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Endkampf um die Macht in Damaskus

19.07.2012 | 18:23 |  von WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)

Die Aufständischen erhöhen den Druck auf das Regime von Bashar al-Assad. Gerüchte über eine Flucht des Diktators wurden laut. Vier Szenarien, wie es weitergehen könnte.

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Es war zunächst nicht klar, wo und wann genau die Aufnahmen gemacht worden waren: Syriens staatliches TV strahlte am Donnerstag erstmals seit dem Anschlag auf den engsten Führungskreis des Regimes Bilder von Präsident Bashar al-Assad aus. Sie zeigten den Machthaber bei der Angelobung des neues Verteidigungsministers, Fahad Jassim al-Freij. Freijs Vorgänger war bei dem Attentat am Mittwoch ums Leben gekommen. Einer von Assads Beratern beteuerte, dass sich der Machthaber nach wie vor in der Hauptstadt befinde und von dort aus „die Geschicke des Landes lenkt“. Zuvor hatten Syriens Opposition und westliche Diplomaten berichtet, Assad sei in die Küstenstadt Latakia geflüchtet.

 

Moskau blockiert erneut

Die Rebellen erhöhten den Druck. Augenzeugen berichteten von Gefechten beim Präsidentenpalast. Auch das Polizeipräsidium in Damaskus soll angegriffen worden sein. Laut der „Kleinen Zeitung“ sollen in den vergangenen Tagen auch mehrmals Kämpfer auf die Golanhöhen vorgerückt sein, auf denen österreichische Blauhelme den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien überwachen. Zu Zusammenstößen mit den UN-Truppen sei es aber nicht gekommen. Russland und China verhinderten im UN-Sicherheitsrat erneut eine Resolution, die Damaskus mit Sanktionen droht. Nun sind mehrere Szenarien möglich.

1 Rückzug in alawitische Hochburgen: Das Land wird geteilt

In Syriens Küstenregion liegen die Hochburgen der Alawiten, denen Machthaber Assad und ein Teil der Führungsschicht angehören (siehe Grafik). Die Alawiten gelten als frühe Abspaltung des schiitischen Islam. Sie haben aber sehr eigene Rituale, glauben etwa an Seelenwanderung und sehen den Koran nicht als einzig gültige heilige Schrift, was sie von anderen islamischen Richtungen unterscheidet.
Sollte Assad tatsächlich in die Küstenstadt Latakia geflohen sein, könnte das ein erster Schritt einer größeren Rückzugsoperation sein. Syriens Führung könnte sich in dem Gebiet einigeln, das vor allem von Alawiten, Christen und Schiiten besiedelt wird. Diese Gruppen stehen zum Teil nach wie vor auf der Seite des Regimes. Präsident Assad kann zudem auf Eliteeinheiten wie etwa die Vierte Panzerdivision zurückgreifen, die sich fast ausschließlich aus Alawiten rekrutiert und von seinem jüngeren Bruder Maher al-Assad kommandiert wird.
Das Resultat wäre eine Teilung Syriens: Während sich Assad mit seinen Getreuen im Westen Syriens festsetzt, würden die Aufständischen sukzessive die Kontrolle über den Rest des Landes übernehmen.

2 Politische Lösung: Machthaber Assad geht ins Exil

Der wachsende Druck auf Assad könnte ihn dazu bewegen, doch noch die Macht abzugeben und ins Exil zu gehen. Für ihn wird es aber immer schwieriger, einen Zufluchtsort zu finden. Im arabischen Raum würde ihm niemand mehr Asyl gewähren. Ein mögliches Exilziel wäre Russland. Moskau will aber davon derzeit offiziell nichts wissen: Ein Berater Wladimir Putins wies am Donnerstag Gerüchte zurück, der russische Präsident habe bei seinem jüngsten Telefongespräch mit US-Präsident Obama über eine Asyllösung für Assad verhandelt. Auch der Iran könnte Assad und seine Familie aufnehmen. Als ihr „Schutzherr“ ist der Diktator aber auch alawitischen Clans verpflichtet, die er beim Gang ins Exil im Stich lassen würde.

3 Endloser Bürgerkrieg: Assad hält sich weiter an der Macht

Trotz der jüngsten Rebellenoffensive könnte es Machthaber Assad doch noch gelingen, die Kontrolle über das Zentrum der Hauptstadt Damaskus zu behalten und die Aufständischen in ihren Hochburgen wie Homs und Hama unter Druck zu setzen. Dazu müsste Assad noch stärker als bisher auf schwere Waffen wie Panzer, Artillerie und Hubschrauber zurückgreifen. Syriens Führung hat schon in der Vergangenheit nicht vor dem Beschuss von Wohngebieten zurückgeschreckt. Eine Fortsetzung dieser Politik würde im ganzen Land massive Verwüstungen anrichten. Trotz ihrer Feuerüberlegenheit werden die Regierungstruppen den Aufstand aber nicht niederschlagen können. Das Resultat: ein langer, blutiger Krieg.

4 Zusammenbruch des Regimes: Rebellen erzielen raschen Sieg

Der jüngste Anschlag in Damaskus zeigt, wie weit der Arm der Rebellen bereits in den engsten Führungszirkel des Regimes reicht. Die Aufständischen brauchen Komplizen in höchsten Kreisen, um solche Aktionen durchführen zu können. Zuletzt sagten sich mehrere Regimefunktionäre von Assad los. Sollte ein Teil der Führung wegbrechen und mit dem Widerstand kollaborieren, wären Assads Tage als Herrscher endgültig gezählt. Dann könnten die Rebellen relativ rasch die Kontrolle über Damaskus und den Rest des Landes übernehmen. Eine wichtige Rolle kommt der sunnitischen Elite aus Militärs und Geschäftsleuten zu. Dieser würde es leichter als dem alawitischen Teil des Regimes fallen, sich auf die Seite des Widerstands zu schlagen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2012)

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18 Kommentare

Alawitenstaat und die Russen

Die einzige realistische Option die Assad hat ist ein eigenständiger Alawitenstaat. Der große Trumpf für die Anerkennung dieser Küstenregion als unabhänigen Staat liegt vor allem in der Stadt Tartus, wo sich eine russische Marinebasis befindet. Die Russen wollen ihren Stützpunkt um jeden Preis behalten und stützen deshalb Assad. Putin weiß das im Falle eines Umsturzes die Gefahr besteht das die Russen ihren Stützpunkt verlieren könnten, da sie die syrische Führung weiterunterstützen. Deshalb würde Russland diesen neuen Staat wohl sehr schnell anerkennen und somit den Grundstein für die internationale Anerkennung legen. In diesem Küstengebiet haben die Sunniten keine Mehrheit und es wäre auch für alle Alawiten aber auch Christen ein mögliches Rückzugsgebiet im Falle von Racheaktionen oder einer Machtübernahme von sunnitischen Islamisten - was die Akzeptanz und Legitimität diese möglichen Staates zugute kommen würde.

Gast: gustav meier
20.07.2012 07:38
0 0

Die wahre Achse des Bösen: Israel, USA & seine Alliierten Vasallen

Die Völker der Erde sollten Syrien sehr dankbar sein. In dieser quälenden Zeit enthüllt das konfliktgepeinigte Land eine wichtige Wahrheit. Aus dem Blutvergießen, den Verwüstungen und dem Chaos, dem die Menschen in Syrien ausgesetzt sind, kann die Welt kristallklar eine entscheidende Tatsache erkennen – die Tatsache, wer und was die wirkliche Ursache der Gewalt ist.

Die Bezeichnung „Achse des Bösen” war daher nicht nur eine Möglichkeit, die anderenfalls obsolete nationale Sicherheitsdoktrin der Vereinigten Staaten von Amerika und deren Alliierten aufrecht zu erhalten, sie diente auch dazu, die besagten Länder zu isolieren, dämonisieren und für einen „Regimewechsel“ vorzusehen – das ist ein Wechsel zu Regimes, die sich den wirtschaftlichen und politischen Diktaten Washingtons und des globalen Kapitals unterwerfen.

Assad wird fallen

und auch bald Ahmedinejad und es wird gut so für den Nahen Osten mit einer neuen Friedens-Ordnung.

Gast: Hemingway
19.07.2012 23:29
1 0

Es besteht der Verdacht, dass es für diesen Herrn nur den 'finalen Rettungsschuss' gibt...


Gast: Gustav Gunkel
19.07.2012 23:00
0 1

"Endkampf um die Macht in Damaskus"

Klingt ein bischen, wie ein Wahlwerbeplakat der FPÖ in Wien:

"STRACHE-HÄUPL - DUELL UM WIEN"


Gast: Ein depperter Selbstabholer!
19.07.2012 22:23
1 0

ein Depperter würde sagen.....

...man hat den Assad abgesagelt, damit man den Islam grossflächiger installieren kann, wie gesagt, das würde ein Depperter sagen!
be.es: noch eine Bitte, gestern hat man auf einem Foto(Präsidentenpalast?) einen wunderschönen Tisch gesehen....vielleicht liesst ein oppositioneller Rebelliuneller mit, BITTE den Tisch nicht zerschlagen(wie in Tunesien), der kann nichts dafür und ist einmalige Handarbeit....sollte er irgendwie im Wege stehen, ich würde ihn selbstverständlich selbst abholen, ganz selbstlos, Danke!

Re: ein Depperter würde sagen.....

Der Tisch ist nun abholbereit. Glück auf!

Gast: Einefragehättichnoch
19.07.2012 21:59
2 0

Die Zensur

hier ist nur mehr als lächerlich zu bezeichnen!

Antworten Gast: Mit der Zensur soll man sich nicht anlegen, oft probiert, nix erreicht!
19.07.2012 22:36
1 0

Re: Die Zensur

ist das eine Fangfrage???

Antworten Antworten Gast: Einefragehättichnoch
19.07.2012 23:49
1 0

Re: Re: Die Zensur

Sie erkennen eine Fragestellung...?!

Gast: Der Erdo kann
19.07.2012 21:52
3 0

Die ganze Damaskus-Geschichte hat etwas von einer Verzweiflungstat

Nachdem ja die Rebellenhochburg Homs bereits von Assad zurückerobert wurde, und die Rebellen ja allem anscheinend nach nur noch wenige Gebiete kontrollieren, hat dieser Angriff auf Damaskus, noch dazu nur mit leichten Waffen, etwas verzweifeltes. Sieht so aus, als ob alle verfügbaren Kräfte die man in die Stadt bringen konnte, zu einem Angriff auf die Führungsspitze zu formieren, in der Hoffnung genug Mitglieder der Assad-Regierung zu ermorden um sie kollabieren zu lassen. Vermutlich ists schnell vorbei mit der Rebellion wenn dass schief geht.

Antworten Gast: Der Erdo kann
20.07.2012 01:02
0 0

Re: Die ganze Damaskus-Geschichte hat etwas von einer Verzweiflungstat

Freu mich schon drauf, zu sehen wie der allerüber besteste Freund und Urlaubskollege hinterher zu Kreuze kriecht und seine Unterstützung für diese Bande erklären will.
Um seinen Schrottflieger ists ja ganz plötzlich sehr ruhig geworden.

Gast: hmm
19.07.2012 20:18
7 0

und?

Die Variante, dass das Baathregime in Syrien noch Kraft genug hat um die Insurgenten zu liqidieren steht außerhalb jeder Denkmöglichkeit?

Siehst gut aus für die AKTIVISTEN?

*lol*

Gast: schonwiedereingast (dauerzensuriert)
19.07.2012 20:07
7 4

der Medienkrieg hat begonnen

es soll der Eindruck erweckt werden, die syrische Regierung wäre am kollabieren, man schreibt schon den Endkampf herbei, obwohl der Kampf nocht nicht mal begonnen hat, vielleicht 1000 Rebellen haben auch gar keine Chance gegen die syr. Armee, das merkt ja jeder Tafelklassler;
Goebbels wäre beeindruckt gewesen


Gast: oldrongar
19.07.2012 19:13
0 0

Hmmmmm

..........denen Machthaber Assad und ein Teil der Führungsschicht angehören (siehe Grafik).

Welche Grafik bitte ?


Gast: fin
19.07.2012 18:48
2 1

interessant finde ich.....

...dass der Mann ohne Kopfebeckung länger lebt, als die Männer mit der Kopfbedeckung....das heisst praktisch, Kopfbedeckungen können gefährlich sein, müssen nicht gefährlich sein....ich finds einfach traurig, was da jetzt in Syrien abging, der Assad schaut irgendwie aus, wie einer von uns, da gibts viele z. B. im Mühlviertel oder Waldviertel, ich kenne einen, der Hansi B., der schaut aus wie ein Zwillingsbruder von ihm, aber man sollte halt nicht NUR aufs Äussere achten....trotzdem schade, dass es da keinen anderen Weg gab! fin

Antworten Gast: dis
19.07.2012 20:00
1 0

Re: interessant finde ich.....

Vielleicht ist das seine neue Exilidentität im Waldviertel? "Griaß Eich, i bin da Bascha, aahh Hansi moan i!"