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Israel: Selbstverbrennung am Jahrestag

15.07.2012 | 18:23 |  Von unserer Korrespondentin SUSANNE KNAUL (Die Presse)

Es sollte ein feierlicher Einstieg ins zweite Jahr von Israels Sozialbewegung werden und endete in einer Katastrophe. In Tel Aviv übergoss sich ein Demonstrant mit Benzin und zündete sich an.

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Jerusalem. Seit Samstagabend kämpft der 58-jährige Mosche Silman aus Haifa ums Überleben. Aus Verzweiflung über seine finanzielle Notlage goss er sich Benzin über die Kleidung und steckte sich selbst in Brand. Demonstranten in Tel Aviv, die Seite an Seite mit ihm den ersten Geburtstag von Israels Protestbewegung begehen wollten, löschten das Feuer mit Wasser und Kleidungsstücken.

Ende Juli vergangenen Jahres war die Filmstudentin Dafni Lief mit ihrem Zelt in den Tel Aviver Rotschildboulevard gezogen, um gegen eine dramatische Mieterhöhung zu protestieren. Innerhalb von Tagen wurde aus dem einen Zelt eine ganz Stadt mit Hunderten von Zelten. Mit dem Slogan „Das Volk fordert soziale Gerechtigkeit“ zogen schließlich fast eine halbe Million Menschen auf die Straße und protestierten gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Viel erreicht haben sie bis heute nicht. Übrig blieben nur die Zelte derer, die nicht wussten wohin: die ganz Armen des Landes.

 

„Der Staat hat mich beraubt“

„Der Staat hat mich beraubt und mittellos zurückgelassen“, stand auf den Flugblättern, die Mosche Silman vor seiner Selbstverbrennung unter den Demonstranten verteilt hatte. Sein sozialer Abstieg begann vor zwölf Jahren. Damals war er noch Chef eines Zulieferungsunternehmens. Dann jedoch machte ihm das Finanzamt Probleme. Eine Steuerschuld von zunächst umgerechnet nur etwa 3000 Euro wuchs über Zahlungsversäumnisse und Strafgebühren zu nicht mehr tragbaren Summen an.

Die Behörden konfiszierten das Unternehmen, und Silman musste sich fortan als Taxifahrer seinen Lebensunterhalt verdienen, bis ihn ein Hirnschlag traf. Seither ist er amtlich bescheinigt arbeitsunfähig und lebt von umgerechnet weniger als 500 Euro im Monat. Mehrere Anträge auf Wohnungsbeihilfe wurden abgelehnt, vor einem Jahr schloss er sich der Sozialbewegung an. In diesen Tagen stand er unmittelbar vor dem Rauswurf aus seiner Wohnung. „Den Armen wird genommen“, schrieb er auf seine Pamphlete, „um es den Reichen und den Beamten zu geben“.

Premier Benjamin Netanjahu, den Silman auf seinem Flugblatt beschimpft, sprach zu Beginn der sonntäglichen Regierungssitzung von einer „großen, persönlichen Tragödie“. Silmans Fall soll nun von den Behörden geprüft werden. Oppositionsführerin Scheli Jechimowitsch verurteilte die Verschärfung der Bedingungen, „um öffentlichen Wohnraum beanspruchen zu können“. Am gestrigen Sonntag zogen noch ein paar Dutzend Demonstranten aus Solidarität mit Silman vor das Wohnungsministerium in Haifa. Mit nur rund 10.000 Demonstranten am Samstag in Tel Aviv blieb die Jubiläumsveranstaltung jedoch hinter den Erwartungen der Aktivisten zurück.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2012)

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11 Kommentare
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Das wird Netanjahu nicht weiter interessieren.

Der wird sich sagen:
So schlecht kann es ihm nicht gegangen sein,
schließlich konnte er sich dieser Tage noch Treibstoff leisten.

Er hat ja auch wirklich wichtigeres zu tun
als sich um die lächerlichen Belange der Bürger zu lümmern.

Für die ist schlicht und einfach kein Geld da.

Krieg spielen ist teuer,
selbst wenn man die Waffen geschenkt bekommt.

Zum Gedenken an den Offizier Mosche Silman

Eine Gesellschaft, in dem sich gesunde Menschen, stumm und aussichtslos fühlend, durch Selbstentzündung ums Leben bringen, hat vermutlich die Fähigkeit zum Sehen und Hören verloren.
So schrieb Mosche Silman seinen Schmerz und seine Verzweiflung nieder und verteilte die Botschaft – gleichsam als Ersatz für laute Klagen - noch selbst, bevor er ging.
Sein Schicksal noch einmal ins Licht der breiten Wahrnehmung zu bringen und seine Empörung in die Seele all jener zu meißeln, die mit ihm fühlen, ist ihm an mir gelungen.

vielleicht

ein Bild dessen, was bei uns auch noch kommen wird? Wohnen ist mittlerweile sehr teuer geworden. Wer weiß, wo das noch enden wird?

Weniger Schuhe kaufen, Urlaube buchen und Lachs essen,...

...dann müssten Sie nicht zur Miete wohnen.

Nachsatz: Ihr Vermieter ist bestimmt froh, eine Perle wie Sie sein Eigen zu nennen. ;-)

Re: vielleicht

so ist es. aber unsere Politiker juckt das nicht: heinzi Fischer, busek, Streicher, neisser, cap USW. wohnen in herrlichen Altbauwohnungen mit Friedenskronenmietzins, obwohl sie sich mit unseren Steuereinnahmengehaeltern lockerst eine marktgerechte Mietwohnung leisten könnten. so sieht die politische Anständigkeit in Österreich aus - ekelhaft.


Gast: b754
15.07.2012 19:25
5 3

jetzt muss netanjahu einen krieg anfangen um abzulenken


Antworten Gast: gutmiene
16.07.2012 12:34
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Re: jetzt muss netanjahu einen krieg anfangen um abzulenken

jup, oder die palis wieder bombardieren...
ablenkung wir der auf jeden fall brauchen.

Antworten Gast: gutmiene
15.07.2012 22:45
2 0

Re: jetzt muss netanjahu einen krieg anfangen um abzulenken

zuerst denken und dann schreiben!!!!

Re: Re: jetzt muss netanjahu einen krieg anfangen um abzulenken

das kann der nicht.
selbst, wenn ein artikel uber israelische numismatik im 8. jhvor chr erscheint, muss er gegen israel posten;-))))

Antworten Gast: globetrotterneu
15.07.2012 22:11
2 0

erspar uns deinen braunen müll!


Antworten Antworten Gast: Domitian
16.07.2012 11:48
0 0

Re: erspar uns deinen braunen müll!

Klar, anderen die Meinung verbieten ist auch ein Zeichen von Antifaschismus.