Rom/Wien/Basta. Vier Kilo weniger, braungebrannt, durchtrainiert: Der 75-jährige Cavaliere ist in Topform – und startbereit für sein politisches Comeback. „Silvio Berlusconi ist der Kandidat für den Ministerpräsidenten“, ließ er Donnerstagabend von den Getreuen seiner Mitte-Rechts-Partei „Volk der Freiheit“ verkünden. Bereits seit Tagen hatte der Medienmagnat und dreimalige Ex-Premier über Zeitungen Gerüchte streuen lassen, dass er bei der Parlamentswahl im kommenden Frühling wieder kandidieren werde.
Ganz nach gewohnter Manier machte der mehrmalige Premier dabei deutlich, dass seine Rückkehr in die politische Arena ein persönliches Opfer sei: „Ich wollte ja nicht, die anderen haben mich dazu gedrängt.“ Tatsächlich hatten jüngste Umfragen seiner Partei magere zehn Prozent prognostiziert, mit dem populistischen Multimilliardär an der Spitze könnte das „Volk der Freiheit“ auf bis zu 30 Prozent kommen, berechnen Demoskopen. In den letzten Monaten hatte Berlusconis Partei eher ein Schattendasein geführt: Eigene Programme stellte sie nicht vor, sondern segnete lediglich Montis Sparpläne ab. Bei den Regionalwahlen im Frühling stürzte das „Volk der Freiheit“ auf ein Rekordtief ab.
Patriotischer Adler und neuer Parteiname
Und so macht sich der Multimilliardär gleich an die Arbeit: Den Sommer will der Werbefachmann dazu nützen, das Image der Partei aufzupolieren: Der alte Name (Forza Italia) soll wieder her. Auch ein neues Logo (ein Adler) sei geplant. „Die Italiener werden wieder an die Zukunft glauben!“, verspricht er goldene Zeiten. Freilich will er Italien aus der Krise führen. Seine Antwort auf die wirtschaftlichen Mammut-Herausforderungen seines tief verschuldeten Landes: „Keine Steuern für Familien und Unternehmen.“ Immerhin kündigte er an, die Reformanstrengungen der technokratischen Übergangsregierung von Mario Monti unterstützen zu wollen. „Wir werden Monti nicht attackieren. Er soll wie geplant bis 2013 im Amt bleiben.“
Über die wahren Gründe seiner Rückkehr kann indes nur spekuliert werden: Manche meinen, er wolle damit von seinen Prozessen (Korruption und Förderung der Prostitution Minderjähriger) ablenken und hoffe auf erneute Immunität. Die Tageszeitung „La Stampa“ glaubt, Berlusconi sei von einem Euroaustritt Italiens überzeugt und ebne seine Machtbasis für die Post-Euro-Ära. Andere Beobachter hingegen führen sein Comeback auf Berlusconis krankhaften Narzissmus zurück.
Zunichte machte er jedenfalls die Bemühungen seines smarten Nachfolgers, des 41-jährigen Angelino Alfano, die „Volk der Freiheit“ in eine „normale“ rechtsliberale Partei zu verwandeln. Populistische Entgleisungen werden wohl wieder an der Tagesordnung stehen. Bereits während seiner politischen Pause hat Berlusconi auf sich aufmerksam gemacht: So forderte er, Italien oder Deutschland solle die Eurozone verlassen. Oder Italien solle als Antwort auf die Krise einfach wieder sein eigenes Geld drucken. Für Italien, das von internationalen Märkten genau beobachtet wird, können solche Aussagen desaströse Auswirkungen auf die Zinsen seiner Anleihen haben.
Bunga-Bunga-Organisatorin gefeuert
Derzeit gibt sich Berlusconi jedenfalls betont moderat. Er versucht, wieder an Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Ein Signal dafür: Er forderte die Absetzung der schillernden Nicole Minetti als Abgeordnete im Regionalparlament der Lombardei. Die Mundhygienikerin war Berlusconis besondere Freundin: Sie hatte die jungen Frauen für die berüchtigten Bunga-Bunga-Partys „organisiert“. Die linke Opposition nennt Berlusconis Rückkehr freilich eine „Zeitbombe“, die frühzeitig das Ende von Montis Regierung bewirken werde. „Berlusconis Zeit ist vorbei. Die Italiener glauben nicht mehr an Wunder“, ist Gianfranco Fini, Ex-Koalitionspartner und heutiger Erzfeind, überzeugt.
Silvio Berlusconi (75) war 1994–96, 2001–06 und noch einmal 2008 bis zum November 2011 Italiens Premier. Seine Regierung schaffte es nicht, die Staatsschulden in den Griff zu bekommen, und so trat Berlusconi, der seit 2010 über keine stabile Mehrheit mehr verfügte, zurück. Gegen den Mailänder Medienmogul waren und sind mehrere Korruptionsverfahren anhängig, bisher konnte er seinen Kopf immer aus der Schlinge ziehen. Nun kündigte er sein Comeback an.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2012)
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