Der Siegeszug der Muslimbrüder im Windschatten des Arabischen Frühlings dürfte in Libyen gestoppt werden: Bei der historischen Wahl am Samstag zeichnet sich nämlich ein Erdrutschsieg für die Allianz der Nationalen Kräfte (NFA) des Wirtschaftswissenschaftlers Mahmoud Jibril ab.
Der Leiter der Wahlkommission, Nuri al-Abbar, gab am Montagnachmittag erste Ergebnisse bekannt, demnach habe die Allianz in einigen Städten und Bezirken mit großem Vorsprung gesiegt. In Janzour erhielt sie mehr als zehnmal so viele Stimmen wie die zweitplatzierte Partei der Muslimbrüder. In Slitan ließen sie die Islamisten ebenfalls weit hinter sich.
Bis zu 80 Prozent für Jibrils Allianz in Tripolis?
Wie der „Guardian" berichtet, soll Jibril nach ersten Umfragen auch bis zu 80 Prozent der Stimmen in der Hauptstadt Tripolis erhalten haben und 60 Prozent in der östlichen Stadt Bengasi. Auch die von Muslimbrüdern gegründete Partei für Gerechtigkeit und Aufbau räumte bereits ein, dass die NFA in den beiden Städten deutlich in Führung liege.
Die NFA von Jibril, dem ehemaligen Chef des Übergangsrats, ist ein Bündnis aus 58 Parteien. Obwohl Jibril als moderat gilt, weist er ausdrücklich auf "die Bedeutung des Islams im politischen Leben hin". In der Wirtschaft setzt sich die NFA für eine Abkehr vom bisherigen staatlichen Dirigismus ein und fordert eine Dezentralisierung sowie umfassende Privatisierungen in allen Branchen. Durch ausländische Investitionen sollten neben dem Ausbau der Infrastruktur auch Bildung und Ausbildung der Jugend vorangebracht werden.
Jibril war Wirtschaftswissenschaftler in den USA, vor einigen Jahren kehrte in sein Heimatland zurück, um die Privatisierung der Wirtschaft voranzutreiben. Als der Aufstand gegen das Regime losging, schloss er sich rasch den Rebellen an.
Bis zu 80 Prozent in Tripolis
Obwohl Jibril als moderat gilt, weist er ausdrücklich auf "die Bedeutung des Islams im politischen Leben hin." In der Wirtschaft setzt sich die NFA für eine Abkehr vom bisherigen staatlichen Dirigismus ein und fordert eine Dezentralisierung sowie umfassende Privatisierungen in allen Branchen. Durch ausländische Investitionen sollten neben dem Ausbau der Infrastruktur auch Bildung und Ausbildung der Jugend vorangebracht werden.
"Libyen ist der wahre Sieger!"
Nach der Wahl rief Jibril die politischen Kräfte zur Einheit auf. "Wer immer gewinnt, Libyen ist der wahre Sieger dieser Wahl!", sagte Jibril. Er will seine Allianz aber nicht als liberal verstanden wissen: "Einige Medien haben berichtet, dass die Allianz liberal ist - das stimmt nicht. Sie besteht aus verschiedenen politischen Formationen."
Der Sieg der Allianz kommt einigermaßen überraschend: Nach dem Umsturz im Gefolge des Arabischen Frühlings hatten sich bei den Wahlen in Tunis und Kairo die Muslibrüder oder Ableger-Parteien durchgesetzt. Nun sieht es so, als würde dieser Siegeszug gestoppt werden.
Für den Ablauf der Wahl gab es viel Lob vom Westen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon etwa bezeichnete die Wahl als "gut organisiert und transparent".
(Red.)
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