31.07.2010 06:32 | Meine Presse Merkliste0

Kreativität: Begeisterung formt unser Hirn

29.08.2009 | 18:19 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Ob man Kreativität lernen, definieren oder sogar messen kann, darüber diskutierten bei den heurigen Alpbacher Technologiegesprächen Wissenschaftler und Experten aus ganz Europa.

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Wir brauchen eine völlig neue Kultur!“, sagt Gerald Hüther, Neurobiologe aus Göttingen. „Bisher war unsere Gesellschaft darauf aus, Ressourcen auszunutzen. Doch irgendwann ist Schluss.“ Es sei an der Zeit, die alte „Ressourcen-Nutzungskultur“ durch einen neue „Potenzial-Entfaltungskultur“ zu ersetzen. Doch was in der alten Kultur richtig war, wird in der neuen Kultur falsch sein. Wo sich kreatives Potenzial der Menschen entfalten soll, darf man nicht durch Druck und Angst effiziente Arbeit erzwingen. Auch festgefahrene Vorstellungen müssen über den Haufen geworfen werden. Denn: „Sonst ist nicht viel los im Hirn“, sagt Hüther und zeigt Bilder vom funktionellen Magnetresonanz-Imaging: Im Hirn feuern kaum Neuronen, wenn Testpersonen fixe Vorstellungen verfolgen. In seinem Beispiel wurden Männern Videobrillen aufgesetzt, sie mussten virtuell eine Rennstrecke abfahren. Die gemessene Hirnaktivität war gering, weil sich alle angestrengt haben, Erster zu sein. Erst als die Männer als „Beifahrer“ den Versuch wiederholten, feuerten ihre Neuronen. „Da ließen sie ihre Gedanken schweifen und sahen, was außerhalb der Strecke passiert.“

Auch Edward de Bono, britischer Buchautor („Serious Creativity“, 1992), sagt: „Kreativität heißt, von vorgegebenen Bahnen abzuzweigen. Leider ist unsere Kultur nicht darauf ausgerichtet. Uns wird beigebracht zu denken, um die Wahrheit zu finden. Aber niemand lehrt das Denken um des Denkens willen.“ Für de Bono ist Kreativität nichts Mysteriöses, das als verstecktes Talent manchen gegeben ist. „Kreativität kann man lernen. Es geht um Asymmetrien in den Gedankengängen, um unerwartete Wendungen. So gesehen funktioniert Kreativität wie Humor.“

Der Hirnforscher Hüther definiert Kreativität nicht einfach darüber, dass „einem etwas Neues einfällt“. Kreativ ist vielmehr, aus dem vorhandenen Wissenspool plötzlich Lösungen zu finden, wie sich Dinge auf zuvor für unmöglich gehaltene Weise verbinden. Sobald ein Mensch anfängt, etwas Neues zu machen, verändert sich sein Hirn. Aber nur unter der Voraussetzung, dass der Mensch dafür Begeisterung aufbringt. „Es muss unter die Haut gehen, dann passiert im Hirn etwas“, so Hüther. Er sieht auch den Grund, warum bei Kindern das Gehirn viel formbarer ist, darin, dass sie große Begeisterung aufbringen können. Im Gegensatz zu „den Alten“, die sich für nichts mehr begeistern und daher keine Veränderungen der neuronalen Netze des Gehirns anspornen. „Man kriegt das Hirn, das man sich macht“, sagt Hüther. Beispiel: Jugendliche von heute haben ein viel größer ausgebildetes Hirnareal, in dem die Bewegung des Daumens angelegt ist, als Jugendliche vor zehn Jahren. Wer ständig am Handy herumklickt, verändert sein Gehirn auf diese Weise. „Die Kultur, in der wir uns bewegen, gehört mit zum Gehirn.“

De Bono betont auch, dass unerwartete Herausforderungen und Provokationen dazugehören, um Kreativität zu fördern. „Denn sonst versucht man nicht, vom eingefahrenen Weg abzukommen. Das Gehirn braucht Provokation, um neue Bahnen zu etablieren“, sagt er. Denn das Tolle am Hirn sei ja, dass es in Bahnen denken kann und nicht wie ein Computer Millionen Antwortmöglichkeiten auf eine Frage gleichwertig durchrechnet.

Dass die Menschen das Umdenken auf eine kreativere Kultur nicht von heute auf morgen lernen, ist den Vortragenden in Alpbach klar. Christiane Spiel, Leiterin der Bildungspsychologie an der Uni Wien, bemängelt, dass in unserem Schulsystem Schüler nicht lernen, neue Lösungen für Probleme zu finden. Stattdessen unterrichtet man alte Lösungen. Platz für Kreativität bleibt keine. De Bono geht weiter und sagt, dass auch die Universitäten „out of date“ sind: „Information kann jeder schnell übers Internet bekommen. Jetzt müssten Unis den Studenten Fähigkeiten beibringen, die ihr kreatives Potenzial fördern: persönliche Entwicklung, Management- und Lehrfähigkeiten, soziale Fähigkeiten usw.“. Auch Transdisziplinarität ist notwendig – über den Tellerrand blicken. Und: „Man muss mit neuen Ideen wirklich rechnen. Sonst kann sich Innovation nicht entwickeln.“


Vertrauen geben. Dass Kreativität als Schlagwort in jüngster Zeit an Bedeutung gewonnen hat, zeigt Christiane Spiel an der Zahl der Psychologiepublikationen, die im Vorjahr zum Thema „creativity“ veröffentlicht wurden: nämlich 585 Stück. Anno 1950 waren es nur 15 Publikationen. Dabei ist bis heute nicht klar, wie „Kreativität“ definiert sein soll. Es gibt verschiedene Ansätze: Eine Person kann kreativ sein, das erkennt man an bestimmten Charakteristika. Oder ein Produkt kann kreativ sein, das ergibt sich aus der Wechselwirkung mit der Umgebung.

Im Falle der persönlichen Charakteristika sollten Ausbildungsstätten jedenfalls ihre Schüler und Studenten so fördern, dass deren Kreativität echte Entfaltungsmöglichkeiten hat. „Dazu muss man qualifizierte Lernumgebungen schaffen, Aufgaben mit offenen Lösungen stellen und ein Schulklima herstellen, in dem beidseitiges Vertrauen gegeben ist“, führt Spiel aus. Das ist genau der Grundsatz, dem das Alpbacher Forum heuer gewidmet ist: Vertrauen. Oder wie der Hirnforscher Hüther seine Hauptaussage formulierte: „Vertrauen ist die Voraussetzung für die Entfaltung kreativer Potenziale.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2009)

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16 Kommentare
Gast: Marks & Spencer, Doberman
01.09.2009 14:57
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Von nichts eine Ahnung zu allem eine Meinung


Foren verleiten nur allzu leicht in diese Kategorie zu rutschen.

Die Poster reichen von den feinen Herren mit dem kleinen "c" im Namen, die nur gesichertes Wissen, also Wissen basierend auf Erkenntnissen anderer, den anderen um die Ohren hauen wollen, so vermeidens, dass wer anderer mit ihren eigenen Gedanken macht.

Die eifersüchtigen Pudel, die alles, was nur halbwegs einen Sinn ergibt, unter ihren gesammelten, wertlosen Knocherln verbuddeln.

Die Fremdwort-Akrobaten, die einen Satz erstellen, indems zuerst zwei Handvoll Fremdwörter zusammensuchen und dann ein paar Artikel, Umstands- und Zeitwörter dazwischen streuen.

Und nicht zuletzt die Angsoffenen, wost sogar bei einem Zweizeiler eine 3-seitige Beschreibung brauchst, was überhaupt meinen.

Aber trotzdem is lustig, zumindest a Zeidl.

Gast: Pickaball
01.09.2009 08:44
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Na, woas wirklich zu abghobn ?


jooooooooooo

binehschoweg

Antworten Gast: joooo???
01.09.2009 16:20
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Re: Na, woas wirklich zu abghobn ?

na, na fei nit

Pickaball
31.08.2009 21:36
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Kreativität wird allzuoft mit Erfolg gleichgesetzt


Es gibt unzählige kreative Ideen und Lösungen, die aber keiner haben will.

Kreativität gehört zum ersten Part des Konzeptes "Trial and Error".

Viel wichtiger für Erfolg ist Beharrlichkeit, um die endlosen Flops mental zu überstehen.

Pickaball
31.08.2009 21:03
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Ohne Krise keine Kreativität


Die Krise zerstört alte Strukturen - deckt Denkweisen auf, die nicht mehr funktionieren.

Fassaden sind zusammengebrochen, das Gesicht ist verloren, es gibt nichts mehr zu verlieren.

Am Tiefpunkt kann man nur noch gewinnen - ENDLICH ANGSTFREI.

Das Belohnungszentrum führt zu Talenten und Fähigkeiten.

Spielerisch wird ausprobiert, was funktioniert und was nicht.

Ein POSITIVER FEEDBACK LOOP weist durch Glückshormone den richtigen Weg.

Die Gewinner erkennt man schon am Start - und was im Kleinen nicht funktioniert, funktioniert auch nicht im Grossen.

Antworten Gast: Dr. Marc
31.08.2009 21:15
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Re: Ohne Krise keine Kreativität

und die wirklichen Gewinner sind die, die dem Gewinn gar nicht nachrennen denn der Weg ist das Ziel der Weg ist der steile Feedback Loop nichts sonst

solange das Essen, Wärme, Kleidung und Behausung da ist, reicht es

aber eines stimmt - schwarz wird wieder zum vollen Spectrum - denn schwarz isoliert gibt es nicht oder


Antworten Antworten Gast: Dekan Tierer
31.08.2009 22:58
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Re: Re: also ich habs durchgsetzt, dass den suspendieren


sagns kennisi, ich war früher in der Flaschenfabrik Salehm

Antworten Antworten Antworten Gast: JAAAA
01.09.2009 16:19
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Re: Re: Re: also ich habs durchgsetzt, dass den suspendieren

und ich war dort die größte aller Flaschen

Antworten Antworten Gast: Herr Strudl
31.08.2009 22:26
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Re: Re: gems ihmas Herr Doktor, der nervt soundso


...des mit dem Speck Trum is schenial, des hams sicher auch auf an Leibal draufstehn

Antworten Antworten Antworten Gast: Speck trum
01.09.2009 16:23
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Re: Re: Re: gems ihmas Herr Doktor, der nervt soundso

Speck trum rum? oder so echt super!!!! lachen ohne ende

Antworten Antworten Gast: Bill gehts
31.08.2009 21:46
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Re: Re: Ohne Krise keine Kreativität


na in jedem steckts halt nicht drin und ein paar Hechler muss es ja auch geben

Pickaball
31.08.2009 12:23
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...das mit dem Vertrauen schaut irgendwie nach Holzweg aus


Vertrauen bedeutet doch auf bisher Erfahrenes, Bekanntes, Altbewährtes zu setzen und eben nicht Neues ausprobieren zu wollen.

KREATIV heisst "schöpferisch", "etwas erschaffen", also etwas Neues.

Neues braucht es, wo Altes nicht mehr funktioniert - daher es braucht KRISEN !!!!

In der heutigen Zeit wird und vor allem KANN alles bis ins kleinste Detail erforscht werden.

Der Trugschluss - man könne daraus auf das "grosse Ganze" schliessen.

Wer mitten im Wald steht hat zwar alle Detailinformationen über seinen Standort, kann aber nicht einmal die simple Aussage treffen, wie gross der Wald ist.

Archimedes brauchte die Erde gar nicht verlassen, um sein Helio-zentrisches Modell zu konstruieren.

jta
31.08.2009 06:13
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naja

ich hab etwa das im standard gepostet, kompremiert und reduziert auf 750 zeichen. fand wenig beachtung ... eine positive und eine negative bewertung ...

ich bin ja gar nicht überrascht, das die österreichische seele aus allen lagern dem gar nicht folgen kann.

Gast: van der Rolle
30.08.2009 16:19
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Ja, was jetzt ?


Auch festgefahrene Vorstellungen müssen über den Haufen geworfen werden.

Denn: „Sonst ist nicht viel los im Hirn“, sagt Hüther und zeigt Bilder vom funktionellen Magnetresonanz-Imaging:

Im Hirn feuern kaum Neuronen, wenn Testpersonen fixe Vorstellungen verfolgen.

:-( :-I :-) :-o :-O

Aber was ist bei Politikern wenn die 10 Jahres-Pläne aufstellen ?

Antworten Gast: ehm meine Hirnwindungen machen
30.08.2009 19:09
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Re: Ja, was jetzt ?

direkt so kleine Hansi-Hüpfer

jetzt weiß ich warum

das sind meine kreativen Quantensprünge

davon bin ich jetzt so begeistert, dass vor lauter Begeisterung schon wieder bestimmte Hirnareale expanieren

Frage: bekomme ich irgendwann einen Wasserkopf oder kann man da platzen?


witzigfrau
30.08.2009 09:20
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Vertrauen versus Kontrolle

Ein Klima des Vertrauens muss geschaffen werden, meinte Dr.Spiel.Nun, nicht erst zwischen den Lehrpersonen und deren Schüler und Schülerinnen sondern auch zwischen Schulbehörde und Lehrpersonen in deren Methoden und Umsetzungen. Ein rigides(Grund)Schulsystem kann keinen Ort des Vertrauens schaffen,wenn an erster Stelle Kontrolle um der Kontrolle willlen geschieht.90% der Grundschuldirektoren und -innen sind nicht für diese Führungsposition geeignet,werden über Parteibuchbezug an die entsprechende Stelle gehievt.Und morden alles Innovative,Kreative,das sich "unter ihnen" enwickelt, ab.Sie können ja nicht anders.D a s sind systemimanente Fehler, blinde Flecken die von Direktions-Generation zu Generation mitgenommen werden.Und solche die sie sehen, werden- ja was wohl?BIldungsexperten? Nein,als unerwünschte Überbringer schlechter Botschaften wie im Mittelalter"hingerichtet":Als Unkündbare an Posten gesetzt, die zwar weiterhin ihre Kreativität und Innovativität herausfordern, dem Schulsystem aber nichts bringen, weil die wesentliche Botschaft solcher Leute (ohne Parteibuch) eben nicht gehört oder angenommen wird.
BIldungsveränderung beginnt vom Kopf. Begeisterung, die als Form einer positiv getönten Emotion in der Amygdala als Protein gespeichert und ausgeworfen wird, ebenso.Jede Schule kann nur so begeistert sein, wie ihr Kopf.(und das muss nicht immer der Chef der Organisation sein)Um-BIldung im System ist angesagt.