Afghanistan: "Hier herrscht Krieg gegen Frauen"

15.07.2012 | 18:23 |  SIOBHÁN GEETS (Die Presse)

Die Situation für die weibliche Bevölkerung verschlimmert sich zusehends. Nicht nur die islamistische Taliban-Bewegung, sondern auch der Staat missachtet ihre Rechte.

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Es sind Bilder, die an die Zeit der Taliban-Herrschaft in Afghanistan erinnern: Eine mit einer Burka verhüllte Frau kauert auf dem staubigen Boden, hinter ihr steht ein Mann mit einer Automatikwaffe, er eröffnet das Feuer, schießt weiter, als sie schon reglos daliegt. Im Hintergrund haben sich etwa 150 Dorfbewohner versammelt, sie klatschen und jubeln, einer sagt: „Es ist Allahs Befehl, dass sie hingerichtet wird.“ Der Mord, er geschah Anfang Juli, wurde gefilmt. Der Vorwurf: Die mit einem Taliban-Kämpfer verheiratete 22-Jährige soll eine Affäre mit einem anderen Taliban gehabt haben. Nach der Hinrichtung der mutmaßlichen „Ehebrecherin“ behauptete die Provinzregierung, das Dorf – nur eine Autostunde von Kabul entfernt – wäre zum Tatzeitpunkt unter Kontrolle der Taliban gestanden. Doch diese bestritten, in die Tat verwickelt zu sein.

„Die Hinrichtung war ein symbolischer Akt der Verachtung der Frau und der westlichen Staatengemeinschaft“, sagt Edit Schlaffer, Gründerin und Direktorin der Organisation „Frauen ohne Grenzen“. Die Hinrichtung fand nur wenige Tage vor dem Auftakt einer Afghanistan-Konferenz in Tokio statt. Kurz nachdem die Gebernationen verkündet hatten, Afghanistan bis 2015 mit mehr als 16 Milliarden Dollar zu unterstützen, tauchte im Internet das Video von der Hinrichtung auf.

 

Taliban verbrennen Schulen

„Die Situation der Frauen im Land hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verschlimmert“, sagt Schlaffer. Von Frauenrechtsgruppen wie der Revolutionary Association of the Women of Afghanistan (Rawa), die selbst unter der Taliban-Herrschaft im Untergrund aktiv waren, sei heute wenig übrig. „Die Frauen haben Angst, sie sind sehr vorsichtig geworden.“ Wo sich die Aktivistinnen gerade aufhalten, weiß Schlaffer nicht, sie hat den Kontakt verloren.

Auch heute noch verbrennen die Taliban Schulen, in denen Mädchen unterrichtet werden. Nach wie vor wird mit kleinen Mädchen gehandelt, sie werden gezwungen, viel ältere Männer zu heiraten. „Unter den Russen war die Situation für Frauen nicht viel schlechter als heute, zumindest war die Schulbildung für Mädchen obligatorisch“, sagt Schlaffer. In den urbanen Zentren werden zwar auch Mädchen ausgebildet, auf dem Land dürfte es aber anders aussehen: „Wir wissen es nicht, es gibt keine Statistiken.“ Solange Frauen gezwungen werden, ihre Vergewaltiger zu heiraten, könne man ohnehin nicht davon sprechen, dass Bildung der Schlüssel zur Selbstermächtigung sei.

 

Gleichbehandlung nur auf Papier

Nach dem Sturz der Taliban 2001 sei es zu einem hoffnungsvollen Aufschwung gekommen, sagt Schlaffer, „aber jetzt ist das Land zu einem Spielfeld für internationale Interessen geworden“. Durch Korruption und Fehlplanung sei die Glaubwürdigkeit der Politik verloren gegangen. Man habe sich darauf konzentriert, die Taliban militärisch zu besiegen, anstatt die Zivilgesellschaft aufzubauen und Frauenrechte zu stärken. Zwar ist die Gleichbehandlung in der Verfassung Afghanistans verankert, aber „nur auf dem Papier, um dem Westen zu gefallen“, sagt Schlaffer.

In der Realität schützt das Recht den Stärkeren. Um etwa einen Ehebruch zu beweisen, benötigt man vier Zeugen, diese könnten aber nur Männer mobilisieren. Frauen, die sich auf der Flucht vor häuslicher Gewalt an die Polizei wenden, werde geraten, besser zu schweigen. „In Afghanistan“, sagt Schlaffer „herrscht ein Krieg gegen Frauen.“

Der Mord an der Frau zu Monatsbeginn war kein Einzelfall, immer wieder kommt es zu öffentlichen Übergriffen. Viele blicken einem Abzug der internationalen Truppen mit Angst entgegen, weil sie fürchten, dass die Weltöffentlichkeit Afghanistan dann aus den Augen verliert. „Die Regierung ist sehr schwach, Präsident Hamid Karzai hat überhaupt keine Macht jenseits von Kabul“, sagt Schlaffer. Und die Taliban sind immer noch mächtig. „Sie sind umschmeichelte Verhandlungspartner. In einem politischen Deal gibt es keinen Weg um sie herum.“

 

60 Mrd. Dollar an Hilfsgeldern

Seit der Militärintervention zum Sturz der Taliban unter Führung der USA Ende 2001 sind geschätzte 47 bis 60Milliarden Dollar an Hilfsgeldern nach Afghanistan geflossen. „Wenn man schon interveniert“, kritisiert Schlaffer, „dann sollte man das auch auf der gesellschaftlichen Ebene tun.“ Es reiche nicht, Resolutionen zu erstellen. Bevor Geld fließe, müsse man echte Bedingungen stellen.

„Die Frauen waren ein willkommener Vorwand, um in das Land einzumarschieren“, sagt die Chefin von „Frauen ohne Grenzen“, „jetzt scheinen sie aber leider keine Relevanz mehr zu haben.“

Die öffentliche Hinrichtung einer jungen Frau rund hundert Kilometer nördlich von Kabul hat international für Empörung gesorgt.
Auf einem Video ist zu sehen, wie die junge Frau unter den Anfeuerungsrufen Dutzender Männer erschossen wird. Ihr war vorgeworfen worden, ihren Ehemann, einen Taliban-Kämpfer, mit einem Taliban-Kommandanten betrogen zu haben. Die Taliban selbst stritten eine Verwicklung in die Hinrichtung ab.

Die Lage der Frauen in Afghanistan wird insgesamt immer dramatischer, warnt Edit Schlaffer von „Frauen ohne Grenzen“.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.frauen-ohne-grenzen.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2012)

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114 Kommentare
 
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Gast: Oberbootsmann
20.07.2012 13:03
0

Einsatz gescheitert

Damit dürfte nun auch dem letzten Verfechter dieses Einsatzes klar sein das selbiger gescheitert ist.
Die schuld daran trägt in meinen augen ganz klar die Politik. Die Staatengemeinschaft muss einsehen das es sich hier um einen failed state handelt.
Es wird zeit unsere Frauen und Männer heim zuholen.

es ist gar nicht so lange her,

da waren Rechte, die die Frauen jetzt haben auch bei uns nicht selbstverständlich (Wahlrecht, etc.)
Z.B. wurde erst 1989(!!!) Vergewaltigung in der Ehe ins Strafgesetzbuch aufgenommen.

Gast: E.T.
16.07.2012 23:22
3

Und Europa ist trotzdem auf beiden Augen blind

Egal was in anderen Ländern im Namen des Islam oder sonst einer Religion passiert, in Europa will man uns klar machen, dass alle friedliebend sind. Und alle die eine andere Meinung vertreten, wären Nazis, Xenophob, etc.....
Wir sind auf dem besten Weg ins Mittelalter.

hallo baghajatis

leserbriefe schreiben

oder nur zu israel?

Re: hallo baghajatis

Mit letzter Tinte.

Gast: schwamm_erl
16.07.2012 19:50
1

der teufel trägt turban

lieber humanistischer kindergarten

hypothetische frage: bin ich ein (neo)nazi und mitverantwortlich, wenn mein opa einer war und mitschuldig ist am tod von millionen menschen?
das prinzip erkenne ich. mir scheint einfach der islam als falsche kategorisierung für einen fundamentalismus. pauschalisierungen sind was für unreflektierte menschen, die glauben ein recht zu haben "ihr" land vor menschen zu verbarrikadieren, die sie meinen zu kennen. rohstoffe ausgenommen.
wie schön hier geboren zu sein. alles wird gut solange wir gut und böse kennen und schwarz und weiß sehen.
es ist ignorant einem menschen asyl zu verwehren, weil ein/mehrere fremde religionsmitglied/er mit einer ethisch/rechtlich verwerfbaren handlung in der zeitung stand/en.
urteilsheuristika lassen uns das sehen, was wir sehen wollen.
(der inhalt dieses artikels ist in keinster weise zu verharmlosen! das ist mord.)

macht die religion den menschen oder der mensch die religion?

Nun ja....

Frieden und Barmherzigkeit halt....und natürlich Grund- Minderheiten und Menschenrechte. Wie in allen diesen Ländern.

wert des lebens

Wo sind unsere tierfreunde.
Für die frauenrechte macht sich keiner stark!
Ist ja nicht mein bier /hund.
Schande über uns!
Heute die morgen du.

Re: wert des lebens

Was haben die Tierfreunde damit zu tun? Die setzen sich für Tiere ein, warum sollten sie da protestieren?

Und wenn es Ihnen so nahe geht, wieso unternehmen Sie nicht selbst was? "Warum tut keiner was" schreien und selbst auch nicht besser sein, ist leicht!

Traurig aber im Prinzip nichts Neues!

Leider ist und war Afghanistan eine Brutstätte für Islamisten und "willkommener Gastgeber" für einschlägige Terrororganisationen.
Schon vor dem Einmarsch der Sowjets galt das Land als unregierbar, gleichzeitig in jeder Hinsicht unterentwickelt und als Drogenhochburg.
Der politische Steinzeitislam hat den Rest besorgt bzw. dafür gesorgt, das alle noch so guten Entwicklungsbemühungen scheitern mußten. Herr Karzai war und ist korrupt und wird nur deshalb hofiert, weil er der allerkleinste gemeinsame Nenner ist und weil man sich einen unkontrollierten "Terrorstaat" aus westlicher Sicht nicht leisten kann.

Gast: Solidarität
16.07.2012 18:31
1

Krieg gegen Frauen

Die einzige Rettung der Frauen in allen islamisch geprägten Ländern, kann nur eine Trennung zwischen Staat und Religion sein.

Das sollte die internationale westliche Staatgemeinschaft bei ihrer Politik diese Länder betreffend als oberstes Ziel im Blick haben.


traurig, aber wahr:

der politisch-korrekte aufschrei bleibt - wie so oft in dieser thematik - aus.
egal, ob irgendwo christen enthauptet werden, kirchen niedergerissen (keine meldungen der ÖVP), egal, ob täglich wohl hunderte frauen beschnitten werden, umgebracht, misshandelt oder sonst etwas menschenunwürdiges mit ihnen passiert (keine meldung der spö oder grünen). oder - viel friedlicher: dass in D die selbst auferlegten kita-plätze nicht realisierbar sind und man das eigene gesetz bricht. who cares?
das ist ihnen alles egal. von belang ist nur, die eigenen günstlinge in gender-posten zu hieven und damit den österreichern zu erklären, was für patriarchalische unholde sie denn seien.

das ist bigotterie hoch zehn. unfassbar!

Gast: Scheichschleichdi
16.07.2012 17:44
7

Claudi - die größte Witzfigur des Landes

Wenn ich die Claudia Bandit-Ortner nur im Fernshen sehe, habe ich einen totalen Lachanfall.

So lächerlich ist diese Figur und die Politik so absurd.

Gerade jetzt, wo die Saudis Religionskritik mit der Todesstrafe bestrafen wollen und diese Witzfiguren das Sau(di)-Zentrum finanzieren, und man damit angegeben hat, daß hier ein friedliches Zentrum für Austausch aller Religionen stattfinden soll, ist das ja nur noch lachhaft.

Da hat die Politik sich wieder mal von den Saudis bestechen lassen, wahrscheinlich die OMV umd biligeres Öl zu bekommen und uns das Öl teuer weiterzuverkaufen. Die Differenz stecken sich dann wohl die OMV-Manager wieder mal ein.

Hahahahahaha - nur noch lächerlich

Gast: teo
16.07.2012 15:41
9

die Lösung heißt

keine Milliarden für Afganistan. Um Islamisierung zu unterstützen? Nein, Fr. Hillary!
Die reichen islamischen öl produzierenden Länder sollen ihren Brüdern nicht nur Moscheen bauen, sondern auch Infrastruktur herstellen.

Gast: gast111
16.07.2012 14:29
1

würde man damit beginnen und gleich viel frauen, wie männer zu kriegseinsätzen an die front zu schiecken

die welt wäre viel ruhiger und kriege würde es keine geben, weil sich kein politiker trauen würde frauen auf ein schlachtfeld zu führen

Gast: gast111
16.07.2012 14:14
1

und wie ist die situation der männer in afghanistan??

jeder mann, der erschossen wird ist erst mal terrorist, überprüft wird nichts

wie viele männer kommen um, und wie viele frauen??

es wird sich nichts verbessern, solange man immer unterschiede zwischen frauen und männern macht

wer männer schlechter als hunde behandelt, darf sich nicht wundern, wenn es so zugeht, wie es zugeht

was bekommt man denn, wenn man einen hund dauernd schlägt und unter widrigsten umständen in einem käfig hält?? eine beißwütige bestie, einen hund, den man gut behandelt, der wird auch ein nettes haustier abgeben

die opfer unter den frauen sind kolleteralschäden

Re: und wie ist die situation der männer in afghanistan??

Wie meinen Sie das: "Die Opfer unter den Frauen sind Kollateralschäden ?"

So in der Art: Wo gehobelt wird, da fallen eben die Späne ?

Oder meinen Sie: Wenn in einem Land Krieg ist, dann darf es einen nicht wundern, wenn die Männer den Frauen (noch dazu des eigenen Volkes) Salzsäure ins Gesicht schütten, sie verstümmeln, in johlender Versammlung massakrieren, die Schulen, in die (ihre eigenen) kleinen Mädchen gehen, anzünden u. dgl. mehr ?

Sie scheinen wunderliche Ansichten zu haben. Fast fühlt man sich verleitet, den Krieg vor Ihnen in Schutz nehmen . . . .

Re: Re: und wie ist die situation der männer in afghanistan??

(erratum) Letzter Satz muss lauten:
Fast fühlt man sich dazu verleitet, den Krieg vor Ihnen in Schutz zu nehmen.

Antworten Gast: Konservativer
16.07.2012 19:19
5

Re: und wie ist die situation der männer in afghanistan??

"und wie ist die situation der männer in afghanistan??"

Tausendfach besser.

"jeder mann, der erschossen wird ist erst mal terrorist, überprüft wird nichts"

In vielen Fällen ist das auch richtig.

"wer männer schlechter als hunde behandelt, darf sich nicht wundern, wenn es so zugeht, wie es zugeht"

Die bösen Amerikaner sind schuld am Islamismus: Geisteswelt der Linken.

Antworten Gast: nuaibis
16.07.2012 17:51
1

Re: und wie ist die situation der männer in afghanistan??

Das wäre das ende der Medien
"200 Tote auf beiden seiten. Aber Gott sei dank es waren nur Männer" ;)

Gast: korianderschnaps
16.07.2012 13:59
17

der islam

wie er leibt und lebt. in voller enfaltung sozusagen.

der clash wird kommen

Die Lösung heißt:...

Heinisch-Hosek: "Quote hievt Frauen in Toppositionen".
Hat sie schon einen Flug nach Kabul gebucht, um dort mit ihren Ideen zu wirken?

gibts auch einmal positive nachrichten betreffend die friedensreligion?


Re: gibts auch einmal positive nachrichten betreffend die friedensreligion?

Gibt es denn positive Nachrichten zu irgend einer Religion?

Vielleicht sollte man mal bei den Katholiken nachfragen....

Bei sich im eigenen Land sollen sie tun und lassen, was sie wollen.

Unsere Sorge muß sein, daß keine davon hierherkommen.

Gast: Christian Morningstar
16.07.2012 12:46
10

Lasst sie doch in Ruhe

Lasst die Moslems in ihren Länder tun was sie wollen. Jetzt ist "der Westen" seit über 10 Jahren in Afg und es ist überall nur schlechter geworden statt besser. Die Afghanen hassen die Amerikaner und sobald ISAF abgezogen sein wird, werden die Taliban wieder fröhliche Urständ feiern.

Kümmern wir uns lieber darum, was die Moslems in unserem Land mit ihren Frauen aufführen; Faruen, die eigentlich unter dem Schutz unserer Gesetze stehen sollten. Das sind Gesetze, die sich unsere Frauen in Jahrzehnten erkämpft haben - das ist die Kultur, der ich mich anschließen will. Auf unserem Grund und Boden.

 
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