Der kosovarische Vizepremier Bujar Bukoshi und weitere zehn Personen - aktive und frühere Funktionäre des Gesundheitsministeriums - sind laut der Tageszeitung "Koha Ditore" wegen mehrerer Straftaten angeklagt worden. Bukoshi, der in der Regierung für die Sozialpolitik zuständig ist, soll sich in seinem früheren Amt als Gesundheitsminister durch die Unterzeichnung mehrerer für das Regierungsbudget schädlicher Verträge des Amtsmissbrauches schuldig gemacht haben.
Dieselbe Anklage, die von der Sonderstaatsanwältin der EU-Rechtsstaatsmission EULEX Maria Bamieh erhoben wurde, bezieht sich auch auf den früheren Generalsekretär des Gesundheitsministeriums Ilir Toljaj, berichtete das Blatt unter Berufung auf einen Sprecher der EU-Mission, die im Kosovo den Aufbau des Justizsystems unterstützt, und die Anwälte der Angeklagten.
Der 65-jährige Bukoshi war in den 1990er Jahren Exil-Premier der Kosovo-Albaner. Nach dem Kosovo-Krieg 1998/99 konnte er nicht mehr an die alten politischen Erfolge anknüpfen.
Serbischem Volk wird "Herz raus gerissen"
Die serbisch-orthodoxe Kirche hat am Freitag scharfe Kritik an der Entlassung des Kosovo in die volle Souveränität geübt. Für Serben werde es im Kosovo "keine Zukunft geben", meinte Bischof Jovan von Sumadija. Durch die Abtrennung des Kosovo von Serbien werde versucht, dem serbischen Volk "das Herz aus der Seele zu reißen", sagte der Bischof. Die Kirche befürchtet nun einen Exodus unter den rund 60.000 Kosovo-Serben.
Der Internationale Lenkungsrat aus Unterstützern der Unabhängigkeit des Kosovo (ISG) hatte am Montag in Wien beschlossen, die bisherige internationale Überwachung der 2008 ausgerufenen Unabhängigkeit von Serbien zu beenden. Die ISG überwachte die Umsetzung des von Serbien und den Kosovo-Serben abgelehnten UNO-Planes zum Kosovo, welcher der kosovarischen Regierung unter anderem den Schutz serbisch-orthodoxer Kirchen und Klöster auferlegt. 90 Prozent der Bevölkerung des Kosovo sind muslimische Albaner.
Sobald die internationalen Kräfte aus dem Kosovo zur Gänze abgezogen sein würden, "wird auch der letzte Serbe das Land verlassen müssen", so die pessimistische Prognose des Bischofs.
(APA)
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