Burn-out bei der Polizei: Ministerium beruhigt

04.09.2011 | 18:27 |  KARL ETTINGER (Die Presse)

Das Innenressort verweist auf eine aktuelle Erhebung: Nur 5,6 bis 9,3 Prozent der Beamten haben ein Burn-out-Risiko. Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft ist hingegen alarmiert.

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Wien. Wie stark sind Exekutivbeamte durch Arbeitsstress überbelastet und burn-out-gefährdet? Und unternimmt Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bei der Prävention genug gegen das Risiko des „Ausbrennens“ von Polizisten in ihrem Beruf? An diesen Fragen scheiden sich die Geister zwischen Polizeigewerkschaft und Innenressort. Im Ministerium werden Ergebnisse einer umfassenden Studie ins Treffen geführt: Demnach liegt die akute Burn-out-Gefährdung der uniformierten Polizeibeamten bei lediglich 5,6 bis 9,3Prozent. Die „Belastungsrate“ bewege sich damit im internationalen und im beruflichen Vergleich im niedrigen Bereich, wird im Ministerium argumentiert.

Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Hermann Greylinger, ist hingegen alarmiert. Er hat im August in der „Presse“ beklagt, die Innenministerin sei angesichts der Ergebnisse bei österreichweit insgesamt 1848Befragten untätig. Die Ministerin lässt das nicht auf sich sitzen. Ihr Kabinett verweist auf „Presse“-Anfrage auf mehrere Maßnahmen – etwa das 2009 eingeleitete Projekt Supervision.

Das Innenministerium macht geltend, dass laut Befragung umgerechnet mehr als die Hälfte der uniformierten Polizeibeamten überhaupt keine Belastungssymptome gezeigt hätten. Exakt waren dies 49,7Prozent nach dem Kriterium „Emotionale Stabilität“ und 61,6Prozent nach dem Kriterium „Arbeitsbelastung“, die keine Belastungssymptome aufwiesen. Bei der Erhebung wurden ausgesuchte polizeispezifische Parameter im Hinblick auf das persönliche Belastungsempfinden herangezogen. Beim überwiegenden Teil der Exekutive gebe es gar keine Anzeichen einer erhöhten Stressbelastung oder einer Überbeanspruchung, betont man mit Hinweis auf die Forschungsarbeit. Diese ist nach einem neuen Verfahren von der Uni Graz entwickelt worden. 33 bis 41Prozent würden je nach Kriterium hingegen bei ihrer Arbeit Stress empfinden. Von Burn-out gefährdet seien, wie erwähnt, nicht einmal zehn Prozent. Nach dem Kriterium „Emotionale Stabilität“ lag die Gefährdungsrate bei 9,3 Prozent, nach dem Kriterium „Arbeitsbelastung“ lag das Burn-out-Risiko bei lediglich 5,6 Prozent.

Das Ministerium hat kein Verständnis für die Kritik Greylingers und betont, dass längst Maßnahmen ergriffen worden seien, um einem „Ausbrennen“ von vorneherein zu begegnen. Schon das Ausleseverfahren vor dem Eintritt in den Polizeidienst sei auf die Besonderheiten der Tätigkeit abgestimmt. Darüber hinaus gebe es spezielle Schulungsinhalte für Führungskräfte, darunter auch den Bereich Psychologie. Für die Polizisten selbst gebe es anlassbezogene Aus- und Fortbildungsveranstaltungen. Es sei nicht nur das Projekt Supervision gestartet worden, es gebe auch Betreuungen durch Psychologen des Innenministeriums für Beamte, die mit Problemen zu kämpfen haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2011)

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37 Kommentare
 
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Gast: Ösi
05.09.2011 19:26
1

Da liegt wohl eine verhängnisvolle Fehlinterpretation von "burn out" vor

Denn "burn out" hat nichts mit "absolut unfähig für diesen Beruf" zu tun.
Und Genossen, wir wissen ja um die Aufnahmebedingungen in den Polizeidienst bescheid.

lg
Ösenpower

Gast: Der Bulle
05.09.2011 17:37
0

Burnout-Studie

Das Ergebnis dieser Studie ist auf Grund der nicht repräsentativen Anzahl anzuzweifeln, denn die meisten Polizisten werden an der Studie nicht teilgenommen haben, weil es eh nichts bringt (wie so vieles andere auch).
Upps - hört sich das jetzt nicht auch irgendwie "Burnout angehaucht" an?

Gast: Gasti
05.09.2011 14:52
1

Ein Teil des Problems ist sicher, dass

der Respekt vor der Polizei kaum noch gegeben ist. Daran ist die sozialistische Politik Schuld, weil sie aus den Polizisten:
- Steuereintreiber auf Oesterreichs Strassen gemacht hat (oft genug hat man den Verdacht, dass Radars nur noch zum abkassieren in der Landschaft stehen und nicht um die Verkehrssicherheit zu erhoehen.)
- Spitzel gemacht hat, die alles und jeden mit oder ohne Grund bespitzeln sollen (->Vorratsdatenspeicherung, Rasterfahndung, Lauschangriff, etc.)
- 'Beschuetzer' einer abgehobenen Elite gemacht hat.

Ob dieser 'neuen' Aufgaben fehlt dann dem Polizisten eben auch die Zeit um fuer den Buerger zu arbeiten und seinem eigentlichen Auftrag entsprechend 'echte' Verbrecher zu fangen und wegzusperren (wobei die Justiz hier auch eine entscheidende Rolle beim Versagen des Systems spielt - Stichwort: Opfer-Taeter Umkehr, Verurteilung von tatkraeftigen Polizisten).

Der unbescholtene Buerger fuehlt sich eben mit dieser Polizei (und Justiz) nicht mehr wohl und moechte damit eben auch nichts mehr zu tun haben. Der einzelne Polizist merkt das indem er nicht die Anerkennung bekommt, die er eigentlich verdient und brennt letztlich aus.

Es waere an der Politik sicherzustellen, dass die Polizei wieder vermehrt fuer den Buerger arbeiten kann und weniger gegen ihn. Dann bekommt die Polizei auch wieder die Anerkennung, die sie eigentlich haben muesste.

Re: Ein Teil des Problems ist sicher, dass

Genauso sehe ich das auch. Polizeiarbeit beschränkt sich auf Verstecken mit einer Radarpistole hinter einem Baum, und zwar immer nur dort, man man am ehesten schneller fahren kann, weil es die Umstände zulassen. Also reine Abzocke. Polizisten verursachen so gesehen nur einen volkswirtschaftlichen Schaden (ich übertreibe etwas, ok).

Beim Einbruch in mein Haus hat man nicht einmal ordentlich die Daten erhoben, geschweige irgendwelche Spuren gesichert, aber man hat mir erzählt, wie viele Einbrüche hier täglich stattfinden, quasi als Beruhigung, dass ich nicht der Einzige bin :-(.

Gast: leserin01
05.09.2011 12:40
0

BItte Recherche

Ich wüßte gerne, was die so verdienen...

Antworten Gast: sdgsdg
05.09.2011 14:37
0

Re: BItte Recherche

So groß kann der Wunsch nicht sein, sonst hättest du längst nach "polizei österreich gehaltstabelle" gegoogelt.

Gast: Frühaufsteher
05.09.2011 10:16
2

Belastung

Das nervende an dem Job ist vermutlich, dass es die Polizei praktisch immer mit solchen Dumpfbacken zu tun hat, die sich wie hier mit ihren Postings massenhaft als solche outen.

Antworten Gast: Dauerschläfer
05.09.2011 11:13
1

Re: Belastung

Das nervende an den Bullen ist das, daß die sich "irgendwie" als "elitär, abgehoben, ÜBER dem Gesetz stehend und unfehlbar" halten - dies aber von den "Kunden" NICHT IMMER als absoluter Fakt akzeptiert wird.
WEN wunderts, daß unter SOLCHEN Voraussetzungen ein "Burnout" folgt...?

Antworten Antworten Gast: asfsdaf
05.09.2011 13:59
0

Re: Re: Belastung

Ist das deine Erfahrung, oder plapperst du nur was nach? Beides spricht gegen dich.

vielleicht eine lösung:...

leistungsstarke hakabsolventen/innen können ja den sogenannten "papierkram" erledigen; diese können nämlich das 10-finger-system, und für die polizeiliche kernarbeit würden die polizisten mehr zeit haben!
für die hak-absolventen gibt es sonst ja kaum jobchancen, und das wäre eine sehr billige und sehr einfache lösung!
das bisschen geld hat der staat locker!

Antworten Gast: Ein HAK-Absolvent
05.09.2011 11:03
0

Re: vielleicht eine lösung:...

Ich hätte gerne eine Quelle von Ihnen, oder wie kommen Sie darauf das ein HAK-Absolvent kaum Jobchancen hat?

Re: Re: vielleicht eine lösung:...

das ist eine empirische beobachtung: die hakabsolventen, die ich kenne, haben nur über beziehungen jobs in der privatwirtschaft erhalten oder sitzen an der billakassa oder sind arbeitslos oder studieren eben...
jedenfalls hat fast keiner dieser ehemaligen schüler einen adäquaten job, und deshalb halte ich diesen schulzweig für überflüssig.

Gast: Der Barbier von Monte Christo
05.09.2011 07:38
1

Die Wiener Polizei hat folgendes Problem

Die Allgemeinbildung kann mit der Durchschittsbevölkerung nicht mehr Schritt halten, das frustriert ungemein.
Weiters: Das Gehalt kann mit dem Durschnittsgehalt nicht mehr mithalten, das frustriert auch ungemein.
Dann noch: Die Machtfülle kann mit der Macht der Industriellen, der Macht der Politiker, der Macht der übrigen Beamten, der Macht der Angestellten, der Macht der Arbeitslosen nicht mehr mithalten, auch das frustriert ungemein.
Nur mehr die Dienstwaffe und die ist nur Arbeit.

Gast: DerPatriot
05.09.2011 06:21
3

Das sind BEAMTE!

polizei? burn out?
trifft ungefähr genauso zu wenn man sagt das der dorfpfarrer ein burn out hat!

Re: Das sind BEAMTE!

posten sie das nächstemal ihren text unter dem gastnamen "derAhnungslose"!

...

ja wahrscheinlich ist es so schwiergi die anzeigen gegen die justiz entgegenzunehmen und nichts zu tun...

die naechste burn out gefaehrdete berufsgruppe: pensionisten

vor lauter freizeitstress und pfuschen (bei fruehpensionisten) ist diese gruppe auch hochgefaehrdet

Gast: Whoa!!!
04.09.2011 23:32
2

Burn-out bei Lehrern burn-out bei der Polizei! Warum haben immer diese Berufsgruppen Burn-out die he schon am Wenigsten leisten, hm?

Diese Schwächlinge sollten nur eine Woche mit einem Handwerker mitarbeiten oder Krankenpfleger (Liste beliebig erweiterbar) und sie würden wissen, was sie an ihrem Berufsstand haben.

Re: Burn-out bei Lehrern burn-out bei der Polizei! Warum haben immer diese Berufsgruppen Burn-out die he schon am Wenigsten leisten, hm?

Arbeiten sie mal 30 Jahre im 12 Stunden Rad Tag und nachts und an den WE etc. Oft auch 24 oder 36 Stunden wenn Not am Mann ist.

Ganz so lustig ist das dann auch wieder nicht. Nicht alle über einen Kamm scheren!

Re: Burn-out bei Lehrern burn-out bei der Polizei! Warum haben immer diese Berufsgruppen Burn-out die he schon am Wenigsten leisten, hm?

vielleicht deshalb weil sie viel mit äußerst unguten leuten zu tun haben?
polizisten sowieso aber auch schülerInnen sind nicht ohne!

wer ausbrennt sollte zumindest vorher geleuchtet haben. ich kenne keinen bullen bei dem dieses zutrifft.


Gast: Joe Mirko-Leitbier
04.09.2011 23:20
3

Burn-out bei der Polizei:

Ich finde das auch aufs äußerste bedenklich, überall liegen öffentlich haufenweise Beamte/innen herum
die während ihrer Amtshandlung ausgebrannt eingeschlafen sind.

Gast: Geschichtskundler
04.09.2011 22:49
1

Amtsehrenbeleidigung wiedereinführen!

Warum führen sie die Amtsehrenbeleidigung als Straftatbestand nicht wieder ein?

Wenn die Ehre des Polizisten geschützt ist, bringen die Leute ihm mehr Respekt entgegen. Und er muss ihn sich so nicht immer erarbeiten, was nämlich nervenaufreibend ist.

Antworten Gast: Zen Su Riert
05.09.2011 17:27
0

Re: Amtsehrenbeleidigung wiedereinführen!

wo keine ehre, da auch keine beleidigung.

Re: Amtsehrenbeleidigung wiedereinführen!

richtig. es ist nicht lustig immer nur als der letzte dreck zu gelten! aber wenns wo brennt, wenns grauliche unfälle gibt, wenn eingebrochen wird usw. ja da schreit man nach der polizei. nach getaner arbeit gibts wieder nur kritik und bist wieder der letzte ... (siehe oben)

Gast: UKW
04.09.2011 22:26
2

Wenn das Röntgenbild nichts anzeigt und man in Frühpension gehen will, kriegt man halt ein Burn-Out

Polizisten mögen zuweilen in gefährliche Situationen kommen (dafür kassieren sie auch jede Menge Gefahrenzulagen) aber sie sind eben keine Schwerarbeiter, und das Röntgenbild lügt halt nicht.

Jetzt verdreht die Gewerkschaft mal wieder die Tatsachen, um bei den nächsten Gehaltsverhandlunge auf Steuerzahlerkosten noch mehr rauszuschinden.

 
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