Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Laszlo Csatary, der nach Angaben des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Budapest lebt, muss wohl nicht mit einer raschen Festnahme rechnen. Die Budapester Staatsanwaltschaft erklärte am Montagabend laut ungarischer Nachrichtenagentur MTI, sie ermittle seit geraumer Zeit "gegen Unbekannt". Die Identität des Mannes wollte sie weder bestätigen noch dementieren.
Für dieses Vorgehen muss sich Ungarn harte Kritik gefallen lassen - denn die Behörden wurden bereits im Vorjahr vom Wiesenthal-Zentrum über Csatarys Aufenthalt in Ungarn informiert. Immerhin soll dieser 17 Jahre lang unbehelligt in Budapest - davor in Kanada - unter seinem richtigen Namen gelebt haben. Die "Nazijäger" fordern nun, Csatary für seine Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen.
Auch die französische Regierung forderte die ungarischen Behörden am Montag auf, dem mutmaßlichen Nazi-Kriegsverbrecher den Prozess zu machen. "Die Nazi-Verbrechen verjähren nicht", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Paris am Montag.
"Keine neuen Informationen"
Die britische Zeitung "Sun" habe in ihrem jüngsten Bericht über Csatary hierzu "keine neuen Informationen" geliefert, konterte die Staatsanwaltschaft in Budapest. Die Ermittlungen seien "sehr schwierig", weil es um Vorgänge gehe, die mehr als ein halbes Jahrhundert zurücklägen. Zudem hätten sie sich an einem Ort abgespielt, der heute auf dem Territorium eines anderen Staates liege.
Csatary soll als Polizeichef von Kosice im ungarisch besetzten Teil der Slowakei in den Jahren 1941 und 1944 eine wichtige Rolle bei der Deportation von 16.000 Juden gespielt haben.
(APA/dpa)




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