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Athener Regierung versäumt zwei Drittel ihrer Sparvorgaben

13.07.2012 | 18:33 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Zäh ist der Reformstau, doch es gibt Grund zur Hoffnung: „Fluchtkapital“ kehrt zurück, und Sozialbetrügern geht es an den Kragen.

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Brüssel. Ernüchternd fällt ein Zwischenbericht über die griechischen Sparmaßnahmen und Staatsreformen aus: 210 von rund 300 versprochenen Zielen haben die wechselnden Athener Regierungen nicht erreicht, berichtete die Tageszeitung „Rheinische Post“ am Freitag unter Berufung auf deutsche Regierungsquellen. So wurden heuer zum Beispiel nur zwei Privatisierungen abgeschlossen, die dem klammen griechischen Staatshaushalt nur einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag einbrachten. Ein Sprecher des Internationalen Währungsfonds (IWF) bestätigte diesen Zwischenbefund der Troika, einem Gremium von Prüfern des IWF, der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank.

Zu viele Entscheidungen blieben zwischen verschiedenen Behörden stecken, kritisierte Regionalkommissar Johannes Hahn nach einem Besuch in Athen. Von 181 EU-Förderprojekten über insgesamt 11,5 Milliarden Euro seien nur 15 fertig, 100 auf einem guten Weg, beim Rest müsse Athen „Druck machen“, sagte er.

Politische Stabilität entscheidend

Wirklich überraschend ist dieses Zwischenergebnis nicht. Denn die meiste Zeit hat sich Griechenland heuer in einem ziemlich erbitterten, monatelangen Wahlkampf befunden. Erst seit 20.Juni, also seit rund drei Wochen, gibt es in Athen wieder eine Regierung.

Und auch wenn man das Kabinett unter dem konservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras nach seinen Taten beurteilen muss, muss man zumindest eines feststellen: Die Kapitalflucht der Griechen ist gestoppt. Zwischen acht und zehn Milliarden Euro an Einlagen seien seit dem 20.Juni wieder zurück auf die Konten bei griechischen Banken geflossen, berichtet die Tageszeitung „Kathimerini“. Damit sind die Abflüsse des Monats Mai kompensiert. Damals hatten Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion einen wahrhaften „Bank Run“ ausgelöst.

Unumschränkt positiv ist diese Nachricht aus der Bankenwelt aber nicht. „Kathimerini“ berichtet nämlich auch, dass multinationale Unternehmen ihre Bargeldbestände in Griechenland auf das unbedingt Notwendige reduzieren. Zu groß ist noch immer das Misstrauen der ausländischen Investoren vor dem wahren Reformwillen der Regierung unter Samaras.

 

Suche nach 11,5 Milliarden Euro

Und so berief Finanzminister Yannis Stournaras am Donnerstag seine Kabinettskollegen zu sich, um nach mindestens 11,5 Milliarden Euro an weiteren Einsparungen für die Jahre 2013 und 2014 zu suchen. 7,5 Milliarden Euro dürften aus dem Budget der Zentralregierung kommen, die Kürzung von Sozialleistungen könnte drei Milliarden Euro bringen, schreibt „Kathimerini“ mit Berufung auf Regierungsquellen. Allein die Kürzung aller Pensionen über 1500 Euro pro Monat um zehn Prozent könnte 600 Millionen Euro bringen.

 

„Blinden-Insel“ Chios in Visier

Auch der Kampf gegen Abgaben- und Sozialbetrug nimmt Fahrt auf. Der Chef der Sozialversicherungsanstalt IKA kündigte am Donnerstag die Entsendung von Inspektoren auf die Insel Chios im Dodekanes an. Auf dem kleinen Eiland beziehen rätselhafterweise hunderte Bürger Sonderbeihilfen für Blinde. „Wir prüfen 364 Fälle auf Chios“, sagte der Behördenleiter.

Auf einen Blick

Die Troika – eine Gruppe von Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF), der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank – prüft ab 24. Juli wieder in Athen die Lage des griechischen Staatswesens. Nach dem Sommer wird sie einen Bericht vorlegen, auf Basis dessen IWF und Euroländer die Bedingungen des zweiten, rund 130 Mrd. Euro umfassenden Kreditprogramms festlegen werden.

Zwei Drittel der Sparvorgaben haben die wechselnden Athener Regierungen bisher laut einem Zwischenbericht der Troika nicht erfüllt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2012)

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21 Kommentare
Gast: Der Bremer
17.07.2012 16:42
1 0

Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Faymann, sehr geehrter Herr Hollande,

was brauchen Sie noch für Argumente, damit Sie endlich einsehen, dass Griechenland nicht zu retten ist? Bitte erklären Sie uns allen, weshalb Sie an Griechenland festhalten wollen. Und dann erklären Sie uns allen bitte, weshalb Sie an den Euro festhalten wollen? Ihr teilweise religiöser Fanatismus am Festhalten des Euros, Ihre Gleichgültigkeit gegenüber anderen Problemlösungen und Ihre Mutlosigkeit, neue Perspektiven in der Eurokrise den Bürgern aufzuzeigen machen die Bürger sprachlos und lassen sie resignieren. Ich frage mich jeden Tag aufs Neue, wo wir mittlerweile hingekommen sind. Zu DM-Zeiten wurden keine "Rettungspakete" geschnürt und "Sparmaßnahmen" anderen Staaten aufdiktiert. Erpressung hat es auch schon damals gegeben (Frankreichs Zustimmung zur Wiedervereinigung Deutschlands - kein Glanzstück französischer Politik). Es wäre ein Unding gewesen, zu den damaligen Zeiten derart undemokratisch zu regieren, eine Hinterzimmer-Politik zu betreiben und dabei das Parlament vom Entscheidungsprozess auszuschließen. Peinlich für die Politik im Allgemeinen, weshalb so häufig das BVerfG angerufen werden muss und das BVerfG immer wieder die Rechte des Parlaments stärken muss.

Wie können speziell Sie, Frau Merkel, so weitermachen wie bisher, wenn doch nach aktuellen Umfragen mittlerweile 58% der Deutschen für eine Wiedereinführung der DM sind? Jeder zusätzliche Tag mit dem Euro ist für mich unerträglich.

Sozialbetrüger geht es an den Kragen...

Dann werden Tote wohl auf dem Friedhof bleiben, da sie keine Rente mehr bekommen, und es gibt dann sicher keine Schwerbehinderte keine Rente mehr, für blinde Taxifahrer und amputierte Bauarbeiter ? Da werden dann schon milliarden gespart !

Gast: ♫....EU-Fan....♫
15.07.2012 15:22
0 0

Da stimme ich sogleich „Freude schöner Götterfunken an“

Ihr Griechen müsst euch ein bisschen bemühen, dann schafft ihr das schon und werdet danach dank Euro stärker sein als je zuvor.

war es anders zu erwarten??


Gast: efgh 5678
14.07.2012 18:33
0 0

Ausblick

Sigmar Gabriel wird Bundeskanzler. Schon wenige Monate später, auf dem EU-Gipfel im Dezember 2013, erfolgt die kollektive Zustimmung zu Euro-Bonds. Der Aktienmarkt explodiert förmlich, die Zinsen fallen, und Gold steigt rapide.

Die City of London und die Wall Street sehen sich als große Gewinner, da ihre Banken gerettet wurden und weder Großbritannien noch die USA in Haftung treten zu müssen. Den Rest erledigt die Inflation.

http://www.welt.de/finanzen/article108285556/So-gefaehrlich-kann-der-ESM-fuer-Deutschland-werden.html

1 0

Wieviel...

... Inseln in Griechenland kämpfen um den fraglichen Ruf "Insel der Blinden"? Vor einigen Monaten las ich an dieser Stelle einen ähnlichen Bericht über Zakyntos. Jetzt ist Chios dran, und welche Insel morgen?

Gast: joseph
14.07.2012 13:46
0 0

"GR"

langsam aber sehr sicher wurden die mit "GR" beginnenden worte unertraeglich.

fuer den einen einsperren und die anderen rauswerfen.

Antworten Gast: G. D.
15.07.2012 15:51
0 0

Re: "GR"

Warum?

Gast: gast:1
14.07.2012 13:26
4 0

Tja,...

Das mit dem Euro war eine ganz dumme Idee...

Re: Das mit dem Euro war eine ganz dumme Idee...

Stimmt so nicht. Die dumme Idee war, klare, finanzielle Regeln für den EURO durch kurzsichtige, politische Entscheidungen zu ersetzen.

Die negativen Ergebnisse von politischen Entscheidungen in wirtschaftlichen und finanziellen Dingen gehen hier jedoch leider weit über die bisher bekannten Volumen, wie z.B. bei der Führung verlustbringender Staatsbetriebe, hinaus. An das finale Ergebnis mag man gar nicht denken.

Aber auch für Politiker gilt offensichtlich, dass denen das Hemd (Macht) näher als der Rock (Bürger) ist.

Gast: Get
14.07.2012 08:26
4 2

Is eh wurscht

Unsere korrupte Politmafia zwingt uns eh zum zahlen.

11 0

Zeigt den Griechen endlich die rote Karte!

Der Griechische Staat ist insolvent UND unfähig und korrupt. Die griechische politische Klasse, ob rechts oder links oder wo immer ist von verbrecherischer Ignoranz und Frechheit. UNSEREN MINISTERN INS STAMMBUCH: ES REICHT. Wenn ihr jetzt nicht reagiert bleibt nichts übrig als Strache zu wählen, auch wenn man dabei kotzen muß.

Ja!

Und denen sollen wir (jeder Bürger >250.000,- Besitz) jetzt lt. Cap Geld "Fairnessanleihen" geben. Das wird sicher ein "gutes Geschäft" (lt. Fekter).

Gast: jetzhammas
14.07.2012 08:06
12 1

eh kloar

eine grosse überraschung ist das nicht !

dass griechenland die sparvorgaben nicht erfüllen wird, war auch allen verantwortlichen politikern von vornherein klar gewesen sein. nur münchhausen konnte vermuten, dass sich griechenland am eigenen schöpf aus dem morast ziehen wird.
das ist die wahre chuzpe.
die politik wusste um diese unfähigkeit und pumpte dennoch geld nach griechenland , bloss um deutsche u französische banken zu retten, was aber nicht gelingen kann, da griechenland bis in die nächste eiszeit illiquide bleiben wird.

lol

war das jetzt ueberraschend?

wirklich ueberraschend wirds, wenn die masse draufkommt, dass eine auzahlung des am bankkonto vorhandenen gelds nicht moeglich ist

Wie genial.

Und wie einfach im täglichen Leben anwendbar. Ich "versäume" einige Monate die Überweisung der Kreditraten und warte gemütlich auf den Geldbriefträger, der mir darob einige Millionen meiner Bank bringt.

10 0

Eigentlich

sollten wir auf die Straße gehen. Unsre Banken haben genug Vermögen das Sie verkaufen können, um Ihre Spekulationen mit griechischen Staatsableihen abzudecken.

4 0

Re: Eigentlich

So ist es, Raiffeisen alleine besitzt doch beinahe 1 Million Immobilien

12 0

die heilige dreifaltigkeit des prof. friedmann

1) privatisieren 2) preise deregulieren und 3) staatliche unterstützungen auf 0,- zurückrudern. funktioniert seit den 1970 er Jahren in jeder Krise: Chile, Argentinien, Indonesien, Polen usw usf.

danach ist das land zwar nicht wiederzuerkennen und die paar toten auf dem weg zum wirtschaftlichen aufschwung ca 10 jahre später vermag die geschichte auch jedesmal hervorragend unter den teppich zu kehren, aber bitte: offenbar ist der mensch als solches wirklich zu deppert, um aus der geschichte zu lernen.

Antworten Gast: morgen2013
14.07.2012 19:38
0 0

Re: die heilige dreifaltigkeit des prof. friedmann

ja uns Sie glauben noch immer an die unsichtbare Hand, die alles richtet und den Nikolo...

Gast: 1. Parteiloser
13.07.2012 19:17
10 0

90 Erfolge beim einnahmenseitigen Sparen, 210 Mal beim realen Sparen gescheitert?

Bei den Staatseinnahmen wurden sehr gute Erfolge erzielt, schon 2011 ist die Abgabenquote auf 40% gestiegen. Das werden wohl die 90 vereinbarten Punkte zum Sparen gewesen sein. Eigentlich hätte GR schon 2011 ausreichende Staatseinnahmen haben müssen wie der Vergleich zu den Staatseinnahmen pro Einwohner (USD) zeigt:

1) Griechenland:...12.027.-
2) Slowenien:.......10.671.-
3) Ungarn:............7.434.-
4) Kroatien:...........6.406.-
5) Slowakei:..........5.932.-
6) Tschechien:.......5.173.-
7) Polen:...............2.401.-

Das Problem kann also nicht bei fehlenden Staatseinnahmen liegen, die Griechische Regierung ist um Vergleich zu anderen Ländern sehr gut versorgt. Das Problem muss alleine bei den Staatsausgaben liegen, die 210 nicht erfüllten Punkte werden wohl auch vorwiegend diese Bereiche betreffen.

Griechenland hat aber riesige geschützte Bereiche mit einer großen Massen an Beschäftigungsverhältnissen, welche kaum eine Leistung zur Versorgung der Gesellschaft erbringen. Es sind geschützte Bereiche, wo es Millionen an Menschen gibt, welche traditionell von den Leistungen der Anderen sehr gut leben und das auch schon gewöhnt sind. Vermutlich ist auch die Korruption, vor allem im Dunstkreis der Parteien und Beamten noch immer ein heftiges Problem. Ich meine, dass diese grausigen Typen schnell noch mal maximal Abkassieren.

Diese Planwirtschaft hat schon abgewirtschaftet, der Rest der Eurostaaten wird später folgen!