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Deutschland droht Rumänien mit Stimmrechtsentzug in EU

05.07.2012 | 18:11 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS ROSER (Die Presse)

Bukarests Parlament entscheidet am Freitag über die Suspendierung des konservativen Präsidenten Basescu. Tatsächlich scheint Neu-Premier Ponta zur Absicherung seiner Macht zu allem entschlossen.

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Bukarest. Zahllose Stürme hat der frühere Seekapitän Traian Basescu an der Spitze von Rumäniens Staat schon überstanden. Doch nun zeichnet sich eine erneute Volksabstimmung über die von dem sozialliberalen Regierungsbündnis USL avisierte Absetzung des seit 2004 amtierenden Präsidenten ab. Am heutigen Freitag will das Parlament über die vorläufige Suspendierung des 60-Jährigen entscheiden. Stimmt es, wie erwartet, der Einleitung des Amtsenthebungsverfahrens zu, müssen die Rumänen innerhalb von 30 Tagen per Referendum über den Amtsverbleib ihres langjährigen Landesvaters entscheiden. Neu ist die Prozedur für Basescu keineswegs: Bereits 2007 war ein von den Sozialisten gegen ihn angestrengter Volksentscheid eher kläglich gescheitert.

Mit dem Vorwurf des Verstoßes gegen die Gewaltenteilung sowie der verfassungswidrigen Überschreitung von Kompetenzen und seinem „nicht unparteiischen“ Auftreten begründeten die Regierungsparteien am Donnerstag bei einer Sondersitzung des Parlaments ihren Antrag auf die vorzeitige Ablösung des Präsidenten. Für den konservativen Staatschef ist die Sache jedoch ausgemacht. Ein Ablenkungsmanöver der Regierung seines Rivalen Victor Ponta wittert Basescu hinter dessen Versuch, ihn per Referendum aus dem Amt zu hebeln.

 

Ponta säubert staatliche Institutionen

Die Absicht der Regierung, „die völlige Kontrolle über alle Staatsinstitutionen zu übernehmen“, soll die Plagiatsvorwürfe gegen die Doktorarbeit von „Kopier“-Premier Ponta verschleiern, so der Präsident am Donnerstag. Er habe sich um den Aufbau unabhängiger Justizinstitutionen bemüht: „Und die will die Regierung nun einreißen.“

Tatsächlich scheint Neu-Premier Ponta zur Absicherung seiner Macht zu allem entschlossen. Seit der 39-jährige Jurist Anfang Mai mithilfe von Überläufern der konservativen PDL auf die Regierungsbank gerutscht ist, offenbart er einen nahezu bolschewistischen Säuberungsdrang. Die Warnungen von Bürgerrechtlern und Verfassungsrichtern über die drohende Aushöhlung der Gewaltenteilung scheinen ihn kaum zu stören.

Längst hat der Konflikt die EU erfasst. Markus Ferber, Chef der CSU-Europagruppe im Europäischen Parlament, drohte damit, ein Verfahren zur Aussetzung des Stimmrechts Rumäniens im EU-Rat einzuleiten. Ponta verstoße gegen den Geist und die Prinzipien der EU, sagte der Bayer zur rumänischen Zeitung „Adevarul“. Ähnlich scharf formulierte der CDU-Abgeordnete Gunther Kirchbaum: „Das toppt alles im negativen Sinne, was wir in Ungarn erlebt haben.“ So wie sich Europas Linke auf Ungarns Premier Orbán eingeschossen hatten, legen die Konservativen nun gegen Ponta los.

 

Zustimmung zu Basescu sinkt

Resolut hat der rumänische Premier nicht nur das Führungspersonal in den Provinzen und beim Staatsfernsehen, sondern auch die Vorsitzenden der beiden Parlamentskammern, den Ombudsmann und den Direktor der Staatsarchive gegen loyale Gefolgsleute ausgewechselt. Die Befugnisse des lästigen Verfassungsgerichts schränkte er genauso ein wie die des Rats zur Anerkennung akademischer Titel – dieser hatte es gewagt, die Plagiatsvorwürfe gegen ihn zu bestätigen.

Es sind die nahenden Parlamentswahlen im Herbst, die Ponta zum hektischen Großangriff gegen den gewieften Strippenzieher Basescu treiben: Unbedingt will er verhindern, dass der Präsident hernach wieder eine Koalition ganz nach seinem Gutdünken schmiedet.

Der Zeitpunkt der Attacke auf den Staatschef scheint gut gewählt. Die Zustimmung zum sprunghaften Basescu ist in Zeiten der Krise auch wegen dessen selbstherrlicher Amtsführung merklich geschrumpft: Bei den Kommunalwahlen Anfang Juni erlitt die dem Präsident nahestehende PDL eine herbe Schlappe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2012)

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19 Kommentare
Gast: Vicktor
06.07.2012 12:36
2 1

Selektive Wahrnehmung in Österreich: Viktor oder Victor


Beim bürgerlichen Viktor Orban in Ungarn regt sich jeder über seine 2/3 Mehrheit und die daraus resultierende Machtfülle auf.

Die beispiellose Säuberungsaktion des linken Victor Ponta in Rumänien, die die EU schockiert und die durch Verfassungsbruch selbst vor dem Staatspräsidenten nicht Halt macht stört in unserem Land niemanden. Offensichtlich hat seine Weltanschauung viele Freunde in Österreich.

Antworten Gast: keterum kenseo
06.07.2012 13:27
2 1

Re: Selektive Wahrnehmung in Österreich: Viktor oder Victor

Die Diskrepanz im Erregungspegel über Ungarn und Rumänienist ein weiteres Indiz dafür, was uns in dieser EUdSSR noch bevorsteht. Daher: EU-Austritt !

Antworten Antworten Gast: Nicht reden, tun
06.07.2012 19:43
0 0

Re: Re: Selektive Wahrnehmung in Österreich: Viktor oder Victor

Du kannst ja schon mal vorangehen und austreten. Möglichkeiten wären in die Schweiz, nach Liechtenstein, die arabischen Länder, Asien oder Amerika. Viel Spaß dann und alles Gute.

Antworten Antworten Antworten Gast: keterum kenseo
06.07.2012 23:58
0 0

Re: Re: Re: Selektive Wahrnehmung in Österreich: Viktor oder Victor

Ziemlich armselig, deine Argumentation, EU-Würschtl!

Gast: Nordlicht
06.07.2012 11:32
3 0

Deutschland droht Rumänien mit Stimmrechtsentzug in EU

Wenn wir bei der nächsten Wahl nicht EUdSSR konform wählen wird man uns auch damit drohen. Da war doch schon einmal so etwas ähnliches oder irre ich mich.

Gast: Auslandsrumänin
06.07.2012 09:17
3 2

Demokratie

Nach der Ceausescus Diktatur, hat das Volk die langersehnter Freiheit gewonnen. Nur leider hat dann jeder geglaubt, dass die Gesetze nur für "anderen" gelten, Sanktionen für manche Gesetzesübertretungen könnte man leicht mittels Spenden oder Bestechung umgehen. Unter der Basescus Regime hat das Land deutliche Schritte in Zivilisation, Odnung und Demokratie gemacht, die Justiz hat wieder funktioniert. Aber die Verurteilung einiger korrupten Opositionsmitglieder sowie der primitiven Wunsch des Volkes im Chaos zu leben, hat Basescu viel Sympathie gekostet.
Rumänien war und ist nicht reif für EU, nur unter der Druck und Interessen einiger Investoren aus dem Westen war der EU-Beitritt dieses Landes möglich.

Re: Demokratie

Eine Diktatur einzuführen geht innerhalb von wenigen Tagen - für eine Demokratie braucht es 1 -2 Generationen...

Gast: Hausverstand D
06.07.2012 08:26
2 0

Wer trägt die Verantwortung für die Aufnahme solcher Länder in die EU

Die vereinigten europ. Geistesblitze und Superexperten, die sich anscheinend selbst im Weg sind??

Slowenien trudelt bereits, aber Spindelegger freut sich, dass 2013 Kroatien aufgenommen wird!

Re: Wer trägt die Verantwortung für die Aufnahme solcher Länder in die EU

Yep, und auf Montenegro freuen wir uns auch sehr !!

Gast: Lecter
06.07.2012 07:15
6 0

Rumänien

Mehr Europa - mit solchen Teilnehmern ???

Dürfen die dann nicht abstimmen

ob sie der Diktatur aus Brüssel beitreten, oder werden die Empfängerländer gleich direkt eingegliedert?

Erst Ungarn, nun Rumänien. Die Länder machen wieder dicht.

Längst überwunden gedachte Systeme beginnen wieder fröhliche Urstände zu feiern. In Osteuropa werden wieder Mauern gebaut.

Wie gehabt beginnen die Schwächsten damit. Das hat jedoch eine Logik. Diktaturen lassen sich nur auf 2 Arten einführen:

1. Durch militärische Gewalt.

2. Durch Unterstützung des Volkes, dass sich in aussichtsloser Situation fühlt, und nach einfachen Lösungen sucht. Es muss ein Schuldiger präsentiert werden, der dann vom starken Mann öffentlich hingerichtet wird.

Im ersten Fall hat das Volk sowieso nichts zu sagen, im 2. wird das Volk danach vor Reaktionären und Terroristen geschützt, in dem es eingesperrt wird.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass einige Völker sich dafür traditionell mehr eignen, und andere stets für ihre Freiheit kämpfen.


Antworten Gast: ido
06.07.2012 09:11
0 0

Re: Erst Ungarn, nun Rumänien. Die Länder machen wieder dicht.

ich würde sagen es gibt Staaten, deren Struktur es eher zulässt, und nicht Völker, die eher für ihre Freiheit kämpfen.

Jedes "Volk" hatte schon einmal in der Geschichte einen Diktator.

Antworten Gast: Lernen Sie Geschichte!
06.07.2012 08:36
2 0

Osteuropa hat es immer so gemacht...

Man hat in Osteuropa die Tradition, die Fahne in den Wind zu hängen.

Als die Osmanen noch im Vormarsch waren, sind die Deutschen und Polen zur Befreiung und Wiederaufbau willkommen gewesen.

Diese hat man später vertrieben, als man einen einheitlichen slawischen Block wollte.

Der Block war kommunistisch und arm, daher die Öffnung 1989. Da war der Westen wieder willkommen, viele Länder sind zur EU. Aber nur ein bissl, nicht alle haben den EUR übernommen.

In OE sind die Völker immer den Weg des geringsten Widerstands gegangen. Draufgezahlt haben dummerweise wir Deutschsprachigen...

Re: Osteuropa hat es immer so gemacht...

Generell richtig aber Rumänen sind trotzdem keine Slawen

Antworten Antworten Antworten Gast: Lernen Sie Geschichte
06.07.2012 11:42
0 0

Re: Re: Osteuropa hat es immer so gemacht...

Ja, es sind keine Slaven. Aber auch in Rumänien ist der Kommunismus nur aus einem Grund abgeschafft worden: Weil der Westen quasi vor der Haustüre viel mehr Geld hat.

Also samma jetzt quasi prowestlich.

Meine Position:

Tschechien, Slowakei, Ungarn, die ganzen Balkanstaaten und auch Polen hätten vor einem EU-Beitritt zuerst einmal die ganzen Vertriebenen entschädigen sollen.

Gast: LegendIn
06.07.2012 00:35
8 0

Die einzige wirksame Drohung wäre: "Ihr müsst der EURO-Zone beitreten"


Gast: Honeckern
05.07.2012 21:32
5 7

Deutschland droht Rumänien mit Stimmrechtsentzug in EU

Der Merkel zittern bei schlechten Wetter
immer öfters die Nerven.

Antworten Gast: Deutschlehrerin Özimir
06.07.2012 19:49
0 0

Re: Deutschland droht Rumänien mit Stimmrechtsentzug in EU

"schlechtem Wetter" ist korrekt!
"öfter" ist korrekt!