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Arabische Umbrüche: Der Aufstieg der Islamisten

27.06.2012 | 18:27 |  Von unserem Mitarbeiter MARTIN GEHLEN (Die Presse)

Die Wahl von Mohammed Mursi zu Ägyptens Präsident war nur ein erster Schritt: Auch in anderen Ländern kommen nach dem "Arabischen Frühling" islamistische Parteien demokratisch an die Macht.

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Kairo. Sie hatten so viele Jahre darauf gewartet. Jetzt hat sich für Ägyptens Muslimbruderschaft ein Traum erfüllt. Mohammed Mursi wird neuer Präsident Ägyptens. Das ist einer der größten Erfolge für den sunnitischen politischen Islam in seiner modernen Geschichte. Noch nie zuvor war ein Mitglied der Muslimbruderschaft in freier Abstimmung an die Spitze eines arabischen Landes gewählt worden. Nach Jahrzehnten der Verfolgung und Illegalität hat die islamistische Organisation in Ägypten, aber auch in zahlreichen anderen Staaten mit Erfolg an den Schaltstellen der Macht Platz genommen. In Tunesien und Marokko stellen die Muslimbrüder nun den Regierungschef. In Syrien spielen sie im Kampf gegen das Regime von Bashar al-Assad eine Schlüsselrolle. In Jordanien ist ihre „Islamische Aktionsfront“ die wichtigste Partei in der Opposition. Und in Libyen hat die „Partei für Gerechtigkeit und Aufbau“ die beste Ausgangsposition für die landesweiten Wahlen in der kommenden Woche, nachdem sie zuvor bei Kommunalwahlen in der Stadt Bengasi bereits 48 Prozent der Stimmen erringen konnte.

 

„Filialen“ der Bruderschaft in 30 Ländern

Sichtlich bewegt betrat Mursi Anfang der Woche das einstige Amtszimmer des gestürzten Machthabers Hosni Mubarak im Ittihadiya-Palast. Mubarak hatte Mursi noch 18 Monate zuvor nachts aus dem Haus holen und verhaften lassen. Als Staatschef des bevölkerungsreichsten arabischen Landes verkörpert der 60-jährige promovierte Ingenieur Mursi fortan wie kein Zweiter den Anspruch der ältesten und einflussreichsten islamischen Bewegung des Nahen Ostens, die politischen Geschicke der Region mitzusteuern und deren neue Ordnung zu prägen.

Gegründet wurde die Muslimbruderschaft 1928 vom Lehrer Hassan al-Banna in der ägyptischen Stadt Ismailia. Heute hat die Organisation, die sich nach wie vor als eine Mischung aus politischer Partei und Sozialbewegung versteht, „Filialen“ in über dreißig Ländern – im Orient, in Asien und in Afrika. Auf der Arabischen Halbinsel, dem Kernland des Islam, existieren Bruderschaften in Bahrain, Kuwait, Saudiarabien und Jemen. Und die erste Friedensnobelpreisträgerin der arabischen Welt, Tawakkul Karman, gehört der Islah-Partei an, dem jemenitischen Zweig der Bruderschaft. So vielfältig die Filialen, so vielfältig sind auch deren Profile. Diverse Gruppen in Syrien und Libanon wie auch in Palästina gehören zum radikalen Segment. Vor allem die Hamas fühlt sich in ihrem Kampf gegen Israel neu beflügelt. Der Waffenschmuggel von Libyen über Ägypten in den Gazastreifen dürfte weiter anschwellen. Und außenpolitisch erhoffen sich die radikalen Palästinenser von der neuen Führung in Kairo eine härtere Gangart gegenüber Jerusalem.

Am moderaten Ende des Spektrums wiederum stehen die islamistischen Parteien in Marokko und Tunesien. „Wir haben für die Freiheit gekämpft, nicht für die Scharia“, erklärte Tunesiens Ennahda-Chef Rached el-Ghannouchi, dessen Partei bei den ersten demokratischen Wahlen gut 40 Prozent der Stimmen holte. Auf einen neuen Verfassungszusatz, der die Scharia als Hauptquelle des Rechts festschreibt, beharrt er nicht. Er sei „kein zweiter Khomeini“, einen Kopftuchzwang für Frauen werde es nicht geben, verspricht er.

 

Mursis Rhetorik wurde milder

Ägyptens Muslimbrüder wiederum nehmen im Reigen der islamistischen Bewegungen eine Mittelstellung ein – und tragen ein dogmatisches und reformoffenes Doppelgesicht: Die Führung der schätzungsweise 500.000 Mitglieder agiert nach wie vor wie eine Geheimloge hinter verschlossenen Türen. „Der Koran ist unsere Verfassung, die Scharia unser Gesetz“, skandierten die Anhänger Mursis auf dessen Wahlveranstaltungen, die gelegentlich durch Massengebete unterbrochen wurden. „Niemand kann uns stoppen, in eine islamische Zukunft zu marschieren“, antwortete der Kandidat, der zur Stichwahl dann allerdings mit einer wesentlich geschmeidigeren Rhetorik überraschte. „Ich will einen demokratischen, zivilen und modernen Staat“, sagte er und versprach, eine Frau und einen koptischen Christen als Vizepräsidenten zu ernennen. Beim Heiratsalter für Frauen, beim Recht der Frauen, die Scheidung einzureichen, sowie beim Verbot weiblicher Genitalverstümmelung werde es keine Gesetzesänderungen geben. „Ich bin Präsident aller Ägypter“, verkündete er bereits am Abend seines offiziellen Wahlsieges in der ersten, kurzen Rede an die Nation.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)

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116 Kommentare
 
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Gast: ckx375
28.06.2012 21:41
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Die Ägypter sind keine Islamisten ...

aber wie wird man ein bis in Mark korruptes, verfaultes System los und mit welchen Kräften muss man sich in Österreich verbünden, um den vorhandenen Sumpf auszumisten ?

Es gab letztlich keine anderen Alternativen.

Die Kirche ist in Österreich zu schwach und zu sehr im System verstrickt, um eine gesellschaftliche Erneuerung initiieren zu können - in Österreich kann ich solche Kräfte noch nicht erkennen (LEIDER)!

JAWOI !!!!!

Allahu akbar

:-)

Re: JAWOI !!!!!

haha

FPÖ???

Also, war nun 1933 die FPÖ hier, oder die Sozial- Demokraten- UPS - die National- Sozialisten?!

Gast: b754
28.06.2012 15:37
1 9

viel gefährlicher ist dass die rechten in europa so viel zulauf haben

ma stelle sich vor die erbschleicher kommen an die macht

Antworten Gast: xxxx
28.06.2012 18:22
0 6

Re: viel gefährlicher ist dass die rechten in europa so viel zulauf haben

Es ist logish, dass überall dort, wo der Alkohol nieder besteuert ist, die Rechten sprießen wie die Schwammerl (die sie ja geistig sind).
In Alkoholhochpreisländern hat sich noch kein Stoff gefunden, der die Blödheit vorbereitet auf der die Dumpfheit und die Niedrigkeit wuchert.

Antworten Gast: Rede
28.06.2012 15:50
6 1

Re: viel gefährlicher ist dass die rechten in europa so viel zulauf haben

Na deine Tabletten nicht genommen Genosserl?

Gast: reliquoso
28.06.2012 14:54
5 0

ich versteh das nicht

aber bitte erklaer mir doch mal jemand warum die nato, also us und europa fuer die fundamentalisten in den krieg ziehen. auch der orf mann gawhari-oder so- die revolution als demokratische bewegung dokumentiert. nordafrika das demokratie paradies nach den boesen diktatoren? sieht nicht danach aus. das ganze geht mit syrien weiter, ueber tuerkei. griechenland ist destabilisiert...

Gast: ZARA
28.06.2012 13:42
1 14

Da jammerns wieder, die Rechten! Dabei würdens sofort mit den Muslimbrüdern oder Salafisten eine Koalition machen, Hauptsache sie kommen mit an die Macht!

Wir kennen die FPÖ ja, weil wir 1933 nie vergessen werden!

Re: Da jammerns wieder, die Rechten! Dabei würdens sofort mit den Muslimbrüdern oder Salafisten eine Koalition machen, Hauptsache sie kommen mit an die Macht!

@ZARA: Wer war 1933 in Österreich an der Macht? Recherchieren Sie bitte, oder "lernen Sie Geschichte..."

Antworten Antworten Gast: Kibietz
28.06.2012 15:52
1 7

Re: Re: Da jammerns wieder, die Rechten! Dabei würdens sofort mit den Muslimbrüdern oder Salafisten eine Koalition machen, Hauptsache sie kommen mit an die Macht!

Höhöhö!
Ihr Horizont erstreckt sich wohl nur auf die Alpenrepublik.
Sinds noch nie aus dem Kuhstall und den Gummistiefeln rausgekommen?

Hö! Hö! Hö!

Re: Re: Re: Da jammerns wieder, die Rechten! Dabei würdens sofort mit den Muslimbrüdern oder Salafisten eine Koalition machen, Hauptsache sie kommen mit an die Macht!

Geht's noch dümmer oder ist das ihr ganzes Latein?

9 0

Re: Da jammerns wieder, die Rechten! Dabei würdens sofort mit den Muslimbrüdern oder Salafisten eine Koalition machen, Hauptsache sie kommen mit an die Macht!

Wie sich manche Leute immer krampfhaft bemühen, irgendwie FPÖ und Hitlerdeutschland in einem Satz unterzubringen.

So nach dem Motto: Hit.er baut Autobahn, Strache fährt auf Autobahn, Strache = Hit.er.


Weshalb es in islamistischen Ländern mehr Krieg gibt, als anderswo

Tja, das liegt an der Sonneneinstrahlung. Je näher zum Äquator, desto wilder die Völker. Oder hat schon jemand von einem Krieg bei den Eskimos gehört?? Und nicht komm mir jetzt jemand daher, dass es an den Rohstoffen läge, die gibt's in der Arktis mehr als reichlich! Trotzdem verstehe ich deren Verhalten, denn bei 40 Grad Celsius im Schatten würd ich auch verrückt werden:-)

Re: Weshalb es in islamistischen Ländern mehr Krieg gibt, als anderswo

es sind muslimische staaten!
nicht islamistisch!
da gibt es einen deutlichen unterschied!
9.11. -islamistisch
freitagsgebet in moschee - muslimisch

haben die medien den großteil von euch verblödet?!

Re: Re: Weshalb es in islamistischen Ländern mehr Krieg gibt, als anderswo

Is des net wurscht ? Hamma kane onder'n Sorgen...?

Re: Weshalb es in islamistischen Ländern mehr Krieg gibt, als anderswo

In der Arktis leben auch 500 Millionen menschen nicht wahr ?
Und du bist ein Eskimo Häuptling stimmt's ;D Iss wo's gscheit's !

Antworten Gast: lou
28.06.2012 13:15
1 5

Re: Weshalb es in islamistischen Ländern mehr Krieg gibt, als anderswo

dann müsste es in europa aber in den letzten jahrzehnten viel kälter geworden sein.

Re: Re: Weshalb es in islamistischen Ländern mehr Krieg gibt, als anderswo

Wen man nichts versanden hat,sollte
man sich unauffällig verhalten !

Re: Re: Weshalb es in islamistischen Ländern mehr Krieg gibt, als anderswo

Wenn in Europa 40 Grad Celsius im Schatten Normaltemperatur wäre, dann wäre es kälter geworden.

Scharia demokratisch

Das wird auch bei uns kommen, ich schätze, so um 2050 wird sie per Mehrheitsbeschluß in unserem Parlament beschlossen werden.
Wie sagte der Islam-Vorsitzende in Deutschland, gefragt nach 9/11 : Es ist ZUR ZEIT nicht geplant, in Deutschland einen Gottesstaat zu errichten. Zur Zeit.

Antworten Gast: ein pressezitat
28.06.2012 18:06
2 0

Re: Scharia demokratisch

Erdogan wünscht sich "islamische Union"
13.01.2011 | 12:34 | (DiePresse.com)
Der türkische Regierungschef fordert die arabischen Völker auf, sich auf die historischen Gemeinsamkeiten zu besinnen. Wenn man zusammenhalte, "hat diese Region das Potential, die ganze Welt zu gestalten".
Diese Gemeinsamkeiten seien vor allem der Islam und der gemeinsame Kampf zur Zeit der Kreuzzüge.
Erdogan forderte, die Streitigkeiten und Differenzen des 19. und 20. Jahrhunderts, als die arabischen Völker sich gegen die osmanische Herrschaft erhoben, hinter sich zu lassen und sich auf die historischen Gemeinsamkeiten zu besinnen, die Araber und Türken verbinden

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Re: Scharia demokratisch

Weil das eine gemäßigten Muslim interessiert. Sie haben offenbar den Unterschied zwischen Muslimen und islamistischen Fundamentalisten nicht verstanden. Die Fundis wären wohl schon längst in der Versenkung verschwunden, hätte Ihnen nicht der "War against Terror" massiven Zulauf gebracht. Oder glauben Sie ernsthaft die Mehrzahl der jungen Musilime wollen streng nach den alten Gesetzen leben? Wohl eher nicht.

Re: Re: Scharia demokratisch

ich kann ihnen nur voll und ganz zustimmen

Antworten Antworten Gast: inerwartung
28.06.2012 16:39
6 0

Re: Re: Scharia demokratisch

Keine der europäischen großen islam. Glaubensgemeinschaften hat sich klar und eindeutig zur westlichen Demokratie bekannt. Eine islamische Demokratie unterscheidet sich. Die Kairoer Menschenrechtsdeklaration unterscheidet sich. Alle Muslime glauben an den Koran - nicht ernsthaft? Was ist ein gemäßigter Muslim?

 
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