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Alois Stöger: Alarm wegen Ausbildung für die Pflege

10.06.2012 | 18:18 |  KARL ETTINGER (Die Presse)

Gesundheitsminister Stöger setzt eine EU-Richtlinie um, aber mit sieben Jahren Übergangszeit. Der Staat erspart sich damit Kosten für den Einsatz von besser ausgebildetem diplomiertem Personal in öffentlichen.

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Österreich zieht bei der Matura als Voraussetzung für den gehobenen Dienst bei Gesundheits- und Pflegepersonal nach. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) hat im Frühjahr eine entsprechende EU-Richtlinie unterschrieben. Eitel Wonne herrscht deswegen nicht. Der Grund: Für die Umsetzung der Richtlinie hat sich Österreich eine Übergangsfrist von sieben Jahren gelassen.

Eine der Konsequenzen betrifft die Finanzen: Der Staat erspart sich damit Kosten für den Einsatz von besser ausgebildetem diplomiertem Personal in öffentlichen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Die Bundessektion der sozialen Pflegeberufe in der Gewerkschaft öffentlicher Dienst und ihr Vorsitzender Johann Hable machen dagegen mobil, weil die gehobene Ausbildung damit für Jugendliche und Maturanten weniger attraktiv sei: „Die gehen uns verloren“, beklagt er im Gespräch mit der „Presse“.

 

Stöger: Sieben Jahre sind „geeignet“

Beim zuständigen Regierungsmitglied prallt die Kritik an der gewählten Vorgangsweise ab. Gesundheitsminister Stöger verteidigt seine Position: Die Neuregelung würde jedenfalls „eine Übergangsfrist brauchen“. Aber wieso es eine derart lange Übergangsphase gebe? „Sieben Jahre sind als geeignet angesehen worden“, lautet Stögers Antwort dazu auf Anfrage der „Presse“.

Die Neuregelung der Ausbildung wird von Experten als eine Notwendigkeit gesehen, um dem Mangel an Personal im Kranken- und Pflegepersonal zu begegnen. Bisher waren Deutschland und Österreich Nachzügler bei der Umsetzung der EU-Richtlinie, mit der die Matura zur Voraussetzung für den gehobenen Dienst, etwa für Krankenschwestern, gemacht wird.

Zwar wird auch von Kritikern anerkannt, dass die jetzige Ausbildung in Österreich nicht schlecht sei. Angesichts des Umstandes, dass immer mehr Mädchen und Burschen mit einer Matura abschließen wollen und insgesamt die Wirtschaft nach gut ausgebildeten Fachkräften sucht, werden aber durch die siebenjährige Übergangsfrist vermehrt Probleme beim Nachwuchs von diplomiertem Personal befürchtet.

 

„Das kann man sich nicht leisten“

In diese warnenden Stimmen mischt sich auch Gewerkschaftsvorsitzender Hable: „Da ist dringender Handlungsbedarf gegeben.“ Sonst drohe Österreich ein „Pflegekollaps“. Er warnt mit Nachdruck vor mittel- und längerfristigen negativen Folgen für Österreichs Gesellschaft: „Das kann man sich nicht leisten.“ Für ihn handelt es sich um eine kurzsichtige Politik, wenn der Umstieg auf die Matura als Voraussetzung noch sieben Jahre hinausgeschoben wird. „Die sehen immer nur das Geld“, wettert Hable in Richtung der zuständigen Politiker.

Der Gewerkschafter schlägt vor, dass alle Pflegekräfte in einem durchgängigen Modell ausgebildet werden, in dem in Modulen die Ausbildung stetig ausgeweitet wird. Er hält das verstärkte Augenmerk auf genügend gut ausgebildetes Personal im gehobenen Gesundheits- und Krankendienst auch deshalb für notwendig, weil in vielen regionalen Krankenhäusern nicht genügend Jungärzte für diverse Tätigkeiten zur Verfügung stünden. Diplomiertes Personal müsse an deren Stelle bestimmte Aufgaben, wie das Anhängen an Infusionen, übernehmen.

Hable kündigt an, man werde deswegen weiter bei den Politikern vorstellig werden. Er nimmt dabei im Gespräch mit der „Presse“ allerdings nicht nur die Bundespolitik in die Pflicht, sondern speziell auch die Landespolitiker und vor allem die Landeshauptleute. Diese müssten eigentlich dafür sorgen, dass es in jedem Bundesland eine Fachhochschule für eine adäquate Ausbildung im Gesundheits- und Pflegebereich auf diesem hohen Niveau gebe. Denn: „Die haben für alles andere Geld, aber die Pflege fällt da durch“, wettert der Gewerkschafter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2012)

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8 Kommentare

Ein Hoch auf die Sozialdemokratie!!

*Matura für Alle
*Studium für Alle
*Frühpenison für Alle

Freundschaft.

Gast: Baguio
11.06.2012 05:44
3 0

ich fand die beste Pflege auf den Philippinen,

. . . eine junge 'live-in' Pflegerin, welche sich um die Uhr um mich sorgt und kümmert. Obwohl gehbehindert, mit Schmerzen und endloser Müdigkeit, kann ich mir nicht vorstellen, dass ich nur annähernd derart in einem Altersheim umsorgt wäre.
Baguio ist eine Stadt hoch in den Cordilleras, der Obst- und Gemüsegarten der Philippinen mit mildem Klima, etwa 20 bis 24º jahrüber; jedermann spricht Englisch.
Obwohl meine kleine österr. Pension zum Leben reicht, wünschte ich, dass mir Österreich auch im Ausland einen Hilflosenzuschuss gewährt, dass ich meiner Pflegerin auch eine Altersvorsorge ermöglichen könnte.

Die Gesamtschulkonzepte

begrabe wir damit auch gleich? Nicht nur, dass die Schmied den Kindern die Zukunft raubt, jetzt rauben wir auch den ausgebildeten MA im Sozialdienst jede Möglichkeit ein vernünftiges Leben zu führen?

Und warum, explodiert das Sozialbudget in Wien??
Ist die Verschuldung in Wien zu hoch??

Gut, die Maturantinnen werden managen, Listen ausfüllen, Hilfskräfte anleiten, Infusionen anhängen -

aber wer macht die eigentliche Arbeit bei der Pflege? Die Knochen- und Schwerarbeit, Bettenmachen, Patienten umdrehen, heben, waschen, "Essen verabreichen", "Intimpflege", Leibschüsseln einsammeln? Maturantinnen werden dafür überqualifiziert sein. Das Problem ist, daß bei noch so viel Ausbau der Ausbildung, der Qualifikation und selbst der Bezahlung die Arbeit sich NICHT ÄNDERT. Sie bleibt, was ist: ein Knochenjob mit Nacht- und Wochenenddiensten, viel Verantwortung, viel Arbeit und in aller Regel wenig intellektueller Herausforderung, wenn man von den Pflegedirektorinnen, OP- und Intensivschwestern etc. absieht.

3 0

Re: Gut, die Maturantinnen werden managen, Listen ausfüllen, Hilfskräfte anleiten, Infusionen anhängen -

Solange gerade diese körperliche und emotionale Knochenarbeit so miserabel bezahlt wird wie im Moment, wird sie bald gar niemand mehr machen. Es ist eigentlich ein Irrsinn, dass gerade die Jobs mit Verantwortung für die Schwächsten in der Gesellschaft so schlecht bezahlt werden. Pfleger und Kindergartenpersonal zB. leisten immens viel, verdienen dafür aber nur wenig mehr als die Mindestsicherung.

Antworten Antworten Gast: socJustice
11.06.2012 13:55
5 2

. . . leisten immens viel, verdienen dafür aber nur wenig mehr als die Mindestsicherung

das Mindesteinkommen ist falsch konzipiert. Es sollte allen Bürger gleich einem Vorsteuerrabatt zustehen, während alle realen Einkommen progressive zu versteuern wären.
Gehälter und Firmenentnahmen sollten gekappt werden. Keinem Menschen steht ein mehr als etwa vierfaches Durchschnittseinkommen zu, was etwa ein zwölffaches des Mindestlohnes heisst.
Doch die Beibehaltung des Mindesteinkommens ersparte eine riesige Bürokratie für Arbeitslose und ermöglicht eine permanente sozial sinnvolle Umverteilung via Einkommensteuer.

Gast: Wünschmirwas
10.06.2012 21:14
1 0

nach der Maturadiskussion

"Die Neuregelung der Ausbildung wird von Experten als eine Notwendigkeit gesehen, um dem Mangel an Personal im Kranken- und Pflegepersonal zu begegnen."
Der Theorie kann ich folgen, allein mir fehlt der Glaube an die Umsetzbarkeit. Wer Einblick in den Haus-und Spitalspflegebereich hat (bezüglich Sprach-und Fachkompetenz), weiss genau, wie schwierig dzt die Rekrutierung von qualifizierten Menschen in diesem Arbeitsbereich ist. Ich bezweifle, dass sich viele junge Menschen für diesen anspruchsvollen und schweren Beruf entscheiden. Und weiters bezweifle ich die Leistbarkeit dieses Qualitätsanspruchs. Oder es wird bei der Kostentransparenz wieder der Schleier des Schweigens ausgebreitet werden, wie in Ö. üblich.

Gast: wasdaswer
10.06.2012 19:45
3 0

Wenn die Matura Pflicht wird,

dann wird ein massiver Pflegemangel eintreten. Viel Spass! Vielleicht kann man bis dahin, die Ausbildung ausbauen und den Beruf attraktiver machen.

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