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Gastkommentar: "Revival des Nationalismus"

05.04.2009 | 13:37 |  Von Henriette Riegler (DiePresse.com)

Die NATO wird 60 - und leidet unter leichten Erweiterungsstörungen.

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Aus der von der NATO geplanten Erweiterung um drei der sogenannten Westbalkan-Staaten - Kroatien, Albanien und Mazedonien - zum 60.Geburtstag der NATO wird nichts. Aufgenommen werden nun zwar Albanien und Kroatien, das bis zuletzt um die Aufnahme zittern musste, Mazedonien bleibt der Beitritt bis auf weiteres verwehrt. Die umstrittene Erweiterung der NATO offenbart die derzeit dominante Problemlage europäischer Politik. Einzelne NATO- und EU-Mitglieder versuchen eigene nationale Interessen durchzusetzen, indem sie die Aufnahme neuer Staaten, mit denen sie in bilateralen Streitigkeiten sind, in den „Club" verhindern. Jüngste Beispiele dieser Tendenz sind der Widerstand Griechenlands gegen die transatlantische und EU-europäische Integration Mazedoniens ebenso wie die slowenische Blockadepolitik gegenüber dem kroatischen EU- und NATO-Beitritt.

Nun ist die Durchsetzung nationaler Interessen der außenpolitische Kernbereich staatlicher Politik schlechthin, doch sind der absoluten Durchsetzung um jeden Preis gerade zwischen demokratischen Staaten, die noch dazu ihre Interessen gemeinschaftlich organisiert haben, deutliche Grenzen gesetzt. So scheint es zumindest erklärungsbedürftig, warum Griechenland und Slowenien ihre nationalen Interessen der NATO (und der EU) oktroyieren können. Diagnostiziert werden kann ein europaweites revival des Nationalismus, der weniger mit objektiven, sondern mit zugeschriebenen Problemlagen argumentiert, um daraus politische Vorteile zu ziehen.

Bei den Inhalten der bilateralen Konflikte, die von Griechenland und Slowenien zum Aufnahmehindernis in NATO (und EU) hochstilisiert werden, handelt es sich nämlich mitnichten um den Kernbestand oder die weitere Entwicklung der boykottierenden Staaten infrage stellende Materien. Weder ist der Staatsname Mazedoniens für Griechenland noch die exakte Grenzziehung der slowenisch-kroatischen maritimen Grenze für Slowenien von solch existentieller Bedeutung. An den territorialen Grenzen der Allianz gelegen, sind Griechenland und Slowenien vielmehr gate keepers, die ihren Einfluss in der Erweiterungsfrage überproportional zu ihrer sonstigen Bedeutung ausdehnen können. Und diese Rolle nicht zuletzt durch eine neuerliche Erweiterung an andere verlieren würden. Dabei ist es wenig wahrscheinlich und auch nicht entscheidend, ob ihnen dieser politische Maximalismus innerhalb der NATO schadet. Sie setzen damit jedenfalls ein Signal, dass dieser Boykott nicht nur gegen die Interessen potentieller Mitglieder, sondern auch gegen die Organisation, der sie selber angehören, möglich ist. Und fügen ihr damit jedenfalls Schaden zu, was ihre interne und externe Glaubwürdigkeit und Stärke angeht.

Die griechische Blockade ist dabei effizienter als die slowenische und die Erweiterungsfähigkeit der NATO ist weniger in Mitleidenschaft gezogen als die der Europäischen Union. Während Griechenland Mazedonien vollkommen isoliert, tritt Kroatien, für das Slowenien Gleiches vorhatte, nun doch zumindest der NATO als neues Mitglied bei, wenn auch sein EU-Beitritt bis auf weiteres verschoben ist. Für die geringere Anfälligkeit der NATO für nationale Boykotte sind zwei Gründe ausschlaggebend. Dem transatlantischen Sicherheitsbündnis mit seiner alten Agenda der kollektiven Verteidigung und der neuen Agenda der begrenzten Intervention, die sie übrigens anlässlich ihres 50. Geburtstages mit der Kosovo-Intervention aus der Taufe hob, ist die fortlaufende Erweiterung ein intrinsischeres Bedürfnis als der Europäischen Union. Und schlußendlich spielt die USA in der NATO die tragende Rolle. Diese macht es ihr ebenso einfach Kroatiens Beitritt aktiv zu betreiben wie sie sich davor scheut Griechenland dauerhaft zu vergraulen. Der Europäischen Union, der ein ähnliches politisches Schwergewicht fehlt, wird die Rechnung in Form von an nationalen Einzelinteressen abprallenden Vergemeinschaftungserfolgen am laufenden Band serviert. In diesem Sinne: Happy Birthday, NATO!

Zur Person
Dr. Henriette Riegler, Senior Researcher, Österreichisches Institut für Internationale Politik, derzeit Institut za Medunarodne Odnose, Zagreb

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8 Kommentare
Gast: edu
23.11.2009 16:13
0 0

EU-NATO

Lang lebe die EU !!! Lang lebe die NATO !!!

Gast: Gast
09.04.2009 16:37
0 0

re

O ne Slovenien lol

Gemeinsam heulen gegen Milosevic, aber sich gegenseitig in die EU oder Nato behindern das ist in Ordnung.


Gast: gast
08.04.2009 15:37
0 0

dann sieht er sich sogar gezwungen

(um die rowdys weich zu stimmen) eine parlamentserklärung abzugeben, dass alle unstrittenen gebiete slowenisches land oder see seien.

das alles nützt nichts; die fussballrowdys starten dann doch die prozedur zum referendum gegen die ratifizierung des NATO beitrittsprotokolls
Ein demokratisches musterland eben, dieses SLO.

die referendumsinitiative scheitert.
an allem sind natürlich nur ein paar nicht gesellschaftsfähige nationalisten schuld.
das protokoll wird ein paar tage vor dem abgabetermin eingereicht
....
und übrigens wenn kroatien tatsächlich slowenisches land okupiert hat (wie es implizit in der parlamentserklärung behauptet wird), dann wäre es viel logischer kroatien von der nato fernzuhalten als die eu verhandlungen zu blockieren.
....
aber wie immer, gegen die ami-interessen kann sich ein kleines land SLO mit seinen demokratischen besonderheiten doch nicht behaupten.


Gast: gast
08.04.2009 14:39
0 0

nach der gemeinsamen erklärung der NATO vom frühling 2008

zur aufnahme AL und KRO, sollte die ratifizirung eigentlich nur eine formalität sein

man hatte in SLO mit der ratifizierung des NATO protokolls so lange gewartet bis der streit um die EU verhandlungen eskalierte und bis es mit dem termin für die einreichung des NATO protokolls in Washington knapp wurde

damit hatte man den referendumsantrag irgend einer unbedeutenden auserparlamentarichen partei regelrecht provoziert

dann haben diverse US diplomaten slowenien besucht.

pahor (SLO premier) wurde bei sarkozy vorgeladen. offiziell wurde nicht über kroatien gesprochen.
dann hat pahor merkel besucht

pahor gibt sich jezt demokratisch und trifft sich mit der fusballrowdy-partei damit die doch nicht das referendum beantragen

(forts. folgt)

Gast: Irgendwas
06.04.2009 22:24
0 0

Müll

Sehr geehrte Frau Riegler,

wenn man keine Ahnung hat von der Problematik, dann sollte man einfach mal still sein.

Die Regierung Sloweniens hat den NATO Beitritt Kroatiens befürwortet. Was sie schreiben ist Propaganda und ganz offensichtlich gelogen.

"ebenso wie die slowenische Blockadepolitik gegenüber dem kroatischen (EU- und) NATO-Beitritt."
GELOGEN!

"Weder ist der Staatsname Mazedoniens für Griechenland noch die exakte Grenzziehung der slowenisch-kroatischen maritimen Grenze für Slowenien von solch existentieller Bedeutung. "
UND DIE AUFNAHME IST EXISTENZIELL? FÜR WEN?

"tritt Kroatien, !!! für das Slowenien Gleiches vorhatte !!!, nun doch zumindest der NATO als neues Mitglied bei"
GELOGEN!

In diesem Sinne, Happy Bullshit!

0 0

Eine Meinung, die man nicht teilen muss...

Was bei Griechenland stimmen mag (vis a vis Mazedonien), so ist die Sachlage bei Slowenien, mit Verlaub, anders.

1. Hatte Sloweniens Parlament das kroat. Beitrittsprotokoll bereits Anfang März ratifiziert.
2. Sieht die slow. Verfassung eine Volksbefragung vor, wenn 40,000 Unterschriften gesammelt werden.
3. Kann der slow. Souverän sehr wohl unterscheiden, wenn es um ein militär. Bündnis geht oder um ein supranationales Gebilde.

Viele Staaten setzen mehr oder weniger Interessen durch, bevor bestimmte Staaten beitreten durften oder konnten (siehe Solana-Kompromiss, Österreichs Veto bei Tschechien, Frankreich bei GB, usw.). Hier machtpolitische Neurosen zu diagnostizieren geht zu weit. Fakt ist, dass es immer eines Kompromisses bedarf, um ein europ. Staatsgebilde zu formen. Es bleibt zu hoffen, dass im slow.-kroat. Konflikt BEIDE Seiten erkennen, dass es keine Maximalforderungen geben kann.

Gast: La Belle
05.04.2009 23:05
0 0

Danke!

Danke an die Verfasserin dieses Gastkommentares.
Sehr gut gelungen!

chilly
05.04.2009 14:06
0 0

„Macht durch Disziplin! Macht durch Gemeinschaft! Macht durch Handeln!“

willkommen in der nordatlantischen welle

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welle_(Roman)

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