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Internet als Jagdgebiet der "einsamen Wölfe"

24.07.2011 | 18:30 |  MANFRED SEEH UND ULRIKE WEISER (Die Presse)

Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik hat Spuren im Internet hinterlassen. Um eine größere Chance zu haben, Anschläge zu verhindern, fordert der Chef des österreichischen Verfassungsschutzes, Peter Gridling, eine "Datenspeicherbefugnis".

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Wien. Mit einem ins Internet gestellten „Manifest“ hat der Attentäter Anders Behring Breivik seine rassistisch-rechtsradikale Einstellung zum Ausdruck gebracht. Hasspropaganda – sei es auf sozialen Netzwerken (Facebook, Twitter), sei es auf Plattformen wie YouTube – zu verbreiten ist weltweit zum Phänomen geworden.

In Österreich fordert daher der Verfassungsschutz: Die Befugnisse der Polizei, verdächtige Internet-Einträge gleichsam auf Verdacht zu speichern, sollten ausgeweitet werden. So steige die Chance, vor allem Einzeltäter rechtzeitig unschädlich zu machen.

„Wir brauchen eine Datenspeicherbefugnis“, bringt es Peter Gridling, Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, im „Presse“-Gespräch auf den Punkt. Konkretes Beispiel: Wenn jemand rechtsextremes Gedankengut verbreitet, dies aber vorerst noch als „Unmutsäußerung“ zu werten sei, somit noch keine konkrete Drohung darstelle, dürfe die Polizei dieses Material nicht „evident halten“ (in einer Datenbank abspeichern).

Wenn einige Zeit später etwa die Mutter dieser Person zur Polizei komme und erkläre: „Mein Sohn ist mir unheimlich“, lange erneut ein „Einzelhinweis“ aus. Derzeit sei es aber eben nicht möglich, einen solchen Warnruf einer Mutter mit vorher gespeicherten Daten („Unmutsäußerungen“) zusammenzuführen. Gridling: „So gehen Mosaiksteine verloren, die in der Zusammenschau ein völlig anderes Bild der Person ergeben.“

Nach dem Sicherheitspolizeigesetz sei es zwar möglich, im Rahmen einer „erweiterten Gefahrenabwehr“ (Internet-)Daten zu sammeln – aber dies gelte nur, wenn es verdächtige Gruppen beträfe (und selbst dann muss der Rechtsschutzbeauftragte zustimmen).

Da sich in letzter Zeit aber ein Trend zum „Lone Wolf“ (einsamer Wolf) zeige, der mitunter zunächst nur „schwache Signale“ – etwa im Internet – aussende, sei es nötig, die Befugnisse des Sicherheitspolizeigesetzes auf Einzelpersonen auszuweiten. Gridling: „Der Fall in Norwegen ist eine traurige Bestätigung für das, was wir der Politik gesagt haben.“

Generell ist das Internet als Propagandamedium für Radikale insofern verlockend, als es für innerstaatliche Behörden unmöglich ist, Server (Zentralrechner), die sich auf anderen Kontinenten befinden, einfach abzuschalten. Diesbezüglich wird derzeit praktisch europaweit eine Debatte um das Sperren bestimmter Inhalte geführt (Webfiltering). Internet-Provider stellen sich gegen solche Internetsperren (diese werden vor allem für kinderpornografische Inhalte vielfach gefordert) und sprechen von Zensur; außerdem seien solche Sperren von kundigen Internet-Nutzern leicht zu umgehen.

Die Problematik, dass rechtsextremes Gedankengut im Internet verbreitet wird, betrifft Österreich konkret durch die Neonazi-Website „alpen-donau.info“. Diese wurde (und wird) von den USA aus betrieben. Da dort Neonazi-Propaganda unter „freie Meinungsäußerung“ fällt, hat Österreich keine Handhabe. Allerdings wanderten führende Köpfe, die hinter der Homepage stecken, allen voran Gottfried Küssel, wegen des Verdachts der nationalsozialistischen Wiederbetätigung in U-Haft.

Laut dem Linzer Polizisten und Datenforensiker Uwe Sailer, der als Kenner der Neonazi-Szene im Netz gilt und sich vor allem intensiv mit der „alpen.donau-info“ beschäftigt hat, sind die österreichischen Rechten gut international vernetzt.

Als virtueller Treffpunkt mit den skandinavischen Gesinnungskollegen gilt unter anderem das Thiazi-Forum. Dort und auf dem ähnlichen Forum „altermedia“ distanziert man sich allerdings klar vom norwegischen Attentäter, der laut Posting-Gerüchten auch bei einem rechtsextremen Aufmarsch in Dresden dabei gewesen soll.

„Der Mann ist sicher kein klassischer Neonazi“, sagt Sailer, „sein angebliches Vorbild Churchill und die Freimaurer, denen er angehören soll, sind bei den Nazis ja verhasst.“ Aber Breivik spiele mit den verbalen Attacken auf den Islam und die Zuwanderer eindeutig auf der „Klaviatur der Rechtsextremen“. Die extrem islamkritische Seite „Gates of Vienna“, die sich auf die Türkenbelagerung Wiens bezieht und auf der er ebenfalls gepostet haben soll, hat laut Sailer einen US-Server, bei dem auch mehrere rechtsextreme Seiten registriert sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2011)

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18 Kommentare
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Seid Ihr alle Brav?

Haben wir denn nichts gelernt? Nach 9-11 brach bereits die Paranoia aus: No-Fly-Lists, Nacktscanner, Homeland Security, Guantanamo und Taser-Schüsse auf ungehorsame Bürger. Jetzt kriechen die Paranoiker wieder aus ihren Löchern und wollen alle Unmutsäußerungen abspeichern.

Da muss man aber sehr brav sein, dass man nicht in Verdacht gerät.

Gast: Sofort
25.07.2011 11:14
0 2

Privat Waffen Verbot!


Gast: Gast.Gast
25.07.2011 06:37
0 0

outsourcen

Kollegen helfen sich auch über Grenzen, falls es Schwierigkeiten macht kann Herr Grider seine Probleme auch outsourcen. Wird in Österreich aber nicht nötig sein, da läuft vieles unter der Hand und wer heute noch glaubt, es gäbe im Internet Anonymität, dem ist nicht zu helfen.

Diesbezüglich wird derzeit praktisch europaweit eine Debatte um das Sperren bestimmter Inhalte geführt (Webfiltering).

zeit zum auswandern. europa steht kurz vor dem zusammenbruch. ich glaube das fenster ist nicht grösser als 1-2 jahre.

Gast: Verfassungsschutz
25.07.2011 01:21
1 1

Und als Vorbild...

sollten wir uns den USA Patriot Act nehmen; Bürgerrechte, wer braucht schon sowas?

Oder noch besser: gleich den Notstand ausrufen! Quasi prophylaktisch....

Gast: verheissung
24.07.2011 23:51
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naja, die immer gepredigte "rechte Gefahr" ist schon reinn demografisch eher als Historie zu bezeichnen

man darf nicht vergessen, dass in den 1930 er Jahren es genausogut möglich gewesen wäre, dass die linken Extremisten (Kommunisten) die Maacht ergriffen hätten (vermutlich wurden die Rechtsradikalen auch deshalb von US-Banken finnanziert).

also - jedem Extremismus, und auch eigentlich jeder massenhaften Gewalttätigkeit stand historisch IMMER eine Überzahl junger Männer davor.
Das ist heute, im realen EUropa eher nicht zu sehen, deshalb ist es fraglich, ob eine Hysterisierung wegen dieser "rechten Gefahr" sinnvoll ist (zum. in EUropa).

Denn - als Triebfeder von Gewalt ist wiegesagt eine gew. Not und v.a. ein youth-bulge nötig!

Alternde, satte Gesellschaften (wie es die W-EUropäische eine ist), ist eher als abnehmend gewaltsam oder gefährlich einzustufen (allein schon wg. dem hohen Durschnittsalter - 60-jährige begehen keine Revolution oder Krieg mehr!!).

Die Gefahr wäre - rein technisch - eher aus dem (auch islamischen) Süden zu sehen - iene Überzahl junger, unbeschäftiger Söhne, ohne Aussicht auf Selbstverwirklichung, mit einem imperialen Änspruch (Durchsetzung des wahren Glaubens samt Patriarchat)...

Also - Einzeltäter sind zwar auffällig - grossartige Veränderungen der Demografie oder Gesellschaft sind aber das Metier von Massen-bewegungen.

Von wo sollte auch ein einzelner Spinner wie der Norweger hier die Massen hernehmen, um seine Fantasien umzusetzen?
Im feminisierten, weichgewaschenen, pazifistischen W-EUropa?

Eher unwahrscheinlich...

Gast: nestbeschmutzer
24.07.2011 23:45
3 0

das ist kein guter Dienst am Bürger

Meines Erachtens wird damit einer freien Gesellschaft kein guter Dienst erwiesen. Wenn also in Zukunft jemand seinen demokratischen Unmut mit der vorhandenen Regierung äußert, dann ist er/sie schon dran... Vormerk beim Verfassungsschutz!
Und zweitens: solche Terror- Typen lassen sich, wenn sie wissen, dass sie von ihrem Vorhaben damit abgehalten werden, eben auf solche Veröffentlichungen nicht mehr oder anders ein. Und ziehen ihre schreckliche Tat dennoch durch.
Diese Aussagen sind typisch für hilflose Beamte, die sich damit einen Persilschein beim Bürger abholen wollen, aber nichts bewirken... Nur mehr an staatliche Kontrolle....

Re: das ist kein guter Dienst am Bürger

unter freiheit haben die kulturmarxisten noch nie 'freiheit allgemein' verstanden, sondern lediglich 'freiheit ihre sozialistischen bevormundungsutopien umsetzen zu können'.

Website: Rote Falken

"Alle Geschichte ist eine Geschichte von Klassenkämpfen, sagte bereits Karl Marx. Die Geschichte der Roten Falken ist mit der Arbeiterklasse untrennbar verbunden. "

Noch Fragen? Herr Anders wird Sie Ihnen morgen in seiner weltweit ausgestrahlten Pressekonferenz gerne beantworten.

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Re: Website: Rote Falken

Was wollen Sie mit diesem Zitat? Wollen Si damit das Massaker entschuldigen? Das Zitat sagt übrigens aus, dass die Gegensätze von Klassen, d.h. die unterschiedliche Verteilung der Verfügungsgewalt über ökonomische Ressourcen und die daraus entstehenden Konflikte die Geschichte vorantreiben. Letztlich eine Transposition der Hegelschen Geschichtsphilosophie ins Ökonomische.

Gast: Weisung
24.07.2011 21:12
4 2

Wussten sie das auch nicht Herr Gridling

daß auch der Sohn eines beim Inlandsgeheimdienst beschäftigten Beamten Kontakte zu Betreibern von »alpen-donau.info« haben soll. Die Behörde bestreitet, daß Informationen ins rechte Milieu gelangt sind. Mitte August sei der BVT-Mitarbeiter versetzt worden. Da liefen die Untersuchungen allerdings schon einige Monate. Sicher ist dagegen, daß der Name des jungen Mannes – im Gegensatz zu denen der anderen Verdächtigen – vom Innenministerium anonymisiert wurde. Ebenfalls ungewöhnlich: Obwohl der Sohn des Beamten angezeigt wurde, einer der Verantwortlichen für die Internetseite zu sein, ermittelt die Staatsanwaltschaft bislang nicht gegen ihn,

Gast: Tanzender lustiger verschmuster Wolf
24.07.2011 20:58
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Ist der Ku-Klux-Klan eine ÖVP Verbindung?

Ein Fall wirft einmal mehr kein gutes Licht auf die österreichischen Behörden. Der Fall des US-Bürgers David Ernest Duke, ein ehemaliger -Führer, antisemitischer und neonazistischer Agitator und darüber hinaus Teilnehmer an der Holocaust-Leugner-Konferenz in Teheran (Dezember 2006), wurde am 24. April 2009 in Prag verhaftet und unter der Auflage, das Land sofort zu verlassen, wieder freigelassen. Duke hatte sich auf Einladung der Neonazi-Gruppe „Narodni Odpor“ (Nationaler Widerstand), deren Gesellen ihn auch bewachten, in Prag aufgehalten. Dieser Vernetzer der internationalen rechtsextremen Szene lebt offenbar, vom österreichischen Staat unbehelligt, mitten unter uns – im idyllischen Zell am See.

Der Leiter des BVT, Peter Gridling, sagte dazu gegenüber dem ORF-Report: „Die österreichischen Behörden beobachten David Duke nicht, denn wir haben keinen Grund zur Annahme, dass David Duke hier eine Straftat begehen wird oder dass ein Verdacht einer Straftat vorhanden ist […] Also Sie können mir glauben, in Österreich gibt es viele begnadete Netzwerker. Wenn wir die alle beobachten würden, dann wären wir mit der Beobachtung von Staatsbürgern beschäftigt.“

Antworten Gast: Retz
25.07.2011 00:04
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Re: Ist der Ku-Klux-Klan eine ÖVP Verbindung?

duke ist kein rechtsextremist sondern macht nur zionistische umtriebe öffentlich.

Antworten Antworten Gast: peter grindig
25.07.2011 08:22
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Re: Re: Ist der Ku-Klux-Klan eine ÖVP Verbindung?

und küssel war bei der caritas?

Allein ein kurzer Blick in die Foren zeigt mir tausende lone wolves - tickende Zeitbomben.

Hoffentlich sind die österreichischen Behörden smarter als die norwegischen Delta Supereinheiten?

Gast: tigerzahn
24.07.2011 20:04
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sehr manipulativ und ohne grundlage

weil breivik mit seinem christlichen kreuz ja ausdrücklich den halbmond, das hakenkreuz und hammer und sichel bekämpfen wollte,
sein manifest erst kurz vor dem bombenattentat und dem massaker im ferienlager im netz veröffentlicht hat,
und seine tat nirgendwo angekündigt hat.
offenbar war er auch niemandem unheimlich, also auch keine diesbezügliche meldung an die polizei.

da bleibt also nichts von diesen behauptungen übrig, außer daß die polizei gern den datenschutz abschaffen möchte.
nichts neues, aber immer noch ein klares no go.

Antworten Gast: gats
25.07.2011 08:26
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Re: sehr manipulativ und ohne grundlage

der einzige vernünftige Kommmentar, bis jetzt.

Gast: Gast.Gast
24.07.2011 19:30
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alle Rechten

Wenn man das genau nimmt dann wäre eine komplette Überwachung der FPÖ, der BZÖ, dem rechten Flügel der VPÖ und allen, die überzeugt sind so wie Fekter,es müsse die ungebremste Einwanderung in kontrollierte Bahnen geführt werden möglich und auf der Speisekarte der neuen Metternichs zu finden.

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