In Damaskus spitzt sich die Lage dramatisch zu: Seit zwei Tagen liefern sich in der syrischen Hauptstadt Rebellen und Regierungstruppen Gefechte. Aktivisten berichteten von dem Beschuss von Stadtteilen und vorrückenden Panzern der Armee. Es handle sich um die "heftigsten Kämpfe bisher in Damaskus".
Gepanzerte Fahrzeuge und Schützenpanzer rollten nach Berichten von Augenzeugen am Montag in den südlichen Stadtbezirk Midan, wo es zu heftigen Gefechten zwischen der Armee und Rebellen kam. Auf den Dächern bezogen Scharfschützen Position. Bewohner sprachen von den heftigsten Kämpfen seit Beginn der gewaltsamen Auseinandersetzungen.
In den Straßen mehrerer Stadtteile war den Angaben zufolge der Gefechtslärm schwerer Waffen und Explosionen zu hören. Die Regierungstruppen schlossen nach Darstellung von Augenzeugen die Straße zum Flughafen. Nach Angaben von Oppositionellen starben am Sonntag mindestens fünf Menschen, viele seien verletzt worden. Über die Zahl der Opfer am Montag gab es zunächst keine Informationen. Die meisten Berichte aus dem Kampfgebiet stammen von Aktivisten der Opposition und Bewohnern. Journalisten haben offiziell keinen Zugang.
Bewohner errichten Straßenbarrikaden
"Die Sicherheitskräfte sind in das Wohngebiet eingerückt, das ist ein richtiger Krieg, was da abläuft", sagte ein Bewohner Midans. Auf einem Internetvideo, das aus dem Stadtbezirk stammen soll, sind Schüsse schwerer Maschinengewehre zu hören. Bewohner sollen Straßen mit Barrikaden blockiert haben, um den Truppen den Weg nach Midan zu erschweren, wo vor allem Sunniten leben. In dem Konflikt spielen seit einiger Zeit die Differenzen zwischen den Religionsgruppen eine zunehmende Rolle. Die Führung um Präsident Bashar al-Assad sind Alawiten. Viele Aufständische sind Sunniten.
Die oppositionelle Muslimbruderschaft wertet die Kämpfe in der Hauptstadt als Zeichen dafür, dass der Sturz des Regimes von Präsident Bashar al-Assad nicht mehr lange auf sich warten lassen werde. Sie riefen die Bewohner von Damaskus auf, Brandbomben auf Fahrzeuge der Sicherheitskräfte zu werfen.
Russland wirft Westen "Erpressung" vor
Unterdessen reiste der Syrien-Gesandte Kofi Annan zu einem zweitägigen Besuch nach Moskau, wo er mit Präsident Wladimir Putin über die Lage in Syrien sprechen will. Russland gilt gemeinsam mit China als enger Verbündeter des syrischen Präsidenten Assad und verhindert bisher Strafmaßnahmen der Vereinten Nationen gegen die syrische Führung. Eine Änderung dieser Haltung ist auch durch den Annan-Besuch kaum zu erwarten. Kurz vor einem Gespräch mit ihm lehnte der russische Außenminister Sergej Lawrow einen Resolutionsentwurf des UNO-Sicherheitsrats zur Ausweitung des Beobachtereinsatzes ab, der die Drohung von Sanktionen beinhaltet. Derartige Schritte enthielten "Elemente der Erpressung", sagte Lawrow in Moskau und warb stattdessen für einen russischen Entwurf, der keine Strafmaßnahmen vorsieht.
Russland und China haben mit ihrem Veto im UNO-Sicherheitsrat schon mehrere Resolutionen gegen Syrien verhindert. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon wird diese Woche zu Gesprächen in Peking erwartet.
(APA/dpa/Reuters/AFP)
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