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Rumänien: "Entwicklung nicht einfach ignorieren"

07.07.2012 | 18:25 |   (DiePresse.com)

Die Mitte-Links-Koalition wirft dem konservativen Präsidenten vor, gegen die Verfassung verstoßen zu haben und will ihn daher des Amts entheben.

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Der Machtkampf zwischen Regierung und Präsident in Rumänien löst weltweit große Sorge aus. Der Konflikt gefährde das Gleichgewicht der demokratischen Kräfte und die Unabhängigkeit der Justiz bei "unserem Verbündeten und NATO-Partner", erklärten die USA. Der Europarat forderte am Samstag eine Expertise zu dem Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Traian Basescu an.

Washington rufe die Regierung in Bukarest auf, die Regeln des Rechtsstaates im weiteren Verfahren "genauestens" einzuhalten, erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland. Das Parlament in Bukarest hatte kurz zuvor für die Absetzung Basescus gestimmt. Die Mitte-Links-Koalition von Regierungschef Victor Ponta wirft dem konservativen Präsidenten vor, sich Regierungskompetenzen angeeignet und gegen die Verfassung verstoßen zu haben. Das Verfassungsgericht hatte zuvor erklärt, Basescu habe zwar in einigen Fällen seine Befugnisse überschritten, nicht aber gegen die Verfassung verstoßen.

Volksabstimmung am 29. Juli

Gültig wird die Absetzung allerdings nur, wenn sie bei einer Volksabstimmung am 29. Juli bestätigt wird. Bei dem Referendum reicht neuerdings die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, wie die Regierung per Eilverordnung am Donnerstagabend festlegte. Bisher war die Mehrheit der eingetragenen Wähler nötig. Zuvor hatte die Regierung bereits die Rechte des Verfassungsgerichts eingeschränkt.

Der Europarat bat die sogenannte Venedig-Kommission um ihre Einschätzung, ob die jüngsten Entwicklungen in Rumänien mit "den Prinzipien der Demokratie und des Rechtsstaats" vereinbar seien, wie der Generalsekretär des Europarats, Thorbjoern Jagland, in Straßburg sagte. Der Venedig-Kommission gehören angesehene Rechtswissenschaftler aus den 47 Europaratsländern an. Ihr Leiter, Gianni Buquicchio, hatte bereits am Mittwoch das Vorgehen der Regierung gegen das Verfassungsgericht verurteilt.

"Nicht einfach ignorieren"

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte die Befürchtung, dass in Rumänien politische Konflikte auf Kosten "grundlegender europäischer Werte" ausgetragen würden. "Die Grundprinzipien von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und verfassungsmäßiger Gewaltenteilung" dürften nicht zur Disposition stehen, sagte Westerwelle der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Deutschland werde politische Entwicklungen wie die in Rumänien "nicht einfach ignorieren." Westerwelle forderte die Einführung neuer Instrumente, um künftig besser gegen die Verletzung europäischer Werte vorgehen zu können.

Am Samstagvormittag kam das Kabinett in Bukarest zu einer Sondersitzung zur Einleitung des Amtsenthebungsverfahrens zusammen. Ponta zeigte sich dabei zufrieden mit dem Parlamentsvotum. "Nun sind alle Hindernisse aus dem Weg, seit unsere Regierung an die Macht kam", sagte er. Sein Rivale Basescu, der während des Amtsenthebungsverfahrens suspendiert ist, twitterte: "Lasst uns, bewaffnet mit der Wahrheit und der Verfassung, zum Referendum schreiten." Basescu hatte schon 2007 ein Amtsenthebungsverfahren der gleichen Parteien überstanden. Bei einer Stimmbeteiligung von 44,4 Prozent votierten damals 74,4 Prozent gegen eine Amtsenthebung Basescus.

Beliebtheit Basescus sinkt

Die Beliebtheit des ehemaligen Kapitäns Basescu hat in den vergangenen Jahren allerdings nachgelassen, seit er 2010 drastische Kürzungen im Gegenzug für Milliardenhilfen der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) anordnete.

(APA/AFP)

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6 Kommentare
Gast: Merdler
08.07.2012 20:42
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Übereilt

Ich verstehe gar nicht diese einseitige Berichterstattung. Die an Basescu liierte Macht verfügt über ein Propagandaapparat im Ausland, womit man alle Manipulationen, wenn nicht barsche Lügen, verbreitet werden können. Erstaunlich ist, wie die meisten Medien im Westen, sie auch ungeprüft schlucken. Die von Basescu und seinem Clan verwaltete Korruption kann jedoch von jedem österreichischen Investor in Rumänien bestätigt werden. Warum werden nicht diese Leute gefragt?

Antworten Gast: schafsköppe
09.07.2012 14:40
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Re: Übereilt

Die Befragung kann unterbleiben, denn der Rat der Ausländischen Investoren (CIS) hat seinen Vorsitzenden, Steven van Groningen, bevollmächtigt eine Erklärung zu den Propagandalügen der Basescu-Anhänger abzugeben. Daraus lassen sich folgende Sätze zitieren:
"Die Aktionen dieser Tage seitens der politischen Klasse fügen neue Unsicherheiten den bereits existierenden hinzu mit dem Effekt der Verringerung des Vertrauens bei Konsumenten und Investoren. ... Rumänien müßte in stärkerem Maße von seinen Vorteilen profitieren und seine wirtschaftliche Position in Süd-Ost-Europa ausbauen, was wegen des Fehlens der Berechenbarkeit und des Vertrauens bei den Investoren umöglich erscheint."
Es soll die feste Absicht der Investoren ihr Engagement in Rumänien aufrecht zu erhalten nicht unerwähnt bleiben, die jedoch von dem großen im Land georteten Potential gestützt wird, keineswegs von berechtigten Hoffnungen, die man mit den neuen Machthabern in Verbindung bringt.

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Victor Ponta

einfach ein linker Victor Orban, und deshalb das geflissentliche Schweigen im österreichischen Medienwald

Gast: Michael Mutz
08.07.2012 11:48
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Rumänien: 64,3% stimmen für Basescu`s Absetzung

Das angesehene Institut IMAS hat heute die Ergebnisse eine Meinungsumfrage in Rumänien veröffentlicht. 64,3 % der Rumänen würden für die Absetzung des suspendierten Staatspräsidenten Traian Basescu stimmen, 27,4% sind dagegen.
79,8 % der stimmberechtigten Rumänen wollen bei der Volksabstimmung am 29. Juli 2012 teilnehmen.

Die Meinungsumfrage hat zwischen 5 - 7 Juli 2012 stattgefunden. Die Fehlmarge ist ±3.0%.
(http://www.evz.ro/detalii/stiri/sondaj-imas-64-dintre-romani-sustin-demiterea-lui-basescu-274-se-opun-990926.html#ixzz201S7P5W9
EVZ.ro)

Antworten Gast: schafsköppe
08.07.2012 18:13
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Re: Rumänien: 64,3% stimmen für Basescu`s Absetzung


Eine andere Prozentzahl sagt ungleich mehr aus: beim diesjährigen "bacalaureat" (Maturaprüfung) ist knapp die Hälfte der angetretenen Schüler durchgerasselt (im Departement Bukarest-Umgebung, Ilfov, sind ganze 15% durchgekommen). Das zweite Jahr in Folge wird lückenlos video-kontrolliert und deshalb sind einige Zehntausend Kandidaten gleich daheim geblieben (die Usurpatoren haben in Aussicht gestellt, daß die Kameras nächstes Jahr verschwinden werden). Rechnen wir jetzt wieviel Wahlvolk mit diesem Niveau im Laufe von 22 Jahren zustande gekommen ist und daß die Landbevölkerung nur der Verblödung durch Medien-Mogulen ausgesetzt ist und kaum andere Informationsquellen benützt, kann man auf die 64,3% echt stolz sein.
Das Land der blökenden Schafe bekommt nur die Führung, die es verdient. Was soll's, der Käse (telemea) ist trotzdem ein Gedicht.

Wenn die Ungarn ein paar Postkommunisten entlassen regt sich das ganze linke Europa auf!

Was hat der ÖVP Vize- und Außenminister zu dem Staatsstreich in Rumänien zu melden? Dort wird ein Konservativer mit Anlaßgesetzgebung verjagt, die Sozialisten und Kommunisten bekommen Staatspositionen und die Konservativen fliegen hinaus.
SPINDI WANN ENDLICH HAST DU GENUG MUT DICH KRITISCH ZU ÄUSSERN?
Politiker mit voller Hose sind ein Gräuel.