25.05.2013 00:10 Merkliste 0

Syrien: Schwere Kämpfe erreichen Damaskus

16.07.2012 | 18:39 |  von unserem Mitarbeiter MARTIN GEHLEN (Die Presse)

Blutige Auseinandersetzungen in der syrischen Hauptstadt lassen die Rebellen auf einen "Wendepunkt der Revolution"; hoffen. Das Rote Kreuz spricht erstmals offiziell von einem "Bürgerkrieg".

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Kairo/Damaskus. Rauchwolken standen über der Skyline von Damaskus, viele Bewohner machten die ganze Nacht kein Auge zu. Ununterbrochen ratterten Maschinengewehre, schlugen Mörsergranaten ein und heulten die Sirenen von Krankenwagen. „Wir leben im Kriegsgebiet", sagte ein Anwohner.

Immer stärker nähern sich die Kämpfe dem Herzen der syrischen Hauptstadt, während Russland weiterhin jede UN-Resolution gegen das Assad-Regime ablehnt und den westlichen diplomatischen Druck als Erpressung denunziert. „Ihr werdet Damaskus niemals erobern", titelte am Montag die Staatszeitung „Al-Watan". Nach Angaben des Blattes kämpfen die Regierungstruppen jetzt gegen „terroristische Gruppen, die sich in den Vorstädten verschanzt haben und die große Schlacht um Damaskus wollen". Das Internationale Rote Kreuz in Genf sprach offiziell das erste Mal von einem Bürgerkrieg, allerdings nicht von einem landesweiten.

„Wendepunkt der Revolution"?

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und UN-Vermittler Kofi Annan versuchten derweil simultan in China und in Russland, die beiden Führungen von ihrer starren Vetohaltung gegen eine Syrien-Resolution des UN-Sicherheitsrates abzubringen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete in Moskau vor seinem Gespräch mit Annan einen Rücktritt von Präsident Assad als „unrealistisch". Dieser werde die Macht nicht aufgeben, „nicht, weil wir ihn beschützen, sondern, weil ein bedeutender Teil der syrischen Bevölkerung hinter ihm steht". Am Dienstag wird Kofi Annan in Moskau mit Russlands Präsident Wladimir Putin zusammentreffen, Ban Ki-moon in Peking mit Chinas Präsident Hu Jintao.

Armee und Rebellen lieferten sich in den südlichen Vororten Tadamon und Midan von Damaskus sowie nahe dem palästinensischen Flüchtlingslager Yarmouk die bisher schwersten Gefechte seit Beginn des Volksaufstands vor 16 Monaten. Panzer operierten in den Wohnstraßen und beschossen Gebäude, in Panik suchten Bewohner Schutz in den Moscheen der Viertel. Auch im Westen bei Kfar Sousa und im Osten bei Jobar brachen nach Angaben der lokalen Widerstandskomitees Kämpfe aus, die Ausfallstraße zum Flughafen war eine Zeit lang nicht passierbar. Einwohner, die mit den Kämpfern der „Freien Syrischen Armee" sympathisieren, zündeten Autoreifen an, deren schwarzer dicker Qualm den Kämpfern Deckung geben sollte.

In anderen Teilen von Damaskus blockierten brennende Autoreifen am Morgen die Stadtautobahnen. Rima Flaihan, Sprecher der lokalen Widerstandsräte, erklärte per Telefon gegenüber dem TV-Sender „Al Arabiya", das Regime sei nicht mehr in der Lage, die Revolution einzudämmen, die sich in alle Teile der Hauptstadt und des Landes ausgedehnt habe. Ein anderer Rebellensprecher bezeichnete die Eskalation als „Wendepunkt der Revolution".

Abstimmung über UN-Blauhelme

Angesichts der Lage wächst der internationale diplomatische Druck auf Russland und China, in dieser Woche zum ersten Mal seit Beginn des Aufstandes eine Verurteilung Syriens durch den UN-Weltsicherheitsrat zuzulassen. Das dreimonatige Mandat der 300 unbewaffneten Blauhelme vor Ort läuft am 20. Juli aus. Bis Freitag muss das Weltgremium darüber abstimmen, ob deren Mandat verlängert wird oder nicht. Die westlichen Staaten wollen diese Abstimmung mit einer Androhung von Sanktionen verknüpfen, falls das syrische Regime seine schweren Waffen nicht aus den Wohnvierteln abzieht. Russland und China hatten ähnliche Resolutionsentwürfe in der Vergangenheit bereits zwei Mal durch ihr Veto blockiert.

Unterdessen veröffentlichten die UN-Beobachter, die sich nach dem Massaker von Regierungstruppen in dem Dorf Tremseh zwei Mal vor Ort umgesehen hatten, weitere Einzelheiten der Gewalttaten. Am Sonntag hatten die Blauhelme erstmals auch mit Dorfbewohnern sprechen können. Nach übereinstimmenden Berichten dieser Augenzeugen zogen die Regierungstruppen von Haus zu Haus und ließen sich von allen Männern die Personalausweise zeigen. Einige wurden auf der Stelle hingerichtet, andere abgeführt und verschleppt. In einem Videofilm der UN-Vertreter berichtet ein junger Mann, drei Opfer seien vor seinen Augen erschossen und anschließend verbrannt worden, einer sei Kämpfer der „Freien Syrischen Armee" gewesen, zwei einfache Dorfbewohner. Insgesamt wurden 50 Häuser bei dem Angriff niedergebrannt und zerstört.


(c) Die Presse / GK

vergrößern

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

57 Kommentare
 
12

es gibt keine einfache Erklärung

und die ständige Anprangerung von Ru und China fällt in das Kapitel Propaganda.
ich blicke nicht durch, welche Interessen da im Spiel sind. dass ein treuer Verbündeter des Iran ausgeschaltet werden soll, liegt auf der Hand.

leider gibts

keinen westlichen Politiker mehr mit Eier wie Sarkozy, der in Libyen notfalls auch ohne UNO eingegriffen hätte. Libyen ist nun befreit, erste demokratische Wahlen wurden abgehalten.

Mit ein paar tausend gezielten Luftschlägen könnte der ganze Spuk um den irren Assad schnell vorbei sein..
Aber so verhandelt man monatelnag mit der Diktatur Russland..jüngtse Aussage von Lawrow:

"Trotz deutlicher Mehrheit im UNO-Sicherheitsrat ist eine Syrien-Resolution nach Angaben von Diplomaten derzeit nicht absehbar. Russland äußert schwere Vorwürfe gegen den Westen. Mit dem Beharren auf Sanktionen provoziere der Westen einen Bürgerkrieg in dem arabischen Land, sagte Außenminister Sergej Lawrow in Moskau vor einem Treffen mit dem UN-Sondergesandten Kofi Annan"

noch Fragen?

3 0

Re: leider gibts

noch Fragen?

Ja. Warum sollen wir diese islamistischen Rebellen an die Macht bomben wollen?

Re: leider gibts

Interessant, dass Herr Lawrow Aussagen über sich selber veröffentlicht.

Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen

Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

Herr Nachbar, ja! so laß ich's auch geschehn:
Sie mögen sich die Köpfe spalten,
Mag alles durcheinander gehn;
Doch nur zu Hause bleib's beim alten.

Re: Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen

Goethe, Faust 1. Teil, Osterspaziergang
das Zitat gehört dazu.

Gast: Solche Bilder
17.07.2012 03:35
4 0

brauchen wir,

damit ein Angriff legitimiert wird. Ich kann noch den weißen Bus mit Photoshop derart in Brand setzen, dass es tragisch aussieht und es keiner merkt.

Gast: zweivorzwölf
17.07.2012 00:23
4 1

Putin

Nur Putin kann die kriegslüsternen Kreuzritter aufhalten und die drohende Katastrophe verhindern.

Gast: Feuervögelchen
16.07.2012 21:14
11 3

Das Endspiel beginnt erst, wenn die Clinton im Sicherheitsrat eine Powerpoint Präsentation abspult und dieses in allen "freien, unabhängigen" Medien des Westens verbreitet wird.

Dann geht´s endlich los!

Da freut sich dann SPÖÖVPGRÜNE, also unsere Regierung!

Der Darabos, Kopf und Chap werden ... ich sage es nicht!
Die Frau Glawischnigg wird endlich ihren grünen Orgasmus in unendlichen Wellen erreichen!

Naja, Krieg ist eben superaffengeil - gell?


Re: Das Endspiel beginnt erst, wenn die Clinton im Sicherheitsrat eine Powerpoint Präsentation abspult und dieses in allen "freien, unabhängigen" Medien des Westens verbreitet wird.

die pillen nicht vergessen, bitte!

Wie schon gesagt:

Ich hoffe im Namen des syrischen Volkes, dass das syrische Militär die Terroristen, welche allzu gerne und fälschlich als "Rebellen" bezeichnet werden, in den Griff kriegt. Erst dann wird wieder Frieden im Land herrschen.

Re: Wie schon gesagt:

du hoffst im namen des syrischen volkes? bist du so ... oder stellst du dich so ....

8 2

Re: Wie schon gesagt:

Wo haben die Rebellen wohl das Waffenarsenal und die Munition her ???

Re: Re: Wie schon gesagt:

russland. definitiv sind ak's aus russland... warum? ist das relevant?

Re: Re: Wie schon gesagt:

Von Kriegstreibern der Religion des Friedens natürlich.

Gast: WIEVIELE EINWOHNER HAT SYRIEN EIGENTLICH NOCH???....wenn man davon ausgeht, dass jeden Tag fast 100 Personen ermordet werden und das seit 1,5 Jahren.....WAS bleibt da noch über???
16.07.2012 17:04
3 20

und die Beobachter beobachten und beobachten und.......

....beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten und beobachten...WIEVIELE EINWOHNER HAT SYRIEN EIGENTLICH NOCH???
Bei der Aufarbeitung, wenn Assad schon lange in Den Haag sitzt, werden die Beobachter sagen, wir haben eh beobachtet!
So, und jetzt GANZ VIELE ROTE STRICHERL von den Assad-Freunden!

Re: und die Beobachter beobachten und beobachten und.......

Wie kann es sein , das so etwas von der Presse veröffentlicht wird .. ?????

12 2

Re: und die Beobachter beobachten und beobachten und.......

Im Irak soll es mittlerweile schon 2,7 Mio. Tote geben von der Befreiung.

Alle Angriffskriege der letzten Jahre basieren auf Lügengeschichten. Man sollte nicht so dumm sein und diese jetzt glauben. Die Russen und Chinesen bleiben zum Glück vernünftig. Denn die kriegslüsternen "Demokratien" würden schon gerne Syrien niederbomben.

Re: Re: und die Beobachter beobachten und beobachten und.......

...Himmel, was reden Sie nur fuer Zeug! Wer hat denn vor gut 15 Monaten damit begonnen, aus den damals noch friedlichen Demonstrationszügen Menschen wahllos ''herausschießen'' zu lassen? Der verhinderte Augenarzt und
praktizierende Mörder Assad!

Re: und die Beobachter beobachten und beobachten und.......

Ich habe geschummelt. Ich bin kein Freund von Assad, ich kenne ihn nicht einmal, aber ich habe Ihnen trotzdem ein Minus verehrt. Trotz Ihrer fleißigen Kopierarbeit.

Re: und die Beobachter beobachten und beobachten und.......

Interessanter Kommentar

der Autor postuliert das Assad vor das ICC gehört , bleibt jedoch den Nachweis im gesamten Text schuldig, warum und womit er eine Anklage begründet.
Sollte sie über persönlich recherchierte Fakten und Nachweise verfügen, sollte sie damit vortreten und diese öffentlich machen.

Die Antwort dürfte jeder kennen, und damit wird auch die Intention des Kommentars deutlich.

Gast: WienerGast
16.07.2012 16:12
20 2

Wie wär es mal ...

wenn man einer Staatsführung hilft sich gegen bombadierende und mordende Rebellen durchzusetzen und nicht automatisch Partei für die Rebellen ergreift um einen Machthaber loszuwerden ? Es hat sich wirklich eine komische Praxis, vor allem in N-Afrika, eingeschlichen.
Man tut automatisch so als wären die Rebellen die armen Hascherln die völlig ohne Grund von den Herrschern bekriegt werden, ist ja auch vollkommen logisch, jeder Staatsmann liebt es einfach sein eigenes Land in Schutt und Asche zu legen, oder ?

Gast: afrivano
16.07.2012 15:55
23 1

Es ist kein Krieg ,denn die 15.000 Rebellen

werden von Israel ,USA ,Franzosen und Großbritanien unterstützt nicht vergessen sollten man die niederträchtigen Golfstaaten.
Was heir abläuft ist ekeleregend und die Gefahr besteht das durch die ständigen zündeleien es zum dritten Weltkrieg kommt.
Es ist ein dirty buisness diese Waffengeschäftemachereien.

27 4

Kann mir nicht helfen,

der Assad scheint mir glaubwürdiger als die Clinton mit ihren Marionetten. Collin Powell mit seinem Auftritt vor der UNO hab ich noch nicht vergessen.

6 24

Re: Kann mir nicht helfen,

dir ist wirklich nicht mehr zu helfen. Aber tröste dich, du und deine rechten antisemitischen USA-hassenden Recken könnt euch nach Assds Ende ein anderes Idol suchen: am besten im Iran oder in Nord-Korea.

Re: Re: Kann mir nicht helfen,

:)))
antisemitischen recken?
eine frage sind die Palästinenser eigentlich auch Antisemiten?
oder sind die ultraorthodoxen Antisemiten?

 
12