Syriens Machthaber Bashar al-Assad dürfte sich noch im Land aufenthalten, wo genau, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Assad sei im Präsidentenpalast in Damaskus und "lenke die Geschicke des Landes", berichtete einer seiner Berater gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Auch das syrische Staatsfernsehen vermeldete, Assad hätte an der Angelobungsfeier des neuen Verteidigungsministers General Fahad Jassim al-Freij teilgenommen.
Zuvor war spekuliert worden, Assad könnte sich in die syrische Küstenstadt Latakia abgesetzt haben - und dort einen Gegenschlag nach dem Angriff auf den Krisenstab vorbereiten. In der Küstenregion noch die meisten Unterstützer. Hier leben überproportional viele alawitische Syrer, die derselben Konfession angehören wie der Machthaber. Das berichtete ein westlicher Diplomat am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Syrische Aufständische wollen beobachtet haben, dass der Präsident die syrische Hauptstadt Damaskus noch am Mittwochvormittag mit seinem Privatflugzeug verlassen hat.
Assad-Familie außer Landes?
Die Gerüchteküche brodelt auch sonst gewaltig: Es wird spekuliert, dass ein Teil der Familie des Diktators außer Landes geflohen sein könnte. Wie "Spiegel Online" berichtete, soll sich sein Frau Asma nach Russland abgesetzt haben. Ein Statement von offizieller Seite gibt es nicht. Fest steht aber, dass sie in ihre Heimatstadt London nicht ohne weiteres einreisen kann - die EU hat im März ein Einreiseverbot gegen sie verhängt.
Unterdessen gehen in der syrischen Hauptstadt die Kämpfe weiter. Ein Oppositioneller erklärte, das Regime setze Hubschrauber und Panzer im Kampf gegen Aufständische ein. Am Donnerstagvormittag kam es in der Nähe des Regierungsviertels zu blutigen Kämpfen. Ein Vertreter der Sicherheitsdienste sagte der Nachrichtenagentur AFP, die "extrem heftigen Gefechte" würden noch zwei Tage andauern, um Damaskus vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan "von Terroristen zu säubern".
Die syrische Hauptstadt wird seit Sonntag von heftigen Kämpfen zwischen Soldaten und Aufständischen erschüttert. Die Rebellen kündigten bereits am Dienstagabend eine „Schlacht für die Befreiung" von Damaskus an.
Gemeinsames Vorgehen des Sicherheitsrates
Russland und China haben unterdessen zum dritten Mal eine Resolution des UN-Sicherheitsrates zu Syrien platzen lassen. Die beiden ständigen Mitglieder des mächtigsten UN-Gremiums legten am Donnerstag in New York ihr Veto gegen einen westlichen Entwurf ein und blockierten die Resolution so trotz großer Mehrheit von elf Stimmen. Zwei Länder enthielten sich. Damit hängt auch die Beobachtermission UNSMIS (United Nations Supervision Mission in Syrien) in Syrien vorerst in der Schwebe. Ihr Mandat läuft am Freitag aus.
Der Entwurf, an dem auch Deutschland beteiligt war, sah einen Umbau der militärischen Beobachtertruppe hin zu einer zivileren Mission vor, die direkt Verhandlungen ankurbeln sollte. Zum ersten Mal enthielt der Entwurf auch die Drohung mit Wirtschaftssanktionen, wenn die Gewalt nicht endet. Das lehnt Russland ab.
Moskau hatte eine bloße Verlängerung der Mission ohne jede Verbindlichkeit vorgeschlagen. Sondervermittler Kofi Annan und UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hatten hingegen "Konsequenzen" gefordert, wenn der Friedensplan nicht befolgt werde.
20.000 Flüchtlinge innerhalb 24 Stunden
Während der vergangenen 24 Stunden sind mehr als 20.000 Syrer in den benachbarten Libanon geflohen. Das teilten Vertreter dortige Vertreter der Sicherheitskräfte am Donnerstag mit. Die Zahl der Syrer, die täglich den Grenzübergang bei Masnaa überqueren, liegt demnach bei etwa 5.000. Der zuständige libanesische Minister Wael Abu Faour wollte die genauen Zahlen nicht kommentieren, erklärte aber, dass rund 8.500 Flüchtlinge von Damaskus in das kleine Land am Mittelmeer kamen.
Der Libanon wolle Schulen für Flüchtlinge öffnen und habe auch das Angebot der Unterstützung durch andere arabische Länder erhalten, so Abu Faour gegenüber Journalisten. Hilfsorganisationen berichteten am Donnerstag von rund einer Million Kriegsflüchtlingen in Syrien.
Bei der Explosion in Damaskus war Daoud Rajha, der Verteidigungsminister und enge Vertraute Assads, getötet worden. Auch der frühere Verteidigungsminister General Hassan Turkmani und der stellvertretende Kommandant der Streitkräfte und Schwager von Assad, Assef Shawkat, befinden sich unter den Toten.
Vom Hergang des Anschlags gibt es mehrere Versionen: Zunächst hieß es, ein Angehöriger der Sicherheitskräfte, laut dem Sender al-Jazeera gar ein Mitglied der Leibgarde des Diktators, habe einen Sprengstoffgürtel gezündet. Der Kommandeur der „Freien Syrischen Armee“, Riad al-Asaad, erklärte allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur AP, seine Mitkämpfer hätten einen Sprengsatz in dem Konferenzraum platziert und dann ferngezündet.
(Red./APA/dpa/AFP/Reuters)





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