In Libyen haben am Samstag die ersten Parlamentswahlen seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi nicht ganz reibungslos begonnen. Im Osten von Libyen sind nach Angriffen von Gegnern der ersten demokratischen Parlamentswahl mehrere Wahllokale geschlossen worden. Das bestätigte der Vorsitzende der Wahlkommission, Nuri al-Abbar, am Samstag vor der Presse in Tripolis. Störaktionen wurden in Brega, Ajdabiya und einigen Vierteln der Großstadt Benghazi registriert.
Al-Abbar betonte jedoch, in 94 Prozent der Bezirke sei die Wahl normal abgelaufen. Einige der Wahllokale seien wegen logistischer Probleme geschlossen geblieben, hieß es. Noch in der Nacht seien frisch gedruckte Stimmzettel nach Libyen geflogen worden, hieß es am internationalen Flughafen von Kairo, wo eine libysche Maschine Zwischenstation machte.
Bereits vor Beginn des Urnengangs kam es am Sonntag rund um die östliche Metropole Benghazi zu einzelnen Protestaktionen und Angriffen von Föderalisten und Anhängern des alten Regimes von Muammar al-Gaddafi. Das Nachrichtenportal "Qurayna" meldete, in Gaminis, 45 Kilometer westlich von Benghazi, seien drei Wahllokale verwüstet worden. Am Freitag hatten Gegner des Urnengangs einen Hubschrauber der Wahlkommission in Benghazi beschossen. Nach Angaben eines Regierungssprechers starb ein Mitarbeiter der Kommission.
"Erhebe deinen Finger"
Der Großteil der Libyer scheint die Wahl mit Begeisterung aufzunehmen. Rund 2,7 Millionen Wahlberechtigte hatten sich auf die Liste für die Wahl zur Nationalversammlung setzen lassen. Vor Wahllokalen in der Hauptstadt Tripolis bildeten sich bereits am frühen Sonntagmorgen Warteschlangen. Analog zum Ruf der libyschen Revolutionäre "Erhebe dein Haupt, du bist ein freier Libyer!", fotografierten einige Wähler nach der Stimmabgabe ihre mit Tinte aus dem Wahllokal gefärbten Finger, und jubelten: "Erhebe deinen Finger, du bist ein freier Libyer!".
Ergebnisse nicht vor Montag
Die Libyer wählen einen Allgemeinen Nationalkongress mit 200 Abgeordneten. 120 Mandate werden an Direktkandidaten vergeben, 80 Sitze gehen an die Kandidaten politischer Bündnisse. Der Allgemeine Nationalkongress löst den Übergangsrat ab, der sich während der Revolution im vergangenen Jahr gebildet hatte. Die Abgeordneten sollen eine Übergangsregierung ernennen und die Wahl einer verfassunggebenden Versammlung vorbereiten. Mit den ersten Ergebnissen aus einzelnen Städten wird frühestens am Sonntag gerechnet. Das Endergebnis wird nicht vor Montag oder Dienstag vorliegen.
Das nordafrikanische Land war mehr als vier Jahrzehnte lang autoritär von Gaddafi regiert worden, der nach einem Aufstand im vergangenen Jahr auf der Flucht getötet wurde. Ähnlich wie in Tunesien und Ägypten könnten Experten zufolge auch in Libyen vor allem islamistische Parteien bei der Wahl zum Zug kommen.
(APA/AFP/Rueters)





BilderMord an Soldaten schockiert Großbritannien
Staatsbürgerschaftstest neuKönnten Sie Österreicher werden?
Zitate der Woche''Die Ehre lasse ich mir nicht abschneiden''
X-47BGroßdrohne hebt erstmals von Flugzeugträger ab
''Kim on Tour''Der Diktator als Pappkamerad
