

Ausgenommen die Fälle, welche der Herr BM beschrieben hat.

coco de mer
18.12.2012 12:41
6

€ ?

nix für ungut, aber entweder bleibt der Staat und seine Partikel beim EURO oder wir schließen uns der Schweiz oder den USA an. Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Republik oder Teilchen davon in Fremdwährungen jongliert. Denn genau das ist Spekulation, uups, wenn Genosse H... natürlich meint....

 
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