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Energie: Deutschland im Atom-Dilemma

20.03.2011 | 18:09 |   (Die Presse)

Um alle Atomkraftwerke der Bundesrepublik zu ersetzen und den Energiebedarf zu decken, sind Investitionen von mehr als 200 Milliarden Euro nötig. Merkel kämpft lieber für einheitliche Sicherheitsstandards in der EU.

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Wien/Ag./Red. „Atomkraftwerke sind sicher und die Erde ist eine Scheibe.“ Mit beschrifteten Transparenten wie diesen waren am vergangenen Samstag tausende Menschen in verschiedenen deutschen Städten auf die Straße gegangen, um für den sofortigen Ausstieg aus der Kernenergie zu demonstrieren. Die jüngste Abschaltung von sieben deutschen Meilern scheint ihnen dabei zu wenig zu sein. Die Bürger plädieren für eine Kehrtwende in der Energiepolitik.

Infolge der atomaren Katastrophe in Japan hat sich die deutsche Bundesregierung dazu durchgerungen, die erst im Herbst des Vorjahres beschlossene Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke (AKW) vorerst auszusetzen. In einem Zeitraum von drei Monaten sollen die Meiler nun auf ihre Sicherheit überprüft werden.

Der SPD ist das jedoch zu wenig. Sie will dem Bundestag noch diese Woche ein Gesetz vorlegen, das die sofortige und endgültige Abschaltung der älteren Atomkraftwerke in Deutschland beinhaltet. CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem Vorstoß der Opposition indes eine Absage erteilt. Merkel will in der EU lieber für einheitliche Sicherheitsstandards von Atomkraftwerken kämpfen. Schließlich habe man auch die Größe von Äpfeln oder die Form der Bananen vereinheitlicht.

Der Chef des deutschen Energieriesen E.ON, Johannes Teyssen, schließt, zumindest für Deutschlands Reaktoren, schärfere Sicherheitsanforderungen nicht aus. Steigen die Sicherheitsauflagen, dürfte dies auch mit enormen Kosten verbunden sein. Zudem warnt der E.ON-Vorstand davor, dass die Abschaltung der sieben AKW zur Instabilität des Stromnetzes führen könnte. Nach Einschätzung von Klimaexperten der Allianz-Versicherung wird sich die Abschaltung der AKW, zumindest kurzfristig, nicht auswirken. Deutschland hätte ausreichend Strom zur Verfügung – schließlich sei die Bundesrepublik kein Importeur von Strom, sondern exportiere diesen. Energiewirtschaftlich sei es jedenfalls nicht geboten, die abgeschalteten AKW wieder in Betrieb zu nehmen, hieß es weiter.

 

Höhere Preise werden akzeptiert

Am Montag treffen jedenfalls die EU-Umweltminister aufeinander, um generelle Linien für die Prüfung der Atomkraftwerke festzulegen. Noch in der zweiten Jahreshälfte könnte mit den Stresstests in den rund 140 europäischen Kernkraftwerken begonnen werden. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) könnte am Montag zudem Pläne vorstellen, die den rascheren Ausbau der Stromtrassen in Deutschland vorsehen – und den Umbau der Energieversorgung beschleunigen. Derzeit wird Deutschlands Strom zum größten Teil aus Kohle gespeist. Die Kernenergie rangiert auf dem zweiten Platz. Auf erneuerbare Energie und Erdgas entfallen geringere Anteile.

Der Chef des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, hält den deutschen Ausstieg aus der Kernenergie jedenfalls bis 2017 für möglich. Kanzlerin Angela Merkel hat indes kürzlich gesagt, dass „nicht von jetzt auf gleich auf die Kernenergie als Brückentechnologie verzichtet werden kann“.

Um alle Atomkraftwerke in der Bundesrepublik zu ersetzen und den Energiebedarf anderweitig zu decken, sind Studien zufolge Investitionen von mehr als 200 Mrd. Euro nötig. Doch noch bevor Summen dieser Art aufgebracht werden, müssen Verbraucher schon bald mit höheren Strompreisen rechnen. Den Kunden macht das offenbar nichts aus. In einer Umfrage des Magazins „Focus“ gaben 69 Prozent der Befragten an, höhere Stromrechnungen in Kauf zu nehmen, wenn die Energie dann nicht aus Atomkraft stamme.

Auf einen Blick

Deutschland will in den kommenden drei Monaten die Sicherheit seiner sieben ältesten Atomkraftwerke überprüfen. Die oppositionelle SPD fordert CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel indes dazu auf, die alten Meiler endgültig abzuschalten. Merkel lehnt diesen Vorstoß ab. Sie plädiert vielmehr für einheitliche Sicherheitsstandards aller Kernkraftwerke in der Europäischen Union.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2011)

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5 Kommentare
Gast: Altemanze
22.03.2011 15:25
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VerbraucherINNEN gefragt..

Zumindest die AKW-Wärter & Familienangehörige & diese Inoffiziellen &…sollten eine strahlend gesicherte berufliche Existenz besitzen…oder nicht?

…Tja; was aber ist, wenn dann unser supi System insgesamt mal vorübergehend WO & GO gibt? WER BEZAHLT DANN DIESE LEUTE NOCH ?! Und; mit was?
Fragen über Fragen…ohne richtig gute Antworten, bislang…denn; VON WEM DENN DANN NOCH, hm?!

…Aber iiich bin ja nur ein unbedeutendes kleines Hausweibilein…daß hier die Frage nach der offenbar ständig nötigen STROMVERSORGUNG *FÜR* diese todsicheren Stromerzeuger AKW`s noch nicht mal gestellt hat…soviel ist für mich inzwischen jedenfalls sicher; es wird in *meinem* kleinen unbedeutenden Haushalt ab jetzt schwer auf die Bremse getreten bei jedem neuen stromfressenden Gerät. Kaffeemühle gibts auch händisch betrieben. Deto Getreidemühle. Und Schlagobers & Eischnee geht ohne Quirl zu machen. Und diese Mikrowelle wurde jetzt schon rausgeschmissen. Und diese Zahnputzdinger, elektrisch, fand ich sowieso immer schon gaga pur, nur..

nur die Unterhaltungselektronik…hm…da gibts noch einen gewissen SUCHTFAKTOR bzgl. Versorgung mit NEWS, Illusionen der weltweiten Mitmenschlichkeit (mit der Geil-Gafferei via Bilder funzts ja supi), aber sonst...tja...real sterben tun in F jetzt UNTERE Chargen..

Gast: RACHE
22.03.2011 08:36
0 0

zf

Blubb blubb

Gast: Jimmy
21.03.2011 15:13
0 0

Apfel, Banane, AKW

Na, wenn die Vereinheitlichung der Sicherheitsstandards genau so viel bringt, wie die Größe des Apfels und die Form der Banane, hat sich der Rest auch schon erledigt.

Es ist schon interessant wie immer die argen Kosten für den Aufbau alternativer Energielieferanten hervorgehoben wird.
Was so ein AKW beim Bau, im Betrieb, bei Störfällen und vor allem bei der Lagerung der Radioaktiven Materialien kostet ist anscheinend Wurscht.
Mal ganz abgesehen davon, dass sich der Schaden nach einer Katastrophe auch mit Geld nicht rückgängig machen lässt.

Gast: gazt
20.03.2011 21:49
0 0

:)

Das Bild ist sehr schön...:)

Gast: gast gast
20.03.2011 21:15
0 2

der einzige sicherheitsstandard

ist abschalten

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