20.06.2013 02:08 Merkliste 0

Deutsche Regierung distanziert sich von Meldegesetz

09.07.2012 | 12:48 |   (DiePresse.com)

Das vom Bundestag beschlossene Meldegesetz sei ein "Geschenk für die Werbewirtschaft", sagen Datenschützer. Nun sind Änderungen geplant.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

In Deutschland sorgt das kürzlich vom Bundestag beschlossene neue Meldegesetz für Aufregung. Dieses ermöglicht in seiner jetzigen Form Adresshändlern, Inkassofirmen oder der Werbewirtschaft, umfassend persönliche Daten aus den amtlichen Registern abzurufen. Dagegen können die Bürger zwar Widerspruch einlegen - allerdings nicht, wenn Firmen bereits die Daten haben.

Die rot-grün geführten Länder und die bayerische CSU wollen das Meldegesetz im Bundesrat (Länderkammer) stoppen. "Wenn das stimmt, was ich bisher weiß, dann wird Bayern dem nicht zustimmen", sagte der CSU-Vorsitzende und Ministerpräsident Horst Seehofer am Montag. Er könne sich gar nicht vorstellen, wie das Gesetz in der beschlossenen Form im Bundestag zustande kam. Bei Daten müsse gelten, dass die Weitergabe von der Zustimmung der Bürger abhängig sei.

Ministerin: "Gesetz an uns vorbeigegangen"

Auch die Bundesregierung distanziert sich mittlerweile von dem Gesetz. Er gehe davon aus, dass die Regelung im parlamentarischen Verfahren wieder verändert werde, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte, die Regierung habe eine Gesetzesvorlage eingebracht, die die Einwilligung der Bürger bei der Datenweitergabe vorsah. Die an dieser Vorlage vorgenommene Änderung sei nicht mit der Regierung abgesprochen. Aigner sagte, sie habe nichts von dem Gesetz in der beschlossenen Form gewusst: "Es ist an uns vorbei gegangen."

"Geschenk für die Werbewirtschaft"

Der Bundesbeauftragte für Datenschutz warf der Koalition Klientelpolitik vor. "Klar ist, dass dieses Vorhaben - so wie es der Bundestag jetzt beschlossen hat - ein Geschenk für die Werbewirtschaft ist", sagte Peter Schaar am Montag im Deutschlandfunk.

Das Gesetz enthalte "massive Verschlechterungen" für die Bürger. Sie müssten einer Weitergabe ihrer Daten durch Ämter an Unternehmen ausdrücklich widersprechen - statt diese schriftlich zu erlauben. Die Erfahrung zeige aber, dass nur wenige Bürger diesen Widerspruch überhaupt einlegten, sagte Schaar. Und selbst dann könnten Unternehmen, die bereits alte Daten von Bürgen hätten, diese bei den Ämtern aktualisieren - sogar wenn diese aus "dubiosen Quellen" stammten.

Deutsche Medien berichteten am Montag, das umstrittene Gesetz sei im Bundestag in nur 57 Sekunden beschlossen worden. Nur wenige Abgeordnete saßen im Plenum.

(APA/AFP/dpa/Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

26 Kommentare
 
12

Beschlussfähigkeit des Bundestages

Die Beschlussfähigkeit des Bundestages ist dann gegeben, wenn mehr als die Hälfte der 620 Abgeordneten anwesend sind. Ist dies nicht der Fall ( in diesem Fall unter 30 ) wird durch den Sitzungspräsidenten die Beschlussunfähigkeit festgestellt und die Sitzung aufgehoben.
In diesem Fall hätte das P. Pau tun müssen.

Das wirft doch ein seltsames Licht auf P. Pau

Gast: smilefile
10.07.2012 11:15
0 0

Sieht mir eher,...



...nach gelebten Parlamentssommeralltag aus,....


die schiefe optik ist eine höchst sympathische:

sie zeigt, dass die wichtigste nebensache der welt manchmal wichtiger ist als die eigentliche aufgabe.

hier zeigen die abgeordneten menschliche züge. der normalbürger macht es nämlich genau so, hin und wieder.

Re: die schiefe optik ist eine höchst sympathische:

auf solche menschlichen Züge von Abgeordneten legen wir keinen Wert. Anderswo wäre ein solches Verhalten ein Entlassungsgrund.

Re: Re: die schiefe optik ist eine höchst sympathische:

wer ist "wir"?
sollte es sich um menschen handeln, die von anderen mehr erwarten als sie selbst zu leisten bereit/in der lage sein sollten, dann sind das aber recht unsympathische "wir".
und sie haben noch dazu masochistische neigungen: denn die enttäuschung ist bei solch einer einstellung vorprogrammiert.

Re: Re: Re: die schiefe optik ist eine höchst sympathische:

Enttäuscht bin ich nicht; weil das Verhalten (leider) meiner Erwartungshaltung diesen Personenkreis betreffend entspricht.

Unter "wir" muß ich tatsächlich eingrenzen, auf jene, die Pflichterfüllung als Wert ansehen. Sie haben schon recht, sich aus dem Kreis auszuschließen ist nicht strafbar; Sie bleiben daher unbehelligt.

Re: Re: die schiefe optik ist eine höchst sympathische:

wer ist "wir"?
sollte es sich um menschen handeln, die von anderen mehr erwarten als sie selbst zu leisten bereit/in der lage sein sollten, dann sind das aber recht unsympathische "wir".
und sie haben noch dazu masochistische neigungen: denn die enttäuschung ist bei solch einer einstellung vorprogrammiert.

Gast: GEFE
10.07.2012 07:15
2 0

Eine Panne

Die Parlamentarier im österreichischen Parlament sind als Ganzes eine Panne.
Leider gibt es keine brauchbare Alternative.

so ähnlich ist es in der Diktatuzentrale

in Brüssel auch!Wenig anwesend sein, keinen Plan haben und viel Geld kassieren natürlich fast steuerfrei!

Gast: django
10.07.2012 01:13
0 1

Das Problem verstehe ich nicht.

Das Melderegister ist bei uns öffentlich und muss wie das Grundbuch öffentlich sein.

Ich hatte mal eine Geldforderung gegen einen früheren Arbeitgeber, der ist mehrmals "abgetaucht", ich musste dem Gericht jedesmal die neue Adresse angeben (Gebührenpflichtig Meldeamt) sonst wäre keine Verfolgung möglich gewesen.

Es genügt ja nicht anzugeben, ich habe gegen "Hansi Meier" eine Geldforderung!


Oh, Leute - das war ein böses Eigentor

mit einer Handvoll von parlamentarischen "Würstchen" ein "Gesetz" durchbringen zu wollen ...................

An seine eigene Glaubwürdigkeit, die ohnehin in Zweifel steht, denkt der "gewählte Demokratieclub" wohl gar nicht - dank eigener Überzeugung.

Wie war das doch gleich mit der BESCHLUSSFÄHIGKEIT ------- ach so, der blöde Wähler merkt eh nix ? Dann fällt dieses auf den "Demokratieclub" selbst zurück --- also gebt Euch selber auf !!! Dann fehlt immer noch nichts.

Es war einmal in Amerika...

Auf vergleichbare Weise gelang es einer Handvoll korrupter Senatoren am 23.12.1913 im US-Senat eine Gesetzesänderung durchzubringen, nach der die US-Notenbank FED privatisiert wurde.
Dieser Umstand hat bis zum heutigen Tage Gültigkeit. US-Präsident John F. Kennedy war es, der per Dekret die Notenbank wieder in Staatsbesitz bringen wollte. Er fiel einem Attentat zum Opfer. Interessanterweise bestand einer der ersten Verfügungen seines Nachfolgers, Lyndon B. Johnson, darin, Kennedys Verordnung rückgängig zu machen.
Seither gab es von keinem US-Präsidenten Anstalten, daran etwas zu ändern.

Antworten Gast: guest121
10.07.2012 05:58
0 0

Re: Es war einmal in Amerika...

NEIN, ist nicht dasselbe.
In Deutschland mögen zwar wenige anwesend sein, aber immer im Verhältnis wie sie gwählt wurden. Dadurch wird verhindert, dass eben eine Minderheit, sagen wir mal die Oppositionspartei X überraschend einen Antrag einbringt und die Regierung, un somit die Mehrheit, überstimmt.

Antworten Gast: django
10.07.2012 01:20
0 1

Re: Es war einmal in Amerika...

Bei Wikipedia steht kein Wort von dem was sie da behaupten:

http://de.wikipedia.org/wiki/Federal_Reserve_System

Ja, man hats heute sehr schwer mit dem Gerüchteschmieden, wenn alles so leicht überprüfbar ist.

Oder ändern sie hurtig den Wikipedia Eintrag: Los.

Nächste Woche mach ich eine Kontrolle!

0 1

Schon blöd ...

... man sollte halt lesen was man unterschreibt ...

Dieser Gsetzesentwurf

wurde von Frau Petra Pau ( die Linke früher Mitglied der SED ) vorgebracht!


Antworten Gast: EinGast
09.07.2012 21:36
1 1

Re: Dieser Gsetzesentwurf

Entschuldigung, das ist unrichtig: Frau Pau hatte in dieser Sitzung als Stellvertreterin des Bundestagspräsidenten die Leitung der Sitzung. Die Vorlage kam aus dem Innenausschuss, in dem schon alle Parteien der Opposition, auch die Linke, dagegen gestimmt hatten.

2 0

Re: Re: Dieser Gsetzesentwurf

Wer lesen kann ist einwandfrei im Vorteil!

Dort steht von P.P. v o r g e b r a c h t ! Dies ist keine Wertung zu dem wer den Gesetzentwurf erarbeitet hat. Das er aus dem Innenausschuss kommt war ja im Parlament zu hören!

Die das durchgezogen haben

sollten sofort ihr Mandat verlieren, aus dem Bundestag ausgeschlossen und der StA übergeben werden!

Denn da war Korruption im Spiel!

Antworten Gast: Barbar
09.07.2012 19:33
3 0

Re: Die das durchgezogen haben

Hätte da Ideen, wie man den klammen Kummunen doch noch zu Geld verhelfen kann und die Wirtschaft in den wieder ankurbeln könnte.
Die Innenstädten und insb. leeren Marktplätze könnten mit Hilfe mittelalterlicher Darbietungen der Statuierung von Exempeln (an schädlichen Mandatsträgern) durch die Massen gefüllt werden.
Es werden Bier, Würstchen und Ablasse feil geboten.
Nach jedem Exodus gibt es ein Fass gut gekühltes Freibier und Live-Musik.
(Die Gema-Typen können sich überlegen, ob sie selbst Grund zu Feier werden möchten)
Das dürfte ein langes, gelungenes Fest werden. Und sogar mit Kater ein schöner Morgen.


1 0

Re: Re: Die das durchgezogen haben

Lustiger Vorschlag nur nicht mehr durch führbar!

Gast: porto5
09.07.2012 16:14
4 0

Geschenk für die Werbewirtschaft...

...das die Lobby der Werbewirtschaft zusammen mit einigen gekauften Parlamentariern und Ministerialbeamten so formuliert und zu einem günstigen Zeitpunkt schnell durchs Parlament geschoben hat. So macht man in Deutschland Gesetze.

Re: Geschenk für die Werbewirtschaft...

die Politiker in Deutschland sind dumm und korrupt wie überall anders auch, sonst wäre sowas nicht möglich!
Keine "Änderungen" des Gesetzes sondern Aufhebung ist die einzige Lösung!
Müssen's dann das Schmiergeld zurückzahlen?

4 0

Abstimmung zum Datenhandel

Zitat:
[...]
"Wenn das stimmt, was ich bisher weiß, dann wird Bayern dem nicht zustimmen", sagte der CSU-Vorsitzende und Ministerpräsident Horst Seehofer am Montag. Er könne sich gar nicht vorstellen, wie das Gesetz in der beschlossenen Form im Bundestag zustande kam.
[...]
Nur wenige Abgeordnete saßen im Plenum."

Die Abstimmung fand am 28.06.2012 um 20:51 statt, während das EM-Spiel Deutschland - Italien lief. Da war der Fussball für die Abgeordneten offenbar wichtiger!

Wie ist es überhaupt möglich, dass ein Gesetz verabschiedet wird, wo von 620 Abgeordneten geschätzte 30 Abgeordnete anwesend sind? Ist das überhaupt beschlussfähig gewesen?

Das Video zur Abstimmung ist auf YT zu sehen.
Stichwort: "Fortentwicklung des Meldewesens"

Diese Parlamentarier,

welche das Gesetz verzapft haben, sollten auf ihre Gesinnung durchleuchtet werden. Das sind ja Stasi-Methoden !

2 0

Abstimmung zum Datenhandel

Zitat:
[...]
"Wenn das stimmt, was ich bisher weiß, dann wird Bayern dem nicht zustimmen", sagte der CSU-Vorsitzende und Ministerpräsident Horst Seehofer am Montag. Er könne sich gar nicht vorstellen, wie das Gesetz in der beschlossenen Form im Bundestag zustande kam.
[...]
Nur wenige Abgeordnete saßen im Plenum."

Die Abstimmung fand am 28.06.2012 um 20:51 statt. Das EM-Spiel Deutschland - Italien fand ebenfalls am 28.06.2012 statt und begann um 20:45. Da war der Fussball für die Abgeordneten offenbar wichtiger!

Wie ist es überhaupt möglich, dass ein Gesetz verabschiedet wird, wo von 620 Abgeordneten geschätzte 30 Abgeordnete anwesend sind?

Siehe:
http://www.youtube.com/watch?v=jtJauIV2ff4

 
12

Im Fadenkreuz der Terroristen