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Mobbing und Marihuana: Die durchleuchteten Kandidaten

25.06.2012 | 18:40 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Die Biografien Barack Obamas und Mitt Romneys enthüllen Jugendsünden. Der eine frönte dem Marihuana. Der andere tat sich darin hervor, Außenseiter in der Schule zu schikanieren.

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Sonntags pflegte der 23-Jährige das Dasein eines New Yorker Bohemiens. Lediglich in einen Sarong – ein Hüfttuch – gewickelt, vertiefte sich Barack Obama in die Lektüre der telefonbuchdicken Ausgabe der „New York Times“ und ihres Kreuzworträtsels, der Denksportaufgabe für Intellektuelle in der Manier von Woody-Allen-Figuren. Vorher drehte er oft eine Joggingrunde im Prospect Park in Brooklyn, abends wandte er sich der TV-Übertragung eines Basketball-Matchs zu.

Solcherart beschreibt die australische Diplomatentochter Genevieve Cook leicht enerviert das Sonntagsritual ihres Freundes anno 1984/1985. Die Grundschullehrerin, drei Jahre älter, weiß und aus betuchtem Haus, hat den introvertierten Studenten der Columbia University bei einer Silvesterparty im East Village kennengelernt und während ihrer eineinhalbjährigen Beziehung penibel Tagebuch geführt. Aus den Notizen schöpft die neue Obama-Biografie „The Story“ des „Washington-Post“-Autors David Maraniss, die soeben in den USA erschienen ist.

 

Ein „Hapa“

Maraniss hat Cook bei seinen Recherchen auf drei Kontinenten, die ihn von den USA nach Kenia und Indonesien führten, aufgestöbert. Es gelang ihm, Quellen ausfindig zu machen, die ein detaillierteres und differenzierteres Bild des Präsidenten entwerfen – ein Bild, das sich oft mehr als nur in Nuancen von dem literarisch verdichteten Selbstporträt Obamas in „Dreams of My Fathers“ abhebt. Ohne Vater aufgewachsen, halb schwarz, halb weiß – ein „Hapa“ in der Diktion der Hawaiianer –, charakterisierte sich Obama 1995, ein Verfassungsrechtler in Chicago auf dem Sprung in die Politik, ein wenig überhöht als rastlos Suchenden auf den Spuren nach seiner Identität. Sein Biograf füllt die Lücken mit Fleisch und Blut. „Wie kann er im Alter von 22 Jahren schon so alt sein?“, fragt sich Cook anfangs in einem Eintrag. Er erscheint ihr zu cool, zu kontrolliert, vielleicht zu intellektuell hochfahrend. Eine Anekdote bezeichnet die Distanz am eindrücklichsten. „Ich liebe dich“, gesteht Cook euphorisch. „Danke“, lautet die knappe Antwort, womöglich nur gedankenlos hingestreut.

Die Lehrerin malt sich aus, wer die ideale Partnerin für ihren emotional unnahbaren Freund sein würde. „Sehr stark, sehr aufrecht, eine Kämpferin, die lachen kann, mit viel Erfahrung – ich sehe sie als eine schwarze Frau.“ Sie sollte recht behalten. Obama sollte diese Frau einige Jahre später als Praktikant in einer Chicagoer Anwaltskanzlei treffen und nach anfänglich hartnäckigem Widerstand zu einem ersten Rendezvous bitten – Michelle Robinson, die heutige First Lady.

In den jahrelangen US-Wahlkampfmarathons bleibt kaum ein Geheimnis unentdeckt, kein dunkler Punkt einer Biografie ausgespart, keine noch so peinliche Episode verborgen. Rechercheure aus den Parteilagern und den Medien schwärmen aus, sie heften sich an die Fersen der Kandidaten und stülpen ihr Leben um. Fact-Checker durchwühlen die Archive nach Widersprüchen. „Vetting“ nennt sich der Prozess, eine Untersuchung, in der die Bewerber auf Herz und Nieren durchleuchtet werden, auf dass nur ja nicht ein unwürdiger oder gar unfähiger Präsident zur Angelobung schreitet. Es ist eine Praxis, auf die sich die US-Demokratie viel zugute hält.

Der Zunft der Präsidentschaftshistoriker ist es indes vorbehalten, tiefer zu graben, mit längerem Atem an ihr Objekt heranzugehen. Robert Caro hat im Frühjahr den vierten Band seines viel gepriesenen Mammutwerks über Lyndon B. Johnson (LBJ) vorgelegt – und das Oeuvre ist keineswegs abgeschlossen: LBJ ist gerade erst im Weißen Haus angekommen. Auch bei Maraniss steht zumindest ein zweiter Teil aus, der erste endet auf Seite 572 damit, dass sich Obama 27-jährig in einem eben erst um 500 Dollar erstandenen gelben Datsun auf dem Weg nach Harvard macht.

 

Die „Choom Gang“

Der Pulitzerpreisträger Maraniss hat bereits eine exzellente Biografie Bill Clintons („First in His Class“) verfasst. Zum Gaudium der Nation hatte Clinton behauptet, Marihuana zwar geraucht, aber nie inhaliert zu haben. Die Häme Barack Obamas war ihm wohl gewiss. Seine Mitschüler in der elitären Punahou-Privatschule in Honolulu riefen ihn Barry, und für den Ersatzspieler des Basketballteams und einen der Rädelsführer der eingeschworenen „Choom Gang“, bestand der Sinn genau darin, möglichst viel Haschisch einzuatmen. Darum war es strikt untersagt, die Fenster des ramponierten VW-Busses, in dem sich die Basketball- und Haschfreunde zu ihren Sessions trafen, auch nur einen Spalt zu öffnen.

Der Bob-Marley-Fan Obama ging dabei so eifrig zur Sache, schreibt Maraniss, dass er sich ein Privileg erwarb. Wenn es ihm gefiel, unterbrach er den Zirkel und zog selbst am Joint. Als verantwortungsbewusster Vater hätte der Präsident seinen Teenie-Töchtern Malia und Sasha die Bloßstellung seiner Jugendsünden sicherlich gern erspart. Der Neuigkeitswert war freilich begrenzt. Gleichsam prophylaktisch hatte Obama schon in seinem Buch eingeräumt, zuweilen sogar Kokain geschnupft zu haben – und so der Kritik die Spitze genommen. Das Thema blieb im Wahlkampf vor vier Jahren dann auch überraschenderweise völlig ausgeblendet.

 

Abstinenzler Romney

Seinem Gegenkandidaten wäre ein solcher Fauxpas garantiert nicht widerfahren. Als strenggläubiger Mormone ist Mitt Romney zur Abstinenz verpflichtet, demnach hat er sowohl Alkohol als auch Zigaretten und selbst Kaffee abgeschworen. Unbefleckt tritt freilich auch er nicht zur Wahl an. Dass er seinen Hund Seamus während einer zwölfstündigen Urlaubsfahrt nach Kanada in einem Behälter aufs Autodach schnallte, bringt Hundefreunde auf die Palme.

Wie die „Washington Post“ unlängst aufdeckte, tat er sich als 18-Jähriger an der noblen Cranbrook-Privatschule in Michigan als Anführer einer Aktion hervor, die eine sensibilisierte US-Öffentlichkeit heute zweifellos als Mobbing wahrnehmen würde. „So kann er nicht ausschauen“, rief der Gouverneurs-Sohn, als der als schwul geschmähte Mitschüler John Lauber mit einer blond gefärbten Poppermähne über den Schulhof flanierte. Von Freunden gewaltsam niedergedrückt, stutzte Romney dessen Frisur später zurecht.

„Da ist eine wilde und verrückte Seite, die in ihm schlummert“, sagt seine Frau Ann, Gefährtin seit High-School-Tagen. In der Biografie „The Real Romney“ porträtieren die „Boston Globe“-Journalisten Michael Kranish und Scott Helman den Kandidaten als edelmütigen Helfer in der Not – mit dem Hang, Streiche auszuhecken. Bei der Hochzeit eines Freundes drang er in dessen Hotelzimmer ein und pinselte mit rosa Lippenstift „Help“ auf dessen Schuhsohlen – was vor dem Altar für schallendes Gelächter sorgte.

Auf einen Blick

„Vetting“. Wer zur Präsidentschaftswahl in den USA antritt, muss sich auf ein akribisches „Vetting“ einlassen – auf eine Untersuchung auf Herz und Nieren. Rechercheure und Fact-Checker fördern alles ans Tageslicht: Fremdkonten, Freundinnen, Seitensprünge.

David Maraniss zeichnet in seiner neuen Obama-Biografie „The Story“ ein nuancierteres Bild des Präsidenten als in dessen Selbstporträt „Dreams of My Father“. Die Romney-Biografen zeigen in „The Real Romney“ neben dem Erfolgsmanager auch den Samariter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2012)

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20 Kommentare

was ist genau der vorwurf?

da der autor dieses artikels anscheinend einfach von den üblichen amerikanischen publikationen abgeschrieben hat, muss man ihm helfen, seinen konkreten vorwurf herauszuarbeiten. es sind keine geheimkonten (steuererklärung 2011) und es geht nicht um die einkommenssteuer von romney (die beläuft sich für ihn in amerika genauso wie auf den cayman islands auf ca. 15% aus wertpapiererträgen, da das weltweite einkommen besteuert wird!). es geht um seine anteile an investmentgesellschaften, die ihren sitz NICHT in amerika, sondern auf den cayman islands, schweiz, etc. haben. in amerika wird der WELTWEITE gewinn mit bis zu 35% besteuert (im unterschied zur EU und anderen ländern). um diese 35% von 30 mio geht es, die den steuerbehörden „entgehen“ und die romney „mehr verdient hat“ (da die ausschüttung nach steuern natürlich in diesem fall höher ist). juristisch einwandfrei, moralisch je nach politischer überzeugung fragwürdig. politisch wohl unklug.
der großteil seines vermögens ist in amerikanischen unternehmen angelegt (200 mio dollar, die also im Sinne der doppelbesteuerung mit 35% „corporate tax“ und mit 15% capital gain tax besteuert wird). er spendet noch einmal 15%. (hauptsächlich mormonenkirche und eine eigene stiftung - das mag sicher auch nicht jeder).
aber das verblasst ja alles gegenüber dieser bigotten selbstgerechtigkeit und zur schau getragenen freude, den 4. juli-feiertag mit seiner großen familie zu feiern, widerlich…
"fast and furios" - herr vieregge, schon gehört?

Gast: Freiheit
04.07.2012 22:32
0 3

dies zeigt aber nicht darueber hin das obama

auf jeder linie bis jetzt versagt hat. seine obamacare ist eine neue steuer. da werden sie die kleinen und mittleren firmen wirklich darueber freuen, denn die grossen haben natuerlich ausnahmeregelungen sonst waere detroit morgen bankrott. arbeitslosequote hat er auch nur reduziert ueber jobwachstum beim staat geschaft. und natuerlich hat er in 4 jahren 2x so viele schulden gemacht wie die pfeiffe bush. natuerlich sagen die linken und die rechten dies sei wegen der krise und den beiden kriegen... mmm. dass von dem wachstumspakett welches milliarden gekostet hat fast gar keine jobs geschaffen wurden und lt. unabhaengigen oekonomen (also keine links/rechte bezahlte pfeiffen) gerade mal 4% von dem geld eine wertschoepfung geschaffen haben. aber gut - in europa halten ja die meisten chavez auch fuer einen retter...... und die kirchner in argentinien fuer eine frau mit werten...... aber gut. mit der zeit zeigen alle ihr wahres gesicht und dann sind die menschen immer ueberrascht wenns boese kommt......

Gast: Hias aus Stinaz
26.06.2012 20:44
1 0

I hob imma denkt vom Mariuana stirbt ma.


Gast: Diagnose
26.06.2012 09:22
5 2

Romney war also ein Sadist .....

und ist es in seinem Innersten wohl auch geblieben. Typisch für einen Republikaner

Gast: Man erkennt sie schon an ihren Jugendsünden
26.06.2012 09:12
8 1

Romney ist ein typischer Republikaner: die Schwächeren quälen

und andere lächerlich machen.
Das ist typisch US-Republikanisch, und geht in deren Politik sehr oft ins gefährliche und politisch-kriminelle: siehe Nixon, siehe Reagan, siehe Bush, siehe Goldwater
(einstiger Präsidentschaftskandidat, der sogar Atombomben gegen Vietnam und China eingesetzt hätte, wenn er Präsident geworden wäre. Also ein gefährliche Partei, die man nur hassen kann

Re: Romney ist ein typischer Republikaner: die Schwächeren quälen

Wenn man eine Partei einfach nur grundsätzlich hasst, ist man aber auch um nichts besser. Politik sollte nicht zum Fussballspiel verkommen, wo jeder sich für ein Lager entscheidet und dann ohne Wenn und Aber das andere beschimpft.

Gast: Interessant
25.06.2012 23:05
7 2

Romney ist ein laut seiner Frau ein wilder und verrückter Mormone der auch mal gerne Homosexuelle und Tiere quält

Und da er sowohl dem Alkohol als auch den Zigaretten wie Kaffee abgeschworen hat, wird er auch unter den Wirten nicht mehr viel Freunde haben.

Re: Romney ist ein laut seiner Frau ein wilder und verrückter Mormone der auch mal gerne Homosexuelle und Tiere quält

Na und? Wenn alle so gesund leben, dann wird der Wirt halt Sportveranstalter. So weit muss man schon denken, dass nicht jeder Kandidat alles unterstützen kann.

Wau bei einer US-Wahl ist wirklich

jedes Detail wichtig wahrscheinlich wird man als nächstes nie Schnullermarke der beiden in den Medien durchkauen die sie als Säuglinge bevorzugten und anhand dessen werden sie ein psychologisches Profil der beiden Kandidaten erstellen um Unentschlossene Wähler für den jeweiligen Kandidaten zu stimmen.

Irgendwie ist man schon doch froh hier zu leben in unserem Chaotenland.

Gast: vor dem arlberg
25.06.2012 22:50
5 0

In guter Gesellschaft

Obamas Vorgänger war Säufer. Was soll's.

Re: In guter Gesellschaft

ja so hat eben jeder seinen ganz persönlichen Schlag. Das macht einen US-Präsidenten zum Glück ja wieder menschlich.

Gast: b754
25.06.2012 21:07
8 6

mobben ist halt ganz im sinne der rechten das können sie am besten


kein Mensch weiss wer Obama überhaupt ist,

da er seine Akte durch Executive Order unter Verschluss hält. Laut eigenen Aussagen ist er nicht in den USA geboren und daher auch nicht rechtmäßiger Präsident!

1 0

Vollkommen egal ob er rechtmäßig Präsident ist oder nicht, hauptsache Romney wird es nicht !


Antworten Gast: antianti
25.06.2012 20:40
8 4

Re: kein Mensch weiss wer Obama überhaupt ist,

Wenn Sie Hawaii nicht als USA bezeichnen (was einige Hawaiianer erfreuen wird), ist er das nicht.

Re: Re: kein Mensch weiss wer Obama überhaupt ist,

lesen Sie mal seine Bücher vor 2008 bevor Sie so einen Stumpfsinn reden, da steht drinnen - geboren in Kenia!

Antworten Antworten Antworten Gast: zetto
05.07.2012 10:14
0 0

Re: Re: Re: kein Mensch weiss wer Obama überhaupt ist,

Kompletter Unsinn.

Wenn man schon derartig peinliches behauptet: Quellenangabe bitte.

Antworten Antworten Antworten Gast: Stolzer Ausländer
26.06.2012 09:30
2 1

Re: Re: Re: kein Mensch weiss wer Obama überhaupt ist,

And the two Hawaiian newspapers, the Honolulu Advertiser and the Star Bulletin, which actually published an announcement regarding the birth of Barack Obama on August 4 are actually manipulated by the communists who organized a time-travel to the 21st century to find out that this baby would actually be the American president. Then they came back to 1962 and published these fake announcements. Right?
Gee... right-wingers can be such idiots sometimes...

http://whatreallyhappened.com/WRHARTICLES/obamabirth.php

Re: Re: Re: kein Mensch weiss wer Obama überhaupt ist,

Ist klar und für die meisten Republikaner ist es vollkommen in Ordnung dass er in Kenia geboren ist oder was?
Die Geburtsurkunde von Obama wurde in den USA schon genug diskutiert außer lächerlich gemacht haben sich Trump & Co damit nichts erreicht/aufgedeckt.

Antworten Antworten Antworten Gast: Jorge3
26.06.2012 08:25
0 0

Re: Re: Re: kein Mensch weiss wer Obama überhaupt ist,

Laut veröffentlichtem Birth Certificate ist Barack Hussein Obama (das Kind) in Oahu, Hawaii geboren und Barack Hussein Obama (der Vater) in Kenia.

Aber ich glaube mich zu erinnern, dass es irgendwann mal hiess, dass Obama zwar nicht in den USA, aber auf einem amerik. Militärstützpunkt geboren ist - und Hawaii ist sowieso amerik. Bundesstaat, also keine Ahnung. Ist auch egal.