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Wer hip sein will, ist gegen Putin

03.03.2012 | 12:01 |  Von unserem Korrespondenten EDUARD STEINER (Die Presse)

Nach einem Jahrzehnt der politischen Abstinenz hat die Bevölkerung das Thema Politik wiederentdeckt. Die Opposition ist von den Bürgern gleich überrascht wie die Machthaber. Sie muss erst verdauen, dass politische Positionierung wieder zeitgemäß ist.

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Moskau. Um gesellschaftliche Trends in Russland auszumachen, folgt man am besten der Spur von Xenia Sobtschak. Die 30-jährige Blondine aus St. Petersburg, die einst für den russischen „Playboy“ posierte, hat sich binnen weniger Jahre in der Moskauer Szene hochgearbeitet. Sie hat sich mit ihrem Hang zum exzessiven Leben das Image einer russischen Paris Hilton verdient, strahlt aus Reality-Shows, singt in allen Genres und kennt Gott und die Welt. Was sie wirklich denkt, ist sekundär. Zu verfolgen, was sie wo treibt, ist insofern relevant, als Sobtschak die Personifizierung des russischen Mainstreams ist. Lange tanzte sie auf den Hochzeiten des Establishments. Im Laufe des Vorjahres dann begann sie, angezählte Vertreter der Elite medial vorzuführen. Seit drei Monaten setzt sie ihr Können aufseiten der Opposition ein. Rappt gegen Putin, tanzt gegen Medwedjew und liefert ein Gefühl davon, was heute hip ist.

Nach einem Jahrzehnt der politischen Abstinenz hat die Bevölkerung das Thema Politik wiederentdeckt. Wer keine politische Position einnimmt, gilt als nicht auf der Höhe der Zeit. Dabei kann man getrost für Putin sein; die Hälfte der Gesellschaft ist es auch. Wer aber in den Städten und in der Altersschicht bis 45 als fortschrittlich gelten will, stellt sich gegen den bisherigen Kurs.

 

„Antiautoritäre Nachfrage“

Die Ende der 1990er-Jahre aufgekommene „Nachfrage nach dem Autoritären ist vorbei“, meint Igor Bunin vom Moskauer Zentrum für Politische Technologien: Bedeutsam sei, dass „die antiautoritäre Nachfrage in den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten“ stattfinde: Während die Vertreter der einen als parlamentarische Opposition in die tiefe Peripherie des politischen Systems abgedrängt gewesen seien, seien andere Kräfte überhaupt an der Gründung einer Partei gehindert und damit außerhalb des Systems gehalten worden.

In gewisser Hinsicht hatten sich die einen wie die anderen in ihren Schmollwinkeln gemütlich eingerichtet. Und so waren sie von der Bereitschaft der Bürger zum Massenprotest gleich überrascht wie die Machthaber selbst. Dass die Machthaber mit dem 46-jährigen Multimilliardär Michail Prochorow gegen bisherige Tradition einen Oligarchen als Kandidaten zulassen, entspringt der Überlegung, die Nachfrage nach einer (wirtschafts)liberalen Alternative mit dosierter und kontrollierbarer Putin-Kritik zu kanalisieren und so den Zustrom zu putinfeindlichen Alternativen, die es in der kurzen Zeit ohnehin nicht zu einer Kandidatur geschafft haben, abzufangen. Im Unterschied zu den alten Vertretern der handzahmen Kommunisten, Sozialisten und Nationalisten im Parlament ist Prochorow ein neues Gesicht bei den Wahlen.

Die Zukunft jener putinfeindlichen, außersystemischen Opposition, für die Sobtschak singt und die parteipolitisch heimatlos auf den Straßen protestiert, ist offen. Immerhin bemerkenswert, dass ihre unterschiedlichen Galionsfiguren einander trotz Konkurrenz und trotz Geheimdienstunterwanderung binnen dreier Monate nicht zerfleischt haben. Denn selbst in den Empfehlungen für das Verhalten bei und nach der Wahl sind sie uneinig. Bedeutende Schriftsteller mit namhaften Journalisten bilden das rudimentär vorhandene Organisationszentrum. Dazu kommen Unternehmer, Berufsrevolutionäre wie der ultralinke Sergej Udalzow oder der unerschrockene Korruptionsjäger Alexej Nawalny. Gerade sie, beide Mitte dreißig, waren die Galionsfiguren, die den Ausbruch der Massenproteste angestoßen haben.

Wenn es nicht zu gravierenden Zusammenstößen ab nächster Woche kommt, so hätte die Opposition endlich Zeit, aus dem diffusen Protest ein positives Programm zu formulieren und in den kommenden Jahren eine neue Oppositionsfigur aufzubauen, wie man in Russland derzeit diskutiert. Der Name des Unterfangens: „Russische Primaries unter den Dissidenten“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2012)

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6 Kommentare
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Blauäugige Einäugigkeit

Der "Westen" weiß, daß Putins Wahl gefälscht sein wird, er will nicht wissen, was Putin Gutes für Russland getan hat.
Der "Westen" weiß, daß der Iran zur Achse der Bösen zählt, aber das FBI weiß nicht warum.
Der Westen weiß alles, er gibt überall ungefragt Empfehlungen im Forderungston ab, er weiß nur nicht, wie er selbst aus dem selbstverschuldeten gesellschaftlichen Schlamassel herauskommen soll.

Gast: Pensador
03.03.2012 10:45
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Die "Alternativen"

Wer hip sein will ist immer gegen alles, was ordentlich und geregelt ist und ist daher immer
"alternativ", "liberal" "tolerant" (ausser mit jenen, die nicht seiner Meinung sind) und natürlich links.
Nur was er eigentlich will und wie sein Gegenmodell ausschauen soll, das weiss er nicht.
Damit ist nicht gesagt, dass es nicht bessere demokratische Verhältnisse geben könnte als derzeit in Russland. Kann man ja auch von Österreich locker sagen, oder?
Aber das wissen die Russen sicher selber am besten, was für sie das Richtige ist. Schliesslich hatten sie in ihrer ganzen Geschichte noch nie so viel Freiheit wie jetzt.

Gast: gut informiert
03.03.2012 00:29
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Westliche Luegenpropaganda

Anatoli Sobtschak, Vater von Xenia Sobtschak, war Professor für Rechtswissenschaften in Sankt Petersburg u. hatte als Schueler Putin u. Medjedev. Xenia Sobtschak hat keinen anderen Verdienst als die Tochter des Professors von Putin u. Medjedev zu sein. Ausgezeichnet hat sie sich durch Liebesaffairen, durch chirurgische Eingriffe, um den Maennern mehr zu gefallen. Das genuegt scheinbar dem Journalisten der Presse, um aus ihr das Opfer der Diktatur Putins zu machen u. Idol der Russischen Opposition.
Navalny wurde in den USA ausgebildet u. bezahlt, um in Russland subversive Aktionen zu unternehmen. Bestochen wurde er, der sich Herr Sauberkeit nennt. Russische Behoerden haben vor kurzem bewiesen, dass die Journalistin Politovskaya auf Auftrag ihres Beschuetzers Berezovsky beseitigt wurde. Letzterer hat Milliarden gestohlen u. verschwendet sie in London. Litvinenkos Vater hat zugegeben, dass er fuer England gegen Russland spioniert hat. Sind wir in Oesterreich so dumm, die Luegen der amerikanischen Medien wie Papageie zu wiederholen. Die USA wollen Russland in die Knie zwingen. Die Irankrise ist erlogen sowie die Vorwuerfe gegen Syrien. Westliche Soeldner, die Kadafi zu Fall brachten, wurden nach Syrien transferiert. Israel will den Iran angreifen, was viel einfacher waere von einem befreundeten Syrien aus. Die Eroberung Syriens bringt die NATO auch der russischen Grenze naeher. Putin widersetzt sich. Deswegen erfinden westliche Medien Lügen gegen ihn

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Re: Westliche Luegenpropaganda

Um einzuschätzen wie objektiv Ihre Informationen sind, reicht es Ihre Vorwürfe bezüglich Xenia Sobtschak mit dem obigen Artikel zu vergleichen.

Dort steht nämlich gar nichts davon, dass Sobtschak "Opfer der Diktatur Putins" wäre, oder "Idol der russischen Opposition". Laut dem Artikel ist sie lediglich ein Society-Girl, dessen aktuelles politisches Engagement beispielhaft für eine veränderte Einstellung in der russischen Gesellschaft steht.

Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Die Diskrepanz zwischen dem was Sie dem Artikel unterstellen und was der Artikel tatsächlich transportiert ist aber deutlich.


Antworten Gast: hunter666
03.03.2012 09:04
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Re: Westliche Luegenpropaganda

sprach der russische Botschafter in Österreich.......

Gast: gut informiert
03.03.2012 00:28
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Westliche Propaganda verdummt Oesterreich

Anatoli Sobtschak, Vater von Xenia Sobtschak, war Professor für Rechtswissenschaften in Sankt Petersburg u. hatte als Schueler Putin u. Medjedev. Xenia Sobtschak hat keinen anderen Verdienst als die Tochter des Professors von Putin u. Medjedev zu sein. Ausgezeichnet hat sie sich durch Liebesaffairen, durch chirurgische Eingriffe, um den Maennern mehr zu gefallen. Das genuegt scheinbar dem Journalisten der Presse, um aus ihr das Opfer der Diktatur Putins zu machen u. Idol der Russischen Opposition.
Navalny wurde in den USA ausgebildet u. bezahlt, um in Russland subversive Aktionen zu unternehmen. Bestochen wurde er, der sich Herr Sauberkeit nennt. Russische Behoerden haben vor kurzem bewiesen, dass die Journalistin Politovskaya auf Auftrag ihres Beschuetzers Berezovsky beseitigt wurde. Letzterer hat Milliarden gestohlen u. verschwendet sie in London. Litvinenkos Vater hat zugegeben, dass er fuer England gegen Russland spioniert hat. Sind wir in Oesterreich so dumm, die Luegen der amerikanischen Medien wie Papageie zu wiederholen. Die USA wollen Russland in die Knie zwingen. Die Irankrise ist erlogen sowie die Vorwuerfe gegen Syrien. Westliche Soeldner, die Kadafi zu Fall brachten, wurden nach Syrien transferiert. Israel will den Iran angreifen, was viel einfacher waere von einem befreundeten Syrien aus. Die Eroberung Syriens bringt die NATO auch der russischen Grenze naeher. Putin widersetzt sich. Deswegen erfinden westliche Medien Lügen gegen ihn