Syrische Regierungstruppen sollen nach Angaben von Aktivisten in dem Dorf Tremseh in der Provinz Hama ein Massaker verübt haben. "Mehr als 220 Menschen wurden getötet und rund 300 weitere verletzt", sagte Abu Omar, der örtliche Kommandeur der oppositionellen Freien Syrischen Armee, der Nachrichtenagentur dpa in der Nacht zum Freitag. Bei den Opfern handle es sich vor allem um Frauen und Kinder. Das syrische Fernsehen machte dagegen "terroristische Gruppen" für das Massaker verantwortlich. Auch drei Angehörige der Sicherheitskräfte seien ums Leben gekommen.
Die Angaben schwankten am Freitagvormittag zwischen 220 und 250 Todesopfern. Der Chef der in London ansässigen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte, sollte sich die Opferzahl bestätigen, wäre Tremseh das schlimmste Massaker seit dem Beginn des Aufstands in Syrien im März 2011. Der Rebellenführer Abu Mohammed sagte, ein Dorfbewohner habe ihm am Telefon berichtet, dass Tremseh zehn Stunden lang beschossen worden sei.
"Ganze Familien wurden getötet"
Ein Aktivist in Hama sagte, die Truppen hätten eine Moschee beschossen, in der zahlreiche Menschen Zuflucht gesucht hätten. Die Moschee sei eingestürzt und habe die Menschen unter sich begraben. "Etwa 30 Armeefahrzeuge kamen und umstellten das Dorf vollständig", sagte ein Aktivist aus Tremseh. "Wer durch die Felder zu entkommen versucht, wurde beschossen." Nach den Angriffen mit Hubschraubern und Panzern seien Soldaten mit leichten Waffen in das Dorf eingedrungen, gefolgt von "mit Messern bewaffneten" Shabiha-Milizionären. "Ganze Familien wurden getötet".
--> Umfrage: Sollte die internationale Gemeinschaft militärisch eingreifen?
Der Chef des oppositionellen Syrischen Nationalrats, Abdel Basset Sayda, sprach am Freitag von einem "Massaker". "Das ist eine Schande für den UN-Sicherheitsrat und die Arabische Liga." Sayda forderte eine Resolution unter Kapitel VII der UN-Charta, die "alle Optionen auf den Tisch bringt", darunter auch den Einsatz von Gewalt. "Dieses syrische Regime versteht nur die Sprache der Gewalt", sagte er dem Fernsehsender al-Jazeera.
Muslimbrüder: Assad und Annan mitschuldig
Die syrischen Muslimbrüder haben den internationalen Vermittler Kofi Annan ebenso wie den Iran und Russland für das neue Massaker mitverantwortlich gemacht. Annan, der als Syrien-Sondergesandter der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga fungiert, sei durch seine Passivität für das von dem "Monster Bashar al-Assad" angerichtete Blutbad mitverantwortlich, hieß es in einer Erklärung am Freitag.
Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" vom Freitag hat das Assad-Regime damit begonnen, Chemiewaffen aus den Lagern zu holen. Die US-Regierung sei deswegen alarmiert. Unklar sei, ob die Waffen vor Aufständischen in Sicherheit gebracht oder einsatzbereit gemacht werden, womöglich auch nur als Drohgebärde, zitiert das Blatt Regierungsvertreter in Washington. Syrien besitze größere Mengen des Nervenkampfstoffes Sarin und Senfgas. Bei einem Zusammenbruch des Regimes plane Washington, dass Spezialeinheiten aus dem Nachbarland Jordanien die syrischen Chemiewaffenlager sichern, berichtete die Zeitung.
In Syrien tobt seit März 2011 ein Volksaufstand gegen die Herrschaft von Assad. Nach Angaben der oppositionellen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seitdem mehr als 17.000 Menschen getötet, darunter etwa 12.000 Zivilisten.
Russland: Resolutionsentwurf "inakzeptabel"
Russland bezeichnete unterdessen einen vom Westen eingebrachten Resolutionsentwurf zu Syrien als "inakzeptabel" und drohte mit seinem Veto im UN-Sicherheitsrat. "Insgesamt ist dieses Projekt nicht ausgeglichen", da allein die syrische Regierung Pflichten auferlegt bekomme, sagte der russische Vize-Außenminister Gennadi Gatilow laut der Agentur Interfax am Freitag. Russland ist ein enger Verbündeter der Regierung von Syriens Präsident Bashar al-Assad.
Zuvor hatten die Botschafter der fünf UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien) in New York erstmals über den Text beraten, der von den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland eingebracht worden war. Er setzt Damaskus eine zehntägige Frist zum Rückzug der Truppen aus den Städten und droht andernfalls mit der Verhängung von Wirtschaftssanktionen. Zudem verlängert er das Mandat der UN-Beobachtermission in Syrien um 45 Tage.
(APA/AFP/dpa/Reuters)





Welt des TerrorsWo die Gefahr am größten ist
Politik skurrilLieß Putin Superbowl-Ring mitgehen?
Zitate der Woche''Weniger grillen und chillen''
Politik per Photoshop Wenn Bilder lügen