"Über die Reformfähigkeit politischer Systeme sind schon viele gelehrte Abhandlungen verfasst worden. Dabei ist es manchmal relativ einfach: Man muss es nur wollen. Die Generäle in Burma haben jetzt über längere Zeit ihren Willen zu weitreichenden Reformen gezeigt. Machtpolitisch ändert sich zunächst wenig. Die Mehrheit für das Militär im Parlament bleibt unangetastet. Aber Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hat sich durch Teilnahme an der Wahl ins System einbinden lassen - dies freilich in der Hoffnung, in drei Jahren die Führung des Landes übernehmen zu können, ohne vom Militär daran gehindert zu werden. Bei aller Freude über die Entwicklung bleibt ein Rest Unsicherheit, und der hat nicht nur mit Ewiggestrigen in Uniform zu tun. Suu Kyi hat durch ihr Auftreten ein solches Ansehen erworben, dass sie im Alltag den großen Erwartungen kaum wird gerecht werden können. Dann hätten in Burma abermals die Falschen gewonnen."
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