Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) soll die Standorte von 27 Folterquartieren des syrischen Geheimdienstes und 30 verantwortliche Agenten identifiziert haben. Sie veröffentlichte am Montag einen entsprechenden Bericht wie "Spiegel Online" berichtete. Die Informationen will die Organisation demnach aus Interviews mit rund 200 ehemaligen Gefangenen erhalten haben. Sobald sich mindestens zwei Interviewpartner an dieselben Gebäude erinnerten, wurden diese Standpunkte in einer Karte markiert.
HRW vermutet, dass die Anzahl der Folterzentralen wesentlich höher ist. "Die Geheimdienste betreiben verstreut über das Land ein Inselmeer an Folterzentren", erklärt Ole Solvang, der Verfasser des Berichts.
"Staatliche Politik der Folter"
Durch die Darstellung der Rolle des Staates bei den Folterhandlungen, ist laut HRW im Bericht genügend Material vorhanden, um eine Anklage wegen Verbrechen an der Menschlichkeit einzuleiten. Die UNO Hochkommissarin, Navi Pillay, hat sich am Montag bereits für eine Anklage beim Internationalen Strafgerichtshof ausgesprochen.
Die ehemaligen Gefangenen berichteten laut "Spiegel Online" fast alle davon, selber Opfer oder Beobachter von Folter gewesen zu sein. Dabei beobachteten einige auch, wie Folteropfer starben. Außerdem ist im Bericht von Schlägen, Brandwunden, sexuellen Übergriffen und von Scheinhinrichtungen die Rede. Die Gefangenen würden in Schulen, Krankenhäusern oder Militärstützpunkten festgehalten, weil die Gefängnisse überbelegt seien. Dabei würden auch Kinder nicht verschont.
30 Agenten auf "Sanktionsliste"
Von den 30 identifizierten syrischen Agenten, deren Namen durch die Interviews bekannt wurden, befinden sich bereits fünf auf der Sanktionsliste der Europäischen Union. Das reicht der Organisation aber nicht, sie fordert auch ein Einschreiten der Vereinten Nationen.
Mit der Veröffentlichung der Dokumente will die Menschenrechtsorganisation auf Syrien Druck ausüben, die Gräueltaten zu beenden. Der UNO-Sicherheitsrat ist bislang durch Russland und China daran gehindert worden, ein Einschreiten in Syrien zu legitimieren.
(Red.)
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