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Syrien: Aufstand wird zu einem religiösen Bürgerkrieg

27.06.2012 | 20:52 |  Von unserem Mitarbeiter MARTIN GEHLEN (Die Presse)

Ging es anfangs um Unterstützung oder Gegnerschaft zum Regime, so geraten zusehends Menschen deshalb ins Visier, weil sie der „falschen“ konfessionellen Gruppierung angehören.

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[Kairo/Damaskus] Als im Frühjahr 2011 auch in Syrien die Proteste begannen und die Menschen zu Tausenden gegen Diktator Bashar al-Assad auf die Straße gingen, war klar: Dieser Aufstand würde blutig werden. Weitaus blutiger als jene in Tunesien oder Ägypten. Nun ist das schlimmste aller Szenarien eingetreten: Syrien befindet sich im Bürgerkrieg, auf der einen Seite die Sicherheitskräfte und von ihnen gedungene bewaffnete Banden, auf der anderen Seite mehrere Dutzend weitgehend unabhängig voneinander operierender Milizen. Die Zahl der Toten hat laut UNO längst die 10.000er-Schwelle überschritten.

Und die Gewalt eskaliert weiter: „Wir befinden uns im Zustand des Krieges“, erklärte nun erstmals auch Präsident Bashar al-Assad in einer Rede vor seinem neu ernannten Kabinett. Gleichzeitig beschwor er die versammelten Minister, alle politischen Möglichkeiten und Kapazitäten müssten nun genutzt werden, um den Sieg zu erringen. Menschenrechtler sprechen derweil mit bisher 900 Toten von der blutigsten Woche seit Beginn des Aufstandes gegen das Regime. Neben der Rebellenhochburg Homs griffen syrische Streitkräfte in den vergangenen Tagen vor allem die im Osten gelegene Stadt Deir ez-Zor mit Hubschraubern, Panzern und Geschützen an. Hunderte Bewohner seien bei dem Bombardement getötet oder verletzt worden, erklärte der oppositionelle Syrische Nationalrat. Ganze Wohnviertel seien zerstört worden, viele Menschen nun ohne Obdach.

UNO: Regime verübte Massaker von Houla

Im Gegenzug erschossen die Rebellen am Mittwoch in einer Ortschaft nahe Damaskus bei einem Überfall auf einen privaten Satellitensender drei Journalisten und vier Wachleute. Die Sendeanstalt unterstützt das Baath-Regime. Tags zuvor hatten Bewaffnete der sogenannten „Freien Syrischen Armee“ erstmals in zwei Vororten der Hauptstadt Stützpunkte von Assads Republikanischen Garden angegriffen. Die Artillerieexplosionen waren bis in das acht Kilometer entfernte Zentrum von Damaskus zu hören.

Nach Einschätzung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen nimmt die Gewalt in Syrien immer stärker religiöse und ethnische Züge an. Vor allem zwischen der sunnitischen Mehrheit und den schiitischen Alawiten, aus denen der Assad-Herrscherclan stammt, wachse die Feindschaft. „Während zuvor die Opfer vor allem wegen ihrer Gegnerschaft oder Unterstützung für das Regime angegriffen wurden, gibt es nun eine steigende Zahl von Vorfällen, wo die Opfer offenbar wegen ihrer religiösen Zugehörigkeit attackiert wurden“, hieß es bei einem Treffen des Rates in Genf. Zudem sprechen aus Sicht der UN-Ermittler zahlreiche Indizien dafür, dass das Massaker an den Bewohnern der Ortschaft Houla vor vier Wochen mit 108 Toten zum größten Teil von Bewaffneten des Regimes verübt worden sei. Der Vertreter Syriens verließ daraufhin unter Protest den Sitzungssaal. Was tatsächlich in Houla geschah, ist umstritten: Es gibt auch zahlreiche Augenzeugen, die den Rebellen die Täterschaft zuschreiben (die „Presse am Sonntag“ berichtete).

Streit um Teilnahme des Iran an Konferenz

Nach Statistiken der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London sind seit dem von UN-Vermittler Kofi Annan offiziell ausgerufenen Waffenstillstand am 12. April weitere 4680 Menschen gestorben. „Human Rights Watch“ warf in einem Bericht der syrischen Armee vor, Flüchtlinge an der Grenze zu Jordanien systematisch unter Feuer zu nehmen, darunter auch Frauen und Kinder. Schätzungsweise 30.000 Syrer haben sich bisher auf jordanischem Territorium in Sicherheit gebracht, ähnlich viele leben auf türkischer Seite in Zeltlagern.

Der ehemalige UN-Generalsekretär Annan gab am Mittwoch bekannt, dass am Samstag in Genf eine Syrien-Konferenz auf Ministerebene stattfinden wird. Streit gibt es allerdings zwischen den Vereinigten Staaten und Russland um eine mögliche Teilnahme des Iran, der das Assad-Regime in dessen mörderischem Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung von Anfang an unterstützt hat. Washington verlangt darüber hinaus, dass sich das internationale Treffen vorrangig mit einer sofortigen Machtübergabe von Bashar al-Assad beschäftigt, was Moskau jedoch kategorisch ablehnt.

Gelegentliche Behauptungen, etwa aus London oder Paris, die russische Regierung habe sich von Assad abgewendet, haben sich bisher als falsch herausgestellt. Moskau will um jeden Preis verhindern, seinen letzten wichtigen arabischen Verbündeten zu verlieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)

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22 Kommentare

Auf den arabischen Fruehling folgt ohne jeden Sommer der arab. Winter. Ende jeder Religionsfreiheit, wie in Aegypten, dem Irak, Lybien, nach den frueheren Herrschgern, die neutral in religioesen Fragen waren.

Diese arab. Laender waren vor dem Fruehling die modernsten Afrikas, beste medizinische Versorgung von der Obama traeumt.

Was wird vom Westen, Uno, Human Rights Watch usw. schon wieder für ein Schmarren erzählt

Islamisten wollen auch in Syrien an die Macht, also müssen alle Vorkommnisse nach Koran und Scharia analysiert werden.
Steht im Koran etwas von Demokratie, oder demokratisches Hände abhacken?
Will man vielleicht "Saudi Arabische Demokratie" in Syrien einführen?
Da soll sich einer auskennen.

Wie viele Fehler ?

Diese machtgeilen Despoten,wissen nicht wann schluß ist.
Lieber Assad ich weis das du das nicht lesen wirst jedoch,verlasse dein Land nimm deine Kinder und Frau mit,werde glücklich und gönne deinen Landsleuten Frieden und Demokratie.
Es geht auch ohne dich,glaube mir !

1 0

Die Frage die sich mir stellt:

Ist es nicht schon wegen der weit verzweigten internationalen Verwicklungen (Türkei, USA, Saudis, Russland usw...) nicht schon längst ein Krieg, der sich als Bürgerkrieg tarnt?

Klingt halt besser...bisserl harmloser.

So hat es in Libyen auch angefangen !

Diese machtgeilen Despoten,wissen nicht wann schluß ist.
Lieber Assad ich weis das du das nicht lesen wirst jedoch,verlasse dein Land nimm deine Kinder und Frau mit,werde glücklich und gönne deinen Landsleuten Frieden und Demokratie.
Es geht auch ohne dich,glaube mir !

Re: So hat es in Libyen auch angefangen !

... und dann kommt die Demokratie?????
In Ägypten wurden einigermaßen freie Parlamentswahlen inzwischen vom Militär annuliert. Bei der Präsidentenwahl entschied das Mililtär über die zugelassenen Kandidaten....
Im Jemen übernahm nach einem autoritär regierenden Korruptling direkt der nächste die Macht.
Hat man in Lybien eigentlich schon frei gewählt? Dort wäre es ganz einfach, da es ja keinen konfessionellen Hass gibt.

Manche

könnte man beim besten Willen nicht ins Mittelalter zurückbomben. Die leben nämlich in selbigem.

Gast: Mahalli
27.06.2012 21:10
7 0

Eine gefährliche Konstellation

Laut NYT werden die Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen von CIA-Agenten koordiniert, die sich, in Absprache mit der Türkei, nahe der syrischen Grenze aufhalten. Also, nahe jenem Gebiet, auf dem der türkische Jet abgeschossen wurde.

Die NYT nennt als finanzielle Quellen für den Waffenkauf, die Saudis, den Qatar und die Türkei. Die Moslembrüder und andere andere sunnitische Rebellengruppen organisieren die Waffeneinfuhr nach Syrien.

Die Türkei sollte inzwischen wissen, dass nicht nur das Assad-Regime der Gegner in diesem Konflikt ist, sondern, dass auch der Iran, Russland und China kräftig mitmischen. Insofern war es mehr als leichtsinnig, diesen Jet in diesem Gebiet manövrieren zu lassen. Das eigene Image wird mit solchen leichtsinnigen Aktionen nachhaltig ramponiert.

Ausserdem werden mit diesem Konflikt auch langsam die Bruchlinien innerhalb der türkischen Bevölkerung zum Vorschein treten. Mit dem Verteufeln des Alawiten-Regimes in Syrien werden auch die Alawiten in der Türkei aufgeschreckt. Man bedenke auch, dass Ankara sein Kurdenproblem nocht längst nicht vollständig aufgearbeitet hat. Ganz zu schweigen von der verängstigten christlichen Minderheit.

Man bedenke auch, dass der Syrien-Konflikt auch für den Libanon einen neuen blutigen Bürgerkrieg heraufbeschwören wird. Den Süden des Libanon beherrscht die schiitische, pro-syrische und pro-iranische Hizbollah.
Der Norden wird aber von Saudi-nahen, sunnitischen Salafisten dominiert...

Antworten Gast: schlÄchter
29.06.2012 07:27
0 0

Re: Eine gefährliche Konstellation

sg mahalli!
sehr guter kommentar. von mir dickes +
mfg
s.

Wer denken kann ...

erkennt bereits hier ganz deutlich dass Niveau der Gegner der regulären und demokratisch gewählten Regierung Syriens ... ihre Ausdrucksweise ist unter aller Sau ... sie sind mit ziemlicher Sicherheit Salafisten oder vollkommen ungebildete U.... Menschen ... Diese Typen wären sofort bereit, bei uns ähnliche Morde zu begehen, wenn sie nur die Macht dazu bekämen .......

Re: Wer denken kann ...

Wau !

Re: Re: Wer denken kann ...

.. du .. Hund .. ???

Re: Wer denken kann ...

es gibts keine salafisten! sowas gibts nicht

Re: Re: Wer denken kann ...

Es gibt sie schon, aber die sind alle in Deutschland und lassen sich vom Staat fürs Koran verteilen bezahlen.

Gast: Leinchen
27.06.2012 20:25
15 0

Schon vor Jahren

Schon im jahr 2008 hat mir eine Freundin (gebürtige Syrerin und Christin) erzählt, dass, sobald die Sunniten in Syrien an die Macht kämen, es für alle anderen Konfessionen (sein es jetzt Christen, Alawiten, oder Shiiten) ungemütlich werden würde.
Wie recht sie doch hatte.

Re: Schon vor Jahren

und??die mehrheit dort besteht ja auch aus sunniten und nicht schiiten

Antworten Antworten Gast: Leinchen
28.06.2012 09:24
0 0

Re: Re: Schon vor Jahren

Und das heißt, dass man mit den Shiiten verfahren kann, wie man will?

Sagen Sie das doch bitte auf österreichische Verhältnisse übertragen und warten Sie ab, was dann passiert.

Gast: Tempa
27.06.2012 20:00
2 0

Den Libanon ...

sollte man nicht vergessen:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-konflikt-greift-auf-tripoli-im-libanon-ueber-a-837739.html
Und da sich der Iran als Schutzmacht der Schiiten sieht, wird es wohl recht ungemütlich werden.

Gast: deeki
27.06.2012 19:29
3 14

Diktator und Verbrecher Assad muss weg


denn jeder tag mit diesem geisteskranken mann ist ein tag mit vielen ermordeten syriern.

assad ist für die tagtäglichen ermordungen in syrien verantwortlich.

dieser mann ist ausser ein verbrecher zu sein nichts anderes.

14 0

Die Typen auf dem Bild haben offenbar gerade eine frische Waffenlieferung

aus Saudi-Arabien bekommen. Fraglich ist, ob das bild noch in der Türkei aufgenommen wurde, oder doch schon wieder in Syrien.

Re: Die Typen auf dem Bild haben offenbar gerade eine frische Waffenlieferung

Bitte fahre runter und finde es heraus !

Gast: Gesichtschirurg
27.06.2012 19:11
7 1

Aber das war doch genau die Absicht...

...unserer friedliebenden Industrienationen und Menschenrechtsbringer.