Spitäler im Umbau: 778 Akutbetten weniger

15.04.2012 | 18:51 |  KARL ETTINGER (Die Presse)

Reform in Oberösterreich ist im Laufen. Das Land erwartet sich 366 Millionen Euro weniger an Kosten. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung soll dadurch nicht beeinträchtigt werden.

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Linz. Auf Bundesebene gibt es außer vollmundig von manchen SPÖ-Verhandlerinnen hinausposaunten „Durchbrüchen“, die prompt von anderen Teilnehmern vehement bestritten werden, keine konkreten Vereinbarungen zwischen Regierung und Ländern über die Spitals- und Gesundheitsreform. In Oberösterreich sind Änderungen trotz lautstarken Murrens und einigen Widerstands seit dem Vorjahr in Umsetzung. Dabei werden auch etliche Punkte in Angriff genommen, die teilweise seit Jahren von Experten bundesweit empfohlen werden: vom Abbau von Akutbetten bis zur Eindämmung von Parallelstrukturen in bestimmten Abteilungen bis zu Verwaltungs- und Organisationsänderungen.

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Das alles soll unter der Bedingung der Politik, angeführt von Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP), erfolgen, dass die medizinische Versorgung der Bevölkerung dadurch nicht beeinträchtigt wird. Gerade deswegen gab es allerdings Proteste, weil man sich beispielsweise in der Region um Ried im Innkreis benachteiligt fühlte.

 

Der Anstieg der Kosten erfolgt langsamer

Unter dem Strich rechnet das Land Oberösterreich, das eine eigene Spitalsreformkommission eingesetzt hat, damit, dass mit dem Umbau des Spitalswesens insgesamt die Kostenexplosion gebremst werden kann. „Kostendämpfung“ wird das in den einschlägigen Konzepten genannt. Konkret bedeutet dies, dass die Kosten vom Ausgangspunkt der Tabellen im Jahr 2010 mit 1,7 Milliarden Euro nach den Hochrechnungen bis zum Jahr 2020 nicht auf 2,605 Milliarden Euro, sondern lediglich auf 2,239 Milliarden Euro steigen sollen, es wären demnach 366Millionen Euro weniger. Werden die jährlichen Kostendämpfungen kumuliert, macht das allerdings immerhin die stolze Summe von rund 2,3 Milliarden Euro aus, die aus öffentlichen Mitteln damit eingespart werden können.

Was wird konkret gemacht? Speziell im oberösterreichischen Zentralraum zwischen den nur gut 20 Kilometer entfernten Städten Linz und Wels ist der Abbau von Paralleleinheiten bei Abteilungen, in denen es Betten gibt, ein wichtiger Teil der Vorgaben. Dies reicht von der Dermatologie bis zur Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. In dem Strukturplan ist landesweit die Schließung von vier Abteilungen vorgesehen.

In 17 Fällen ist eine Zusammenführung von Abteilungen oder der Erhalt in einer sogenannten standortübergreifenden Form das Ziel. Davon entfallen fünf auf die Region Linz/Mühlviertel, fünf auf die Region Wels/Grieskirchen, vier auf Pyhrn-Eisenwurzen, zwei auf das Salzkammergut und eine auf das Innviertel.

 

Mehr Leistungen in Tageskliniken

In elf Bereichen kommt es zu einer Neuorganisation, wobei bisherige Vollabteilungen als Fachschwerpunkte oder als Tageskliniken weitergeführt werden. Schließlich werden 19 bisherige Institute künftig in Form von Verbünden geführt: Davon werden sechs im Raum Linz/Mühlviertel zusammengelegt, sechs in der Region Wels/Grieskirchen, vier in der Pyhrn-Eisenwurzen, eine Verbundlösung ist im Salzkammergut vorgesehen und zwei im Innviertel.

Berücksichtigt wird beim Umbau des oberösterreichischen Spitalswesens beispielsweise eine bestimmte Mindestanzahl von Fällen, um eine entsprechende fachmedizinische Behandlung zu gewährleisten. Ausgebaut wird dabei vor allem das Angebot an ambulanten und tagesklinischen Leistungen.

Im Gegenzug ist ein Abbau um insgesamt 778 Akutbetten eingeplant, wobei in diesem Punkt das Jahr 2009 Ausgangsbasis ist. Statt damals 8584 Betten ist eine Reduktion in den Krankenhäusern auf 7822 im Strukturplan enthalten, was einer Verringerung der Kapazität an Akutbetten um rund neun Prozent entspricht. Neben den Änderungen im medizinischen Angebot und damit unmittelbar verbundenen Einsparungen in Höhe von 22 Millionen Euro erwartet das Land in seinem Spitalsplan eine zusätzliche Dämpfung der Kosten von rund 40 Millionen Euro im nicht medizinischen Bereich.

Vor dem Hintergrund der in Oberösterreich angelaufenen Spitalsreform zeigt sich Landeshauptmann Pühringer vorsichtig gegenüber den Sparplänen, die mit Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) verhandelt werden. Dabei ist Stöger selbst Oberösterreicher und war vor dem Eintritt in die Bundesregierung im Dezember 2008 Chef der oberösterreichischen Gebietskrankenkasse.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2012)

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17 Kommentare
Gast: total crash
16.04.2012 07:03
6 2

"Die medizinische Versorgung soll dadurch nicht beeinträchtigt werden."

Was für eine Floskel !

Sehr geehrte Damen & Herren Politiker,beamtete Schreibtischattentäter!

Wer oder was hat euch in den oberhalb der Nasenwurzel versteckten Hohlraum, seine StoffwechselEndProduktion hinterlassen und vergessen runterzulassen ?

Nur so nebenbei, zu eurer Information,die medizinische Versorgung der Bevölkerung hat bereits massivste Beeinträchtigung erlangt !

Es werden immer mehr Einschränkungen/Streichungen/Selbstbehalte uäm für Behandlungen eingeführt bzw nicht Bewilligt ect ect pp!

Anstatt das eine echte Verwaltungsreform vom österreichischen überbordenden Föderalismus (Vier-fünf Gleisigen sich widersprechender Bescheid erstellende Behörden/Ämter und über 20 Krankenkassen alles besetzt mit Parteiengünstlinge) angegangen wird,wird mal wieder bei den Leistungen der Bevölkerung eingespart.

Wann kommt ihr zur Vernunft,wann wird der gesunde Menschenverstand eingesetzt,wann geht ihr eine echte Verwaltungsreform an,wann vertschüßt ihr euch von der Gewohnheit in die öffentlichen Kassen zum Nachteil der Bevölkerung zu greifen?

Mit vollster Verachtung

Re: "Die medizinische Versorgung soll dadurch nicht beeinträchtigt werden."

Mit der Vereinheitlichung von 20 Krankenkassen ist es auch nicht getan. Das ist Schmonzes. Das braucht oft mehr Personal als 20 selbstständige Versicherungen. Denn, wo die Verwaltungen nicht mehr neu erfunden werden müssen wird auch Geld gesparrt.
Bei der Umstrukturierung des Verkehrsministeriums zur Wenderegierung Schüssels waren es dann insgesamt mehr Angestellte als zuvor. So sieht es aus!

Es geht nämlich dabei nicht nur um einheitliche Richtlinien sondern um einheitliche Beschneidungen.
Warum darf ich nicht bei einer Versicherung versichert sein, die mir entspricht?

Antworten Gast: Vogel Strauss
16.04.2012 11:29
2 0

Re: "Die medizinische Versorgung soll dadurch nicht beeinträchtigt werden."

Woher sollen die armen Politiker denn wissen, wie die Realität ist? Die müssen nicht 6 Stunden in einer Ambulanz sitzen, weil die gehen nur in Privatordinationen ...

0 0

Re: Re: "Die medizinische Versorgung soll dadurch nicht beeinträchtigt werden."

Lieber Vogel Strauss !!
Auch ich geh bei "wichtigen" Fällen in eine Privat-Ordination.......ist zwar teuer aber man gönnt sich ja sonst nichts !!! Hauptsache , unsere Oberen können sich tolle Autos etc. ( natürlich auf unsere Kosten ) gönnen

Antworten Gast: Pips
16.04.2012 07:50
1 0

Re: "Die medizinische Versorgung soll dadurch nicht beeinträchtigt werden."

Gesunder Menschenverstand kann eingesetzt werden, wenn vorhanden. Dieser jedoch fehlt, nicht nur bei Beamten und anderen Funktionären, sondern mittlerweile bei 8 von 10 Ösis.
Daher, der ganze Staat ist eine Parodie. Politiker arbeiten massiv darin, daß das Stück noch lustiger wird, für die Zaungäste.

Gast: drstrangelove
15.04.2012 21:26
4 0

Neulich, am Schreibtisch...

Eine brilliante Idee, die sich wieder einmal ein "frontferner" Schreibtischtäter ausgedacht hat! Ein paar ganz simple Gedanken:
Wo sollen wir dann die Patienten hinlegen, die in unveränderter Zahl hereinstürmen? Oder gibts dann einfach weniger Akutfälle? Meiner Erfahrung nach werden schon jetzt immer mehr Gangbetten belegt, liegen Schwerkranke stundenlang in Ambulanzen weil keine Betten frei werden... Haben die Damen und Herren jemals eine Akutstation von innen gesehen?
Wurden feldlazarettähnliche Zustände in österreichischen Spitälern nicht schon vor einigen Monaten angeklagt und reichlich thematisiert, inklusive dem üblichen Ärztebashing gegen genau die Kollegen, die sich täglich (und nächtlich!)direkt an der Basis mit den Konsequenzen dieser verordnetet Mißwirtschaft herumschlagen müssen?

Klasse Herr/Frau PolitkerIn

auch wenn ihr immer (kostenlos) Klasse liegt, wünsch ich euch einen Primar als operationsführenden Arzt der die letzten 5 Jahre hinterm Schreibtisch verbracht hat und seitdem nie ein Skalpell in der Hand hatte .....

Gast: trio
15.04.2012 20:41
2 1

:-(

jedes einzele fehlende Akutbett bedeutet im Schlimmsten Fall einen abgewiesen Patienten und in die Medien werden es nur wenige schaffen....

Warum nur funktioniert dies nur in Oberösterreichß


Re: Warum nur funktioniert dies nur in Oberösterreichß

weil der ÖVP die Menschen Wurst sind, die darunter leiden vielleeicht ;)

Das heißt also etwas weniger als um 778 Todesfälle mehr

Gratuliere Herr Landeshauptmann und von Gesundheitsminister Stöger bin ich erst recht enttäuscht!

Antworten Gast: Vogel Strauss
16.04.2012 11:30
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Re: Das heißt also etwas weniger als um 778 Todesfälle mehr

Was haben Sie vom Hr. Diplomé anderes erwartet??

Damals hat er auf mich einen guten Eindruck auf mich gemacht

seit damals (Wahl) habe ich relativ wenig von ihm gehört oder gelesen; anfangs etwas mehr später immer weniger (kann aber auch an mir liegen!), und jetzt das!
Ist er nicht ein SPÖ-Politiker, da ällt mir ein er ist vlt jener, der aus einem schwarzen Elternhaus kommt oder so ähnlich, bzw. war ein Elternteil schwarz oder die Mutter Religionslehrerin. Oder irre ich mich da doch?

Wie dem auch sei. Er sollte die Fraktion wechseln.

Jetzt haben wir eh schon alle wichtigen Ministerien in schwarzer Hand

und unter der Hand zusätzlich noch einen schwarz geprägten Gesundheitsminister. Bei aller Liebe: Es sei in Erinnerung gerufen, dass die SPÖ die Wahl gewonnen hatte ....

Jetzt haben wir eh schon alle Ministerien in schwarzer Hand

und unter der Hand zusätzlich noch einen schwarz geprägten Gesundheitsminister. Bei aller Liebe: Es sei in Erinnerung gerufen, dass die SPÖ die Wahl gewonne hatte ....

Sorry: Es geht um alle wichtigsten Ministerien natürlich

die in schwarzer Hand sind!

Gast: Milchmaderl
15.04.2012 19:59
2 2

geiles Sparkonzept: Widmung der Akutbetten als Bed and Breakfast

Es waren noch nie die Kosten der Infrastruktur sondern immer schon die Personalkosten die ausschlaggebend sind.

Weniger Akutbetten werden so wenig einsparen, wie zugesperrte Klassenzimmer. Die aufgeblähten Personalkosten laufen weiter. Oder werden jetzt Ärzte und Schwestern abgesägt? Neugebauers Njet ist dafür sicher.

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