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Syrischer Tanz auf dem Vulkan

07.07.2012 | 16:30 |  EINE REPORTAGE von wieland schneider (DiePresse.com)

Während aus den Vororten von Damaskus Artilleriefeuer zu vernehmen ist, wird im Zentrum der syrischen Hauptstadt der Schein der Normalität gewahrt. Das Regime schart religiöse Minderheiten des Landes um sich.

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"Please come", ruft der Mann im Tarnanzug freundlich, aber bestimmt. Er sitzt auf einem grünen Plastiksessel in einem Hauseingang und war deshalb nicht sofort zu sehen. Neben ihm haben sich eine Reihe weiterer Uniformierter mit ihren Kalaschnikows niedergelassen. Penibel kontrolliert der Mann Reisepass, Autorisierungsschreiben des syrischen Informationsministeriums und Inhalt des Rucksackes. Dann rückt er seine hellbraune Baseballkappe zurecht und lächelt. Natürlich sei es kein Problem, hier durch die Straße zu schlendern, beteuert er. Andererseits sei es für einen Spaziergang doch angesichts der hoch stehenden Mittagssonne viel zu heiß, fügt er hinzu und bietet Platz auf einem der Plastiksessel an. Einer seiner Kameraden bringt - ebenfalls lächelnd - Wasser und Orangensaft. Es scheint opportun, die „Einladung" nicht so einfach auszuschlagen.

Die Soldaten der syrischen Streitkräfte haben sich zu beiden Seiten der Fares-al-Khuri-Straße postiert. Der breite, von Palmen gesäumte Verkehrsweg führt vom Abbasin-Platz nach Osten in Richtung der Vororte von Damaskus. Die Soldaten wachen an einer unsichtbaren Demarkationslinie. Denn während sich das Zentrum der syrischen Hauptstadt in den Händen des Regimes befindet, sind in den Außenbezirken die Aufständischen aktiv.

Kurze Nervosität. Plötzlich eilt ein Mann in braunem Polohemd herbei und macht aufgeregt Meldung. „Er hat erzählt, dass gestern in der Nähe seines Hauses geschossen worden ist", sagt danach einer der Soldaten. „Hätte er uns das gleich gestern mitgeteilt, hätten wir reagieren können." Heute sei jedenfalls alles ruhig und unter Kontrolle, versichert er. Trotzdem erfasst die Uniformierten kurz Nervosität, als sich auf der Straße einige junge Männer mit Plastiksäcken nähern. Rasch greift einer der Soldaten nach seinem Sturmgewehr, springt auf und sieht nach, was sich in den Plastiksäcken befindet. Wie Geister tauchen die Rebellen immer wieder außerhalb des Zentrums von Damaskus auf, feuern auf die Regierungstruppen und errichten für kurze Zeit sogar Straßensperren.

Auch das Tischrin-Militärspital liegt in einer dieser „heißen Zonen". Die Zufahrt zu dem gewaltigen Komplex ist mit Sandsäcken verbarrikadiert. Das Spital zählt zu den modernsten Syriens. Hierher werden Soldaten gebracht, die im Kampf gegen die Aufständischen verwundet worden sind. Einer von ihnen ist Ali, ein Militärpilot mit kurz geschorenem Haar und Schnurrbart. Der Oberst der Luftwaffe war am 26. Juni mit seinem russischen Transporthelikopter nahe der Stadt Aleppo unterwegs, als er unter Beschuss durch ein schweres Maschinengewehr geriet. Der Hubschrauber stürzte ab, der Pilot wurde am linken Arm verletzt. Für den Oberst sind die Rebellen „islamische Extremisten, die das Land in den Untergang führen" wollen. „Die Bevölkerung steht auf der Seite unseres Präsidenten und nicht dieser Salafisten, die uns die Saudis geschickt haben", behauptet der Offizier.
An dieser Darstellung besteht auch für den Direktor des Krankenhauses kein Zweifel. Der stämmige Generalmajor mit dem grauen Haar und den blauen Augen möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen - aus „Sicherheitsgründen", wie er sagt. „Bereits drei unserer Ärzte wurden auf dem Weg zur Arbeit umgebracht." An den Wänden seines Büros prangen riesige Bilder von Präsident Bashar al-Assad und dessen Vater und Vorgänger Hafez in Militäruniform. Dazwischen hängt ein kleineres Foto, das Bashar in sportlichem, weißen Pulli mit einem Kind im Arm zeigt - der Machthaber als „gütiger Familienmensch".

Feindbild Israel. 108 verwundete Soldaten werden derzeit im Tischrin-Spital behandelt, 20 davon auf der Intensivstation, berichtet der Generalmajor. Jeden Tag seien zudem mehrere Todesfälle zu beklagen. „Ich verstehe das nicht", sagt der Krankenhausdirektor. „Warum bekämpfen die Europäer Terroristen in ihren eigenen Ländern und unterstützen zugleich Terroristen in unserem Land?" Es ist eine rhetorische Frage, denn die ihm genehme Antwort gibt er kurz darauf selbst: „Sie machen das zum Wohle Israels."

Schlägertrupps. Das alte Feindbild muss auch hier als Grund allen Übels herhalten. Dabei war man in Jerusalem zu Beginn nicht besonders erfreut über den Aufstand im Nachbarland. Zwar ist Assad ein alter Gegner - doch einer, den man einschätzen kann. Vor allem Berichte, wonach die Rebellen zunehmend von Jihadisten unterwandert würden, sorgen in Jerusalem und Washington für Kopfzerbrechen. Die konservativen Golfmonarchien Saudiarabien und Katar beliefern die Untergrundkämpfer mit Waffen, wahhabitische Prediger rufen zur Unterstützung des Widerstandes auf. Für sie geht es dabei nicht nur um den Aufstand gegen einen Diktator, sondern vor allem um den Kampf „rechtgläubiger" Sunniten gegen „ungläubige Unterdrücker". Denn Assad und ein großer Teil seiner Führungsschicht gehören der religiösen Minderheit der Alawiten an.
Das alles nützt das syrische Regime für sein Narrativ, wonach die Aufständischen samt und sonders „islamistische Terroristen" seien. „Es mag stimmen, dass solche Gruppen mittlerweile aktiv sind", meint ein westlicher Diplomat. „Bei dieser Darstellung blendet das Regime aber aus, dass die Proteste am Anfang friedlich waren und mit Gewalt niedergeschlagen worden sind." Vor allem nach den Freitagspredigten hätten sich zu Beginn immer wieder Menschen versammelt, um zu demonstrieren. Und sie seien von Schlägertrupps verprügelt worden, die schon vor den Moscheen gewartet hatten.

„Ein Spiel der Saudis." Die Angst vor Jihadisten geht auch in der Altstadt von Damaskus um, dort, wo in den verwinkelten Gassen viele Christen ihre Geschäfte haben. Einer davon ist Michele (Name geändert). Er arbeitet in der Altstadt, doch sein Haus steht in einem der umkämpften Außenbezirke. „Als Christ fühle ich mich nicht mehr sicher", klagt er. Seine Frau und seine Kinder hat er deshalb bereits zu Verwandten nach Aleppo geschickt. „Ich glaube nicht an diese sogenannte Revolution. Das Ganze ist doch nur ein Spiel der Saudis, um Einfluss zu gewinnen." Nicht wenige hier denken so wie Michele. Die Furcht der Minderheiten vor einer Machtübernahme radikaler Islamisten stabilisiert das Regime.
Draußen am Rande der Stadt, wo viele ärmere, sunnitische Familien leben, scheint der Wirkungsradius der Rebellen jedoch größer zu werden. Assads Truppen versuchen, das zu verhindern. Und das ist bis ins Herz von Damaskus zu hören. Immer wieder dringt aus den Vororten dumpfer Artillerielärm und vermischt sich mit dem Wummern des Basses der Popsongs, die in voller Lautstärke aus den Cafés der Altstadt dröhnen. Über die Flachbildschirme, auf denen die Menschen noch vor einer Woche gebannt die Fußball-EM verfolgten, tanzen jetzt internationale Stars wie Shakira und arabische Pop-Diven in kurzen Kleidern. Die Restaurants sind voll. Alles scheint auf den ersten Blick normal, und doch ist es wie ein Tanz auf dem Vulkan.
?

 

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23 Kommentare

versucht da etwa die Presse

nach erfolgloser einseitiger Propaganda noch einen Ausweg aus ihrer erfolglosen Mission?

Gast: schonwiedereingast (dauerzensuriert)
08.07.2012 10:41
1 0


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Einfach zum Nachdenken

Rebellen und Fernsehsender fälschen Video

http://medien-luegen.blogspot.de/2012/07/syrien-rebellen-und-fernsehsender.html

Es werden auf allen Seiten mit Unwahrheiten gekämpft!
Es gibt nicht nur die eine Wahrheit...

Gast: realtitäten
07.07.2012 16:34
2 11

ASSAD ist ein Verbrecher und für 20.000 TOTE verantwortlich

Sagt mal, seit ihr ach so tollen diktator-assad anhänger oder sympathisanten alle BLIND ???

20.000 ERMORDETE SYRIER DURCH ASSADS Befehl ! ! !

ASSAD ist ein Verbrecher und gehört vor das Kriegstribunal !


Antworten Gast: Hannes Kannes
07.07.2012 18:25
12 2

Re: ASSAD ist ein Verbrecher und für 20.000 TOTE verantwortlich

Assad geht nur - völlig legitim und rechtmäßig - gegen (u.a. von Saudiarabien und Katar) bewaffnete ISLAMISTISCHE SÖLDNER UND TERRORISTEN vor.

Eine vorsätzliche "Ermordung von Zivilisten" hat es in Syrien - durch Assads Truppen - nie gegeben, gibt es nicht und wird es auch nicht geben.

Was es aber gibt, sind von den Rebellen und Terroristen verübte Massaker an regierungstreuen Clans, welche dann - absurderweise - Assad angedichtet werden.

Die Zahl von 20.000 Toten ist nicht verifizierbar. Auf jeden Fall gibt es bis jetzt Tausende Tote, wovon ein großer Teil aus getöteten Assad-Soldaten, getöteten Rebellen und leider auch (weil sich die Umstürzler hinter Zivilisten verstecken) getötete Zivilisten.

Antworten Gast: Johann Laber
07.07.2012 18:17
8 2

Re: ASSAD ist ein Verbrecher und für 20.000 TOTE verantwortlich

Ja, Assad lässt friedliche Zivilisten abschlachten, weil es ihm so gefällt.

Und Babys lässt er auch aus Brutkästen werfen und er spießt diese sogar eigenhändig auf seinem Bajonett auf.

Re: ASSAD ist ein Verbrecher und für 20.000 TOTE verantwortlich

das hier ist bissel komplizierter ich bin zwar nicht für assad aber überall wo die usa dabei ist da kann man garnichts mehr glauben

Und die Assadisten

posten wieder!

Antworten Gast: Zohan
07.07.2012 19:11
8 0

Und der Zionist

posted wieder!

Gast: africano
06.07.2012 20:34
1 6

Nichts NEUES , Verräter gab es immer schon .


Gast: schonwiedereingast
06.07.2012 19:12
7 0

Meldungen, die nicht von Rebellen kommen

- lt. 'Wall Street Journal' bestätigt das Pentagon, das der türkische F-4-Flieger in syrischen Gewässern abgeschossen wurde:

http://online.wsj.com/article/SB10001424052702304830704577497081567553846.html?mod=googlenews_wsj


Antworten Gast: hoonky
09.07.2012 12:16
0 0

Re: RADARaufnahmen- und BILDER: Abschuss erfolgte bei 13 seemeilen ! ! !


UND nu ????

RADAR und Satellitenaufnahmen belegen zu 100 % :

IN INTERNATIONALEN GEWÄSSERN BEI 13 SEEMEILEN .

Wie kann man nur einem mordenden, vergewaltigenden und menschenfeindlichen terrorregime aus Damascus mit einem Diktator namens bashar al-Assad nur glauben ??? :

Nur Irrsinnige Menschen, keine normalen Menschen.

Antworten Gast: hoonky
07.07.2012 16:40
1 6

Re: UNSINN - Abschuss erfolgte 13 Seemeilen von der Küste entfernt


Die Lüge der Syrier, der Jet sei 1 Seemeile (also direkt vor der Küste Syriens) abgeschossen worden, ist doch nun jeden ersichtlich.

Wie soll es dann noch über 10 km weiter fliegen ???

Der Jet wurde 8,6 seemeilen von der Küste entfernt gefunden, der Abschuss erfolgte bei 13 seemeilen.

Also erst an die Logik denken, bevor man irgendeinen Blödsinn der Assad-Lügen-Regim-Propaganda glaubt.

Oder hat hier keiner was in der Birne und muss erst mal seinen üblichen blödsinn kund tun??? !

Antworten Antworten Gast: tsss
07.07.2012 23:18
0 0

Re: Re: UNSINN - Abschuss erfolgte 13 Seemeilen von der Küste entfernt

https://www.youtube.com/watch?v=vTwypNciXlE

Antworten Gast: sonst eh nix!
06.07.2012 21:26
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......das der türkische F-4-Flieger in syrischen Gewässern abgeschossen wurde???......

....zuerst einmal, das ist nicht das, sondern Dass ist dass, das richtig wäre....und wenn ein Flieger, in syrischen Gewässern abgeschossen wird, dann muss dieser Flieger unter der syrischen Meeresoberfläche geflogen sein.....also das fliegen Sie mir einmal vor!

Syrische Armee gestärkt

Der Westen hofft sein dreckiges Spiel in Syrien gewinnen zu können. Die von ihnen entsandten "Aufständischen sind gewaltig unter Druck. Reguläre Armeeeinheiten der syrischen Armee sind dabei, die Nester der Rebellen zu umstellen und auszuradieren.
Assad setzt dazu nur drei Divisionen im Norden von Syrien ein. Er weiß zu gut, warum er über 80% seiner Armee in anderen Zonen behält. Die falschen "Freunde Syriens", wollen den Druck auf die Regierung in Syrien erhöhen. W E N N die Meldungen stimmen, ist General Tlas fahnenflüchtig geworden.
Die "Freunde Syriens" feiern dies und sehen darin Auflösungserscheinungen der regulären Armee.
Solche Freunde kann keine Armee gebrauchen und daher wäre eine Flucht eines solchen Deserteurs keine Schwächung sondern Stärkung der echten syrischen Armee!

Re: Syrische Armee gestärkt

Sehr guter , analytischer Beitrag ! Ich bedanke mich und freue mich, noch auf denkende Menschen zu stoßen ....

Wollen wir hoffen, das das Gute und Wahre siegt ....

Re: Re: Syrische Armee gestärkt

...dass nicht sein kann, was nicht sein darf?...Wenn dieser Mensch nach Paris geflohen ist, wird es wohl nachprüfbar sein...Erstaunlich nur, wieviel zähe Adepten der Mörderclan in Damaskus hat...

Re: Syrische Armee gestärkt

Sehr guter , analytischer Beitrag ! Ich bedanke mich und freue mich, noch auf denkende Menschen zu stoßen ....

Wollen wir hoffen, das das Gute und Wahre siegt ....

here we go

Wenn das Shiff fangt zu sinken denn natürlich mann muss die sicherheit suchen. Assad ist plotzlich ein Diktator. was ist mit Qatar und andere arabische länder? viel gluck Syria.

1 2

Re: here we go

Ja, in drei Wochen ist Tlass wieder zurück und er war einfach nur auf Urlaub in der Türkei. So in der Art deute ich die Nachrichten derzeit zu diesem Thema.

ja wenn diese Information

von den Rebellen kommt ist sie unbedingt vertrauenswürdig einzustufen!

Re: ja wenn diese Information

Informationen, die nicht angezweifelt werden, kommen immer von der westlich bevorzugten Seite.

Sonst werden Worte wie "behauptet" und gleich eine Gegenmeinung hinzugefügt.