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Machtkampf in Ägypten: Gericht prüft Präsidentendekret

09.07.2012 | 06:30 |   (DiePresse.com)

Präsident Mursi setzte trotz eines Urteils des Verfassungsgerichts das aufgelöste Parlament wieder ein und legt sich damit mit dem Militär an.

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Machtprobe in Kairo: Nach der Wiedereinsetzung des aufgelösten Parlaments durch Ägyptens Präsident Mohammed Mursi will das Verfassungsgericht am Montag über dessen Dekret beraten. Bereits am Sonntagabend kam der oberste Militärrat zu einer Krisensitzung zusammen. Unter dem Vorsitz von Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi wollten die Militärs "die Auswirkungen dieser Entscheidung" erörtern, berichtete die ägyptische Agentur Mena. Beschlüsse seien nicht gefasst worden, hieß es im britischen Sender BBC.

Das Verfassungsgericht hatte im Juni die Wahlen wegen eines fehlerhaften Wahlgesetzes für ungültig erklärt und das von Islamisten dominierte Parlament aufgelöst. Die Auflösung des Parlaments war von den Islamisten in Ägypten, aber auch von westlichen Politikern kritisiert worden.

Am Sonntag widerrief Mursi die Auflösung des Parlaments. In dem entsprechenden Dekret, in dem er das Unterhaus zur Wiederaufnahme der Arbeit auffordert, ordnet Mursi zudem vorgezogene Wahlen innerhalb von 60 Tagen nach Annahme einer neuen Verfassung per Referendum an.

Ein Drittel der Sitze nicht verfassungsgemäß

Nach Ansicht der Verfassungsrichter in Kairo hatte das Unterhaus des Parlaments seine Legalität verloren, da ein Drittel der Sitze nicht verfassungsgemäß vergeben worden sei. Ein Teil des Wahlgesetzes, das auch Parteimitgliedern die Kandidatur für Sitze unabhängiger Kandidaten erlaubt hatte, sei verfassungswidrig. Das Parlament hatte erst vor knapp fünf Monaten seine Arbeit aufgenommen.

Ein Termin für die Wiederholung der Parlamentswahl ist bisher vom Obersten Militärrat, der weiterhin alle Fäden zieht, nicht festgelegt worden. Die Generäle hatten nach dem durch Massenproteste erreichten Rücktritt von Langzeit-Präsident Hosni Mubarak im Februar 2011 die Macht übernommen und einen Fahrplan für die Übergangszeit vorgelegt, der durch diese Urteile über den Haufen geworfen wurde. Noch vor Mursis Amtsantritt hatten die Militärs noch die Machtbefugnisse des Staatspräsidenten beschnitten.

Entsprechend waren sich Verfassungsrechtler am Sonntag nicht einig, ob Mursis Dekret zur Wiedereinsetzung des Parlaments rechtens ist. Tharwat Badawi von der Universität Kairo vertrat im Gespräch mit der Zeitung "Al-Ahram" die Auffassung, dass Mursi "als einzig gewählte Autorität im Lande" durchaus einen derartigen Beschluss fassen könne. Dem widersprach im Staatsfernsehen sein Kollege Mohammed al-Dhahabi, der das Dekret als "juristische Katastrophe und als Verstoß gegen juristische und verfassungsrechtliche Prinzipien" einstufte.

(APA/dpa)

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1 Kommentare

neue Zielgruppe

... ganz schön clevere Strategie von diesem Scheuch: er hat eine vielleicht gar nicht so kleine Zielgruppe bei den nächsten Wahlen im Auge, nämlich alle unschuldig von den bösen Richtern Verurteilten. Da wird die Retter der Nation FPÖ und FPK die restlichen Prozente erreichen und zur stärksten Kraft im Lande werden. Und einige Stimmen aus dem so ungeliebten Lager des BZÖ werden sich im westen Tal auch noch finden lassen.
Und wer rettet uns vor den nationalen Rettern?