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Der Aufstieg Afrikas: Von wegen verlorener Kontinent

29.06.2012 | 18:43 |  ANNA MAYUMI KERBER (Die Presse)

Unter den zehn Staaten mit dem weltweit größten Wirtschaftswachstum befinden sich sechs afrikanische.

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Wer Afrika hört, denkt schnell an hungernde Kinder, Krieg und Korruption. Doch es gibt auch gute Nachrichten aus dem Kontinent, sehr gute Nachrichten: Viele Volkswirtschaften boomen, die Gesellschaften verändern sich. In Afrika entsteht eine neue Mittelschicht, die Markenprodukte in Einkaufszentren kauft, sich Autos leistet und das Schulgeld ihrer Kinder per Handy zahlt.

Und diese Mittelschicht wächst rasch, wie aus einem im Mai veröffentlichten Bericht der Standard Bank hervorgeht. Gehörten ihr vor 30 Jahren rund 100 Millionen Menschen an, so sind es heute dreimal so viele. Sie könnten die treibende Kraft für einen kontinuierlichen Aufschwung sein.

Unter den globalen Top Ten der Staaten mit dem höchsten nominalen Wirtschaftswachstum liegen sechs im subsaharischen Afrika: Angola, Nigeria, Äthiopien, Tschad, Mozambique und Ruanda. Der Krise westlicher Industriestaaten zum Trotz soll Afrikas Wirtschaft auch dieses Jahr, wie schon im vergangenen, um sechs Prozent wachsen, prognostiziert der Internationale Währungsfonds. Die Inflation auf dem Kontinent fiel seit den 80er-Jahren von 22 auf acht Prozent.

 

Besser regiert, weniger Korruption

Die besten Chancen haben die rohstoffreichen Nationen. Die Nachfrage kommt aus China und verstärkt auch aus anderen nicht-westlichen Ländern, wie Indien, Brasilien oder Malaysia. Das Handelsvolumen mit China und Indien allein betrug rund 170 Milliarden Euro.

Doch nicht nur das Wirtschaftswachstum steigt, auch die Bildungsraten ebenso wie die Lebenserwartung. In Uganda etwa leben die Menschen durchschnittlich sieben Jahre länger als vor zehn Jahren, in Ruanda ganze zwölf Jahre. Erfolge im Kampf gegen HIV/Aids trugen dazu bei.

Auch politisch macht der Kontinent Fortschritte. Die Ära der bizarren Diktatoren ist (fast) zu Ende. Afrika ist demokratischer denn je, und auch weniger korrupt. Seit April sorgt Joyce Banda, Präsidentin von Malawi, für Aufsehen. Bereits in den ersten Wochen entließ sie ranghohe bestechliche Beamte. Dem vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen angeklagten sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir verweigerte sie die Einreise.

Banda ist nach Liberias Ellen Johnson Sirleaf, die 2011 den Friedensnobelpreis erhielt, die zweite Präsidentin Afrikas. Gemeinsam wollen sie sich nun für Frauenrechte – und damit auch den Kontinent starkmachen. Die Hoffnung: je mehr Frauen an den Schalthebeln der Macht, desto weniger Konflikte und Misswirtschaft.

Doch der Weg zu einem besseren Leben ist noch weit. Nach wie vor müssen die meisten Afrikaner mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen. Dürren führen zu Lebensmittelknappheit, Klimaforscher geben keine guten Prognosen. Verletzungen von Land- und Menschenrechten und der Pressefreiheit sind an der Tagesordnung, bewaffnete Konflikte zerstören vielversprechende Demokratieprozesse, wie kürzlich in Mali.

Dennoch vergleichen zahlreiche Volkswirtschaftler die Entwicklungen mit dem, was sich vor etwa 20 Jahren in Asien ereignet hat. Die wachsenden Bevölkerungszahlen bergen nicht nur Gefahren, sondern auch ein gewaltiges Potenzial an Arbeitskräften. Wenn es Afrika schafft, eigene Industrien aufzubauen, geht es weiter bergauf. Der Widerstand gegen traditionelle Formen der Hilfe wächst. Ein Umdenken hat eingesetzt, hin zu gezielter wirtschaftlicher Förderung.

 

Mit dem Handy zahlen

Afrika hat gezeigt, dass es in der Lage ist, technologische Entwicklungen zu überspringen. „Leapfrogging“ nennt sich das Phänomen. Telefonieren war früher schwierig. Teure Festnetzverbindungen gab es kaum, doch mittlerweile besitzen 65 von 100 Afrikanern ein Mobiltelefon. Bis zum Ende des Jahres soll diese Gesamtzahl laut GSM Association auf rund 750 Millionen Menschen wachsen. Afrika ist zur Versuchsstation für Mobilfunk geworden – und das Handy zur Wunderwaffe. Per SMS und E-Mail werden Verträge abgeschlossen, für die Afrikaner einst beschwerlich weite Strecken reisen mussten. Das Handy ersetzt mittlerweile vor allem auch Bargeld und Banken. In Kenia nutzen bereits rund 15 Millionen Menschen das Mobile-Banking-Service. Und in den iHubs der afrikanischen Hauptstädte verbünden sich IT-Entwickler mit Kreativen und Unternehmern und tüfteln an neuen Innovationen, die dem Kontinent zu weiterer Dynamik verhelfen könnten. Schon jetzt engagieren sich immer mehr internationale Konzerne: Walmart, Google, IBM, sie alle haben bereits Wurzeln geschlagen in Afrika. Das ist ein untrügliches Zeichen für das wachsende Vertrauen in eine stabile Entwicklung. Insgesamt haben sich die ausländischen Investitionen in den vergangenen Jahren verzehnfacht.

Vor zehn Jahren stempelte „The Economist“ Afrika als den „hoffnungslosen Kontinent“ ab. „Bedauerlicherweise“, wie das Magazin jüngst richtigstellte.

Auf einen Blick

Afrika ist demokratischer und ökonomisch erfolgreicher geworden. Die Wirtschaft des Kontinents wird heuer, wie schon im Vorjahr, um sechs Prozent wachsen, prognostiziert der Internationale Währungsfonds. Spitzenreiter sind Angola, Nigeria, Äthiopien, Tschad, Mozambique und Ruanda, die bei den Wachstumsraten weltweit unter den Top Ten liegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)

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21 Kommentare
Gast: Sandra
10.07.2012 13:42
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Internet dank Mobilfunknetz

Dank dem Ausbau der Mobilfunknetze können die Menschen in den Entwicklungsländern in Afrika und Asien nun auch telefonieren, das Internet nutzen und sogar Geld überweisen http://www.theeuropean.de/politikdialog/11651-vodafone-in-afrika" target="_blank">http://www.theeuropean.de/politikdialog/11651-vodafone-in-afrika

2 1

Bin 45 Jahre in Suedafrika, meine Erfahrungen.

Matric pass: In maths haben 34% bestanden, in physical science 29%. An der UNI sind 8% Schwarzafrikaner in den technischen Faechern. Darum sind in den technischen Abteilungen der Betriebe ueberwiegend Europaeer. Habe Jahre am Cape Technikon unterrichtet und dadurch persoenliche Erfahrung.
In anderen Studienfaechern machen sie gute Fortschritte und in Zukunft wird es eine gute Zusammenarbeit geben.
Wenn Schwarzafrikaner und Europaeer zusammenarbeiten hat das Land eine gute Zukunft. In unserem Betrieb ist die Zusammenarbeit sehr gut gelungen.

Antworten Gast: biersauer
01.07.2012 11:07
0 1

Re: Bin 45 Jahre in Suedafrika, meine Erfahrungen.

Sobald sich dort der Islam ausbreitet ist Schluss mit dem Fortschritt.

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Dass sich in Südafrika

der Islam ausbreiten könnte entbehrt jeder Grundlage. Wie kommen Sie darauf?

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Re: Bin 45 Jahre in Suedafrika, meine Erfahrungen.

Südafrika ist ein Ausnahmefall. Andere afrikanische Länder haben eben keine 4 Millionen Menschen europäischen Ursprungs
und nicht die Infrastruktur der ehemaligen Republik.

alles nur Prozente

wann wird man endlich mit diesen Prozentvergleichen aufhören??

10% von NICHTS ist immer noch NICHTS

4 0

Hohes Wachstum

von einer tiefen Basis! Kein Kunststück! "Am besten geht es den rohstoffreichen Nationen" - wenn die Alle sind zieht die Karawane under Anführung der Chinesen weiter. Wer nicht lokal produziert schafft keine Nachhaltigkeit.
Wer meint, die Korruption ist geringer geworden war kürzlich nicht da. Fast alle der genannten "Erfolgsstaaten" sind ein Musterbeispiel für Korruption und undemokratische Verhältnisse.
Warum hier etwas schöngeredet wird weiss der Kuckuck!

Antworten Gast: yamo
30.06.2012 18:07
0 3

Re: Hohes Wachstum

"geringer geworden" ist relativ ... unverständlich?

1 0

Re: Hohes Wachstum

gering = wenig
geringer = weniger

hilft Ihnen das weiter?

Antworten Antworten Antworten Gast: yamo
30.06.2012 20:45
0 3

Re: Re: Hohes Wachstum

wenig... weniger... als was? Als vorher? Als NoSir's Intelligenzquotient? Ah, nein, das geht sich nicht aus.

0 0

Re: Hohes Wachstum

Ich will Ihnen bei Ihrer Deutsch Stunde noch etwas nachhelfen.
Wenn etwas "weniger" oder "geringer" wurde bezieht sich das immer auf den vorherigen Zustand.
Nachsitzen!!!

0 0

Re: Hohes Wachstum

Lernen Sie doch ordentlich Deutsch, Herr Yamo, dann erhöht sich auch Ihr IQ.


Afrikanische Länder als "Tigerstaaten"

so ein Quatsch, wann war der Autor das letzte mal In Afrika. (vermutlich nie)

ich denke für die nächsten 100 Jahre ändert sich da wenig

Antworten Gast: yamo
30.06.2012 18:12
0 3

Re: Afrikanische Länder als "Tigerstaaten"

Was sich die Poster so alles einfallen lassen um ihren Pessimismus zu verteidigen... Sogar die Intelligenz opfern sie dafür. Na gut, man muss Prioritäten setzen.

Das letzte Mal als ich in Ghana war (ist schon einige Jahre her) war die dortige Börse jene mit den höchsten Kursanstiegen weltweit. Das ist dann schon Affenmäßig (Tiger gibt's dort nicht).

Wöchentliche Erfolgsmeldungen

Der "Doing Business Report" der Weltbank platziert die meisten Staaten auf den letzten Plätzen 100 bis 180. Ausnahme die üblichen Verdächtigen wie Südafrika, Botswana und Ruanda.
Wer auf solche- fast wöchentlichen- Erfolgsmeldungen vertraut ,sollte ich fragen, warum derartige Meldungen nie von langjährigen Afrika-Korrespondenten bestätigt werden.
Volker Seitz, www.Bonner-Aufruf.eu

Aufschwung für wen?

Eine zweite Frau als Präsidentin in Afrika ist in der Tat eine gute Nachricht.Frauen in der Politik sind nicht die besseren Menschen( Frau Johnson-Sirleaf hat drei Söhnen und ihrem Bruder hohe lukrative Posten zugeschanzt), aber sie sind aktiv und machen vielerorts die bessere Politik. Sie versuchen wenigstens soziale Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Sie verbessern auch bei Männern die Einstellung zu Frauen.
Afrikanische Gesellschaften sind immer noch patriarchalisch organisiert. Die Frauen haben sich unterzuordnen Männer hatten immer mehr Rechte und Privilegien als Frauen. Der Mann ist-nach althergebrachten Denkweisen-der unumstrittene Chef der Familie, selbst wenn die Frau den täglichen Überlebenskampf organisiert.
Die Behauptung allerdings, dass Afrika demokratischer geworden ist, ist kühn.
Die meisten Menschen sind arm, weil Bildungsarmut,Korruption, gewaltige Ungleichheiten und teils schwere Verstöße gegen die Menschenrechte den Menschen keine gleichen Zugangschancen zu ökonomischem Wohlstand geben.
Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

Antworten Gast: gsez
30.06.2012 00:55
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Re: Aufschwung für wen?

Geben Sie es zu: Sie wollen hier einfach Werbung machen.

Gast: UKW
29.06.2012 21:29
1 2

Na wenn das keine gute Nachricht ist

Die Bevölkerung auf der Welt steigt weiter an, und die Menschen in Afrika können sich immer hübschere und leistungsstärkere Autos leisten. Super! Brumm, Brummm, Brummmmm! Der Benzinverbrauch steigt.

7 Millarden Menschen auf der Welt, 8 Milliarden, 9 Milliarden, 10 Milliarden, 11 Milliarden, 12 Milliarden... Super toll. WoW. Urleinwand!

Antworten Gast: /* No Comment */
29.06.2012 22:20
0 3

Re: Na wenn das keine gute Nachricht ist

Genau! Lassmas lieber verrecken, besser die als wir!

\sarcasm

Ein schöner Artikel

Zu schön, um wahr zu sein.

"Afrika hat gezeigt, dass es in der Lage ist, technologische Entwicklungen zu überspringen."

So kann man es natürlich auch nennen, wenn man auf Entwicklung und Produktion verzichtet und einfach nur Rohstoffe exportieren lässt und dann telefoniert.

Oder das angolanische Wirtschaftswachstum: Wer treibt es voran? Die Afrikaner? "Immer mehr junge und gut ausgebildete Portugiesen packen ihre Koffer und ziehen nach Afrika in die ehemalige Kolonie Angola. (...) Und in Luanda ist alles Dynamik. Sogar abends an der Uferpromenade. Frisch renoviert, gestaltet übrigens von portugiesischen Planern, ..."
(ARD)